„Spiegel“-Heuchelei: 14 Jahre für Reker-Attentäter völlig in Ordnung, aber neuneinhalb Jahre für Syrer sind „Volkszorn“

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Widerwärtiger Double-Standard in der Berichterstattung des „Spiegel“: Im Fall des Chemnitz-Messermörders Alaa S. zweifelte das Hamburger Meinungsmagazin die gerichtliche Unabhängigkeit an und prangerte die Richter vorgestern quasi als Erfüllungsgehilfen eines rechten Mobs an, weil sie den Angeklagten in einem Indizienprozess zu 9,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt hatten. Derselbe „Spiegel“ feierte vor drei Jahren das Urteil des Düsseldorfer Oberlandesgerichts gegen den deutschen Angeklagten Frank S. – dem Tenor nach – als weise und gerechte Entscheidung, als jener im Prozess um das Messerattentat auf Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu 14 Jahre Haft verknackt wurde.

Dass der Deutsch-Kubaner Daniel H. durch den Messerangriff des Syrers A. und eines noch immer nicht gefassten Komplizen zu Tode kam, Henriette jedoch den Anschlag im Oktober 2015 überlebte, heute quicklebendig ist und weiterhin die deutsche Flüchtlingspolitik beklatschen kann, spielt in der journalistischen Bewertung überhaupt keine Rolle: Entscheidend sind die Schablonen: Ist der Täter Ausländer, Flüchtling, Syrer, dann muss jede Demonstration des harten Rechtsstaats natürlich zwingend ein Einknicken vorm völkischen Zorn der Öffentlichkeit bedeuten. Für einen biodeutschen Kriminellen wie Frank S. jedoch, der – wie es in der damaligen Urteilsbegründung Anfang Juli 2016 – mit seinem Messerangriff auf Reker „ein Signal gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung setzen“ und „ein Klima der Angst schaffen und die Politik beeinflussen“ wollte, kann kein Strafmaß je zu hoch sein.

Dass der Reker-Angreifer laut damaliger Berichterstattung des „Spiegel“ der „rechtsextremen Bonner Szene“ angehört haben und in dieser Eigenschaft sogar „an Gedenkveranstaltungen für Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß teilgenommen“ haben soll, rundet das Stimmungs- und Erwartungsbild der Hamburger Wächterredakteure natürlich ab; etwas anderes als die Höchststrafe konnte da gar nicht in Betracht kommen. Interessant auch, dass  – ebenso wie im Fall des deutschen (iranischstämmigen) München-Attentäters David Somboly, des Siegauen-Vergewaltigers oder aktuell des eritreischen ICE-Bahnsteigstoßers von Frankfurt – bei Daniel S. im Prozess 2016 ebenfalls eine abnorme, womöglich schuldmindernde psychische Erkrankung festgestellt wurde (ein renommierter psychiatrischer Gerichtsgutachter diagnostizierte ihm eine „paranoid-narzisstische Persönlichkeitsstörung„), vorlag. Anders als bei den bedarfsweise traumatisierten „Schutzsuchenden“, die unsere Strafjustiz überfordern, führte diese jedoch nicht zu mildernden Umständen: S. sei „voll schuldfähig„, urteilten damals die Düsseldorfer Richter.

Man vergleiche diese richterliche Grundeinstellung und den Tenor der anschließenden Pressenachlese des Urteils nur mit dem aktuellen Feedback auf die Chemnitzer Verurteilung und urteile selbst, ob Justizia ihre neutrale Blindheit hierzulande nicht längst zugunsten einer Schlagseite der Voreingenommenheit verloren hat – mit Argusaugen beobachtet von nicht minder voreingenommenen Journalisten. (DM)

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22 Kommentare

  1. Naja, rein von den Jahren her schon.
    Mit ‚Volkszorn‘ ist wohl eher die Verurteilung ueberhaupt gemeint, weil die Beweislage gegen den Syrer war ja schon recht duenn.

  2. !4 Jahre sind für diese stümpehafte Arbeit zu wenig. Hätte er bei Reker richtig hingelangt, dann wären wir mit einem Problem weniger behaftet . Die Armlänge Abstand war doch etwas zu viel, sofern das ganze Spiel damals kein Fake war, wegen der anstehenden OB-Wahl.

  3. Auch derjenige, der einen Böller vor eine Moscheetür geworfen hat, bekam 10 Jahre Haft.
    Wie kann es sein, dass Sachbeschädigung härter bestraft wird als Mord ?
    Der Rechtsstaat ist faktisch nicht mehr vorhanden und die weisungsgebundenen Richter folgen Merkels Agenda.

  4. Keine Sorge, es wurde doch Revision eingelegt und so kommt auch der Messerexperte nach den Landtagswahlen klammheimlich wieder auf freien Fuß, wollen wir wetten?

  5. Dieses Augstein-Tendenzblatt macht sich täglich lächerlicher, die seit Jahren rapide fallenden Auflagenzahlen sind wohlverdient.

  6. Spiegel Cover Heft 35/2019
    „So isser der Ossi“ .
    Ob die es wirklich gewagt haben einen ihrer „investigativen“ Reporterdarsteller in den Osten zu schicken???
    Bei Relotius hat es auch gereicht seine Vorort-Recherchen vom Schreibtisch aus zusammen zu stümpern.
    Das wird bestimmt total putzig: der Ossi das unbekannte Wesen.
    Die werden noch richtig humoristisch auf ihre alten letzten Tage.

  7. Die Justiz versagt, der Bürger wählt weiterhin die Parteien welche die Justiz dahin gezogen haben. Es ist die manipulierte Gesellschaft.

    • Immer daran denken, die Justiz war nie anders!
      Korrupt sein ist Lebenshaltung!
      Ein Insider über die deutsche Justiz
      „Ich war von 1973 bis 2004 Richter am Landgericht Stuttgart und habe in dieser Zeit ebenso unglaubliche wie unzählige, vom System organisierte Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen erlebt, gegen die nicht anzukommen war/ist,
      weil sie systemkonform sind.
      Ich habe unzählige Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte erleben müssen,die man schlicht “kriminell” nennen kann….
      In der Justiz gegen solche Kollegen vorzugehen, ist nicht möglich, denn das System schützt sich vor einem Outing selbst – durch konsequente Manipulation.
      Wenn ich an meinen Beruf zurückdenke (ich bin im Ruhestand), dann überkommt mich ein tiefer Ekel vor “meinesgleichen”.

      Ex-Richter Frank Fahsel in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung vom 9. April 2008.

    • Da tun sie dem Richter des Satans ein wenig Unrecht.
      Herr Freisler hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß es ihm nicht um Gerechtigkeit, sondern um die Vernichtung des Andersdenkenden geht.
      Jeder wußte im Reich, daß das Urteil im „Namen…..Roland Freislers…..“ fiel.

      Heute heißt es heuchlerisch „Im Namen des Volkes“.

  8. Reker = Systemling / hohe Wichtigkeit / Körperverletzung zählt da natürlich schlimmer als der Tod eines dummen Steuerzahlers! Erschwerend kommt dann noch die Herkunft des Täters hinzu, war es doch nur ein „echter Deutscher“ und nicht ein Passdeutscher, oder gar ein Asylschwindler, oder illegaler Einwanderer.

    Was letztlich „die schwere des Verbrechens“ auszeichnet ist nicht mehr die Tat an sich, sondern lediglich ob ein Opfer Teil des Systems war, oder nicht.
    Man denke dabei auch an den Lübke-Hype, Wurde jemals einem deutschen Opfer fremder Gewalt auch nur annähernd so viel Aufmerksamkeit erwiesen?

  9. Die MS-Presse vernichtet den Rest ihrer Glaubwürdigkeit und ihres Ansehens. Und es ist bei der Justitz nicht anders. Der Polenböllermoscheebomber hat 10 Jahre gekriegt, bei dem Fall wurde niemand verletzt und keiner getötet, es gab eine kaputte Tür und die Fassade war angesengt. Gerechtigkeit?

  10. Abgesehen von der schreienden Ungerechtigkeit des Strafmaßes gibt es auch ein eigenartiges Phänomen:
    Ist der Angeklagte dem radikalen Islam zuzuordnen, so ist das strafmildernd.
    Hat der Angeklagte Kontakt zur rechtsextremen Szene, so ist das strafverschärfend.
    Das ist ein klarer Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot von Gesinnungen.

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