Grüner Ärger: SUV von BMW verkaufen sich wie geschnitten Brot

Max Erdinger

Neuer SUV von BMW: X7 - ausverkauft. Foto: Imago

Nach dem Horrorunfall in Berlin mit vier Toten, bei dem ein Porsche Macan (SUV) das Unfallfahrzeug gewesen ist, waren in Berlin empörte Demonstranten mit einem Transparent zu sehen, auf dem zu lesen stand: „SUV töten – Kinder, Mütter, Väter, das Klima.“

Gesehen habe ich die Demonstranten mit ihrem Transparent auf meinem Monitor. Die erste Analogie, die mir einfiel, war deshalb: „Monitore verblöden – Kinder, Mütter, Väter, die Oma.“ Und ein grüner Verbotsfetischist ist auch gleich auf den Haßzug gegen den bösen, bösen SUV mit aufgesprungen. Er forderte eine Obergrenze für SUV in der Stadt. Bundesfinanzminister Olaf Schulz will die blechernen Ungetüme zur Strafe gar mit höheren Steuern belegen. In Politik und Medien ist der SUV dem Untergang geweiht. Aber nur dort.

Der Connaisseur der verbrennungsmotorischen Fortbewegung, jenes Individuum also, das sich auf dem kultivierten Gipfel der motorischen Leistungsentfaltung im Zeitalter der barockblechernen Prächtigkeit wähnt, schätzt den SUV über alle Maßen. Der große, schwere Wagen mit dem Luftwiderstandsbeiwert einer Wohnzimmerschrankwand gilt ihm als Ausweis seiner Zugehörigkeit zur Klasse des Erfolgsmenschen. Ehrlich gesagt: SUVs sind ein ziemlicher Blödsinn, wenn auch aus ganz anderen Gründen, als die Grünen gern behaupten. Die fahrdynamischen Qualitäten dieser rollenden Hochhäuser sind unter aller Sau. SUV-Fahren macht einfach keinen Spaß. Je höher der Schwerpunkt eines Fahrzeuges, desto schwerfälliger und langsamer kommt es um die Ecken. Die richtig lustigen Autos sind allesamt klein, flach, leicht, wieselflink  und leistungsstark. Aber Deutschland ist auch schon lange kein lustiges Land mehr.

BMW aus lustigen Zeiten: 2002 turbo (1974) Foto: Imago

Lediglich die zunehmende Zahl von Schlaglöchern, mithin also die Tendenz von Straßen, sich selbst zu renaturieren, rechtfertigt den vorausschauenden Kauf eines SUV. Eines Tages könnte er wirklich in jenem Terrain unterwegs sein, in welchem der spritsparende, umweltfreundliche Spaß-Lotus mangels Federwegen und Bodenfreiheit ausgestorben sein wird. Auch der Porsche 911 turbo S geht holprigen Zeiten entgegen.

SUV verkaufen sich blendend

SUV haben einen neuen Verkaufsrekord erreicht, zumindest bei BMW. Seit zwanzig Jahren gibt es die X-Reihe von BMW. Los ging es mit dem X5. Er war der erste SUV aus München – und eine ganze zeitlang das meistgeklaute Auto Europas. Inzwischen kamen der X3 dazu und der X1, etwas kleinere SUV – und allerweil ist die Jahresproduktion des brandneuen X7 (Mindestpreis über 80.000 Euro) bereits ausverkauft. Eine Riesenkiste, aber noch nicht riesig genug. Ein X8 soll vielleicht noch nachkommen. Wir reden da von ca. 2 bis 2,5 Tonnen Leergewicht, mehreren hundert PS und tausenden von kurzlebigen, elektronischen Helferchen. Dekadenz at it´s best. Der barocke Gewichts- und Leistungsfetischist kann gar nicht genug von diesen Kisten bekommen.

Wenn man sie verbieten wollte, gäbe es dafür eine einzige gute Begründung: Sie verleiten dazu, die physikalischen Grundsätze hinsichtlich der zügigen, sicheren und effizienten Fortbewegung zu vergessen. Über den SUV wird die fahrerische Lahmarschigkeit Standard werden, ganz egal, wieviele Pferdestärken diese Monster unter der Haube haben. Geradeaus schnell – das kann jeder Depp. Das kann auch der SUV. Sehr viel mehr kann er nicht. Wer viel zu verstauen hat, soll gefälligst seinen Dachboden vollpacken oder einen Spediteur beauftragen. Der kommt dann mit dem Lastwagen. Bei den 40-Tonnern gibt es übrigens auch immer mehr Exemplare, die mit 600 PS und mehr unterwegs sind. Dort ist das eine sehr löbliche Entwicklung.

Jedenfalls freut man sich bei BMW über den neuen SUV-Rekord, wie die faz berichtet. Meinereiner delektiert sich hingegen mehr an der Fragestellung, wie rot vor Zorn die Birne von Anton Hofreiter eigentlich werden kann, bis sie platzt. Meinen Jagdfalken würde ich hergeben, um dabei sein zu dürfen, wenn es dem hysterischen Anton die Glühbirne zerfetzt vor lauter Wut. Über die Sparte SUV bei BMW heißt es in der faz: „Im vergangenen Monat setzten sie 157.889 BMW-Modelle ab und damit 4,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.“ – Yeah, nehmt das, ihr Grünen! BMW-Vertriebschef Pieter Nota: „Unsere neuen X-Modelle sind bei den Kunden sehr beliebt“. Seinen Angaben zufolge machen die Stadtgeländewagen mittlerweile fast die Hälfte aller verkauften BMW-Fahrzeuge aus. Das glaube ich ihm sofort, sah man doch sogar bereits dumme FFF-Kinder aus dem Fond von Mutterns X5 aussteigen, die dann fußläufig und hüpfend für das Klima und gegen den SUV demonstrierten, mit dem sie zur öffentlichen Hüpfburg hinchauffiert worden waren.

Wir sehen also: Der typische BMW-Fahrer ist schon fast ausgestorben. Die heutige Kundschaft der Marke besteht bereits zur Hälfte aus Grobmotorikern und unsensiblen Dickhäutern. Es ist ein Jammer. Und der legendäre BMW-Reihenzylinder, das am sämigsten schnurrende Triebwerk der Welt, ist inzwischen auch schon den qualvollen Umwelttod gestorben. Unter Autoliebhabergesichtspunkten ist das alles todtraurig. Geschäftlich aber ist das natürlich schön für BMW. Dort ist man eben auch lieber reich und fett, als arm und attraktiv. Denken wir zurück an den legendären 02-tii, den M3 E30 oder auch an die BMW-Oberklasse, den 7er der Baureihen E32 und E38. Damals sah selbst die Oberklasse im Vergleich zu den Untertürkheimer Dickschiffen vom Benz zierlich, sportlich, leichtfüßig und elegant aus. So ändern sich die Zeiten.

 

 

 

 

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8 Kommentare

  1. Warum soll ich meine Brötchen nicht mit einem LKW holen, wenn ichs kann?
    Der Erdinger würde auch gerne Richtgeschwindigkeit 200 kmh fordern, warum?
    Auch, weil ers kann.

  2. Tja, die überteuerten, oftmals selbstentzündlichen, mit französischem Atomstrom angetriebenen und im Gegensatz zu Verbrennern rd. 700-1000 kg schwereren E-Mobile sind hingegen nur mit massiver Subventionierung und medialem „Nudging“ an ein paar Vestreute verkäuflich.

    Bloß kein Neid, Ihr KLIMA®-Spezialisten !

  3. „Meinen Jagdfalken würde ich hergeben, um dabei sein zu dürfen“und wenn dann noch DonAlphonso sein Schloss für ein Wochenende vermietet, kämen Sie zusammen auf eine ganz schöne Gaudi!

  4. Ehrlich gesagt: SUVs sind ein ziemlicher Blödsinn“!

    Ehrlich gesagt: diese Aussage ist ein ziemlicher pauschaler Blödsinn!

    Die jetzigen sog. Stadt-SUV’s unterscheiden sich in nichts mehr von den zig Millionen „Kombis“. Sie sind unwesentlich höher, überhaupt nicht länger und ebenso nicht breiter. Zudem haben sie in Deutschland (Ausführung) meist 4 Zylinder, im Hubraum von unter 2,0 Litern somit weit unter den S-Klasse Protzen, Kombis und ähnlich aufgeblasenen klassischen Limusinen. Von den maximal getunten. meist 2-sitzigen Spuknäpfen, mit überproportionalen Motoren garnicht zu reden.

    SUV’s sind längst keine Prestige-Mobile mehr, sondern sie sind ganz einfach praktisch und schon deshalb werden und wurden sie in den USA seit Jahrzehnten als das Normal erkannt und gelten nicht als Angeberautos reicher Leute.

    Die Fahrer und Mitfahrer sind besser geschützt als in den „smarten“ überdachten Farrädern und Mini-Filzläusen. Das ist gerade für Familien mit Kindern ein Segen. Zudem hat der Fahrer etwas mehr Übersicht, weil sein Hinterteil nicht auf dem Asphalt schleift.

    Das ganze ist in erster Linie eine Neidkampagne und Hetze gegen SUV’s durch ideologisch verblödete Vertreter einer Abschaffung des Individualverkehrs unter perfider Neid-Schürung derjenigen, die sich zur Zeit keinen „Geländewagen“ (auch ein blöder Ausdruck) mal eben kaufen können und die Vorteile kleiner SUVs auch gerne nützen würden. Mit CO2 und der bösartigen Epidemie der Klimawandelreligion hat das Ganze nur indirekt zu tun, weil die praktischen Mobile auf dem neuesten, „ehrlich gesagt“ unsinnig minmierten Stand der Emissionswerte mit allen Tricks deutscher Ingenieurkunst tatsächlich auf den von Wahnsinnigen vorgegebenen Daten, mit erheblichen Leistungsnachteilen, gequält wurden.

    Von einer Fahrzeugart für Reiche kann man bei dem fernöstlichen und osteuropäischen Angebot überhaupt nicht mehr reden, weil die Autos bei einem Minimotor und Miniluxus nur !/4 bis 1/5 deutscher Hersteller-Produkte kosten, aber eben ein gutes Innenraum- Angebot bieten.

    • Von diesen Klein-„SUV“ war auch nirgends die Rede. Es ging um MB ML, GL, X5-7, Audi Q5 und Q7 usw. – 2- 2,5 Tonnen Leergewicht und mehrere hundert PS.

    • Genau und nicht zu vergessen sind gesundheitliche Gründe warum ich einen kleineren SUV gekauft habe. Mein Rücken findet es angenehmer in höherer Sitzposition ein zu steigen. Vielleicht sollte man sich da auch seine Gedanken machen.

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