Kulturbolschewismus total: „Experten“ wollen Münchner Straßennamen säubern

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Die Schnüffel-Stasi nimmt die Straßennamen ins Visier. (Symbolbild:Pixabay)

Autoren unter anderem der frühere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß oder der Erfinder Werner von Siemens aufgeführt, ebenso wie Entdecker Christoph Kolumbus oder der erste Bundespräsident, Theodor Heuss.

Den Anstoß zu dieser bodenlosen Aktion, die an nordkoreanische Geschichtsklitterungsmaßnahmen erinnert, gab – wer auch sonst – die SPD, die sich schon lange nicht mehr ihren ursprünglichen sozialen Zielsetzungen widmet, sondern der gedankenpolizeilichen Haltungs- und Brauchtumspflege. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion ließ der Münchner Stadtrat seit 2016 prüfen, welche Straßennamen mit einem „chauvinistischem, extrem frauenfeindlichem, militaristischem, rassistischem oder antisemitischem, nationalsozialistischem Kontext“ belastet seien.

Diesem Ansinnen widmete sich die dubiose „Expertenkommission“ unter Vorsitz des Stadtarchiv-Leiters Dr. Andreas Heusler fortan mit Hingabe – mit abenteuerlichen Resultaten, die nun vorliegen. Wenn sich Vorurteil und Urteil decken und das erhoffte Ergebnis bereits von vornherein feststellt, fällt die Erstellung historischer Anklageschriften umso leichter.

Scharfrichter des linken Rigorismus

Beim zweiten Entnazifizierungsversuch darf nichts schiefgehen –  diesmal betrifft sie nicht nur einen Zeitabschnitt von zwölf Jahren, sondern gleich die gesamte Geschichte. Alles soll wegamputiert werden, was der linke Rigorismus für „untragbar“ hängt. Die Verengung des gedanklich Erlaubten darf inzwischen sogar Jahrhunderte zurückreichen. Und die belastenden Vorwürfe sind dann sogar noch abstruser als die Argumente, mit denen Politiker der Gegenwart in die Nazi-Ecke gedrängt werden.

So wird von der Kommission etwa Franz-Josef Strauß zum Rassisten gestempelt – unter anderem wegen launiger Sprüche wie seinem, gegenüber afrikanischen Politikern geäußerten Bonmot „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten“. Erich Kästner, dessen Bücher von den Nazis verbrannt wurden, machen die „Experten“ zum Vorwurf, dass er nach 1933 in Deutschland blieb und nicht ins Exil oder gleich in den Freitod ging.

Besonders beliebte Vorwurfsmuster der Damnatio-memoriae-Liste sind Antisemitismus und „Kolonialismus“ – leider zwei weltanschauliche Grundpfeiler im Europa der Neuzeit insgesamt, die aus heutiger Sicht zwar abzulehnen und zu verurteilen sind, die aber über Jahrhunderte das öffentliche Denken und politische Handeln prägten. Mit der Lupe suchen die modernen Scharfrichter solange nach „Haltungsfehlern“ und biographischen Killer-Applikationen, bis sie selbst bei berühmtesten Persönlichkeiten fündig werden: Beim großen Weimarer Demokraten und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann etwa genügt dann schon die Mitgliedschaft im Deutschen Kolonialverein, bei Heinrich Schliemann und Robert Koch „koloniale“ Aspekte ihrer Forschung – und bei Heinrich von Kleist angeblich „rassistische Beschreibungen und Stereotypisierung“ in seiner (eigentlich sozialkritischen) Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“.

Einst Kasernen und Schulen, jetzt Straßen

Wegen solcher mit böser Akribie zusammengetragenen Anklagepunkte soll also die weitere Tradierungs- und Gedenkwürdigkeit verneint werden -auch wenn sich diese in seit vielen Jahrzehnten geläufigen Straßennamen offenbart; es ist dasselbe Schema wie zuvor bei Schulen und Kasernen.

Die Frage ist allerdings, durch wen die so gerissenen Lücken gefüllt werden sollen: Es gibt nämlich faktisch keinen Deutschen, der im 17., 18. oder 19. Jahrhundert bereits so genderneutral-antidiskriminierend-ethnopluralistisch, antisexistisch, antirassistisch, gegen bodyshaming engangiert, klimaneutral und pro-fair-trade gewesen wäre (oder was dergleichen noch an heutigen Bewertungsmaßstäben absolut gesetzt wird), dass er im Lichte des zeitgenössischen Saubermann-Rigorosums bestehen würde: Damals waren sie alle Gesinnungsverbrecher.

Doch ebenso, wie der Antifaschismus heute umso leidenschaftlicher und unerbittlicher vorgehen wird, je länger der letzte reale Ausbruch von Faschismus auf deutschem Boden zurückliegt, so werden auch Kolonialismus oder historischer Antisemitismus umso wahnhafter verfolgt, je weiter die Beweisfälle zurückdatieren (mit dem praktischen Vorteil, dass sich die Beschuldigten erstens nicht mehr zu Wort melden können).

Monströse Selbstgerechtigkeit ohne Erbarmen mit den Ahnen

Es ist ein Ausbund monströser Selbstgerechtigkeit, bei dem jede Gelassenheit, wissenschaftliche Seriosität und auch empathische Toleranz für die Ahnen unter den Tisch fallen: Menschen fallen leider nicht aus der Zeit und entkommen nicht den Maßstäben ihrer Umwelt, damals wie heute. Und in allen Zeiten – das ist das eigentlich Bedeutsame – waren sie in genauso überzeugt wie die heutigen Saubermänner der Münchner Kommission, das Richtige zu tun und zu wollen.

Die kulturbolschewistische Revision deutscher und europäischer Geistesgrößen, Staatsmänner, Wissenschaftler und Künstler macht vor nichts und niemandem halt. Es ist das Ende der Dialektik: Die selbstgerechte Unfehlbarkeit des heutigen, des einzig wahren Zeitgeistes. Hemmungslos wollen die linken Sachwalter einer schlussgeschichtlichen Hypermoral, die für Wurzeln, Überlieferung, Respekt vor Ahnen und Errungenschaften einer Kulturnation nichts als Verachtung übrig haben, alles in die Tonne treten, was irgendwie zur deutschen Identität beiträgt.

Political Correctness ist – schon bezogen auf die geistige Freiheit der Gegenwart – eine Fahrkarte in den Totalitarismus, doch ihre rückwärtsgerichtete Anwendung ist ein Verbrechen. Es ist eine Versündigung am geistigen Erbe, einzelne Verhaltensweisen oder Aussagen der größten Köpfe und Denker eines Volkes, das etliche der bedeutsamsten zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit hervorbrachte, höher zu bewerten als ihre Leistungen. Zumal die beanstandeten „Fehler“ zumeist nur im Lichte der rigiden Gegenwart als solche erscheinen und sich ausnahmslos aus den Paradigmen und Sichtweisen ergeben, die in der jeweiligen Lebenszeit dieser Personen grundnormal waren.(DM)