Iranische Aktivistin Alinejad zu Trauer um Soleimani: „Glaubt Euren Medien nicht“

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screenshot YouTube

„Glauben Sie nicht der Medienberichterstattung über den trauernden Iran angesichts des Todes von Soleimani“, warnt die Aktivistin Masih Alinejad, die in den USA lebt. Das sei pure Propaganda des Regimes, auf die die Medien weltweit aufspringen würden. Viele Menschen würden das Ableben des Generals feiern.

Von Marilla Slominski

„Ohne Zweifel hatte Soleimani Unterstützung unter Hardlinern und Regimetreuen „, schrieb die 43-Jährige Alinejad laut WND in einem Kommentar für die Washington Post. „Aber nehmen Sie nicht alles, was Ihnen gezeigt wird für bahre Münze, so die Exil-Iranerin und Journalistin, die für ihren Einsatz gegen den Kopftuchzwang in ihrem Heimatland bekannt wurde.

Die Medien im Iran würden streng kontrolliert. Öffentliche Versammlungen seien nur erlaubt, wenn sie regierungsfreundlich seien. „Gegner werden eingesperrt oder erschossen“. Im vergangenen November „gingen Tausende Iraner auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren. Dies war die größte Herausforderung für die klerikale Herrschaft seit 40 Jahren…Viele der Mütter der 2009, 2017 und 2019 Getöteten freuen sich über Soleimanis Tod“, so Alinejad.
„Woher weiß ich das? Weil sie mir Videos von sich geschickt haben, vor der Kamera gesprochen, getanzt oder sogar Kuchen und Süßigkeiten geteilt haben.“

Es gebe Hinweise darauf, dass die Menschen vom Regime gezwungen würden, an der Massentrauer teilzunehmen.

„Selbst ich, die ausserhalb des Landes lebt, habe im nationalen iranischen Fernsehen eine Morddrohung erhalten, weil ich über Soleimanis Tod berichtet habe“, erzählt Alinejad. Es sei also für den Staat nicht schwer, alle Möglichkeiten zu nutzen, um eine solche Beerdigungsveranstaltung  auf die Beine zu stellen, meint die Autorin.

Als schlechtes Beispiel westlicher Berichterstattung nannte sie die ABC News Reporterin Martha Raddatz, die von den Trauerfeierlichkeiten berichtet hatte. So einem Beitrag sollte man nicht Glauben schenken. Mit grimmigem Blick und die blonden Locken islamisch korrekt verhüllt, hatte die Reporterin regimekonform die „Good Morning America“-Zuschauer „informiert“: Sie habe schon viele Anti-Amerika-Proteste im Iran miterlebt, aber so etwas noch nie, teilte sie mit. Es sei eine „kraftvolle Kombination aus Trauer und Wut, mit Rufen von ‚Tod Amerika‘, die in den Straßen um uns herum widerhallen.“ Bei der Zeremonie für Soleimani sagte Raddatz, die Bilder würden das „Meer von Iraner einfangen, die die Straßen bevölkern, um einem Mann Tribut zu zollen, der von vielen hier verehrt wird.“ Die Auswirkungen seines Todes seien „tiefgreifend“, so die völlig unkritische Journalistin, während sie eine Straße entlang schlenderte. Einige Iraner hätten die Führung zuvor wegen der von Amerika verhängten Sanktionen kritisiert, aber nun seien alle vereint in ihrem Hass auf die USA und wollten Rache sehen, schwadronierte die 66-jährige ABC-Journalistin.

Kritik am menschenverachtenden islamischen Regime im Iran steht für die westliche Mainstreampresse nicht unbedingt im Vordergrund. Hier bezieht man politisch korrekt Stellung gegen die „Hinrichtung“ des allseits gefürchteten Generals. Der sei schließlich ein Verbündeter im Kampf gegen den IS gewesen, heißt es. Die von allen guten Geistern verlassene Zeit versteigt sich sogar in der Behauptung, selbst iranische Regimegegner, vom Autor milde „Reformer“ genannt, hätten ihn „geschätzt und respektiert“.

Das hört sich bei einer vor Jahren aus dem Land geflohenen Regimegegnerin wie Masih Alinejad komplett anders an: Während des Aufstands im November seien schätzungsweise 1.500 Menschen von Sicherheitskräften getötet worden, darunter sollen auch Einheiten aus der Revolutionären Garde von Soleimani gewesen sein, die sich den Protesten gegen das islamische Terrorregime angeschlossen hatten. „Die Demonstranten hatten harte Worte für Soleimani und seine ausländischen Abenteuer und sangen gegen das iranische Engagement in Syrien und dessen Unterstützung der Hisbollah.“ Das sei ein Schock für das Regime gewesen, das Soleimani als Adoptivsohn des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei darstellt, führt die Iran-Kennerin Alinejad aus.

„Es gibt viele iranische Menschen, die Soleimani für einen Kriegsverbrecher halten, aber westliche Journalisten sprechen sie selten an“, so Alinejad in ihrem Kommentar in der Washington Post.

„Ironischerweise stehen die westlichen Medien solchen staatlich organisierten Ereignissen in anderen Ländern wie Russland oder Nordkorea eher skeptisch gegenüber, scheinen aber ihren kritischen Blick an der Grenze zur Islamischen Republik zu belassen.
„Westliche Korrespondenten sehen sich zwar gewaltigen Bedingungen gegenüber, wenn es darum geht, die wahren Umstände aus dem Iran zu berichten, dies sollte jedoch nicht die vielen Male entschuldigen, in denen sie gegenüber der offiziellen Version der Ereignisse ungerechtfertigte Leichtgläubigkeit gezeigt haben“, kritisiert die Zwangsverschleierungsgegnerin.

Auch der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, sieht die Massendemonstrationen im Iran nach dem US-Luftschlag gegen den iranischen Top-Militär Qasem Soleimani skeptisch. „Diktatoren haben immer riesige Begräbnisse“, sagte Grenell in der „Bild“-Sendung „Die richtigen Fragen“. Das sei keine Gesellschaft, in der Menschen in der Lage seien, ihre Meinung zu sagen.

„Sie werden gezwungen, auf die Straße zu gehen.“ Er selbst habe zahlreiche Nachrichten von Iranern erhalten. „Mich erreicht eine Flut an E-Mails von Iranern aus den USA, Europa und aus dem Iran selbst“, so Grenell.

„Sie danken uns, dass wir diesen Wahnsinnigen ausgeschaltet haben, aber sie fürchten sich auch. Die Menschen schreiben mir, dass sie in Sozialen Netzwerken nichts liken können, dass sie nicht ihre Meinung äußern dürfen, weil sonst ihre Familien verfolgt werden.“ Grenell machte deutlich, dass der „Feind der USA“ nicht die Bevölkerung sei.

„Es ist nicht das iranische Volk, das den Terrorismus unterstützt, es ist das Regime“, sagte der US-Botschafter in der „Bild“-Sendung.