Löschen und sperren wie die Weltmeister: Facebook brüstet sich mit Rekord-Zensurzahlen

(Foto: Collage/Shutterstock
Die Zensur immer vor Augen (Foto: Collage/Shutterstock)

Mehr als 160.000 Mal hat Facebook alleine im ersten Quartal 2019 Inhalte als angebliche „Hassrede“ identifiziert und gelöscht. Aktive Nutzer der Plattform, die dort insbesondere politisch bloggen, wissen aus eigenen schmerzlichen Erfahrung mit der Facebook-Löschpraxis: Nur ein Bruchteil dieser Fälle dürfte tatsächlich „Hass“ beinhaltet haben oder justiziabel gewesen sein; bei der übergroßen Mehrheit der gelöschten Inhalte handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um willkürlich behauptete „Verstöße gegen die Gemeinschaftsstandards“ oder gegen andere „hausinterne Richtlinien“.

Genau in diesen „Standards und Richtlinien“, deren Einhaltung Facebook per Outsourcing durch externe Dienstleister (etwa Callcenter) überwachen lässt, liegt die Crux des ganzen Sperr- und Löschwesens: Mangelnde Einspruchs- und Revisionsmöglichkeiten bedingen ein Gefühl von maximalem Ausgeliefertsein gegenüber den – völlig intransparenten und inhaltlich nie begründeten – Löschentscheidungen oder verhängten Sperren. Das Resultat ist Zensur in Reinkultur.

Das Online-Netzwerk selbst hat für solche Fälle von Verstößen, die sich gegen Facebooks eigene Bedingungen und AGB’s richten, die Zahl von 160.000 deutschlandweiten Fällen in den ersten drei Monaten 2019 veröffentlicht – es ist wahrlich eine beunruhigende Größenordnung. Sie übersteigt deutlich die Zahl der Sperrungen und Löschungen (und ist von diesen abzugrenzen), die in Umsetzung des sogenannten „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) gegen Hass und Hetze im Netz“ erfolgt sind. Hier sind es laut Facebook im gesamten ersten Halbjahr lediglich 1050 Inhalte gewesen, die laut dem gesetzlich alle sechs Monate vorzulegenden „Transparenzbericht“ gelöscht wurden; in 349 Fällen sei anschließend eine Sperre verhängt worden, wie die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ schreiben. Die übergroße Masse willkürlicher Sperrungen gehen also – angeblich – gar nicht auf das NetzDG zurück, sondern auf die Gemeinschaftsstandards und ähnliche Facebook-interne Regularien. Kritiker merken allerdings an, dass das NetzDG mit seinen massiven Bußgeldandrohungen erst zu einer Sensibilisierung des Konzerns in Deutschland geführt habe, der in vorauseilendem Gehorsam lieber zehnmal zu oft als einmal zu selten löscht oder sperrt.

Einer dürfte sich über diese rekordreife Zensurleistung die Hände reiben: Heiko Maas (SPD), als damaliger Justizminister geistiger Urheber des NetzDG. Aus seiner von vornherein fehlerhaft konstruierten, da zum Missbrauch einladenden bürokratischen Schöpfung resultierte der wohl perfideste Anschlag auf die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit seit Bestehen der Republik.

Mit geradezu unterschwelligem Stolz vermeldete Facebook gestern, das „in 70 Prozent der Fälle“ Löschbeauftragte des Konzerns aus eigenem Antrieb, also durch aktive Durchforstung der geposteten Inhalte, tätig geworden seien; in den übrigen 30 Prozent hatten eifrige Denunzianten und „Web-Blockwarte“ die beanstandeten Inhalte gemeldet. Für Nachwuchs-Schnüffler und Social-Media-Petzen bleibt also noch reichlich Spielraum. (DM)

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28 Kommentare

  1. Damit würden die sich selbst die Geschäftsgrundlage nehmen. Oder glauben Sie die Werbekunden (UND NUR UM DIESE GEHT ES!!!!!) würden für weniger Reichweite genau so viel zahlen???

    Denkt hier eigentlich ernsthaft jemand Facebook würde sich für die Inhalte irgendwelcher Posts interessieren?

    • Nein Facebook nicht, nur die an Arvato und Amadeu Antonio Stiftung ausgelagerten Löschzentren,wo linksgrüne Bazillen ihr Ego ausleben.

    • Oh weih…. Ihnen ist aber schon bewusst, dass es sich bei Facebook um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handelt, dessen einziges Ziel es ist Gewinn zu erwirtschaften?

  2. Leute, warum um Himmels Willen lasst Ihr Euch von einem Studienabbrecher und (leider) Milliardär auf der Nase herumtanzen?
    Ich war, bin und bleibe Facebook-Verweigerer, Punkt!

  3. Habe meinen Account seit zwei Jahren gelöscht. Und habe keine Nachteile, außer weniger nervige Werbung.

  4. Ich benutze wissentlich dieses linksversüffte Portal und und wundere mich danach über Löschungen????
    AUFWACHEN!

    • Da FB konservative Beiträge löscht, ist es jedenfalls nicht rechts und die Tatsache, dass linke Hassreden dort unbehelligt stehen bleiben ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass diese Firma links ist!

    • Da gebe ich Dir prinzipiell recht, aber wenn FB nicht indoktriniert wäre, würde Herr Z das Ganze laufen lassen und nicht Lakaien beauftragen Leute die ihre Meinung kundtun wollen zu diskreditieren

  5. Die Moderatoren hier sind eigentlich sehr großzügig. Sie löschen nur Sachen die Jouwatch oder dich selbst vor ein Gericht bringen können.. Disqus selber ist da viel extremer und du musst dann Juwatch anmailen das deine Kommentare aus dem Müll geholt werden.

  6. Mich betrifft das schon seit Jahren nicht mehr, ich hatte mich bei Faceboot mit der Absicht angemeldet ehemalige Mitschüler/innen zu finden um ein Klassentreffen zu arrangieren. Das man bei der Suche dann für einen lächerlichen Kommentar für 30 Tage gesperrt wurde, hat mich dann veanlasst Facebook sofort den Rücken zu kehren. Die können zensieren wen die wollen . Mich nicht !!!

  7. Facebook ist in meinen Augen purer Müll und gehört zum System der Elite! Wer dort noch registriert ist, sollte das eigene Konto löschen, habe ich auch gemacht. Es gibt bessere Alternativen, und den US-Schrott braucht niemand. Andersdenkende wie hier sind auf Facebook nicht angewiesen.

    Alternativen zu Facebook:
    – vk.com (russisch und frei von Zensur)
    – Diaspora (dezentral, kann nicht zensiert werden)

    Alternativen zu Youtube
    – BitChute

    • VK ist keine Alternative…VK ist schon lange unterwandert und weil man da nicht gesperrt werden kann, kommt gleich eine Anzeige…ich habe schon 3 Strafzahlungen wegen Hassrede gesehen, 2 X 1300 Euro und 1 X 2100 Euro…ich lasse mich lieber sperren, als für die Fakten auch noch zu zahlen…

    • Bei Amazon bin ich ein zufriedener Kunde. Zum Einkaufen ist das einfach gut. Und da wurde ich noch nie gesperrt.

    • Ich lebe auf nem Dorf und selbst da noch abgelegen. Die nächste Großstadt ist Meilenweit weg. Soll ich jetzt für jeden Kram losfahren wo das Bestellen am PC viel einfacher ist ? Und vor allem billiger wenn ich die Fahrtkosten hinzu rechne ?

    • Der größte Sargnagel des Mittelstandes sind: a) gierige und vergrünte Kommunalverwaltungen und b) gierige Finanzämter. Warum soll ich mir in der , bald immer unerreichbareren , Innenstadt noch ein Ticket holen, wenn Amazon alles bringt? Macht das Parken und die Erreichbarkeit der Läden wieder einfacher und die Leute kommen zurück.

  8. Wichtig ist es, dass Unternehmen Zuckerbergs Zuensurbook meiden. Damit wird ihm die Kohle entzogen. Mit Stolz kann ich behaupten, dass mein Unternehmen noch nie einen Cent an FB gezahlt hat.

    • Und dann machen Linke ein Fass auf und behaupten dann das dein Unternehmen voll Nazi ist, wenn ihr linksgestrickte Multimilliarden Dollar Sozial Media Unternehmen wie Facebook nicht wirtschaftlich unterstützt. Denn alles was nicht Links ist muss Rechts sein und der Kampf gägen Räächtz ist ihr Hauptanliegen. Was Linke machen, egal wie schlimm es ist, wird unter den Teppisch gekehrt.

  9. „Mangelnde Einspruchs- und Revisionsmöglichkeiten bedingen ein Gefühl von das maximalem Ausgeliefertsein gegenüber den – völlig intransparenten und inhaltlich nie begründeten – Löschentscheidungen oder verhängten Sperren. Das Resultat ist Zensur in Reinkultur.“

    So ist es, daher habe ich meinen Account gelöscht und werde diese Platform nicht mehr nutzen!

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