„Albanische Hütchenspieler“: Jetzt steckt auch Lanz in der Rassismus-Falle

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Hütchenspieler Mitte Januar in Berlin (Foto:Imago/Joko)

Wie schnell man sich hierzulande als Haltungsjournalist selbst ins angebräunt-rassistische Nirwana schießen kann, lernt derzeit grade ZDF-Plaudertasche Markus Lanz: Weil ihm in seiner Sendung am Donnerstag in der hitzigen Diskussion mit Verkehrsminister Andreas Scheuer ein launiger Spruch über „albanische Hütchenspieler“ entfleuchte, steht er nun am öffentlichen Pranger. Und jetzt nimmt sich auch noch Albaniens Ministerpräsident Edi Rama, der morgen in Deutschland auf Staatsbesuch ist, den Südtiroler Talkhorst vor und attackiert Lanz sowie ZDF scharf.

„Ich bin sehr überrascht, dass man in einem so bekannten Fernsehsender wie dem ZDF diese Art von Sprache hören kann. Ich weiß nicht, ob dies ein unschuldiger Fehler oder eine rassistische Fehlkennzeichnung der Albaner als Volk ist, aber es ist eindeutig ein schändlicher Satz“, erklärte Rama, der am Sonntag zu einem Besuch in Berlin erwartet wird, gegenüber „Bild„. Albanische Politiker hatten in der Vergangenheit mit pejorativen Darstellungen ihrer Landleute in westlichen Medien und Filmproduktionen einige Probleme, zuletzt etwa mit der „Taken“-Trilogie mit Liam Neeson, in denen finstere Kidnapper und Mörder albanischer Provenienz ihr Unwesen trieben. Vielleicht ist Rama daher sensibilisiert.

In jedem Fall scheint er gute PR-Berater zu haben: Denn mit dieser Aussage drischt er zielgenau auf den Solarplex der deutschen Empörungsjünger in Medien und Netzöffentlichkeit, die in 24/7-Taktung praktisch nichts anderes zu tun haben, als alles und jeden einer rassistischen, fremdenfeindlichen Gesinnung zu überführen. Es gibt nämlich, wie wir wissen, gar keine Deutschen, die nicht insgeheim Nazis sind. Es gibt nur etliche, die bisher noch nicht entlarvt wurden oder sich geoutet haben.

In der hitzigen „Lanz“-Sendung vorgestern abend war es um die Blamage um die PKW-Maut gegangen, die CSU-Scheuer (der das Vorhaben politisch verhunzt hatte) als von der ökologischen Lenkungswirkung her bestmögliche Variante zur Kostenbeteiligung des Autobahnverkehrs vehement verteidigte. Lanz wollte darin wissen, ob diese dann nur für Ausländer gelte. Scheuer antwortete: „Natürlich für alle!“, woraufhin Lanz ihn anpflaumte, er solle „keine Märchen erzählen“, und auf Scheuers Entgegnung hin, seine Rechtsauffassung seine eine andere als die des EuGH, erklärte „Das ist jetzt das Niveau albanischer Hütchenspieler“. Dafür habe er, stellte „Bild“ entsetzt fest, „auch noch Applaus“ bekommen.

Wegen Scheuer die Nerven verloren

Dass Lanz auf die Hütchenspiel-Nummer verfiel, hat natürlich nicht das Geringste mit Rassismus oder volksgruppenbezogenen Vorurteilen zu tun; das sei zu seiner Ehrenrettung gesagt. Hütchenspieler waren jahrzehntelang in Deutschland eine Realität, und etliche von ihnen stammen in der Tat vom Balkan; auch heute noch kommt es gelegentlich zu einzelnen Zwischenfällen (obwohl sich kaum noch Dumme finden, die auf diese Betrugsmasche hereinfallen). Erst im vergangenen Mai zockte eine entsprechend spezialisierte Profi-Bande aus Nordmazedonien und eben Albanien unter anderem in Berlin-Mitte im großen Stil Touristen ab. Doch auch aktuell sind immer wieder „südosteuropäische“ Hütchenspieler in Deutschland anzutreffen. Falsch ist der Lanz-Ausspruch daher objektiv nicht, zumal er mit keiner Silbe impliziert, alle Albaner seien Hütchenspieler.

Doch Rama war ebenso außer sich wie unzählige Twitter-Kommentatoren, die die „Entgleisung“ von Lanz nicht stehenlassen wollten. Es sei „nicht das erste und auch nicht das letzte Mal“, wetterte der Ministerpräsident, „dass Albaner zur Zielscheibe fauler Journalisten werden“. Komme dies jedoch „von einem hoch angesehenen Medienunternehmen wie dem ZDF durch jemanden mit dem besonderen Ruf von Herrn Lanz“, dann sei dies besonders schmerzhaft.  „Eine Entschuldigung in der Sendung würde es als unschuldigen Fehler entlarven, während das Gegenteil noch verletzender wäre als die schändliche Verurteilung selbst“, forderte Rama. Vermutlich wurde Lanz dazu schon längst vom Rundfunkrat aufgefordert – denn sollte er auf diesen Bußgang in der nächsten Sendung verzichten, dürften seine Tage als Moderator gezählt sein. (DM)