Allmähliche Annäherung von unten: Immer mehr CDUler balzen um AfD-Partner

Foto: Von OPOLJA/Shutterstock

Potsdam / Prenzlau – Die Anpassung an veränderte politische Gegebenheiten, neue Kräfteverhältnisse und Realitäten kommt auf leisen Sohlen, doch unaufhaltsam: Nachdem Mitte der Woche über die Bildung der ersten funktionalen AfD-/CDU-Koalition im rheinland-pfälzischen Frankenstein berichtet worden war, sorgte gestern ein erneuter Vorstoß auf Kommunalebene für Furore: Wolfgang Banditt, CDU-Kreistagschef in der Uckermark, sprach sich für eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.

Es ist ein neuerlicher Vorstoß, das von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zum Dogma erhobene politische „Kontaktverbot“ der Union mit der AfD auf allen Verwaltungsebenen zu Fall zu bringen – und er stammt, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, ausgerechnet von einem Unionsvertreter aus der Heimatregion von Kanzlerin Merkel. Banditt begründet seine Forderung, solchen Bündnissen zumindest nicht kategorisch eine Absage zu erteilen, natürlich nicht mit politischen Sympathie, sondern rein mit „sachlichen und fachlichen“ Erwägungen. Auch er hat große Bauchschmerzen bei der AfD, doch die AfD-Abgeordneten seien nun einmal – „so wenig mir das auch gefällt“ – demokratisch gewählt und säßen nun „mit am Tisch“, wie das Nachrichtenportal „MOZ“ schreibt. Im uckermärkischen Kreistag war die AfD als Fraktion mit acht Sitzen eingezogen; zudem waren im Zuge des gewaltigen Stimmenzuwachses bei den brandenburgischen Landtagswahlen immerhin zwei AfD-Direktmandate in uckermärkischen Wahlkreisen erzielt worden.

Banditts Einlassung zeugt von einer grundverschiedenen Stimmungslage an der Basis, vor allem auf den unteren politischen Ebenen, wo pragmatische und konkrete Sachthemen eher als die großen nationalen Streitthemen und Politikentwürfe die Arbeitsgrundlage politischer Partnerschaften binden. Schon deshalb wäre ein duchgängiges Koalitionsverbot weltfremd und kontraproduktiv. Es bleibt daher abzuwarten, wie lange die CDU-Bundesführung ihre trotzige Anti-AfD-Haltung noch durchhalten kann. (DM)

Loading...

13 Kommentare

  1. Frau Merkel wird auch hier ihrem Starrsinn frönen. Eine Zusammenarbeit mit der CDU ist für die AfD gedeihlich, wenn Frau Merkel absolut und total aus dem Politbetrieb entfernt ist. Die Abgabe des Parteivorsitz ist für mich nur eine Rosstäuschung.

  2. Entweder schlagen die NWO-Typen einen taktischen Haken, oder Wahlen können neudings wieder tatsächlich etwas bewirken und die Lage dreht sich. Das wäre aber ein verdächtig leichter Sieg. Ich bleibe misstrauisch.

  3. Da haben einige – noch nicht ganz verstrahlte – CDU Politiker gemerkt, dass die Nibelungentreue zu AKK und Merkel künftig nur noch Linksbündnisse zulässt. Selbst die FDP passt schon nicht mehr ganz in´s links – grüne Spektrum wie man bei den Koalitionsverhandlungen nach der BT Wahl sehen konnte. Merkel ist natürlich daran gelegen, dass Grüne und SPD immer mit im Boot sind, gerne zu Lasten der Union. Andernfalls würde ihre wahre Gesinnung noch deutlicher zu Tage treten. Wenn es der Werte Union und anderen abtrünnigen CDU Politikern gelingen sollte aus diesem Kreis der Unterwürfigen hervorzutreten könnte eventuell eine Erneuerung der Partei wieder zu größerem Zuspruch führen. Zuerst muss die Erkenntnis reifen, dass die AfD ein fester Bestandteil des politischen Spektrums geworden ist. Für eine mögliche Zusammenarbeit gehört aber auch eine emotionslose, sachliche Beurteilung der Partei und das Ende sinnloser Verleumdungen. Dasdürfte nicht ganz einfach werden…

  4. Ich hoffe, die Stimmungsänderung an der Basis beginnt wie ein Dammbruch. Erst ist es nur ein kleiner Riss wo das Wasser durchsickern, bis der Riss so gross wird, dass er dem Druck nicht standhalten kann und der Damm bricht.
    Das immer dreistere Vorgehen der Altparteien, wie man am Umgang mit Drogen, eingewanderter Kriminalität und nun noch die zugegebene Islamisierung, öffnet hoffentlich vielen Wählern die Augen.
    Die Altparteien fühlen sich scheinbar immer noch zu sicher, daher ihre Dreistigkeit und fehlenden Antennen für das eigene Volk.

    • Ich hoffe es. Es könnte aber auch in die andere Richtung enden.
      Die Schlägertrupps der Antifa werden ja kaum juristisch verfolgt , geschweige denn von der herrschenden Politik öffentlich angeprangert.
      Hatten wir doch alles schon einmal.

  5. Darüber sollten die Abgeordneten auf Landtagsebene auch einmal in Brandenburg und Sachsen nachdenken. Wollen sie Koalitionen mit Splitterparteien oder im Interesse ihres Landes den Wählerwillen respektieren?

  6. „sorgte gestern ein erneuter Vorstoß auf Kommunalebene für
    Furore: Wolfgang Banditt, CDU-Kreistagschef in der Uckermark, sprach
    sich für eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.“
    +
    „…Auch er hat große Bauchschmerzen bei der AfD, doch die AfD-Abgeordneten seien nun einmal – „so wenig mir das auch gefällt“ – demokratisch gewählt und säßen nun „mit am Tisch“,…“
    Erst etwas fordern, um dann gleich einzuknicken und alles zu relativieren. Herr Banditt zeiht eine widerwärtige Schleimspur hinter sich.
    Die AfD sollte sich treu bleiben, vernünftige Vorschläge, egal von welcher Partei, unterstützen, aber Koalitionen mit der linken CDU vermeiden. Koalitionen binden und verschleißen (schaden). Die lernrestistente FDP könnte ein Leid davon singen, wird es aber nie begreifen.

    • Vielleicht wollte er damit auch einem Nervenzusammenbruch seiner sozialistischen Parteivorsitzenden mit der großen Unmutsfalte entgegenwirken.

  7. Ein Mitregieren auf unteren Ebenen, wo nix Grundlegendes bewegt werden kann, ist nicht immer vorteilhaft. In Berlin z.B. werden die Bezirksämter proportional zum bezirklichen Wahlergebnis von allen Fraktionen besetzt, was nicht unwesentlich zum aufgeweichten Kurs der Pazderski-Gruppe in der AfD beigetragen haben könnte.

    • Wer bis zum Ende seiner Laufbahn der Nato diente, ohne dass kritische Aspekte von ihm überliefert sind, wird kaum anders politisch handeln: angepasst.

    • Es war mir vergönnt, einen Vortrag von General a.D. Farwick zu besuchen. In Auswertung kann ich sagen, dass eine militärische Laufbahn das kritische Denken nicht unterbinden muss.

    • Herr Pazderski wird sich nicht ändern. Das ist ein geborener Kommiß. Es ist für mich klar, daß eine Bundeswehr gebraucht wird. Aber ich habe mir eine kritische, kühle Distanz bewahrt. Es gibt Notwendigkeiten für die Bundeswehr. Aber eine Umstandskampfmontur gehört für mich nicht dazu. Vor der Niederkunft und danach hat eine Schwangere von Kampfeinsätzen fern zu bleiben. Und für mich sind Parlamentskollegen keine Rekruten, die brav vor einem Ex-Offizier die Haken zusammenschlagen.

Kommentare sind deaktiviert.