Die große Not der gewerblichen Geldvermehrer

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Seit der Finanzkrise, also eigentlich seit der Zeit des biblischen „Zins(ver)falls“, haben die gewerblichen Geldvermehrer massive Probleme ihr scheues Kapital zu mehren. Da braucht es allerhand Anstrengungen, um überhaupt noch eine wahrnehmbare Mehrung der Kröten auf die Reihe zu bekommen. Der allgemeine Geldverleih bringt dabei einfach viel zu wenig ein und erfordert völlig neue Strategien der Geldhaltung. So flüchtete allerhand Kapital über die Jahre bereits in vermeintlich grünere Börsenregionen, um sich dort an der sogenannten „Blasenbildung“ zu beteiligen und dem DAX und anderen Indizes aus ihren Bauten zu helfen. Das machte die Kröten wieder ansehnlich, prall und respektabel, wäre da nicht dieser elende kleine Schönheitsfehler.

Es fehlt einfach an Substanz. Alles heiße Luft, also volles Risiko. Doch als Grundlage der Geldzucht ist das keine sonderlich gute Idee. Erinnert es zu sehr an Luftballons und Seifenblasen. Da entwickeln die Banken zwecks Umverteilung von unten nach oben inzwischen ganz andere, bislang völlig unerhörte Instrumente. Schon mal etwas von Straf- oder Negativzinsen für Privatkunden gehört? Immerhin zahlen die Banken selbst sowas, wenn sie ihre Guthaben bei den Zentralbanken parken. Dann werden die Kröten ganz automatisch immer weniger, sind dafür aber sicher aufgehoben. Schon gut, sie werden nicht wirklich weniger, sie verbleiben dann halt in der Zentralbank, in einem eigenen Gehege derselben.

Kreative Ideen braucht die Bank

Das animiert die Banken prinzipiell dazu, auch die Kröten ihrer Sparer auf gleiche Weise (ver)schwinden zu lassen. Es ist und bleibt ein Elend mit den Kröten und mündet immer wieder in der alten Volksweisheit: „Wie komme ich an andrer Leut’s Geld?“. Ein ganz interessanter Weg dabei ist übrigens die „Mehrung der Kundschaft“. Und tatsächlich, die Bevölkerung in Deutschland mehrt sich doch von Jahr zu Jahr ganz „merkelig“ und da muss es zwangsläufig auch solche Angebote geben: Kredit für Flüchtlinge – So geht’s. Bei der so immanenten Thematik, der Vermehrung des Geldes, darf es einfach keine falschen Rücksichtnahmen geben. Wir alle wissen, dass es ohne Armut keinen Reichtum geben kann. Und da wir alle Reichtum anstreben, werden wir wohl mit der Armut der ganz überwiegenden Masse leben müssen.

Neben der Mehrung der Kundschaft gilt der „Negativzins“ immer noch als kreativstes Element dieses Jahrtausends, um an anderer Leute Geld zu kommen. Insgesamt löst das die Probleme der Banken leider immer noch nicht vollständig. Lieber möchte man zu den üppigen Hochzinszeiten zurückkehren, in denen sich das Geld so kräftig und stabil wie CO2-begastes Grün vermehrte. Da sind jetzt wieder einmal die Zentralbanken davor. Über die „Leidzinsen“, offiziell allerdings „Leitzinsen“, verderben sie nachhaltig den gewerblichen Geldvermehrern mittels deren historischer Niedrigkeit das Spiel.

Was macht der Negativzins noch?

Die Zentralbanken fahren diese Geldpolitik sicher nicht weil es ihnen Freude bereitet. Nein, die nackte Panik steht ihnen ins Gesicht geschrieben, weil sie auch um die Blasenbildungen wissen. Der anhaltende Negativzins ist mit Sicherheit das ideale Instrument die Blasenbildung einzudämmen. Jetzt wird kein Geld mehr aus dem „Nichts“ geschaffen, sondern das bislang aus dem Nichts geschaffene Geld nur anders verteilt. Aber wie üblich natürlich von unten nach oben. Wenn jetzt das Geld der Sparer durch den Negativzins ordentlich dezimiert wird, wandert ja wie zuvor, die Zinsdifferenz aus der Sparverzinsung und der Verleihung des Geldes ebenfalls in die Taschen der Banken und ihrer Eigentümer.

Das einzige, was trotz der geschilderten Widrigkeiten nach wie vor einwandfrei funktioniert, ist, oh Wunder, die Umverteilung von unten nach oben. Und nur darum drehen sich die Sorgen bei allen Banken. Wäre nämlich das nicht der Fall, könnte man ja auch auf die Banken verzichten und sich ausschließlich mit Zahlungsdienstleistern befassen. Bis es allerdings soweit ist, wird die Menschheit wohl noch den ein oder anderen Finanz-Crash überstehen müssen, um darauf zu kommen, dass Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in Geldfragen ganz anders aussehen.

Interessanterweise finden sich dazu bereits allerhand Hinweise in allen großen Religionen, die generell ein Zins- und Zinseszinsverbot predigen. Sollten die Altvorderen bereits über gravierendere Erkenntnisse verfügt haben, die wir jetzt erst mittels platzen von Finanzblasen und durch komplexere Finanz-Crash-Szenarien erlernen müssen? Eine unserer Aufgaben könnte vielleicht auch „generationsübergreifendes Lernen“ sein, denn das hier Geschilderte wiederholt sich bislang noch etwa alle drei Generationen. Wir sind bald wieder dran.

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