In der ZEIT: Ultralinksradikale provoziert Hass – und gilt als diskutabel

Max Erdinger

Ein "Zeit"-Redakteur bei der Arbeit (Symbolfoto: Von pathdoc/Shutterstock)

Rubriziert unter „Kapitalismuskritik“, findet Lukas Hermsmeier in der ZEIT wohlwollende Worte für die absolut barbarische Idee einer elternlosen Gesellschaft. In dem Zusammenhang stellen sich Fragen, die Hermsmeier nicht mitbedacht zu haben scheint. Nicht mehr nur eine Medienkritik.

Es passieren viele Dinge jeden Tag, das wenigste davon kann man isoliert betrachten. Alles steht in irgendwelchen Zusammenhängen. So auch diese „Buchbesprechung“ von Lukas Hermsmeier, der bemüht neutrale Worte findet, um über die Ungeheuerlichkeit zu schreiben, um die es geht: Um ein Buch, in dem die kreatürliche Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern negiert – und deshalb auch propagiert wird, ein Buch also, in dem es um das Ende von Elternschaft und Familie geht im Rahmen eines „Feminismus gegen die Familie“ und einer „vollständigen Schwangerschaftsgerechtigkeit“. Alle „Menschen in der Gesellschaft“ ziehen alle Kinder auf. Die Idee ist absolut widerwärtig und kann eigentlich nur jenem kranken, typisch linken Hirn entsprungen sein, welches noch immer geglaubt hat, es dürfe die menschliche Natur seiner zerebralen Blähungen wegen jederzeit anfurzen.

Aber dieses Buch, das Lukas Hermeister bespricht, und auch seine Buchbesprechung, stehen nicht isoliert im Raum. Das sind nur zwei Mosaiksteinchen in einem großen Gesamtbild. Ein nicht unwesentlicher Teil dieses Gesamtbildes wiederum besteht aus Linken, die anklagend auf Leute zeigen, von denen sie aus tiefstem Herzen gehasst werden. Daß es Linke mit der Eigenverantwortung nicht so haben, ist hinlänglich bekannt. Deshalb muß man sich auch nicht wundern, daß sie ihr Hauptaugenmerk nie auf denjenigen legen, der den Haß sät, sondern immer auf den, in dem die Saat aufgegangen ist.

Tatsächlich hätte es Hermsmeier kurz machen können. Das gegenständliche Buch ist der vorläufige Endpunkt einer mehrhundertjährigen Geschichte des Irrtums, beginnend in der Reformation, sich fortsetzend über die Französische Revolution und die Oktoberrevolution bis hin zu den Leichenbergen Stalins, Hitlers, Maos, PolPots und etlicher anderer „Weltenverbesserer“.  Hermsmeier hätte also schreiben können, daß es an der Zeit sei, endlich klug zu werden und dem verführerischen marxistischen Krempel zu entsagen. Das Buch, um das es geht, hätte er anführen können als den Beweis dafür, daß „der Schoß ist fruchtbar noch, dem alles Leid bis heut´entkroch„. Das tut er aber nicht. Stattdessen tut er so, als hätte die englische Theoretikerin Sophie Lewis Bedenkenswertes zu Papier gebracht. Und genau diese Beobachtung führt dann zu einer ganz anderen Frage: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die marxistische Pest wieder einmal – und endlich einmal so, daß sie für nächsten 500 Jahre keine Infektionsgefahr mehr darstellt – derartig eine vor den Latz bekommt, daß endlich der Frieden und die kreatürliche Liebe aufblühen können?

Der Haß

Der Hasser (Hater), die Haßrede (Hate Speech) und überhaupt der Haß sind seit einigen Jahren schwer in Mode bei den WUVUs (Wunschdenken und Visionen) der vormaligen Linken. Das ist deswegen so, weil es den WUVUs immer um den Haß der Anderen geht. Sie selbst hassen natürlich nicht, denn WUVUs lieben ihre „die Menschen“. Und zwar alle, außer denjenigen, die sie selbst nicht als Teil von „die Menschen“ begreifen können. Rechte zählen dazu. Auch, wenn der WUVU permanent von den „die Menschen“ redet, – von einem „rechten Menschen“ hat man noch keine WUVU reden hören.

Es scheint sich inzwischen eine dogmatische Gewißheit verfestigt zu haben, derzufolge auch immer diejenigen „die Menschen“ recht eigentlich „die Schweine“ sind, die den Haß empfinden, und im Leben nicht die Individuen, die ihn säen. Nicht wenige WUVU-Linke tun aber den lieben langen Tag nichts anderes, als genau das. Das können sie noch nicht einmal selbst bestreiten. Schließlich „kämpfen“ sie ständig für oder gegen etwas – und wenn es nur ein Radweg ist – , was wiederum impliziert, daß sie sich als von Feinden umzingelt begreifen. Während alle Nichtlinken etwas sagen, schreiben, etwas vorschlagen, etwas zu bedenken geben, einwenden und für etwas plädieren, „kämpft“ allein der WUVU. Immer und immer „kämpft“ der WUVU im Rahmen seines obsessiven Klassenkrampfes in allen seinen Surrogatsformen. Das bleibt nicht folgenlos.

In unschöner Regelmäßigkeit werden die WUVUs dann zu Opfern ihrer eigenen, kämpferischen Impertinenz. Das geschah bislang immer dann – und nach Ansicht führender Hasser noch immer zu selten – , wenn beispielsweise ein General zu der Überzeugung gelangt ist, daß seine Landsleute verdient hätten, von der „kämpfenden“ WUVU-Pest befreit zu werden, die ja nicht immer nur mit ihrem impertinenten Mundwerk „kämpft“, sondern bisweilen auch mit Waffen. Der Linksterrorist (Terror-WUVU) ist alles andere als ein unbekanntes Wesen. In Deutschland weiß man das spätestens seit den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Und in anderen Ländern hatten WUVUs damals bereits schwer zu leiden, in Chile und in Argentinien zum Beispiel. In einem dieser beiden Länder wurde damals auch der „Hubschrauber des Todes“ erfunden, wenn ich mich recht erinnere.

Zu Zeiten, in denen WUVUs aber dem Wahn erlegen sind, ihre etablierte Deutungshoheit dauere bis in alle Ewigkeit oder wenigstens 1000 Jahre, werden sie besonders dreist. Das ist in Deutschland allerweil der Fall. Ein gutes, aber extrem scheußliches Beispiel liefert Lukas Hermsmeister im linksradikalen Wochenkampfblatt namens „DIE ZEIT“ ab. Rubriziert unter „Kapitalismuskritik“, befasst er sich mit dem Buch einer britischen „Theoretikerin“ (!) namens Sophie Lewis. Full Surrogacy Now heißt ihr exorbitantvisionärer Schwachsinn, von dem Hermsmeister behauptet, er sei eine „Streitschrift“. Erschienen ist die barbarische Ungeheuerlichkeit von der elternlosen Gesellschaft als einem erstrebenswerten Ziel im Mai auf Englisch beim linken Verlag „Verso Books“, der „auch schon Judith Butler und Noam Chomsky herausgegeben hat“. Beim Zeitmeister Hermsmeister klingt das so, als ob er eine solche Verlags-Schmach mit einem Ritterschlag verwechseln würde.

Der, die oder das Judith Butler – man kann es auf Fotos tatsächlich nicht erkennen – gilt als führende/r/s Vertreter*In der völlig unglaublichen Gender-Theorie, die wiederum von kämpfenden WUVUs als „Wissenschaft“ bezeichnet wird. Jedenfalls so lange, bis eine Regierung sagt: „Ihr Spinner habt wohl den Arsch offen!? Wir streichen euch sämtliche staatliche Förderung!“. So geschehen in Norwegen im Jahre 2011. Neidvoll blickt man als Deutscher nach Oslo und erkennt, mit welchem Personal man in der eigenen Regierung geschlagen ist und daß nicht grün & blau die schwarze Sau schmückt, sondern nur grün. Worum geht es also?

Die elternlose Gesellschaft

Die Wissenschaftshistorikerin und Biologin Donna Haraway, die in ihrem Buch „Unruhig bleiben“ zuletzt programmatisch „Macht euch verwandt, nicht Babys!“ von ihren Leserinnen und Lesern forderte, schrieb dem Verlag eine begeisterte Empfehlung: „Full Surrogacy Now ist der ernsthaft radikale Aufschrei für vollständige Schwangerschaftsgerechtigkeit, auf den ich gehofft habe.“ – Nicht, daß Hermsmeier das Buch direkt selbst empfehlen würde, wozu auch?  – „Zahlreiche Kritikerinnen empfahlen Lewis‘ Buch ebenfalls.„, schreibt er.

Er spekuliert offenbar darauf, daß der Infantildemokrat in den Kategorien von „viele“ und „wenige“ denkt, anstatt in denen von „vernünftig“ und „durchgeknallt“, „wahr“ und „unwahr“, „richtig“ und „falsch“. Und er spekuliert darauf, daß der infantile ZEIT-Leser das wiederum subliminal extrapoliert auf seinen zeitgenössischen Fetisch von der „Mehrheit“ und der „Minderheit“. Zahlreiche Kritikerinnen: Nur Frauen. Hätten sich nämlich auch Männer begeistert über das Buch geäußert, hätte sich Hermsmeier ein „Kritikerinnen“ nicht erlauben können. Er hätte „Kritiker*Innen“ schreiben müssen, um von seinen ZEIT-geistigen Leser*Innen keine aufs Schriftsäckchen zu bekommen. Außerdem ist die Demokratie angeblich weiblich, wie uns ein/e Musiker*In namens Sebastian Krumbiegel völlig verpeilt weismachen will, so daß man unwillkürlich an einen verbogenen Kleiderbiegel aus Draht denkt. Daß jemand von Demokratie etwas verstünde, der an eine „vollständige Schwangerschaftsgerechtigkeit“ glaubt, könnte mir ein krummsingender Kleiderbiegel noch nicht einmal dann weismachen, wenn er Krümmerbiegel hieße und noch dämlichere Lieder sänge.

Das muß man sich wirklich einmal vergegenwärtigen: Lukas Herms-ZEIT-meier erwartet von seinen Lesern, daß sie etwas auf das geben sollen, was jemand über ein Buch behauptet hat, der selbst eine „vollständige Schwangerschaftsgerechtigkeit“ kennt. „Vollständige Gerechtigkeit“ wäre ja schon schwachsinnig. Eine zum Teil gerechte Ungerechtigkeit gibt es nämlich nicht. Aber „Schwangerschaftsgerechtigkeit„? – Da verzweifelt doch jedes Spermium an der fehlenden Intelligenzgerechtigkeit!?

Und überhaupt: Von WUVUs, die solche Bücher schreiben wie die durchgeknallte Sophie Lewis, und von solchen nicht minder unterbelichteten Intellektsimulantinnen wie jener „Wissenschaftshistorikerin und Biologin Donna Haraway“ wird der Mensch entweder depressiv oder aggressiv. Von Glück kann der WUVU reden, daß der europäische Anti-WUVU kultiviert und still vor sich hinleidet, anstatt sich ein Dutzend Hubschrauber anzuschaffen in seinem ganzen Haß.

Full Surrogacy Now – („Vollständige Leihmutterschaft sofort“) – handelt wenig von Abtreibung. Die Autorin, die in Philadelphia wohnt und am Brooklyn Institute for Social Research arbeitet, entwirft einen „Feminismus gegen die Familie“, so der Untertitel des Buches.„- schreibt Lukas Hermsmeier. Da fragt man sich doch, warum der ZEIT-geistige ein solches Buch überhaupt bespricht, anstatt kurz und bündig zu schreiben, daß es ein riesiger Marxistenscheißdreck ist, der nicht verdient, daß man sich mit ihm befasst. Komplett ignorieren hätte er es notfalls auch können. Also: Warum bespricht Lukas Hermsmeier in der ZEIT ein Buch, das auf der Skala des radikalen WUVU-Schwachsinns gleichauf mit „Mein Kampf“ liegt? – Die Antwort liegt auf der Hand: Weil man bei der ZEIT die Auflagenzahlen im Blick hat und über die Jahre gelernt hat, zielsicher Einschätzungen vorzunehmen hinsichtlich der Frage, woran sich der saturierte und bis ins Mark bigott-dekadente ZEIT-Leser pseudointellektuell aufgeilt. Der ZEIT-Leser will Marxistenscheißdreck lesen. Ganz unbedingt will er das. Und Giovanni di Lorenzklo liefert zuverlässig.

Lewis stellt sich vor, wie es wäre, wenn wir Familien nicht mehr bräuchten, weil die Gesellschaft ausreichend Fürsorge und Nähe spendete, sie schreibt von „Polymutterschaften“ und „Schwangerschaftskommunismus“. Und ihre Hauptforderung lautet: „Wir müssen Wege finden, um der Exklusivität und Vormachtstellung ‚biologischer‘ Eltern im Leben von Kindern entgegenzuwirken.

Da fehlen einem schier die Worte, so wahnsinnig ist das. Die Lage ist wirklich ernst. Das muß man sich einmal geben: „… weil die Gesellschaft ausreichend Fürsorge und Nähe spendet„. Einmal davon abgesehen, daß „brauchen“ und „nicht brauchen“ nicht die Kriterien sind, nach denen „Familie“ allgemeingültig „qualifiziert“ zu werden hat – erstens: Wer würde definieren, was „ausreichend Fürsorge und Nähe“ sein sollen, der nicht automatisch voraussetzen würde, daß alle Kinder gleich viel Fürsorge und Nähe brauchen, und was würde er mit der Behauptung einer solchen Gegebenheit tatsächlich beweisen? – Daß er evident ein verrohter, lebensfeindlicher Mordstrummdepp ist. Es gibt keine zwei Kinder, die gleich wären. Zweitens: Unmöglich kann es heißen „weil die Gesellschaft ...“, sondern wenn schon, dann müsste es heißen „wenn die Gesellschaft …„.

Mit anderen Worten: Die durchgeknallte englische Theoretikerin in ihrem ganzen Rinderwahnsinn hat wieder den marxistischen Fehler gemacht, von inexistenten Voraussetzungen auszugehen, oder zumindest vorauszusetzen, es gäbe irgendeine Legitimation dafür, „die Gesellschaft“ per Zwang – anders geht das selbst theoretisch nicht – so zu verwandeln, daß flächendeckend „ausreichend Fürsorge und Nähe“ für alle Kinder vorhanden sind – und drittens: Die totalitäre Feministenmadame weiß genau, was in einem solchen theoretischen Fall kollektiv als ausreichend zu betrachten wäre. Wie sagte doch Frau Andrea Nahles von der SPD anno 2017 so treffend? – „Ab morgen gibt es auf die Fresse.“

Lukas Hermsmeier ganz fasziniert in Giovanni di Lorenzos ZEIT-Klo: „Was Lewis auf 224 Seiten als analytische Utopie ausbreitet, wird manchen Lesern gewiss als Dystopie erscheinen, als Provokation aus der akademischen bubble. Wie könnte es auch anders sein? Es ist schließlich ein Angriff auf Traditionen und Sicherheiten, eine Strapaze für unsere geistigen Kapazitäten. Wie wir uns fortpflanzen und organisieren, wie wir über Erziehung, Natur, Arbeit und Beziehungen nachdenken – all das könnte fundamental anders sein, schreibt Lewis. Und müsste es auch, im Sinne einer emanzipatorischen Revolution.

Hermsmeier beteiligt sich aber gerade selbst am akademischen Bubblegebabbel. Offensichtlich steht er auch einer „emanzipatorischen Revolution“ nicht abgeneigt gegenüber, respektive dem, was ein Linker als Emanzipation durchgehen zu lassen geneigt ist. Als WUVU begreift er selbstverständlich die Emanzipation vom Staat nicht als Emanzipation. Ganz im Gegenteil. Das genaue Wort für das, was der Linke mit „Emanzipation“ meint, heißt „Vereinzelung“. Wer in keinem einzigen nichtstaatlichen Sozialverband mehr zuhause ist und niemandem gegenüber eine kreatürliche Verpflichtung fühlt –  selbst seinem eigenen Nachwuchs nicht – , der ist nach linker Lesart „emanzipiert“. In Wahrheit ist er zum hilflosen Mündel seines Staates und zum Unmenschen im wahrsten Sinne des Wortes degeneriert.

Was ist ein Hubschrauber?

Zugegeben: Dieser ZEIT-unterstützte Anschlag auf die kreatürliche Liebe, besonders auf die zwischen Eltern und ihren Kindern, „strapaziert meine geistige Kapazität“ insofern, als daß ich mir allmählich nicht mehr vorstellen kann, wie wir ein Zusammenleben mit WUVU-Dumpfbacken noch nach den überlieferten, zivilisatorischen Standards gestalten sollen, ohne den Hubschrauber als solchen allmählich sexy zu finden. Wer den Haß hasst, der hasst auch linke WUVUs, weil sie permanent damit beschäftigt sind, ihn zu säen. Er wäre sozusagen „Sekundärhasser“ oder „Hassreaktionshasser“. Auf jeden Fall hasst er, daß er dieses ungute Gefühl mit sich herumtragen muß, und nichts, aber auch gar nichts dagen unternehmen kann, ohne daß er dabei seine eigenen Wertmaßstäbe über Bord werfen müsste. Womit wir dann beim Abwurf wären.

Es hat Zeiten gegeben, zu denen ich völlig fassungslos vor der Tatsache stand, daß es Leute gibt, die andere Leute betäuben, um sie als nächstes in großer Höhe über dem Urwald oder dem Rio de la Plata aus dem Hubschrauber zu stoßen. Mein Urteil stand damals unerschütterlich fest: Wer so etwas tut, ist ein entsetzlicher Verbrecher. Man kann so etwas nicht gutheißen. Das ist ein absoluter Zivilisationsbruch. Aber es ist auch eine Ironie der Geschichte, daß es ausgerechnet linke WUVUs sind, welche die These vertreten, der Mensch sei hauptsächlich Produkt seiner Sozialisation. Das muß wohl auch für diejenigen gelten, die Leute aus Hubschraubern stoßen. Und als das passiert ist, vor ungefähr vierzig Jahren, ist Sozialisation innerhalb eines auf marxistischen Ideen fußenden Welt- und Menschenbildes gerade in Südamerika schon lange mehr nicht ungewöhnlich gewesen.

Da darf man dann schon „ein bißchen linksherum fragen“, ob die Herren Generäle Pinochet und Videla wirklich so umfassend schuld gewesen sind an ihren Taten, – also ungefähr so schuldig wie Stalin, PolPot oder Mao, – oder ob sie, WUVU-korrekt ganz relativistisch gedacht, vielleicht nicht ein bißchen weniger schuld gewesen sein könnten, als es die internationale Linke entgegen ihrem eigenen Welterklärungsmodell behauptet. Daß die einen Verbrecher einfach andere Verbrecher aus den Hubschraubern geworfen haben könnten, kommt in ihrer selbstgerechten Ideologenwelt nicht vor. Die Ermordeten werden zu Opfern – und sind retrospektiv als „unschuldig zu Lebzeiten“ zu betrachten. Das ist aber grob wahrheitswidrig.

Der argentinische General Videla hat kurz nach seinem Putsch 1976 in einem Interview eingeräumt, daß sein Militärregime wohl 30.000 Linke „unschädlich“ machen müssen wird. Absolut ekelhaft, nicht nur der Euphemismus. Aber heute frage ich mich, in welcher mentalen Verfassung er sich befunden haben muß, als er diese Ungeheuerlichkeit äußerte. Ich frage mich, ob Videla den Haß als solchen vielleicht noch mehr hasste, als ich. Man weiß nicht, ob Videla betrübt über das gewesen ist, was ihm wohl als unabwendbare Notwendigkeit vorkam, ob es ihm egal war oder ob er sich schon vorfreudig die Hände dabei gerieben hat. Heute kann ich mir vorstellen, daß ihm eventuell klar gewesen sein könnte, welche Schuld er sich aufladen wird – und daß er nach gründlicher Analyse sämtlicher Optionen, die er erkennen konnte, keinen anderen Ausweg mehr aus dem ubiquitären Haß sah, als sich diese Schuld eben aufzuladen. Immerhin ist bezeichnend, daß Videlas Militärjunta sich nach ihren Mordtaten verhielt wie jeder schuldbewußte Mörder. Sie wollte nichts damit zu tun gehabt haben. Auf Polizeidienststellen in Argentinien wurde Angehörigen ermordeter Marxisten, die Vermisstenanzeigen aufgaben, im freundlichsten Ton erklärt, die Verschwundenen würden ganz bestimmt wieder auftauchen. Sie hätten sich eben für ein Weilchen abgeseilt. Wer könne schon in einen Menschen hineinschauen. – usw. So viel steht fest: Videla und seine Untergebenen wussten genau, daß sie sich nicht mit Ruhm bekleckern. Sie haben das in Kauf genommen.

Das sind alles ganz scheußliche Gedanken, aber die Scheußlichkeit eines Gedankens rechtfertigt noch nicht, ihn nicht zuzulassen. Schließlich hat man sich als Anti-WUVU unter Kontrolle, auch wenn das ein WUVU – und zwar aus höchst eigennützigen Gründen  – nicht wahrhaben will. Der WUVU braucht ein Feindbild – und meinereiner ist eines seiner liebsten. Es ist aber der Anti-WUVU, der REAP (realitätsnaher Pragmatiker), der kultiviert ist, nicht der WUVU. Der ist bloß gnadenlos selbstgerecht und völlig gewissenlos, wie man daran erkennen kann, daß er mit nonchalanter Leichtsinnigkeit permanent den Haß sät, den er hernach krokodilstränig beklagt als armes, unschuldiges Opfer seiner eigenen Sozialisation.

Wie fragte doch Lukas Hermsmeister so verdruckst und scheinheilig, so pseudoneutral und pseudoneugierig am Anfang seiner Buchbesprechung in der ZEIT? – So fragte er: „Schafft die Familie ab, fordern manche linke Theoretikerinnen: Kinder sollten von der Gesellschaft aufgezogen werden statt von ihren Eltern. Ist die Idee so abwegig?“ – Allein schon zu fragen, ob eine solche Idee abwegig ist, verrät, daß es der Fragesteller für möglich hält, sie könnte auch etwas anderes als abwegig sein. Das ist bereits ein Outing. Fest steht: Der ZEIT-Hermsmeier kann eine abwegige Idee nicht mehr eindeutig erkennen, wenn er eine sieht. Und nicht jeder, der „in die Fresse kriegt“ (A.Nahles) ist automatisch schon unschuldig. Das hätten die WUVUs nur gern so. Aus sehr gut nachvollziehbaren Gründen. Jedoch: Der Wunsch war schon immer Vater des linken Gedankens.

 

 

 

 

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15 Kommentare

  1. Die Hubschrauber-Passagen sind eine schlimme Entgleisung, das entwertet leider Alles und ist Wasser auf die Mühlen der Linken. Bitte dringend überarbeiten!

  2. Ich schließe mich Sackpfeife an. Aber beim Thema „links“ und „Feminismus“ schreibt Hr. Erdinger sich regelmäßig seinen Hass von der Seele… Neues sucht man vergeblich und Begründungen, warum eine Gesellschaft ohne Kernfamilie kaum denkbar ist, fehlt – außer man akzeptiert die allgemeine Rudelbegründung: kommt von linken Frauen – kann nur Scheiße sein. Die ist mir aber zu dünn.
    Kinder brauchen eine sichere emotionale Bindung an feste Bezugspersonen und genügend Freiraum, um die Welt zu explorieren (Bindungstheorie, John Bowlby). DAS ist die Begründung, weshalb „full surrogacy now“ eine krude Idee ist.

    Im übrigen kotzt sich Herr Erdinger einfach nur aus und liest Dinge in den Text hinein anstatt heraus. Aber was solls. Für meinen Geschmack hat sein Beitrag die Bedeutung von „… und sogar der Großknecht bemerkte: Hollaröduliöh“ (Zitat aus Wolfgang Ambros: Watzmann;
    1. Gespräch der Knechte)
    Reminder: ich bezeichne Hr. Erdinger NICHT als Großknecht!

  3. Sich über dieses Buch, bzw. die kranken Ideen, die darin vermittelt werden, lustig zu machen, ist gefährlich. Oft genug wurden solche kruden Ideen bereits umgesetzt und in geschriebene oder ungeschriebene Gesetze gegossen. Der ganze Gender-Quatsch entsprang auch mal einer Idee. Und was ist daraus geworden!? Leute, die Ideen wie die Lewis verbreiten, sollten sofort aus dem Verkehr gezogen und mit ihrer eigenen Medizin konfrontiert werden. Lebenslange Einzelhaft ohne jede menschliche Zuwendung und ohne jeden Kontakt zu Freunden und Familienangehörigen. Vielleicht sind solche Typen dann ja irgendwann mal kuriert?

    • Menschen aus dem Verkehr ziehen und einsperren – weil sie eine unerwünschte Idee vertreten? – Kommt uns das nicht bekannt vor….??

      Ganz recht: Ideen verbieten geht nicht – sie entkräften oder ad absurdum führen schon.

  4. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten tönte schon der Spitzbart Walter Ulbricht in der verflossenen DDR, nur kurze Zeit später war sie da.

  5. Wenn der ‚ Zeit ‚-Redakteur so wie auf dem Bild oben tippt, da kann ja nichts Vernünftiges herauskommen. Da würde ich mich aber auch vertippen, denn mit den Fingern klappts besser. 😉

  6. Na ja, so ist das eben, wenn Kommunisten queer werden.

    Wenn sie nicht haben können, was sie gerne möchten, dann sorgen sie mit Konsumtions-Kommunismus nicht nur dafür, dass sie es doch noch bekommen, sondern dass jeder denken muss, es stünde ihnen auch noch zu.

    Indem Sophie Lewis die „Gebärmutter-Beziehungen“ durch Gleichstellung mit „assistierter Reproduktion“ deromantisiert, kann sie sich nun endlich auch schwanger fühlen und damit als ganz normale vollwertige Frau – obwohl sie nur eine Leihmutter bezahlt.

    Und der ganze Aufwand nur dafür, um den Streich, den ihr die Natur gespielt hat, möglichst unauffällig in die Gesellschaft zu integrieren und dann nicht mehr projizieren zu müssen.

    Mann, muss die Dame Probleme haben…

  7. Hass und Verkommenheit sind u.a. die Ursachen für die Vernichtung unserer Wertegemeinschaft und der demokratischen Grundlagen. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist dabei atemberaubend.

  8. Warum existieren diese art Printmedien überhaupt noch?
    Die CO2 Bilanz ist grauenhaft .
    Patholigescher Nonsens umrahmt von Werbung.

    Was ich mich dabei besonders interessieren würde,wie hoch ist der Werbeprozentanteil eines Magazins wie dem Spiegel?

  9. Ganz schön viel Text, ein „das Buch ist Scheiße“ hätte sicherlich auch gereicht und wäre inhaltlich treffend gewesen…

  10. Zeit, SPIEGEL, TAZ usw.. alles Blätter, bei denen es für jeden Fisch auf dem Wochenmarkt quasi schon eine Schande wäre, darin eingewickelt zu werden. Wer kauft so etwas?

  11. ZEIT, ZON, ze.tt und die ganzen Anhängsel …. H.J.Fest und Gräfin Dönhoff als ehemalige Herausgeber rotieren längst in ihren Gräbern über das was da so veröffentlicht wird.

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