Das deutsche Krebsgeschwür: Dialogverweigerung

Wolfgang Hübner

Foto: Von pathdoc/Shutterstock

Vor einigen Tagen hat der international renommierte deutsche Schriftsteller und Jurist Bernhard Schlink in einem Gastbeitrag der FAZ einen lesenswerten Text mit dem Titel “Der Preis der Enge. Wie der gesellschaftliche und politische Mainstream die Rechten stärkt“ (Artikel mit Bezahlschranke – eine Zusammenfassung gibt es hier) veröffentlicht. Schlink macht sich kritische Gedanken über die Folgen der weitgehend bis totalen Ausgrenzung und Diffamierung „rechter“, also konservativer wie patriotisch-freiheitlicher Positionen im geistigen und politischen Leben Deutschlands. Er plädiert dafür, sich auch mit solchen Positionen argumentativ auseinanderzusetzen.

Zwar offenbart auch Schlink gleich am Anfang seines Textes noch einige Fehleinschätzungen über das wahre Ausmaß der inzwischen obwaltenden Gesinnungsdiktatur in Deutschland. Doch insgesamt ist es vernünftig, was dieser gewiss nichtrechte Intellektuelle schreibt. Denn er hat erkannt, dass der verweigerte Dialog mit der erstarkten Rechten enorm schädlich für das Zusammenleben in Staat und Gesellschaft ist. Es ist nicht übertrieben, die Folgen dieser Verweigerung sogar als Krebsgeschwür im Leib der Nation zu diagnostizieren. Denn wer nicht miteinander redet, wird früher oder später gegeneinander kämpfen.

Noch ist dieser Kampf einseitig. Er wird fast ausschließlich von denen geführt, die sich im Schutze der gegenwärtig Mächtigen wissen. Sie grenzen aus, was ihnen nicht ins Weltbild passt, sie diskriminieren Meinungen und Kräfte, die sich nicht dem Gesinnungsdiktat unterwerfen. Und sie üben repressive Toleranz an Personen aus, indem solche mit abweichenden Gedanken diese zwar sagen und schreiben können, aber deshalb mit dem Verlust ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihres Berufes und ihres Rufes bezahlen müssen. Die Gesinnungsdiktatur in Deutschland geht subtiler vor als in China, aber kaum weniger effektiv.

Haben sich als Reaktion auf Schlinks Text zuerst einige darob begeisterte Leser in der FAZ gemeldet, sind in der Ausgabe vom 7. August nun drei lange Leserbriefe abgedruckt, in denen gereizte Ablehnungen der Überlegungen des Schriftstellers zum Ausdruck gebracht werden. Einer sieht schon mal wieder 1933 heraufdämmern, die Namen Weidel, Höcke, Kubitschek und Sarrazin werden genannt. Der andere stellt in Abrede, dass es sowas wie „Mainstream“ überhaupt gibt und versucht das ausgerechnet mit angeblich unterschiedlichen Tendenzen in der FAZ selbst zu belegen. Da der Brief aus Gütersloh stammt, könnte er gut aus der Bertelsmann-Ideologieschmiede stammen.

Den dritten Brief hat namentlich ein Prof. Dr. Reinhard Zimmermann aus Hamburg unterzeichnet. Als Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes ist er ein wichtiges und einflussreiches Mitglied der sich gerne als „Zivilgesellschaft“ bezeichnenden Machtelite. Er fühlt sich in seiner Position besonders getroffen von Schlinks Text, in dem die Absage einer Veranstaltung der Studienstiftung kritisiert wird, weil auf der auch Götz Kubitschek auftreten sollte. Bevor der Präsident richtig zur Sache kommt, beteuert er jedoch, „anstößig“ seien „für die Studienstiftung keineswegs alle Meinungen, die jenseits des ‚Mainstreams‘ liegen, auf welcher Uferseite auch immer“.

Prof. Reinhard Zimmermann.
Hört sich gut an, ist aber in diesem Fall noch nicht mal die halbe Wahrheit, sondern eine ganze Lüge des Professors. Denn er nennt drei Beispiele dafür, was „anstößig und daher nicht zu tolerieren“ ist: „Antisemitismus, die Verharmlosung oder gar Leugnung der Nazi-Verbrechen und jede Form der ‚Volksverhetzung‘“. Es ist interessant, dass Zimmermann in seinem Brief den Begriff Volksverhetzung in Gänsefüßchen setzt – offenbar ist ihm selbst nicht ganz geheuer, was alles als „Volksverhetzung“ sanktioniert werden kann.

Die tägliche, ja stündliche Medienhetze gegen Trump, Putin, Johnson, Salvini und andere gehört jedenfalls nicht dazu. Wohl aber eine Beteiligung des Verlegers Götz Kubitschek an einer Veranstaltung der Studienstiftung, die deswegen abgesagt wurde. So wie Zimmermann diese Absage begründet, gibt es für ihn und seinesgleichen offenbar schon den „Tatbestand“ einer drohenden Volksverhetzung. Der Leserbrief des Präsidenten ist ein Dokument der Erbärmlichkeit, belegt aber gerade deswegen präzise den Zustand der vermerkelten Republik.

Um das deutlich zu sagen: Nicht der verweigerte Dialog von Linken oder Grünen ist das gefährliche Krebsgeschwür im geistigen Deutschland, sondern die Feigheit und der Opportunismus vieler solcher gesellschaftlicher Repräsentanten und Funktionselitenmitglieder wie Zimmermann. Ebenso schändlich ist die Dialogverweigerung der sich selbst irriger Weise immer noch als „bürgerlich“ verstehenden Parteien CDU/CSU und FDP. Auch sie haben großen Anteil an der faktischen Spaltung im deutschen Volk. Denn ein Teil dieses Volkes, noch immer eine Minderheit, allerdings mit hohem Wachstumspotential, wird mit allen Mitteln aus der öffentlichen Diskussion ausgegrenzt. Daran ändern auch ein paar Alibi-Auftritte von AfD-Politikern in Talkshows überhaupt nichts.

Die patriotische, um Deutschlands Gegenwart und Zukunft mit guten Gründen tief besorgte Opposition im Volk wird in die Netzwerke des Internets verbannt, kann immerhin noch Sarrazin-Bücher lesen, die „Junge Freiheit“ oder „Compact“ abonnieren, wütende Leserbriefe schreiben. Doch schon wer den nächsten Schritt wagt, nämlich den Protest auf die Straße zu bringen, wird mit den staatlich üppig gesponserten „Antifa“-Kriminellen konfrontiert. Dazu kann er fest damit rechnen, ausgerechnet von den Hetzmedien und dem Parteienkartell bezichtigt zu werden, „Hass“ zu verbreiten.

Ja, es gibt inzwischen auch Hass in den Foren und Publikationen der rechtsdemokratischen, patriotischen Kräfte in Deutschland. Dieser Hass, der in extremer Form schädlich ist, resultiert allerdings nicht zuletzt aus der von Schlink zu Recht beklagten Weigerung in Politik, Medien und gesellschaftlichen Institutionen, die neue Opposition zu respektieren und in den öffentlichen Dialog einzubeziehen.

Stattdessen wird tagtäglich das absurd lächerliche Schauspiel eines um mindestens 85 Jahre verspäteten Kampfes gegen die „drohende Nazi-Machtergreifung“ inszeniert. Und all die Zimmermanns machen bei dieser Groteske willig mit. Wenn sich das nicht grundlegend ändert, kann aus dem einseitig erklärten Krieg gegen einen wachsenden Teil der Deutschen unter den veränderten Bedingungen einer Krise auch noch ein Bürgerkrieg entbrennen. Denn wie schon oben gesagt: Wer nicht miteinander redet, wird früher oder später gegeneinander kämpfen.

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20 Kommentare

  1. In Wahrheit ist die Forderung einer öffentlichen Diskussion naiv wenn nicht sogar verharmlosend und weltfremd! Insbesondere wenn man der faktischen Tatsache ins Auge sieht, daß wir Opfer und Zeugen eines politisch organisierten Staatsverbrechens geschichtlichen Ausmaßes und die Täter Staatsmacht ausübend sind! Weder kleine, noch große Verbrecher oder verbrecherische Organisationen haben ein Interesse ihre Untaten öffentlich zu diskutieren sie wenden ganz im Gegenteil die schärfsten Mittel an um das zu verhindern! Genau das macht auch das machthabende derzeitige Politestablishment!

  2. Warum so unterwürfig, Herr Schlink?

    Was soll dieses Gejammere, daß man mit vernünftigen, konservativen , patriotischen, islamkritischen usw. Meinungen übergangen wird? Was diese Bettelei um Beachtetwerden, Gehörfinden, Nichtausgegrenztwerden?

    Sören Kierkegaard war da von einem ganz anderen Kaliber:

    „Daß ich recht habe, wißt ihr ganz genau!
    Daß ich nicht recht bekomme, weiß ich selbst!“

  3. Es gibt durchaus Potential, einen Dialog zu führen.
    Es ist aber zunehmend schwerer geworden, einen gemeinsamen Nenner zu finden.
    Oftmals habe ich festgestellt, dass die Positionen sich schon verfestigt haben.
    Darum gestalte ich meine Flyer auch genauso, in dem alle Mitmenschen sich auch angesprochen fühlen.
    Es ist nicht leicht… aber machbar

  4. Wenn ein „Professor“ Zimmermann Andersdenkende als „Antisemiten, Nazi-Verbrechen-verharmlosend und volksverhetzend“ bezeichnet, dann ist das ein verzweifelter Griff in die Klamottenkiste der gängigen Beleidigungen seiner Geldgeber, die im Gegensatz zu ihm mit ehrlicher Arbeit ihr Geld verdienen.

  5. Deutsche gegeneinander kämpfen?
    Ich werde mir das Schauspiel aus der Ferne anschauen, wie dieses bescheuerte Volk untergeht. Und das wird mit einem Wimmern sein, nicht mit einem Bürgerkrieg.
    Dass gerade Frauen derzeit angegriffen und zunehmend in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, sehe ich auf der Folie für deren über 90 prozentigen Zustimmung für Merkelparteien. Dann macht mal🤗

    • Deutsche werden nicht gegeneinander kämpfen.
      Moslems werden gegen Deutsche kämpfen, wenn man das dann noch Kampf nennen kann.
      Bürgerkrieg wäre gewünscht aber nicht unter den Deutschen machbar.
      Es wird Geldmangel geben und es werden die sein, die meinen ohne Arbeit Anspruch geltend machen zu können mit Gewalt wie es ihrer Veranlagung entspricht, Beispiele gibt es schon zur Genüge.
      Sind Sie eigentlich Deutscher? Von wegen „bescheuert, wimmernd“…

    • Ja leider bin ich Deutscher mit jahrhundertealter Ahnenreihe und ich schäme mich dafür.
      Und erklären Sie doch mal das Wahlverhalten der letzten Wahlen…Verschwörungstheorie?

    • Für die beschämenden Handlungen Anderer müssen sich diese Anderen schämen und nicht Sie. Sie müssen sich nur für Ihre beschämenden Handlungen schämen.

    • Das ist nicht ganz richtig. Ich habe oft mit US Amerikanern zu tun, die sich nicht für ihr Land schämen.
      Brauchen sie auch nicht, denn dort sind nur 50% völlig neben der Spur. In Deutschland 87%. Das macht den Unterschied.
      Wenigstens hab ich eine Greencard…

    • Wenn die Leute sagen: „man muß für Deutschland aufstehen“, dann entgegne ich immer nur: „für wen aufstehen ? Es ist doch niemand mehr da“.

  6. Ja was sollen die denn machen?

    Die beste Waffe gegen Hassreden sind Gegenreden. Keine Meinung kann Schaden anrichten, wenn man Zeit, Gelegenheit und die Fähigkeit hat, sie zu widerlegen.

    Aber die Linken und der Mainstream scheitern schon bei den Fähigkeiten – hätten sie wirklich überlegene Argumente, dann würden sie doch keine Gelegenheit auslassen, mit den „Rechten“ argumentativ den Boden aufzuwischen.

    Doch sehen Sie sich nur einmal das Personal der Antifa an: In ihrem sozialen Verhalten, in der sprachlichen Kommunikation und sogar in ihren psychomotorischen Fähigkeiten sind die doch so sehr beeinträchtigt, haben ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten doch bereits so sehr eingebüßt, dass sie mehr als Gebrüll einfach nicht zustande bringen.

    Dieses Symptombild ähnelt viel mehr einer erworbenen Imbezillität, als einem Krebsgeschwür.

  7. Erstaunlich, daß ein international anerkannter Professor des Rechts die Erosion der deutschen Rechtsordnung unserer Tage nicht zur Kenntnis nimmt. Seine Sorge um die Volksverhetzung, also um die Verhetzung des Volkes oder Teile von diesem durch rechte politische Aktivisten, läßt vermuten, daß er die Vernunft und Widerstandskraft des Volkes gegen Hetze und Propaganda für gering hält. Ein typischer Fall von moralischer Hybris der Intellektuellen gegen das gemeine Volk, die Hypermoral des Salons gegen den Stammtisch, der Eliten, also der ‚Elitaristen‘ gegen die ‚Populisten‘. Auch ist ihm wohl entgangen, daß Stimmungsmache oder sogar Hetze in den Medien hauptsächlich von der linksliberalen Elite gegen rechtsdenkende Außenseiter zielt, also wenn man so will, das Volk gegen das rechte Denken aufgehetzt wird.

    Es sind wieder einmal die weltanschaulich korrupten Protagonisten und Profiteure des linksliberalen Gutmenschen-Regimes, die sich für die beschriebene Dialogverweigerung in Stellung bringen. Soll man mit Rechten reden? Diese Frage geht immer wieder durch die Medien. Darf man in einer Demokratie mit Andersdenkenden reden? Wohl besser nicht, mit ihnen reden am besten nur in einer Diktatur, dann aber im Verhörzimmer und mit ‚handfesten‘ Argumenten.

    Mit ihrer Gesinnungsethik und ihrer Realitätsverweigerung fürchten diese Leute den Dialog, weil sie ahnen, daß ihre Argumente einer stringenten Logik nicht standhalten würden. Die Realität ist eher konservativ, nicht linksliberal. Sie fühlen sich an das drohende Unheil von 1933 erinnert, als die Demokratie im Namen der nationalen Rettung abgeschafft wurde. Nur die klügsten von ihnen begreifen, daß soeben erneut die Demokratie abgeschafft wird, in einem langsamen schleichenden Prozeß zwar, aber diesmal nicht durch das Nationale und die Nationalisten sondern durch den Kampf gegen das Nationale und die Nationalisten. Eine Spiegelung der Geschichte. Denn nicht die Nation ist der Feind der Demokratie, sondern die Verweigerung des Dialogs mit anders Denkenden ist der Feind der Demokratie.

    Viele ahnen vielleicht ebenfalls, daß ihre demokratische Resilienz einem höheren Druck nicht standhalten würde. In der Gegenwart prügelnder SA-Horden sowie einer brutalen Staatspolizei würden die meisten von ihnen ihre Gesinnung jederzeit verleugnen und andere Mitstreiter ans Messer liefern. Daher ist es so angenehm mit dem zeitlichen Abstand von 86 Jahren einen Feind zu bekämpfen, der schon lange für immer besiegt worden ist und nicht mehr zurückschlagen kann. Unbesiegbar dagegen ist der politische Opportunismus und die charakterliche Geschmeidigkeit, die Doppelmoral und die Feigheit.

  8. „Denn wie schon oben gesagt: Wer nicht miteinander redet, wird früher oder später gegeneinander kämpfen.“

    Sehe ich nicht so. Deutschland ist leider das Land der Mitläufer. Das war hier schon immer so. Heute laufen die Mitläufer mit den Globalisten, morgen laufen sie mit uns – wenn sich der Wind dreht.

    Und DARAUF kommt es an!

    Sich mit Mitläufern zu unterhalten? Sorry, da habe ich besseres zu tun.

  9. „….noch ein Bürgerkrieg entbrennen. Denn wie schon oben gesagt: Wer nicht miteinander redet, wird früher oder später gegeneinander kämpfen.“
    So sehe ich das auch, und nach einem Bürgerkrieg wird es nur EINEN !!!! Gewinner geben, und das ist nicht Deutschland, nicht LinksGrün oder Rechts, nicht die Banken oder die Wirtschaft, nicht die EU, nicht die zivilisierten Bürger, sondern einzig die Mohammedaner mit der Scharia.

    • Wenn D der Koranverwirrtheit anheimgefallen ist, interessiert keine S…, ob und wieviel die Rüstungsindustrie verdient hat.

    • Nein das glaube ich nicht! Die Mohammedaner werden erst einmal beweisen müssen ob sie sich in einer aufgeklärten fortschrittlichen Gesellschaft behaupten können, wenn der sie unterstützende politische Wind sich dreht! Die asozialen, gewalttätigen und rechtswidrigen Schwächen des Islam sind noch niemals so am Pranger gestanden und schonungslos aufgedeckt worden wie in den zivilisierten europäischen Staaten! Das kann für den Islam auch trotz seiner Gewaltbereitschaft tödlich enden!

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