Inhaltsleere Orden für Systemschranzen: Dunya Hayali wird wieder mal für „Zivilcourage“ geehrt

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Dunja Hayali - voller Zivilcourage - auf Tour (Foto:Imago/Agentur54Grad)

Den „Tutzinger Toleranz-Preis“ erhält in diesem Jahr eine der etabliertesten, regierungskonformsten und angepasstesten Figuren im Land, die sich wie die meisten der öffentlich-rechtlichen „Star-Journalisten“ zu allererst als Aktivistin mit einer Mission und weniger als neurale Aufklärerin fühlt: ZDF-Moderatorin Dunya Hayali.

Der zweijährig verliehene Preis in der 2012 eingeführten Kategorie „Zivilcourage“ will Initiativen oder Einzelpersonen würdigen, die sich „für Benachteiligte“ einsetzen. Im Falle Hayalis sind darunter vor allem Zuwanderer und Ausländer zu verstehen – und ihr „Einsatz“ besteht ihm entschiedenen Ankämpfen gegen „Fremdenfeindlichkeit“. Aus demselben Anlass war die irakischstämmige Hayali übrigens bereits vorletztes Jahr mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet worden.

Noch nie war weniger echte Courage nötig, um Preise für „Zivilcourage“ und/oder „Toleranz“ abzuräumen. Einfach mit der breiten Masse mitschwimmen, millionenfach Gesagtes nachplappern und sich aus dem Phrasenbaukasten gutmenschlicher Standard-Statements bedienen, um wohlgesetzte Entrüstung zum richtigen Anlass zu äußern: Mehr braucht es nicht, um heutzutage als Journalist mit dem wohlfeilen Lametta immer neuer Gesinnungsauszeichnungen schmücken zu dürfen.

Die „Courage“, mit der breiten Masse mitzuschwimmen

Welches persönliche Risiko, wäre hier zu fragen, ist eine Dunya Hayali in ihrem „besonderes Engagement gegen Rassismus, Fremdenhass und Rechtsextremismus“ (so laut „Süddeutscher Zeitung“ die Begründung zur Verleihung ) bitte jemals eingegangen? Worin besteht genau die „Courage“? Wir kennen die Antwort schon: Sich nicht vom „Hass“ einschüchtern zu lassen. Die gegen Hayali (wie gegen praktisch jede öffentliche Person aus Politik und Medienbetrieb) eingehenden Anfeindungen im Internet taugen zwar zur Selbststilisierung als permanent bedrohter Märtyrer – doch sie sind angesichts der großen Reichweite und der Prominenz Hayalis nichts Außergewöhnlich. Erstens provoziert Hayali natürlich nicht nur Zuspruch, sondern auch Zorn – der sich aus der sicheren anonymen Deckung des Netzes dann eben in den sozialen Medien entlädt, die Hayali ja ganz gezielt selbst als Plattform wählt. Und zweitens übersteigen die verbalen Attacken auf Hayali quantitativ ganz sicher nicht die Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Vertreter der anderen Seite des Meinungsspektrums.

Diese sind hingegen nicht nur derselben Hetze im Netz ausgesetzt (etwa von Autonomen und gutmenschlichen Blockwarten), sondern überdies auch noch mit permanenter Stigmatisierung und realer Verfolgung konfrontiert: Sperrungen, Löschungen, „Meldungen“, Isolation und Rückzug des privaten und beruflichen Umfelds. Wie oft wurde eine Dunya Hayali in den letzten Jahren auf Twitter oder Facebook gesperrt? War sie je von Berufsverboten bedroht? Im Gegenteil: Wie unzählige andere, die ihren selbstgerechten Sermon mit moralisierendem Gestus tagein, tagaus zum besten geben, erfährt sie von journalistischen Berufskollegen, Vorgesetzten, Politikern und ihrer Fanbase nichts als Schulterklopfer, anbiedernde Zustimmung und wohlwollende warme Duschen. Der Mainstream bauchpinselt seinesgleichen und feiert es als „Mut“.

Frage an die Jury dieses „Toleranzpreises“: Wieso ging diese Auszeichnung eigentlich nicht an den B.Z.-Kolumnisten Gunnar Schupelius, dem bei einem wiederholten Übergriff linksradikaler Krimineller kürzlich das Auto abgefackelt wurde? Der Preis, den er für sein journalistisches Engagement zahlte, ist schon jetzt ungleich größer als aller Unbill, der einer Hayali je drohen könnte. Vermutlich fehlte der Tutzinger Akademie, die Preise für Courage vergibt, dafür selbst die Courage. (DM)