Einzige Waffe „110“ – Ob das Vergewaltigungs- und Messeropfern wirklich hilft?

Gewalt (Symblolbild: Shutterstock.com/Von Tero Vesalainen)
Gewalt (Symblolbild: Shutterstock.com/Von Tero Vesalainen)

Stuttgart – Mit einem ellenlangen Artikel auf dem regierungsnahen t-Onlineportal versucht ein Kriminalkommissar Frauen, die immer häufiger Opfer von Gewalt werden, Mut zu machen. Natürlich wird die Ursache der Gewalt sorgsam verschwiegen. Auch Tipps, sich wie kleine Mädchen an den Notruf 110 zu klammern, sind spätestens seit der Siegauenvergewaltigung, dem Mord an Nicklas und den Übergriffen in der Silvesternacht ein Kapitel in Merkels Märchenstunde. Der Rest des Berichtes besteht aus Binsenweisheiten, die auch ohne Polizeiratschläge jede kluge Frau befolgen sollte. Zum Beispiel Gefahren rechtzeitig erkennen. Eins kann man jedoch als Quintessenz mitnehmen: Große Teile Deutschlands sind seit der Flüchtlingskrise zu No-Go-Areas geworden, um die Frauen nachts am besten einen großen Bogen machen sollten. Aber auch tagsüber lauert Gefahr, besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln…

„Der Gewalttäter ist ein Feigling und rechnet in aller Regel nicht damit, dass sich sein ‚Opfer‘ wehrt“, sagt Kriminalhauptkommissar Günther Bubenitschek in einem Interview mit t-online.de. Bubenitschek ist „Zivilcourage-Trainer und polizeilicher Experte und Landespräventionsbeauftragter für Baden-Württemberg. Ein Bundesland, dass schon durch die Gruppenvergewaltigung von Freiburg mit elf angeklagten Tätern den Satz des „Experten“ konterkariert. Gewalttäter sind in der Regel nämlich keine Feiglinge, treten selten allein, sondern oft rudelweise auf, und sie wissen genau was sie tun. Selbst wenn sie allein angreifen, wie der Somalier, der vor dem Offenburger Bahnhof dem Rentner Detlef das Gesicht zertrat, sind sie von unbeschreiblicher Brutalität. Und sie wissen vor allem eins: Ihre Opfer sind in den seltensten Fällen bewaffnet. Davon rät der Fachmann im Laufe des Artikels auch komplett ab: Auch eine eigene Bewaffnung, zum Beispiel mit Pfefferspray, sei nicht zu empfehlen. Das Spray wirke nur auf kurze Distanz und sei oft nicht griffbereit.

Sich erst gar nicht in Gefahr begeben

Nun, was hat der Zivilcourage-Trainer und Träger des Bundesverdienstkreuzes als Alternative anzubieten? Da sind zu allererst die altbekannten Binsenweisheiten, die ein wenig an den Ratschlag der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach der Kölner Silvesternacht erinnern. Stichwort: Eine Armlänge Abstand. So rät der Experte, Frauen sollten sich erst gar nicht in eine Gefahrensituation begeben, sie sollten auf ihr Bauchgefühl hören und gegebenenfalls die Straßenseite wechseln. Netter Tipp, aber ziemlich nutzlos, denn dies wird ein Testosteron gesteuerter Täter – oder sogar zwei – in diesem Fall wohl auch machen. Frauen sollten sich auf ihren Wegen, die sie öfter gehen, mit Anlaufstellen vertraut machen. Wo gibt es eine Gaststätte oder Geschäft? In Parks, Industriegebieten, weiträumigen Wohngegenden mit Wohnsilos eher selten. Aber auch diese Orte muss man ja schließlich unversehrt erreichen, wenn man dort wohnt oder arbeitet. Nicht jede Frau wohnt in Kronberg oder kann sich nach einem Kneipenbesuch ein Taxi leisten, das sie bis vor die Haustür bringt. Doch selbst dort droht Frauen inzwischen dank südländischen Fachkräften Gefahr. Laut RTL sogar im biederen Garmisch-Partenkirchen.

Als mehr oder weniger einzige wirkungsvolle „Waffe“ bietet der hoch dekorierte Kriminalhauptkommissar das Handy an. Dies wurde schon so mancher Frau während eines Handgemenges weggeschlagen. Oft griffen sogar die Täter zuerst nach dem griffbereiten Handy und dann erst nach der Wäsche, um ihrem Opfer diese Kommunikationsmöglichkeit zu nehmen. Krasses Beispiel für die Nutzlosigkeit eines abgesetzten Notrufes ist die so genannte „Siegauenvergewaltigung“, als der Freund des Opfers anstatt zum Schweizer Taschenmesser zum Handy griff und, während der schwarze Vergewaltiger genüsslich über seine Freundin herfiel, im Zelt sitzend die Polizei anrief, die nicht ausrückte, sondern laut Wikipedia entgegnet: „Sie wollen mich nicht verarschen, oder?“. Weiter heißt es: „Nachdem die Alarmierung eines Streifenwagens zugesichert worden war, hatte die Beamtin mit den Worten „Danke, tschö“ aufgelegt, statt ihn in der Leitung zu halten. Nachdem zunächst keine Hilfe eingetroffen war, wählte der Freund erneut die Notrufnummer, woraufhin ein Leitstellen-Beamter auf die Kollegen einer anderen Dienststelle verwiesen habe.“ So viel zu Notrufen, die selbst wenn sie erfolgreich sind, die Taten selten verhindern können, wie die zahlreichen Polizeiberichte tagtäglich beweisen. Die Polizei trifft, selbst wenn sie sich beeilt, allerhöchstens zur „Tatortreinigung und Spurensicherung“ ein, was einem Opfer wenig hilft.

Lautes Singen gegen Vergewaltiger und Räuber

Es folgen dann weitere Tipps, die beinah ein wenig Heiterkeit erzeugen, wie der Ratschlag „Distanz zum Täter“ aufzubauen. Da heißt es doch tatsächlich: „Provozieren oder beleidigen Sie den Täter nicht weiter. „Sagen Sie aber durchaus laut und deutlich: ‚Lassen Sie mich in Ruhe‘ oder ‚Lassen Sie mich bitte in Ruhe‘ – das müssen Sie in der Situation entscheiden.“ Dann soll man Umstehende um Mithilfe bitten. Sogar „lautes Singen“ wird empfohlen, um den Täter aus dem Konzept zu bringen.

Um Angriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln vorzubeugen, empfiehlt Bubenitschek den Frauen sich in leeren Zügen oder Bussen nicht ans Fenster zu setzen. Da könne Frau nicht eingekeilt werden, wenn eine Gruppe kommt. Und natürlich immer die Sprechtaste im Auge behalten, um sich Hilfe vom Lokführer zu holen.

Völlig ratlos ist der Kripomann bei Angriffen mit Waffen. Da heißt es nur: Deckung suchen, Distanz halten und natürlich alles rausrücken, was der Räuber haben will. „Wenn jemand eine Waffe hat oder mit einem Messer umgehen kann, gibt es wenige Möglichkeiten zu argumentieren“, so Bubenitschek. Wenn möglich sollte jeder fliehen. Aber wohin?

Das beste zum Schluss: Notwehr und Nothilfe

Den einzigen wirklich nützlichen Tipp gibt der Kriminalhauptkommissar am Ende. Vielleicht sogar in der heimlichen Hoffnung, dass die meisten Leser ihm bis dorthin gar nicht gefolgt sind. Er betrifft das ausdrückliche Recht auf „Notwehr“ und „Nothilfe“. Dies gilt vor allem für Menschen, die den Opfern helfen wollen, oder beim Versuch ihnen zu helfen vom Täter brutal attackiert werden, wie viele Fälle anschaulich belegen. Im Klartext, wer einen Aggressor angreift, der muss ihn auch wirkungsvoll kampfunfähig machen. Da heißt es im t-Onlineartikel: „Wenn ich angegriffen werde, dann habe ich das Notwehrrecht, das heißt, ich darf mich wehren. Gleiches gilt auch, wenn ich etwas mitbekomme, dann kann ich auch für andere eintreten. Das ist dann die Nothilfe“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. (KL)

 

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4 Kommentare

  1. Man kann es auch mit der von der britischen Polzei empfohlenen Sportart des Dreikampfes versuchen:

    „Run – Hide – Tell.“

    Im übrigen nehme ich Ratschläge von einer Gurkentruppe, die sich von halbstarken Migrationsvordergründlern eher krankenhausreif prügeln läßt, als von der Dienstwaffe situationsgerecht Gebrauch zu machen, nicht ernst.

  2. Seine tollen Ratschläge soll sich dieser Typ an die Stelle schieben, von der aus er seine verdauten Nahrungsmittel absondert. Eine Verarsche sondergleichen.

  3. „Der Rest des Berichtes besteht aus Binsenweisheit, die auch ohne
    Polizeiratschläge jede kluge Frau befolgen sollte. Zum Beispiel
    Gefahren rechtzeitig erkennen….“

    …dabei jubeln und mit Teddys rumwerfen.

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