Wer’s glaubt: AfD-Wähler sollen angeblich „kaum Nachrichtenquellen“ nutzen

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(Symbolbild:jouwatch)

Neuester Versuch, mit pseudowissenschaftlichen Methoden AfD-Wähler zu diffamieren: Diesmal sollen sie statistisch gemeinsam mit Nichtwählern zur bildungsfernen, uninformierten „tumben Truppe“ erklärt werden, die angeblich wenige „Nachrichtenquellen“ nutzen. 

„Nicht- und AfD-Wähler sowie Unterstützer von kleinen Parteien, die üblicherweise unter ’sonstige‘ summiert werden, nutzen die wenigsten Nachrichtenquellen“: Zu diesem gewagten Ergebnis kommen Psychologinnen und Psychologen der Universität Ulm, über die das Nachrichtenportal „heise.de“ berichtet – ermittelt anhand einer angeblich repräsentativen Umfrage.

Das Ergebnis der Studie lässt sich unter der Überschrift subsumieren: Alle Vorurteile stimmen, solange sie von den Altparteien und dem linksgrünen Mainstream vorgetragen werden. Zum Beispiel das Klischee der Problemgruppe „Alte weiße Männer“: Kaum überraschend, kommt die Untersuchung zum folgenden Ergebnis: „Ältere Teilnehmende nutzen insgesamt mehr Nachrichtenquellen als jüngere“. Außerdem konsumieren „Männer mehr Informationskanäle als Frauen“.

Inwiefern festgestellte Cluster von übereinstimmenden Positionen auf eine Kausalität hindeuten, wird allerdings überhaupt nicht weiter hinterfragt: So stellt die Studie etwa fest, dass Personen, die mehrere unterschiedliche Quellen nutzen, „vergleichsweise offener und weniger autoritär eingestellt zu sein“ scheinen. Dass diese Eigenschaft tatsächlich Folge eines unterschiedlichen Nachrichtenkonsums ist, wird überhaupt nicht belegt.

Die AfD als Ausfluss von Verschwörungstheorien und in Filterblasen kultivierten Halbwahrheiten – dieser Mythos wird quasi der empirischen Studie zugrundegelegt, und prompt passt das Resultat zur Vorhersage: Insgesamt hätten „junge Menschen, die sich ausschließlich über Newsfeeds sozialer Medien informieren“, ein „vergleichsweise hohes Risiko, in eine Filterblase oder Echokammer zu geraten“. In dieser Blase gefangen zu sein, soll dann für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit sorgen, nicht oder falsch zu wählen – etwa die AfD. Mit dieser fragwürdigen Methodik werden Studienergebnisse produziert, die zur Verunglimpfung breiter Wähler- oder bewusster Nichtwählerschichten geeignet sind.

Filterblasen gleich AfD?

Es fällt auf, dass hier mit „Medienvielfalt“ und „unterschiedlichen Quellen“ undifferenziert die klassischen Medienformate gemeint sind, denen von den Studienautoren anscheinend eine automatische Vielseitigkeit und Seriosität unterstellt wird. Und, welch Wunder: „Jene Teilnehmende, die sich nur offline  – Zeitung, TV oder Radio –  informieren, zeigten „die höchsten Werte in Gewissenhaftigkeit und den geringsten in Neurotizismus“. Wer also fleißig öffentlich-rechtliche Sender und Mainstream-Printformate konsumiert, hat den angeblich den geringsten Dachschaden. Erstaunlich; denn die Alltagserfahrung zeigt eher das Gegenteil.

Dem gegenüber stehen dann die „sozialen Medien“ mit ihren Blasen. Diese „Newsfeed-Gruppe“ soll angeblich das größte Risiko aufweisen, „in einer Filterblase oder Echokammer gefangen zu werden“  – weil ihre  Mitglieder selektiv nur eine Form von Nachrichtenquellen nutzen, in der „auch noch potenziell stark selektierte Informationen“ angeboten würden. Auch hier bleibt die Studie allerdings wieder den Nachweis schuldig, wo hier die Verbindung zur AfD bestehen soll. (DM)