Chinesische Batteriezellen, afrikanischer Wasserstoff: Deutschland macht sich im grünem Elektro-Wahn immer abhängiger

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Foto:Von Maridav/shutterstock

Mitten im Rausch folgt bereits die Katerstimmung: Noch bevor der vielgepriesene Elektro-Boom der deutschen Automobilindustrie die angeblichen goldenen Zeiten bescheren kann, droht die Branche in Problemen zu versinken. Zu den Konversionsschwierigkeiten und fatalen Folgen für die Arbeitnehmer kommen jetzt noch ungelöste technische Fragen und gefährliche wirtschaftliche Konsequenzen, die Deutschland in neue Abhängigkeiten stürzen könnten.

Vor allem die fast monopolistische Marktbeherrschung durch Staaten wie China und Korea in Schlüsselelementen, die für die Verwirklichung der Elektromobilität unerlässlich sind, wird die Autoindustrie als Backbone der deutschen Wirtschaftsmach erpressbar machen – und damit den deutschen Wohlstand in bislang unvorstellbarem Ausmaß vom Wohlwollen unzuverlässiger Drittstaaten abhängig werden lassen.

Der Betriebsratschef des Autokonzerns Daimler, Michael Brecht, warnt jetzt vor schweren Problemen beim Übergang zur Elektromobilität: Gegenüber dem „Manager Magazin“ erklärte Brecht, die deutsche Industrie mache sich von den auf dem Weltmarkt derzeit dominierenden Batteriezellproduzenten „gefährlich abhängig“. Vor allem die fernöstlichen Konzerne CATL und LG Chem bildeten „mächtige Oligopole“, die die „Verfügbarkeit und Preise der Zellen“ nach Belieben steuern könnten.

Ein Ausweg könnte in einer europäischen Wirtschaftspolitik zum Thema Batterie bestehen, über die die EU sicherstellt, dass asiatische Oligopole ihre Macht nicht missbrauchen. Doch ob diese Regeln für die Batterieproduktion zwischen China und Europa wirklich beschlossen und vor allem von den Asiaten anerkannt werden, ist Wunschmusik. Fraglich ist etwa, ob die Zellhersteller auch eigene Werke in Europa bauen würden, damit die Hauptabnehmerstaaten von der Produktion vor Ort profitieren – denn jede Batterien-Gigafabrik bringt immerhin rund 2.000 Arbeitsplätze.

Unabsehbare volkswirtschaftliche Risiken

Doch solange es diese „fairen“, transparenten und verlässlichen Handelsbeziehungen nicht gibt, besteht vor allem für den Autobau-Giganten Deutschland die Gefahr potentieller Engpässe oder unerwarteter Preisaufschläge – ob künstlich herbeigeführt oder temporär durch natürliche Lieferschwankungen verursacht. Unsere bedeutendste volkswirtschaftliche Industrie wird damit mit Unsicherheiten behaftet, die gravierende Auswirkungen für Millionen Deutsche haben könnten. Und weil die mit planwirtschaftlicher Einseitigkeit, störrisch-verbohrt von der Bundesregierung durchgeboxte Fixierung auf die E-Technik, alternative ökologische Antriebstechniken politisch frühzeitig abgewürgt werden, fokussiert sich alles auf Batteriezellen und Elektroautos – mit der Folge, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren massiv steigen wird; allein der Volkswagen-Konzern, so die „dts Nachrichtenagentur“, will bis 2025 mindestens drei Millionen Elektroautos verkaufen.

Anstelle der bisherigen, von grünen Reformern und „Klimaschützern“ seit Jahren gegeißelten einseitigen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und den sich daraus ergebenden politischen Abhängigkeiten – ob OPEC-Staaten oder Russland beim Erdgas – werden damit bereits neue Ersatzabhängigkeiten geschaffen, noch bevor die E-Technik überhaupt echte Marktrelevanz entfaltet. Für eine angeblich nachhaltige Zukunftstechnologie, mit der Deutschland wieder einmal eine Vorreiterrolle auf dem Weltmarkt bestreiten will, ist dies mehr als nur ein Geburts- oder Schönheitsfehler; es ist ein Systemfehler  -denn die Nachfrage nach Batteriezellen wird absehbar „deutlich höher als das Angebot“ sein, so der Vorstand einer VW-Marke, und daran werde sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

„Fast schon naiv“ nennt Brecht daher die Planungen der Daimler AG, bereits bis 2025 ein Viertel ihrer verkauften Autos mit reinem Batterie- oder Plugin-Hybrid-Antrieb auszustatten und hierbei annehmen, „Zellen in der gewünschten Qualität und Menge“ problemlos geliefert zu bekommen. Denn die Zellhersteller hätten zum Teil gar nicht die nötigen Kapazitäten, um sämtliche Verträge zu erfüllen; zum anderen benötige nicht nur Daimler „dringend mehr Know-how in der Zellfertigung“. Bis Deutschland hier jedoch eigene Patente und Verfahren umsetzt, gehen nochmals Jahre oder Jahrzehnte ins Land – in denen aber doch die groß angekündigte „E-Revolution“ bereits Wirklichkeit werden soll.

Grüner Wasserstoff vom schwarzen Kontinent

Apropos „groß angekündigte Revolutionen“: Eine weitere grüne Sau, die derzeit durchs klimakorrekte Dorf getrieben wird, ist neben der E-Mobilität der „grüne Wasserstoff“, der im großen Stil aus Afrika importiert werden soll. CDU-Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will so die deutsche Energiewende retten: „Der grüne, importierte Wasserstoff ist das Öl von morgen“, schwärmte Karliczek im „Spiegel“. Ziel sei es, bis 2050 den deutschen Energiebedarf „zu über 50 Prozent aus importiertem, nachhaltig erzeugtem Wasserstoff“ zu decken.
Im Februar diesen Jahres werde die Bundesregierung ihre Wasserstoffstrategie vorlegen. „Wir sind mit Australien im Gespräch und vor allem mit afrikanischen Staaten“, so die Forschungsministerin weiter. Die dortigen klimatischen Bedingungen würden „eine deutlich effizientere und damit billigere Produktion von grünem Wasserstoff ermöglichen als hierzulande“.

Visionen, die früher nur in Unilesungen verstiegener Umweltingenieure, Vorträgen grüner Professoren und Croquises spinnerter Privatgelehrter Erwähnung gefunden hätten, sind mittlerweile Sachpositionen der Bundesregierung: Die Ideologie hat voll durchgeschlagen. Karliczek gerät ins Schwärmen, wenn sie verkündet: „Deutschland verkauft die Technik… Windräder, Meerwasserentsalzungsanlagen und Elektrolyseure. Im Gegenzug verkaufen uns die Partner in Afrika die Energie, die sie mit deutscher Umwelttechnik herstellen“. Deshalb erstellt die Bundesregierung derzeit einen „Atlas für Afrika mit den besten Standorten“. Per Schiff könne der Wasserstoff dann „etwa in Form von Ammoniak nach Europa transportiert werden“. Außer Flüchtlingsbooten demnächst also auch noch Ammoniakboote vom Schwarzen Kontinent?

Es stimmt: Wasserstoff hat ein riesiges Potenzial als Energieträgers hervor. Wieso muss er dann aber ausgerechnet für den Straßen-, vor allem Individualverkehr außen vor bleiben soll, aber bei der nationalen Energieversorgung eine Rolle spielen?  Deutschland will jedenfalls auch hier wieder, drunter macht man es nicht mehr, der messianische Vorreiter sein: „Wir müssen das „Wasserstoff-Innovationsland auf der Welt werden… Europa wartet auf uns. Wir wollen Trendsetter werden und haben keine Zeit zu verlieren“. Das sagt nicht irgendeine grüne Sektenführerin oder ein Startup-Gründer beim Crowdfund-Erbetteln, sondern die deutsche Forschungsministerin. (DM)