Kritik an muslimischem Antisemitismus ist tabu: Was von Auschwitz übrigblieb

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Heutige Gedenkzeremonie in Auschwitz-Birkenau (Foto:Imago/AgenciaEFE)

Wie in Deutschland des 75. Jahrestags der Auschwitz-Befreiung gedacht wird, unterstreicht in besonders bitterer Klarheit eines: Anstelle der einstmals national-kollektiv zum Ausdruck gebrachten emotionalen Annäherung an dieses Datum, die zwischen rememorierter Bestürzung, Trauer und auch Dankbarkeit für die erzwungene Beendigung eines epochalen Menschheitsverbrechens oszillierte, ist ein inhaltsleeres, formelhaft heruntergebetetes Ritual getreten, das längst einem ganz anderen, schnöden Zweck dient: Der Bekämpfung eines rechtsextremen Phantoms, in was auch immer es hineingedichtet wird – und dessen Reinkarnation gegenwärtig in der AfD und allen anderen Vertretern des Konservatismus erkannt wird.

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand, mit dem allmählichen Wegsterben der letzten Zeitzeugen greift eine Historisierung des Schreckens Platz, tritt Überlieferung an die Stelle von Erinnerung – und so rührt sich kaum mehr Gegenrede, wenn der Nationalsozialismus und alles, wofür er stand, heute schamlos verharmlost und entwertet wird, wenn er inflationär gleichgesetzt wird mit missliebigen tagespolitischen Forderungen zu Zuwanderungsbegrenzung oder zur Verteidigung der eigenen Leitkultur. Begrifflich wird die Gesinnung, die einst in der fabrikmässigen Vernichtung von Menschen mündete, mit Migrationskritik, mit Kultur- und Identitätsbehauptung auf eine Stufe gestellt: NS-Geschichtsaufarbeitung der perversesten Sorte.

Gedenken an eine nicht allzu ferne Vergangenheit ist nicht möglich, ohne den Bogen zur Gegenwart zu spannen und bedenkliche aktuelle Parallelen zur einer damaligen fatalen Entwicklung zu detektieren, die am Ende alleine in Auschwitz 1,1 Millionen Menschenleben forderte. Dass es einst der deutsche, ultranationalistische, rechsextreme Antisemitismus war, sollte allerdings nicht bedeutet, heute nur nach Rechtsextremen Ausschau zu halten und die Wahrnehmungsfilter von heute an den Tätern von vorgestern auszurichten. Genau dies aber geschieht.

Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Fakten

Selbstverständlich existiert auch heute rechtsextremer Antisemitismus – doch er stellt bei weitem nicht die größte Gefahr für die Juden Europas und auch Deutschlands dar. Laut einer aktuellen EU-Umfrage unter Juden nennen diese selbst als häufigste Tätergruppen: Radikale Muslime (30 Prozent), Vertreter der linken Szene (21 Prozent), eher „unpolitische“ Arbeits-, Schulkollegen oder den Bekanntenkreis (16 und 15 Prozent). Erst an letzter Stelle mit 13 Prozent erwähnen sie Rechtsexteme. Selbst politisch eher unverdächtige Medien wie der „Tagesspiegel“ berichteten darüber, dass 56 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime antisemitischem Gedankengut nachhängen.

Die linke Gegenreaktion folgte auf dem Fuße: Prompt bekundete die muslimische SPD-Politikerin Sawsan Chebli, Abkömmling palästinensicher Einwanderer, ihre „Empörung“ und twitterte mit Schaum vorm Mail drauflos:

Screenshot:Twitter

Noch weniger „fassen“ konnten Amthors Verlautbarungen Vertreter der „Linken“, deren Parlamentarischer Geschäftsführer Jan Korte seine vollständige Ignoranz gegenüber den eigentlichen Verhältnissen im Land offenbarte: „Ausgerechnet in Berlin, ausgerechnet am Gedenktag für den bürokratisierten, industriellen Massenmord der Deutschen an sechs Millionen Juden auf so eine Idee zu kommen – das zeigt das ganze Ausmaß des Problems in diesem Land“, so Korte laut „Merkur„.

Aha: Es ist also ein „Problem“, auf den eigentlichen Hauptvektor des aktuellen Antisemitismus der Gegenwart zu verweisen, von dem tatsächlich eine „Wiederholung der Geschichte“ zu befürchten ist – die muslimische Judenfeindlichkeit, die in Deutschland größtenteils importiert ist und mutwillig geduldet wird? Chebli und Korte bringen hier in schönster Selbstentlarvung zum Ausdruck, als wessen politische Anwälte sie sich in Wahrheit begreifen: Sie gerieren sich als Schutzpatrone einer muslimischen Massenimmigration, deren Begünstigte gegen jede noch so begründete Kritik verteidigt werden. Nichts darf die voranschreitende Islamisierung aufhalten, schon gar nicht der Hinweis auf virulenten Antisemitismus. Da ist sogar das Auschwitz-Gedenken nicht mehr heilig, das mit einem erinnerungspolitischen Reinheitsgebot für Gegen-Rechts-Alarmismus belegt werden soll.

Die Linke scheut die Konfrontation mit den Folgen ihrer Willkommenskultur

Das ewige Axiom, nur Rechtsextreme seien eine Bedrohung für jüdisches Leben, ist für viele politische Linke in ihrer orthodox-dogmatischen Fixierung argumentativ überlebensnotwendig, weil sie den hier lebenden Muslimen um jeden Preis die Rolle andichten wollen, in der die deutschen Juden der 1930 Jahre waren: Die einer zunehmend bedrohten Minderheit. Aus dieser grotesk fakten- und tendenzwidrigen Annahme heraus meinen sie dann, wie schon Henryk Broder treffend schrieb, „an den Muslimen das wiedergutmachen zu müssen, was unsere Vorfahren an den Juden verbrochen hatten“.

Wer, wie heute Amthor, Tatsachen benennt und den islamische Judenhass zutreffend – und übrigens mit Blick auf den heutigen Gedenktag: gerade zum richtigen Anlass – thematisiert, provoziert damit zwingend den Aufschrei der Muslim-Lobby – und das sind praktisch alle linke Parteien, aber auch Teile der Union. Denn solche Wahrheiten ausspricht, greift die sakrosankte Schutzgemeinschaft der Muslime an, die nach gängigem Narrativ immerdar Opfer sind, die sich gegen „Islamophobie“, Fremdenfeindlichkeit oder „völkischen“ Assimilationsdruck erwehren müssen. Das Schweigen zu den real existierenden islamischen Anfeindungen und Angriffen gegen Juden und jüdische Einrichtungen steht in direkter Kontinuität der linken Solidarität und Waffenbrüderschaft mit vorgeschützter „Israelkritik“, dieser Neologismus für alten eingefleischten Antisemitismus, die alle Strömungen bis hin zur Hamas einschließt und palästinensischen Terror als angebliche kulturelle Selbstbehauptung eines imperialistisch unterdrückten Volkes billigt.

Der andere Grund, warum gerade heute mit solchem Geifer auf all jene Stimmen der Wahrheit eingedroschen wird, die den muslimischen Antisemitismus offen ansprechen: Für linksgrüne Politiker bedeutet diese Kritik die peinliche Konfrontation mit den negativen Folgen der eigenen Wilkommens- und Zuwanderungspolitik. Vor allem die SPD verschließt fatal die Augen vor dem Dilemma, in das sie ihr Migrationsfetischismus gebracht hat. Immer mehr pragmatische Genossen halten die Ignoranz nicht mehr aus und kehren der Partei den Rücken: Zuletzt war es der Essener Sozial- und Integrationspolitiker Karl-Heinz Endruschat, der resigniert sein Parteibuch zurückgab, weil er in den eigenen Reihen für seine schonungslose Kritik an „umkippenden Stadtteilen“, an überall voranschreitender Islamisierung pausenlos angefeindet worden war. „Die SPD hat in Essen, in NRW und im Bund kein Interesse , die Probleme rund um Zuwanderung auch nur anzuerkennen“, so Endruschats bitteres Fazit. Dass die Partei nicht nur einen anhaltenden Linksruck, sondern auch eine innere Muslimisierung durchläuft, attestiert ihr auch ihr gegenwärtig prominentester Kritiker Thilo Sarrazin, der heute in einem Gastbeitrag für die „Bild“ schreibt, die SPD werde zunehmend von „fundamental orientierten Muslimen“ dominiert – und hierfür stichhaltige Belege anführt.

Um von hausgemachten Problemen mit Migranten und insbesondere Muslimen abzulenken, darf daher an dem heutigen Datum nichts unversucht bleiben, umso leidenschaftlicher rechtsxetreme Bedrohung manisch zu beschwören – und, praktischerweise, dabei gleich wieder gegen die AfD als politischen Hauptgegner der Zuwanderungs- und Islamisierungspolitik Stimmung zu machen. Auch für parteipolitische Zwecke darf das NS-Verbrechensgedenken gerne instrumentalisiert werden. Denn was wäre Auschwitz ohne die AfD!

Die AfD ist an allem schuld

Sogar Bayerns CSU-Ministerpräsident Söder besorgt freimütig das Geschäft aller Leugner islamistischer Judenfeindlichkeit, indem auch er der AfD „beim Anwachsen der Judenfeindlichkeit eine ganz zentrale Rolle“ zuerkennt. Er beschuldigte insbesondere den „Flügel“, den Antisemitismus wieder „hoffähig“ machen zu wollen, denn dessen Kurs sei „eindeutig eine Vorstufe des Antisemitismus“, so Söder gestern im ARD-„Bericht aus Berlin“. Es sind dieselben bösartigen, durch nichts belegten und objektiv faktenwidrigen Anwürfe, mittels derer schon nach dem Halle-Attentat künstlich versucht wurde, eine irgendwie geartete Verbindung zwischen dem ost-deutschen Neonazi-Milieu und der AfD herzustellen, die von Ralph Stegner und Konsorten als deren in unsäglichen Hetz-Tweets als „politischer Arm des Rechtsradikalismus“ verunglimpft wurde. Bizarrerweise geschieht dieses wahnhafte Konnotierung unter Verweis auf den sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), dessen Zwei-Mann-„Zelle“ drei Jahre vor Gründung der AfD durch Doppelselbstmord in Flammen aufgegangen waren.

Nachdem damit der CSU-Chef den Pfad vorgetrampelt hatte, auf dem das Auschwitz-Gedenken der Union zu laufen hat, wurde prompt Philipp Amthor zurückgepfiffen – und anscheinend innerparteilich derart unter Druck gesetzt, dass er prompt widerrief: „Natürlich geht die größte Gefahr von Rechtsextremisten aus!“ erklärte er reumütig gegenüber der dpa, um noch nachzusetzen: Er fühle sich „missverstanden“. Missverstanden für Wahrheiten, die er selbst noch Stunden zuvor offen ausgesprochen hatte?

Auch ausgerechnet die organisierten Vertreter des Judentums verquickten anlässlich des heutigen Gedenktages wieder einmal Erinnerung mit Projektion, und halten mit fast schon traditioneller Gebetsmühlenhaftigkeit an einem antisemitischen Täterprofil fest, das sich nicht nur überlebt, sondern fundamental gewandelt hat: Hartnäckig leugnen auch sie, dass es längst nicht mehr die biederen Normaldeutschen, die autochtonen Bundesbürger sind, aus deren Mitte ihnen eine potentielle Neuauflage der damaligen Verfolgungsspirale – Ausbürgerung, Entrechtung, Ghettoisierung, Vernichtung – droht. Sie wollen nicht wahrhaben oder wagen jedenfalls nicht auszusprechen, dass es die hier angeblich „dazugehörenden“ Landleute, Volksgenossen und Glaubensbrüder derselben Kulturvertreter sind, die im Nahen Osten Raketen auf Israel feuern, jüdische Familien entführen und abschlachten, Juden mit Schweinen und Insekten gleichsetzen und im Freitagsgebet die Vernichtung Israels skandieren.

Es ist ein großes Ärgernis, dass sich ausgerechnet einsichtsbefähigte und intellektuell beschlagene jüdische Persönlichkeiten, wie etwa Publizist und TV-Moderator Michel Friedmann oder die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, willfährig vor den Karren der Altparteien spannen lassen und den heutigen Gedenktag so durch ehrlose Verhetzungsmanöver mitentwerten. Knobloch bezeichnete die AfD als „eine Ursache des neuen Judenhasses“, und Friedman behauptete: Es gäbe zwar „auch Antisemiten unter den Wähler anderer Parteien, aber bei der AfD ist das konzentriert“. Belege für diese These? Fehlanzeige. Auch fand Friedmann es laut „Merkur“ „beunruhigend“, dass mit der AfD erstmals eine Partei im Bundestag vertreten sei, „die den Hass repräsentiert“. Zur Stützung dieser inzwischen gebetsmühlenartig vorgetragenen Unterstellung fiel Friedmann dann bezeichnenderweise nur die „Vogelschiss“-Metapher ein – jene zwar unglückliche, aber nachweislich grotesk und bösartig aus dem eigentlichen Kontext gerissene Äußerung Alexander Gaulands, die seit über eineinhalb Jahren als Feigenblatt für die These der NS-verharmlosenden AfD herhalten muss.

Auch die jüdischen Vertreter tanzen im Reigen der Altparteien 

Etwas besseres lässt sich offenbar mehr nicht finden – mit Ausnahme einer weiteren dauerwiederholten, aberwitzigen und absichtlichen Fehlinterpretation: Die vom „Mahnmal der Schande“. Aus dem Mund von Björn Höcke muss sich „Schande“ natürlich zwingend auf das Denkmal beziehen, im Sinne einer entehrenden Selbstbeleidigung der Deutschen. Dass das Denkmal für die ermordeten Juden Europas selbstverständlich einer Schande gemahnt – nämlich jener, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und dass Höcke sein Zitat daher deskriptiv, nicht etwa normativ gemeint haben könnte: Das darf bis heute nicht gedacht und ausgesprochen werden. Auch der Schandmal-Aufreger darf am heutigen Auschwitz-Befreiungsjubiläum natürlich nicht fehlen – vorgebracht von Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil, der dieses dümmlich aufgebauschte Skandalon als „eine von vielen Äußerungen von Spitzenpolitikern der AfD“ anführte, die „dem Antisemitismus das Feld bereiten“ und so „intellektuell den Boden für andere öffnen, die darauf weitermachen“.