Waffengewalt in Schweden: Chirurgen sollen jetzt in Südafrika dazu lernen

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Symbolfoto:Von StockHouse/shutterstock

In Schweden steigt die Zahl der Messer- und Schusswaffenopfer. Eine Herausforderung für das medizinische Personal. Deshalb sucht man jetzt Rat bei den Expertenkollegen im fernen Südafrika – dem Land mit den meisten Kugelopfern weltweit.

Ab 2021 will die betroffene Provinz Västra Götaland schwedische Chirurgen für drei Monate nach Johannesburg schicken, damit sie dort einen besseren Umgang mit Schuss- und Messerwunden erlernen können. Das Programm, bei dem Chirurgen für jeweils drei Monate in die Stadt Johannesburg reisen, wird den schwedischen Chirurgen aufgrund der Häufigkeit von Gewaltverbrechen in der Stadt mehr Erfahrung mit Schusswunden ermöglichen, berichtet der Sender Sveriges Radio.

Ragnar Ang, der Chefarzt der Unfallstation von Sahlgrenska, arbeitete in der Vergangenheit selbst in einem südafrikanischen Krankenhaus und glaubt, das Programm würde Chirurgen die Möglichkeit geben, in wenigen Monaten mehr Patienten mit solchen Verletzungen zu behandeln, als sie normalerweise in einem Jahr in Schweden unters „Messer“ bekommen würden.

In Schweden liegt die Zahl der Waffennutzung auf hohem Niveau. Allein im vergangenen Jahr sind in Schweden 33 Menschen durch Schusswaffen ums Leben gekommen, berichtet The Local.

2018 gab es in ganz Schweden 306 Schussvorfälle mit 45 Todesopfer und 135 nicht tödlichen Verletzungen. 2017 lag die Zahl der Gewaltdelikte, bei denen Schusswaffen benutzt wurden laut The Local bei 324. Dabei kamen 43 Menschen ums Leben,  139 wurden verletzt.

Nach Angaben der Polizei ist die Zahl der Schießereien an den meisten Orten – einschließlich der Hauptstadt Stockholm und der südlichen Stadt Malmö – konstant geblieben, aber in einigen Regionen und insbesondere in Nordschweden ist sie in den letzten drei Jahren stark angestiegen. Insgesamt seien im Jahr 2019 bis zum 31. Oktober 268 Schießereien in ganz Schweden gemeldet worden.

Der schwedische Parteichef der gemäßigten Partei, Ulf Kristersson, äußerte sich im Juli 2019 zu dem Phänomen und erklärte, das Ausmaß der Waffengewalt sei „extrem für ein Land, das sich nicht im Krieg befindet“.

Der Leiter des schwedischen Sicherheitsdienst (Säpo) Anders Thornberg warnte laut Breitbart, dass die Bürger nicht damit rechnen sollten, dass das Problem der Waffengewalt bald verschwindet. Er glaubt, dass sich das derzeitige Niveau im kommenden Jahrzehnt halten werde.

In einem Interview mit dem finnischen Sender Yle erklärte Thornberg Anfang des Jahres, dass die Gewalt, die größtenteils auf kriminelle Bandenaktivitäten zurückzuführen ist, hoch bleibt, obwohl die Gefängnisse des Landes voll sind: „Die Gefängnisse in Schweden sind voll, die Haftanstalten sind voll, die Institutionen sind voll, die Einrichtungen für Minderjährige sind voll. Trotzdem gibt es ungefähr die gleiche Anzahl von Schießereien, obwohl die Polizei mehr Waffen und Drogen beschlagnahmt als jemals zuvor “, so Thornberg über die steigende Kriminalität in Schweden.

Deshalb nun offensichtlich der Blick nach Südafrika, denn dort ist man den Umgang mit den Gewaltopfern gewohnt. Laut der Anti-Waffenorganisation Gun Free South Africa werden in Südafrika täglich 23 Menschen landesweit mit Hilfe von Schusswaffen getötet. (MS)