Klimaschutz heißt zwingend Wiedereinstieg: Immer mehr Deutsche wollen zurück zur Atomkraft

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Pro Atom: Das antigrüne Re-Thinking läuft an (Foto:Imago/Große)

Berlin / München – Zeichnet sich in Sachen Kernenergie endlich ein Umdenken ab? Nebeneffekt der dem Volk auf allen Ebenen eingehämmerten Klima-Panik ist die zunehmend kritische Hinterfragung des überstürzten deutschen Atomkraft-Ausstiegs. Wenn, was viele Deutsche tun, die Klimapolitik tatsächlich das alles beherrschende Thema des 21. Jahrhunderts sein soll, dann macht es absolut keinen Sinn, ausgerechnet die nicht nur preisgünstigste und versorgungsstabilste, sondern auch CO2-neutralste Energiequelle der Welt ohne Not zu verteufeln.

Ob sich die grünen Strippenzieher der Energiewende das so vorgestellt hatten, dass ihre ideologischen Steckenpferde –  Grüne Energie gegen Atomkraft – derart gegeneinander ausgespielt werden? Als die – wie üblich nach populistischer Stimmungslage und erratisch entscheidende – Kanzlerin 2011, nach Fukushima, einen weiteren Pfeiler konservativer Unionspolitik einriss und den Ausstieg vom Ausstieg aus dem Ausstieg verkündete, indem die gerade erst wieder verlängerte Restlaufzeit von Kraftwerken erneut verkürzt wurde, ging es noch ums Hauptthema Reaktorsicherheit, Kontaminationsrisiken und vor allem die Frage der angeblich für alle Zeiten unlösbaren Endlagerung. Andere europäische Staaten, erst recht im Rest der Welt, teilten die deutschen Bedenken bekanntlich nicht und hielten nicht nur an bestehenden AKW’s fest, sondern bauten die installierte Leistung munter weiter aus. Tatsächlich waren noch nie so viele Meiler in Betrieb wie derzeit.

Inzwischen steht fest, dass selbst die optimistischen Szenarien einer erfolgreichen Energiewende nicht ohne ausländische (Atom-)Stromimporte zumindest für einen sehr langen Übergangszeitraum auskommen werden. Und jetzt scheint auch noch die öffentliche Stimmung zu kippen: Aktuellen Umfragen zufolge hält inzwischen jeder Dritte einen Atomausstieg für verfrüht, nur mehr eine knappe Mehrheit der Bundesbürger will überhaupt am Atomausstieg festhalten. Dies brachte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag von „Focus“ zutage. Die Demoskopen hatten gefragt: „Wie stehen Sie zu folgenden Aussagen: Ich bin, im Sinne des Klimaschutzes, für die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke?“

Die Vernunft kehrt allmählich zurück

Die Resultate dürften den deutschen AKW-Dämonisierern nicht schmecken: inzwischen sind schon 35 Prozent der Bundesbürger dafür, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke zugunsten des Klimaschutzes zu verlängern. Laut INSA sei die Zustimmung für die Verlängerung bei Anhängern von AfD (63 Prozent) und FDP (57 Prozent) besonders hoch, in CDU/CSU sind immerhin 48 Prozent dafür. Die Parteien, deren jahrzehntelanges Agitieren gegen AKW’s zum regelrechten Alleinstellungsmerkmal wurde, Grünen und auch SPD, weisen logischerweise andere Umfragewerte auf; 24 Prozent der SPD-Anhänger sind für die Laufzeitverlängerung, bei den Grünen sind es lediglich 18 Prozent.

Neben diesem sich langsam wandelnden Stimmungsbild kommt es für alle Energie-Veganer jetzt aber doppelt heftig, die sowohl Klimaschutz als auch Atomausstieg verwirklicht sehen wollen: Auch Experten und Wirtschaftsvertreter halten den Ausstieg für einen energiepolitischen Wahnsinn. Wie „dts“ berichtet, empfielt heute der Vorstandschef des Industriedienstleisters Bilfinger, Thomas Blades, der Bundesregierung längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht: „Die Kernkraft ist ein Teil der Lösung!“

Blades hält die deutsche Energiewende für „klimapolitisch misslungen“: Während andere Länder durch Kernenergie ihren CO2-Ausstoß senken, stagniere er in Deutschland. Blades bringt auf den Punkt, was grünen Utopisten partout nicht in den Schädel will: „Man kann nicht gleichzeitig aus der Kohle und der Atomenergie aussteigen!“, so der Konzernboss gegenüber „Focus„. Die Kernkraft müsse Teil eines Gesamtkonzepts sein, um Klimaziele, Energiesicherheit und stabile Strompreise in Einklang zu bringen.

AKW-Technologie machte Fortschritte – außerhalb von Deutschland

Der Mann weiß, wovon er redet: Der studierte Elektrotechniker Blades führt seit 2016 den Mannheimer Konzern mi 36.000 Mitarbeitern, das auch beim Neubau von Kernkraftwerken in Großbritannien, Finnland und Frankreich beteiligt ist. Bilfiger ist insofern auch mit den – in Deutschland infolge des politisch verordneten, künstlich unterbrochenen Ausstiegs – technischen Weiterentwicklungen der Reaktortechnik vertraut, die durchaus viele jener Probleme heute lösbar erscheinen lassen, die laut der seit den 1970er Jahren kaum veränderten Argumenten der hiesigen Anti-AKW-Bewegung zu den quasi unveränderlich-ewigen Hypotheken der Atomkraft gehören.

Neue Wiederaufbereitungsverfahren oder Technologien wie der Core-Catcher machen die ohnehin extrem sicheren modernen AKW’s Kraftwerke noch beherrschbarer; ein Unfall wie Tschernobyl, Folge planwirtschaftlicher Strukturen, mangelnder Sicherheitstechnik und Technik wäre schon damals in westlichen Kernkraftwerken kaum möglich gewesen; heute wäre er noch unwahrscheinlicher. Dies hält die Anti-Atomkraft-Lobby nicht davon ab, dieses Menetekel eines schrottreifen Wirtschaftssystems, wenige Jahre vor dem endgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion, auf westliche Industriestandards zu übertragen.

Die Atomalarmisten, die weitgehend personenidentisch mit den Klimahysterikern sind, haben sich durch ihren Wahn allerdings selbst in eine missliche Lage gebracht: Wenn der sichere Klimatod gegen den möglichen Atomtod steht und der Ausbau nachhaltiger Energiequellen absehbar strauchelt, gibt es keine Alternative zur Wiedereinführung der CO2-bilanziell günstigsten Form der Stromerzeugung. Das dämmert inzwischen auch dem Unterbelichtetsten im Land. (DM)

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