Bildungsnotstand bei Lars Klingbeil: SPD kämpft schon „seit 156 Jahren“ gegen Faschismus

0
Da winkt sogar Willy Brandt ab: Klingbeil (r.) (Foto:Imago/Photothek)

Wie schlimm es um die Allgemeinbildung in Deutschland steht, das demonstrierte gestern abend SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil höchstpersönlich: Auf Twitter erklärte er anlässlich des Jahresauftakts der SPD, seine Partei bekämpfe seit 156 Jahren den Faschismus. Bloß: den gab es da noch lange nicht. Der Begriff wurde erstmals um 1900 im Italienischen gebraucht, das, wofür er später ideologisch stand, trat erstmals vor knapp über 100 Jahren in Erscheinung (ebenfalls in Italien).

Im täglichen Bullshit-Bingo der hohlen Phrasen und zur Farce verkommenen politischen Begrifflichkeiten von einst fällt diese lachhaft falsche Einordnung durch einen Spitzen-SPD-Mann zum Glück so wenig ins Gewicht wie seine Partei insgesamt – der wankelmütige, hyperventilierende Mickey-Mouse-Club der Dauerentrüsteten, den die heutigen Erben Lasalles, Ollenhauers und Brandts verkörpern, ist in der Gegenwart entbehrlich und hat erst recht keine Zukunft. Alles was ihm bleibt, ist eine große Geschichte – und was davon in den Schädeln der blass-mediokren Funktionäre hängengeblieben ist, das beweist Klingbeil hier eindrucksvoll. Dass der Mann einen Magister Artium in Politikwissenschaften hält, blamiert dann die politologische Zunft gleich mit.

Screenshot:Twitter

„Gemeinsam gegenhalten bei Faschismus“, und das „seit 156 Jahren“. Zu diesem Tweet kann man wahrlich nur sagen: „Faschissen“! Was erklärt Klingbeil als nächstes? Dass die SPD schon im alten Rom für Frauenrechte eintrat, für Migrantenrechte bei der Völkerwanderung eintrat, von Karl dem Großen den Mindestlohn forderte, für Diskriminierungsverbote bei den Wikingern kämpfte oder im Dreißigjährigen Krieg ein Verbot der Landminen verlangte?

Die SPD ist gut beraten, Klingbeil um Gottes Willen nie in eine Quizshow wie „Wer weiß denn sowas“ zu entsenden. Selbst Elton könnte ihm dort noch etwas beibringen. Bei der Bundes-SPD ist der Mann gut aufgehoben: zum gegenwärtigen Vorstandspersonal der Genossen passt er wie die Faust aufs Auge. Sawsan Chebli ist, so scheint es, in SPD-Kreisen nicht länger die einzige Experte für bildungsfern-absurde Social-Media-Postings. (DM)