100 Tage journalistische „Schonfrist“? SPD-Geywitz jammert über „unfaire“ Behandlung Saskia Eskens

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Verzweifelte Solidarität im SPD-Vorstand: Geywitz (l,.), Esken, Walter-Borjans (Foto:Imago/Simon)

Berlin – Die stellvertretende SPD-Chefin Klara Geywitz beklagt einen angeblich „unfairen Umgang“ der Medien mit SPD-Chefin Saskia Esken – und fordert allen Ernstes eine Art Karenzzeit von 100 Tagen, die Journalisten der neuen Co-Vorsitzenden ohne kritisches Störfeuer zugestehen sollten. Der Vorstoß beweist, wie verzweifelt die Stimmung in der SPD sein muss.

Dass sogar die notorisch mehr als linkslastige deutsche Medienlandschaft inzwischen kaum ein gutes Haar mehr an Saskia Esken lässt, liegt sicher nicht an mangelndem Wohlwollen, fehlendem Vertrauensvorschuss oder gar einer Kampagnenabsicht. Im Gegenteil: Es liegt an Esken selbst. Inzwischen kommen selbst rote Hardcore-Wahlhelfer nicht mehr umhin, angesichts der haarsträubenden Stilblüten, Fettnäpfchentritte und neosozialistischen Entgleisungen von Seiten Eskens kritische Töne anzuschlagen.

Die wohl eklatanteste Fehlbesetzung in der Geschichte der Sozialdemokratie gibt nicht einmal mehr eine würdige Totengräberin ab. Ihre sachlich falschen Einlassungen zur Kernkraft, Enteignungsphantasien, die sogar die naiven Propagandastücke ihres Stellvertreter Kevin Kühnert toppten oder Berichte über menschlich fragwürdige Verhaltensweisen im Umgang mit Untergebenen vor ihrer nationalen Parteikarriere kosteten Esken erhebliche Sympathien selbst im linken Parteiflügel.

Keine Anfeindungen, weil Esken eine Frau ist, sondern weil sie Blödsinn redet

Deshalb springt ihr jetzt Geywitz bei, die sie – ebenso wie ihren Co-Elendsverwalter Norbert Walter-Borjans, gegen Kritik in Schutz nimmt: Wie „dts Nachrichtenagentur“ unter Berufung auf den „Tagessspiegel“ berichtet, erklärte sie: „Die Häme, mit der manche Journalisten den neuen Vorsitzenden begegnen, finde ich befremdlich“. Vor allem an Esken werde „aktuell sehr harte und hämische Kritik“ geübt. Der Grund liegt für Geywitz auf der Hand: „Weil sie eine Frau ist, wird sie in den Medien negativer beurteilt als Norbert Walter-Borjans“.

Falsch: Esken wird negativer beurteilt als Walter-Borjans, weil sie objektiv mehr Stuß absondert als ihr eher zurückhaltender, angesichts von Eskens Dauerpannen meist betreten dreinschauender Vorstandskollege. Mit „unfairer“ Behandlung hat dies deshalb nicht das Geringste zu tun – eher mit logischem Feedback.

Doch es kommt noch besser: Geywitz fordert außerdem, man solle dem neuen Team an der Spitze der SPD „hundert Tage einräumen, in denen sie sich einarbeiten“. Mit „man“ sind hier natürlich die bösen Journalisten gemeint.

Eine 100-Tage-Schonfrist, die – wenn überhaupt – gewählten Regierungen zugebilligt wird, für das mit großem Tamtam per Urwahl bestimmte Führungsduo einer Partei, die verzweifelt gegen Stimmenschwund und für mehr linkes Profil kämpft und absehbar bald mehr Mitglieder als Wähler haben wird? Dieser Vorstoß ist ein Offenbarungseid für eine angebliche „Volkspartei“: Wer bei Journalisten um Gnade betteln muss, kann gleich eine Nummer ziehen.

Davon abgesehen: Wurde Vorsitzenden oder Fraktionschefs anderer Parteien etwa eine solche Bewährungsfrist je zugebilligt? Was hätten Geywitz und ihre Genossen wohl gesagt, wenn jemand eine solche Schonfrist für Alice Weidel oder AfD-Spitzenfunktionäre ausgerufen hätte? (DM)

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