Philosoph Renaud Camus: „Umvolkung“ – was linke Schreibgriffel partout nicht wahrhaben wollen

Max Erdinger

Renaud Camus ca. 2007 - Foto: Imago

Arabische Clans, die ganze Stadtviertel kontrollieren, tägliche Messermorde und Vergewaltigungen am laufenden Band, überfüllte Gefängnisse, Deutsche, die vor einfahrende Züge gestoßen werden und alles das: Der französische Philosoph Renaud Camus gilt als Erfinder des Begriffs „Umvolkung“. Und bei der „taz“ hat man sich entschieden, ohne ein einziges Argument gegen den Philosophen zu stänkern. Das ging schwer in die Hose. Die äußerst fundierte Medienkritik.

Renaud Camus feiert heute seinen 73. Geburtstag, vermutlich auf seiner Burg Château de Plieux in Südfrankreich. Der ältere Herr gilt den vormaligen Linken und heutigen WUVUs (Wunschdenken und Visionen) von der „taz“ als spiritus rector aller derjenigen, die man dort eigenidentitätsstiftend hasst wie die Pest: REAPs (Realittätsnahe Pragmatiker), Konservative, Freiheitliche und auch Identitäre also, respektive alle, die das Wort „Umvolkung“ da gebrauchen, wo WUVUs im Namen ihrer herbeiphantasierten Weltmenschlichkeit von einer „humanitären Herausforderung“ reden.

Camus ist Autor des 2011 erstmals erschienenen Bestsellers „Le Grand Replacement“ (Großer Bevölkerungsaustausch). Gern wird er als Vordenker von Marine Le Pens Rassemblement National bezeichnet. Intelligente Menschen freilich interessieren sich nicht dafür, wen WUVUs wo genau verorten, sondern dafür, was jemand sagt. Dementsprechend wäre Renaud Camus als ein intellektuell rücksichtsloser, unabhängiger Denker zu bezeichnen, der einfach schreibt, was er erkannt hat, und zwar unabhängig von der Frage, wem das gefällt oder nicht. Aus sehr verständlichen Gründen zieht man es aber bei der „taz“ vor, Camus eine Verantwortung anzudichten für die Rückschlüsse, die seine Leser nach Abgleich des Gelesenen mit ihren Alltagserfahrungen auf das moralische und auch das intellektuelle Desaster in den Köpfen von WUVUs ziehen. Sehr verständlich ist dieses „taz“-Verhalten deshalb, weil WUVUs ihre Mitmensch*Innen in sämtlichen Zusammenhängen als denkunfähige Mündel begreifen, die ihrer volkspädagogischen Moralerziehung bedürfen, was wiederum für sich genommen schon die Berechtigung des Kürzels „WUVU“ beweist.

„taz“: Kein einziges Argument

Wie man das von WUVUs gewöhnt ist – und die „taz“ enttäuscht auch dieses Mal nicht – kaprizieren sich die selbsternannten Volkspädagogen immer auf die Person, wenn sie argumentativ deren Argumenten nichts entgegenzusetzen haben. Eine Intensivierung dieser Taktik ist dann zu beobachten, wenn WUVUs nicht nur nichts entgegenzusetzen haben außer ihrer vor Selbstgerechtigkeit triefenden „Moral“, sondern sich vielmehr persönlich angegriffen fühlen. Das liest sich dann unter Bezug auf Renaud Camus so, wie in den folgenden Zitaten aus dem „taz“- Wut- Schaumartikel.

Der 72-jährige Camus, der auf der Burg Château de Plieux in Südfrankreich lebt, gilt als „Erfinder“ jener Vorstellung: Sie besagt, dass in den USA, Europa und Ozeanien die Vorherrschaft der Weißen aufgrund von Immigration die Zusammensetzung der Bevölkerung so sehr ändert, dass weiße „Einheimische“ allmählich durch Zugewanderte ersetzt sein würden.

Die Übersetzung Deutsch – WUVU:

1. Gedanke = Erfindung

2. Realität = Vorstellung

3. Indikativ = Konjunktiv

Dabei soll es sich nicht nur um normale demografische Prozesse handeln, sondern um eine Art Komplott, nämlich ein von einer „Elite“ ausgeheckter „Plan“: Im Kontext der Globalisierung solle „Menschenmaterial“ importiert werden, um die Geburtenschwäche der Weißen zu kompensieren. Dabei würde im Namen eines schädlichen „Multikulturalismus“ die Zivilisation oder „Identität“ der Einheimischen vernichtet.

1. Yascha Mounk – („In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.“) + noch mehr Yascha Mounk = „Art Komplott“

2. Global Compact For Migration = von Elite angeblich ausgeheckter Plan, nicht tatsächlich.

 3. „Deutsche in Frankfurt nur noch die größte Minderheit=  Vorherrschaft der Weißen wird angeblich aufgrund von Immigration die Zusammensetzung der Bevölkerung so sehr ändert, dass weiße „Einheimische“ allmählich durch Zugewanderte ersetzt würden.                                                                                                                                  

„Es handelt sich (bei Renauds Bestseller „Le Grand Replacement“, Anm.d.Verf.) um eine der zahllosen Versionen von Kulturpessimismus rassistischer Untergangspropheten. Für den bekannten Demografen Hervé Le Bras ist der „Große Austausch“ ein unwissenschaftlicher „Rassenmythos“. Die demografische Realität entspricht ihm zufolge einer ethnischen Vermischung („métissage“) in Europa, dies geschehe „mindestens seit dem Neolithikum“.                                                      

1. schonungsloser Realismus  = Kulturpessimismus

2. Philosoph, Autor, Politiker, Denker, Realist = Untergangsprophet

3. als Philosoph, Autor, Politiker, Denker oder/und Realist verkleidete, völlig verkommene Drecksau, dumm wie zehn Meter Feldweg = rassistischer Untergangsprophet

4. kennt keine Sau, noch nie gehört = bekannter Demograf Hervé Le Bras

5. 2015 – 2019 = Neolithikum

Der studierte, kultiviert wirkende Camus, der einst in regem Austausch mit AutorInnen wie Louis Aragon und Marguerite Duras stand, sogar Umgang mit Andy Warhol pflegte, hat mit seinen meist im Eigenverlag veröffentlichten Publikationen dieser paranoiden Obsession eine neue ideologische Grundlage geliefert. Camus beruft sich wiederum auf Schriften des rechten Politikers Maurice Barrès und des antisemitischen Journalisten Édouard Drumont.

1. studiert, kultiviert = studiert, kultiviert wirkend, tatsächlich aber Barbar

2. Andy Warhol ist der Beste = sogar Umgang mit Andy Warhol pflegte

3. scheußliche Realität = paranoide Obsession

4. anpissen unserer eigenen Lieblingsideologie = neue ideologische Grundlage liefern

5. Politiker Maurice Barrés und Journalist Èdouard Drumont = rechter Politiker Maurice Barrés und antisemitischer Journalist Èdouard Drumont. Wir sind die „taz“, glaubt uns das einfach mal so.

Camus geht es nicht um ein „Konzept“, sondern um Evidenz: „Ist ein Volk, das rasend schnell in seinen Straßen, […] seinen Schulen, insbesondere im Fernsehen vor unseren Augen durch ein oder mehrere andere [Völker] ersetzt wird, immer noch dasselbe, weil es offiziell denselben Namen trägt?“ (aus „Le Grand Remplacement“, 2013)

1. das Geilste überhaupt = Konzept (gern ideologisches Konzept)

2. gottverdammte Kackscheiße = Evidenz

3. „Ist ein Volk, das rasend schnell – ( … ) – durch ein oder mehrere andere [Völker] ersetzt wird, immer noch dasselbe, weil es offiziell denselben Namen trägt?“ = völlig gegenstandslose Frage eines studierten, kultiviert wirkenden Barbaren und rassistischen, ultrarechten Hochstaplers, der als Pseudophilosoph und unlinker Schmalspurdenker besser sein Schandmaul gehalten hätte.

Camus’ Begriff wird von diversen Rechtsextremen genannt, die damit vor einer „Islamisierung“ der westlichen Gesellschaften warnen. Vor allem in der Propaganda der „Identitäten“ und Neonazis ist „Der Große Austausch“ ein Dauerbrenner, auch der österreichische Rechtsaußen Heinz-Christian Strache (FPÖ) hat davon als „Tatsache“ gesprochen. Im rechtsradikalen Milieu hat das Schlagwort die „Überfremdung“ abgelöst, es richtet sich dem Konzept zufolge weniger pauschal gegen Migration und Ausländer, sondern vor allem gegen die afrikanisch-arabisch-muslimische Zuwanderung.

1. alle außer Mutti und wir von der „taz“ = diverse Rechtsextreme

2. Islamisierung = Islamisierung

3. Beschreibung der Realität = Propaganda

4. Tatsache = Tatsache

5. Alle Milieus außer dem linken = rechtsradikales Milieu

6. Umvolkung und Überfremdung = Umvolkung statt Überfremdung

7. (…) –  scheißegal jetzt, als Linker darf ich mir in ein- und demselben „taz“-Artikel so oft selbst widersprechen wie ich will = Rechte folgen der Evidenz, Linke dem Konzept (s.o.)

Zudem wurde er (Camus, Anm.d.Verf.) führendes Mitglied der mit der extremen Rechten verbündeten Splitterpartei SIEL (Souve­raineté, identité et libertés). Bei der Europawahl kandidierte er auf der Liste „La Ligne claire“ (0,01% Stimmen), in deren Parteiprogramm die „Entkolonisierung“ Frankreichs durch „unmittelbare Rückwanderung“ aller Immigranten (inklusive ihrer Nachkommen) in ihre (afrikanischen) Herkunftsländer gefordert wurde.“

1 . als Politiker nicht weiter erwähnenswert = führendes Mitglied einer 0,01-Prozent-Partei.

2. Wunschvorstellung äußern = Forderung

Auf einem im Netz verbreiteten Foto war eine Mitkandidierende zu sehen, die ein Hakenkreuz in den Sand zeichnete. Die ideologische Verwandtschaft zu Hitlers mörderischer Rassenlehre wurde zu offensichtlich für den auf seine philosophische Subtilität bedachten Renaud Camus.

1. Gegenkandidierende (für eine führende Position in einer 0,01-Prozent-Partei) = Mitkandidierende

2. Hammer & Sichel nicht in den Sand zeichnen = Hakenkreuz in den Sand zeichnen. Verunstaltet den Sand 1000 Jahre lang.

3. Zufällig in der Nähe sein, wenn eine andere Person Zeichen in den Sand malt = ideologische Verwandtschaft zu Hitlers mörderischer Rassenlehre

Resümee

Das Problem mit den WUVUs ist nicht so sehr, daß sie WUVUs sind, sondern daß sie im Linksstaat names Bunte Republik Deutschland trotz ihrer sagenhaften Unterbelichtung an den Schalthebeln der politischen und der medialen Macht sitzen, z.B. in der „taz“-Redaktion. Mit einem WUVU von der „taz“ zusammen an der Strandbar zu sitzen, Sangria zu schlürfen und sich von ihm schildern zu lassen, wie gerade das Einhorn durch die leichte und seichte Brandung galoppiert, kann hingegen ganz lässig sein. Erst, wenn er von Geschichte, Philosophie und Politik daherzuschwätzen anfängt, sollte man ihm seine Sangria über dem Kopf ausschütten.

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11 Kommentare

  1. Wer wirklich kapiert hat, wie katastrophal es um die Zukunft der Deutschprachigen in Europa bestellt ist,

    der kann nur entsetzt den Kopf schütteln, wenn da kraftmeierisch-deutschtümelnd vom Kampf gegen den Identitätsverlust, die Überfremdung und den Bevölkerungsaustausch schwadroniert wird,

    statt einfach nur zu thematisieren, daß es nur darum gehen kann und gehen muß, unser immer schneller in Gang kommendes Islamisiertwerden mit vollem Einsatz abzuwenden

    – und das gerne zusammen mit allen hierzulande lebenden nichtkoranverwirrten Personen, die zwar einen Migrationshintergrund haben, aber die deutsche Sprache schätzen und sie möglichst fehlerfrei beherrschen (wollen.)

  2. Die franz. Band „Les Brigandes“ hat übrigens einen gleichlautenden Musiktitel „Le grand Remplacement“ produziert. Absolut beeindruckend.

    • Mit der Sperre/Löschung im Februar hat YouTube der Wirkweite der „Les Brigandes“ erheblich geschadet. Zugleich wurde damit dokumentiert, dass Kunstfreiheit nur noch Worthülse ist.

      Alle Videos sind nun über deren Webseite Lesbrigandes wieder rekonstruiert. Die deutsch untertitelten Videos von Karl Bremer aka Brenner haben es leider nur teilweise auf BitChute geschafft.

  3. Guter Artikel, dieser Pseudophilosoph sitzt hochmütig und selbstgefällig in seiner wunderschönen Residenz in Frankreich und zerstört durch widerliche geistige Ergüsse das Leben der Ureinwohner Europas, sein Grinsen möchte man tatsächlich mit einer über ihm ausgekippten Sangria löschen.

  4. ZITAT: „Dementsprechend wäre Renaud Camus als ein intellektuell rücksichtsloser, unabhängiger Denker zu bezeichnen, der einfach schreibt, was er erkannt hat, und zwar unabhängig von der Frage, wem das gefällt oder nicht.“

    Genau nach meinem Geschmack.

  5. Na ja, bei einem Blatt mit ca. 20.000 Lesern von Schalthebeln der Macht zu sprechen, ist wohl etwas übertrieben…

  6. Guter Artikel, dieser Pseudophilosoph sitzt hochmütig und selbstgefällig in seiner wunderschönen Residenz in Frankreich und zerstört durch widerliche geistige Ergüsse das Leben der Ureinwohner Europas, sein Grinsen möchte man tatsächlich mit einer über ihm ausgekippten Sangria löschen.

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