Angebliches „Blackfacing“: „Bild“ distanziert sich von eigenem Kult-Cover

Foto:Von robert paul van beets/shutterstock
Heute auch No-Go: Schwarze Piet (Foto:Von robert paul van beets/shutterstock)

2003 machte die „Bild-Zeitung in einem ihrer wohl legendärsten Cover die damalige Hitzewelle zum Gegenstand einer launigen Bildbearbeitung: Sie zeigte die Gesichter deutscher Promis – darunter Dieter Bohlen und Gerhard Schröder – in dunkel retuschierter Hautfarbe unter der witzigen Überschrift: „Diese Wüsten-Sonne! Werden wir jetzt alle Afrikaner?“ Heute schämt man sich anscheinend für den Titel. Diese Schlagzeile würde man „heute so nicht mehr machen“, schreibt „Bild“ .

Aus Anlass der Rekordtemperaturen von vergangener Woche veröffentlichte „Bild“ vorgestern – zusammen mit diversen anderen Schlagzeilen aus früheren Hitzesommern – das damalige Titelbild im Innenteil nochmals – allerdings nicht ohne eine peinliche Distanzierung: „Gesichter von Weißen schwarz einzufärben, wird als „Blackfacing“ bezeichnet und ist auch im Karneval hoch umstritten„, belehrt „Bild“ vorsorglich die retro-korrekten Empörten unter seinen Lesern. Sicher ist sicher; es könnte ja, 16 Jahre zeitversetzt, Fremden- bzw. Afrikafeindlichkeit unterstellt werden. Nun versteht man zwar unter „Blackfacing“ etwas komplett anderes (nämlich die meist abwertende Maskerade als Schwarzer durch Schminken oder Rußen, verbunden mit stereotypen Verhaltensweisen, so wie es in den Minstrel- und Vaudeville-Shows der USA nach Ende der Sklaverei verbreitet war), ganz sicher fällt darunter jedenfalls nicht die Einretuschierung scherzhafter Tiefenbräune in Prominentengesichter vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen Sonnenintensität im Jahrhundertsommer 2003. Kein Mensch hat dies damals so aufgefasst, und es würde auch noch heute niemand so auffassen –  kämen nicht andauernd Spaßbremsen und Vertreter einer überzogenen PC-Idiotie bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Idee, Rassismus zu wittern. Niemand scheint sich mehr dem Terror der fortgesetzt-vorauseilender Vermeidung von Missverständnissen entziehen zu können – nicht einmal Deutschland auflagenstärkstes Printmedium.

Damals Kult, heute Pfui: „Bild“-Cover vom 12.8.2003 (Foto:Faksimile Bild)

Die Political Correctness hat auch den Springer-Verlag fest im Würgegriff. Worüber damals das ganze Land lachte, gereicht der „Bild“-Redaktion heute zum reumütigen Bußgang: Nachdem man die Page-3-Girls und Oben-Ohne-Mädchen längst dem „antisexistischen“ Zeitgeist geopfert hat, nimmt Deutschlands größte Boulevardzeitung nun auch bei allen anderen, „heiklen“ Themen Rücksicht auf die Befindlichkeiten von in Daueremanzipation begriffenen Bevölkerungsteilen oder ethnischen Minderheiten – ob man diese nun „Nafris“ oder neutraler „Wüstensöhne“ nennt.

Und noch etwas macht dieser Fall wieder deutlich: Die Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die einst in diesem Land herrschte, sie ist unmerklich verlorengegangen, irgendwann zwischen 2003 und heute. Wann auch immer das genau passierte: Heute ist es jedenfalls wieder gefährlich, das Falsche zu sagen, das Falsche zu denken – und vor allem, über das Falsche zu lachen. (DM)

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9 Kommentare

  1. Man kriegt jeden Tag von den GEZ/MS-Medien und Altparteien neue Probleme vorgesetzt, die wir verarbeiten und beachten sollen und gleich noch den Hinweis, was noch geht und was nicht. Dabei kommt so viel unfassbarer Unsinn raus, man glaubt die Klapse hatte Ausgang und die Altparteien und Altmedien haben alle sofort eingestellt. Nun sind se halt da.

  2. Dieses Land hat sich in ein linksfaschistisches Moloch enwickelt.
    Die dafür Verantwortlichen sitzen in der Regierung!
    Das Lachen bleibt einem in diesem Land im Halse stecken!

  3. Kann sich noch wer an Roberto Blanco erinnern wo er etwas abfärbte auf seine Unpigmentierte Angetraute oder was die war?

  4. Bald wird Sprache verboten, denn es findet sich bestimmt irgendwo irgendwer, der sich von irgendwas beleidigt oder diskriminiert fühlt, besonders, wenn es auf deutsch gesagt wird.
    Weil in den bestimmten 12 Jahren wurde ja auch deutsch gesprochen und …

    • Das hat Ray Bradbury 1953 in der Novelle Fahrenheit 451 trefflich beschrieben. Es gibt in der Zukunft nur noch Zeitungen ohne Text, Bücher sind verboten und werden verbrannt. Das Denken der Menschen wird mittels Manipulation und Angst einlinig gespurt. Abweichungen des Denkens werden nicht toleriert. Grad so wie heute. Moral ist der Schlagstock der Gegenwart.

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