Warum das Wasserstoffauto an ein Grimm-Märchen erinnert

Albrecht Künstle

Wasserstoff Auto(Foto: Von Anton Balazh/Shutterstock)

Weil man sich Deutschland mit Elektroautos schwer tut, begibt man sich auf energetische Um- und Abwege/ Von der Energie-Effizienz/-Verschwendung des Wasserstoffantriebs

Inzwischen sind Millionen Menschen mit E-Fahrrädern unterwegs, obwohl ein Muskelkraft betriebener Antrieb kein Umweltproblem darstellt. Nur mit E-Autos tut man sich schwer, und seien sie auch nur für den kleinräumigen Verkehr bis z.B. 200 km vorgesehen. Die deutsche Automobilindustrie hat leider den Anschluss verschlafen und überlegt nun in ihrer Not, ob sie nicht beim Wasserstoffauto die Nase vorn haben will. Doch wenn man sich die Energie-Effizienz dieser Technik anschaut, erinnert der Versuch an das Märchen von „Hans im Glück“, das hier kurz in Erinnerung gerufen sei:

Märchen-Hans hat sieben Jahre für seinen Arbeitgeber gearbeitet und will nun heim zu seiner Mutter. Er bekommt einen Klumpen Gold als Lohn und macht sich auf den Weg. Schwer an dem Klumpen tragend, trifft er einen Reiter und tauscht sein Gold gegen das Pferd ein. Das Pferd aber wirft Hans ab, und so ist er froh, es gegen eine Kuh zu tauschen, die ein vorbeikommender Bauer vor sich her treibt. Als er versucht, das Tier zu melken, gibt es dem Ungeübten einen Tritt. Da kommt ein Metzger vorbei, und Hans tauscht die unergiebige Kuh gegen dessen Schwein.

Bisher ging alles nach Wunsch, so denkt sich Hans: Jeder Ärger verschwand, sobald er auftrat. Ein Weilchen begleitet ihn nun ein junger Bursche mit einer Gans. Der erzählt ihm, das Schwein könnte gestohlen sein, nach dem Dieb würde schon gesucht. Auf Hans‘ Bitten tauscht der Bursche seine Gans gegen das Schwein. Als nächstes begegnet Hans einem Scherenschleifer, der ihm rät, auch Schleifer zu werden, damit könne man viel Geld verdienen. So tauscht Hans seine Gans gegen einen Wetzstein und einen Stein zum Klopfen. Bald wird er durstig und legt seine Steine auf den Rand eines Brunnens. Als er sich hinabbeugt, um zu trinken, stößt er versehentlich an die Steine, die daraufhin in den Brunnen fallen.

Da dankt er Gott: Die schweren Steine waren das letzte, was ihm noch hinderlich gewesen ist. Frei von aller Last und glücklich kommt er heim zu seiner Mutter – mit leeren Händen.

Und nun zum Märchen vom Wasserstoffauto. Nicht mehr so oft, aber immer noch fällt Wasser vom Himmel. Als Regen, leider nicht als Wasserstoff. Der muss mittels Elektrolyse erzeugt werden. Dieser Prozess erfordert Strom, von dem bei der Elektrolyse mit 80 Prozent Wirkungsgrad 20 Prozent flöten gehen. Von 100 kW eingesetzter Leistung bleiben 80 kW übrig. Der gewonnene (?) Wasserstoff muss dann in einen aufwändigen Tank gefüllt werden und im Auto wieder in Strom umgewandelt werden. Bei diesem Prozess geht sogar die Hälfte der Energie verloren, weil der Wirkungsgrad entsprechend miserabel ist. Von den 80 kW bleiben deshalb nur 40 übrig. Diese werden dann mit einem Elektromotor wie beim E-Auto in Bewegungsenergie umgesetzt.

Der Wirkungsgrad eines E-Motors beträgt gute 90 Prozent, die effizienteste Technik dieser Wirkungskette. Von den 40 kW gehen nur 10 Prozent verloren, bleiben also 36 kW Leistung übrig. Aber 36 von 100 kW ursprünglich eingesetztem Strom entspricht eben nur einem Gesamtwirkungsgrad der Wasserstofftechnik zum Autoantrieb von nur rund einem Drittel. Miserabler als jeder schlechte Verbrennungsmotor, und schlechter, als wenn Primärstrom zuerst in Batterien gespeichert und dann wieder per Elektromotor in Fortbewegung umgesetzt wird. Würde man tatsächlich auf den Wasserstoffantrieb setzen, wäre das etwa so umständlich, als würde man sich mit der rechten Hand am linken Ohr kratzen, Oder, als würde man den Gebrüdern Grimm den Rang ablaufen wollen, in dem man ein modernes Energie-Märchen erfindet.

Das echte Grimm-Märchen endete so, dass der glückliche Hans Gott dankte, dass er ihn von aller Last befreit hatte, vom Gold, Pferd, der Kuh, dem Schwein, der Gans und vom schweren Wetzstein. Die Moral des neuen Märchens könnte sein, dass … jetzt fällt mir nichts ein – was daran liegen könnte, dass die Wasserstoff-Autoantriebstechnik ohne Moral bzw. ohne nennenswerte CO2-Einsparung und ohne Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg ist. Ende gut, alles gut? Beim Wasserstoff-Auto wohl eher nicht.

Loading...

6 Kommentare

  1. Sehr guter Vergleich; genau darum geht es ja dem marxistisch-bolschewistischen, links-grün verdummten, politreligiösen Gutmenschen ja, nämlich sich gut zu fühlen. Das ist seine Glückseligkeit, wenn er sich wie beim Joint wohlig und im Einklang mit seiner selbsterklärten Moral gut und richtig fühlt. Die heiligsten und wahrhaft edelsten Werte, für die Generationen seiner Vorfahren hart und mit Blut und Schweiß gekämpft haben, sind ihm demgegenüber wert- und bedeutungslos. Die Grimms konnten wohl nicht ahnen, wie dieser von ihnen beschriebene Archetyp der Dummheit und hohlen Hirnlosigkeit einmal das Schicksal eines ganzen Volkes in seine schmierigen Finger bekommen würde und es gedankenlos mitsamt den ungeheuren Leistungen so vieler Generationen genialer Dichter, Denker und Erfinder wie wertlosen Müll in den Orkus hinabstürzen würde. Und noch abartiger dabei ist aber: Sie leben dabei in Saus und Braus und entschlafen selig in ihren Betten, haben sie es doch auch geschafft, die Rechnung für ihr verantwortungsloses, abartiges Treiben an die Generationen nach ihnen gehen zu lassen. Diese werden dafür bitterlich bezahlen müssen, Heulen und Zähneklappern wird für noch übrig sein.

  2. Auch das „Wasserstoff-Auto“ ist ein E-Auto.

    Lediglich die Bereitstellung der notwendigen Energie unterscheidet sich.

  3. Der Autor erzählt offenbar gern Märchen, vermag aber sachlich zu des Pudels Kern nicht vorzustoßen:

    [1] Er vermeint, Akku-Autos wären aufgrund des Wirkungsgrades vorzuziehen. Eine Lösung, wo die vielen Ladesäulen für diese Art Autos herkommen sollen, verbleibt im Reich der Märchen.
    [2] Der Zeitfaktor beim Betanken der Brennstoffzelle ähnelt klassischem Tanken, Zeit ist Geld und wichtiger als Wirkungsgrad oder CO2-Märchen.
    [3] Per Elektrolyse gewonnener Wasserstoff dient als Energiespeicher, ähnlich wie Pumpspeicherwerke. Dabei wird immer dann H2 hergestellt, wenn man den Strom wegschmeißen oder teuer entsorgen müsste.

    China & Japan gehen den Weg der Brennstoffzelle — und das sicher nicht nur, um die Öl-Scheichs zu schädigen. So wie bei Computertechnik macht’s am Ende die Massenproduktion.

  4. Der Wasserstoffantrieb ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn genügend viel Energie zur Verfügung steht, d.h. wenn es Fusionsreaktoren gibt, oder vorläufig KKW mit komplettem Brennstoffkreislauf: Russland,China und die USA arbeiten daran…

  5. Sehr geehrter Herr Künstle, die Märchen-Nummer ist wahrlich amüsant jedoch… ist der Wasserstoff -> Verbrennungsmotor tatsächlich eine absolut sinnvolle Alternative, dazu noch völlig CO2-frei!
    Ihr Beispiel der sogenannten Brennstoffzelle trifft’s natürlich auf den Punkt und, ich denke, dass unsere Noch-Vorzeige-Industrie genug Hirn übrig hat, diese eben nicht als Überhol-Technik zu favorisieren!!!

Kommentare sind deaktiviert.