Was spricht für eine Berufsarmee?

Foto: (Von Joerg Huettenhoelscher/Shutterstock)

Blickt man auf die Bundeswehr im Jahre 2019, so mag man je nach politischer Heimat entweder weinen oder jubeln. Es fehlt an Geld, Material und Personen – die Bundeswehrführung kann selbst laufende Missionen nicht mehr wirklich garantieren und muss logistische Meisterleistungen vollbringen, um Mann in Einsatz und Ausrüstung zu bringen.

Der AfD war die desolate Lage der Bundeswehr schon immer eine Herzensangelegenheit. Schon früh hat sich die Partei Gedanken um Verbesserungen und Reformen gemacht. Doch wie Recherchen der FAZ aufdeckten: die AfD will in Wahrheit die Wehrmacht zurückholen. 30 Jahre nach der DDR hört man wieder Vergleiche wie “Bundeswehrmacht”. Welch Ironie!

Zurück zum Thema: Im Fokus der AfD steht die Wehrpflicht. Für viele Politiker aus deren Reihen ist die Pausierung der Wehrpflicht neben der fehlenden Finanzierung einer der Gründe, warum die Panzer nicht mehr fahren und die Truppe keinen Nachwuchs mehr bekommt. Mit viel Elan und Begeisterung spricht und wirbt man für die Wehrpflicht – einige fordern sogar eine “allgemeine Dienstpflicht”. Diese Forderung ist auch von einigen CDU-Politikern zu hören. Spöttische Geister könnten meinen, dass die Wehrpflicht ein Fetisch-Objekt vieler Konservativer und Rechter sei, denn die Bundeswehr fällt und steht mit der Wehrpflicht. Angeblich.

Dabei sprechen durchaus einige Punkte gegen eine Wehr- bzw. Dienstpflicht.

Das Simpelste an erster Stelle: Der allseits geliebte Mammon. Auch die Wehrpflicht gäbe es nicht ohne Kosten. Ökonomen sprechen von einer großen Belastung. Der Wehretat ist und wird auch weiterhin eher mau ausfallen – sollte die Unterbringung und Ausbildung Wehrpflichtiger dann wirklich einer der ersten Prioritäten sein? Was bringt eine Truppe Wehrpflichtiger, wenn man ihnen keine Unterhosen geben kann, da die Kohle fehlt? Zudem: führende Bundeswehr-Angehörige gaben offen zu, dass man logistisch und organisatorisch überhaupt nicht mehr in der Lage sei, Wehrpflichtige unter die Fittiche zu nehmen.

Eine komplett grundsätzliche Frage: Ist eine Wehrpflicht und ein “Massenheer” überhaupt noch zeitgemäß? Gewiss, während des West-Ost-Konfliktes gab es konkrete Gründe für ein solches – diese sind aber im 21. Jahrhundert entfallen. Auch die Kriegsführung hat sich verändert. Es kommt nicht mehr auf die Masse an, sondern auf die Qualität. Was bringt der Bundeswehr ein Truppe voll Wehrpflichtiger, wenn ein potentieller Feind mit Flugkörpern, Drohnen, Hackern und Spezialeinheiten kommt? Die Konflikte des 21. Jahrhunderts werden subtiler ausgeführt. Wir brauchen Spezialisten, keine Wehrpflichtigen. Es wäre doch eine gute Idee, das Geld für die Wehrpflicht in eine noch bessere Spezialistenausbildung zu stecken, oder?

Gerne sagt man, dass die Wehrpflicht X oder Y für das Leben gebracht hätte. Das mag ja sein, aber das muss nicht auf jeden zu treffen. Das Argument, dass man in der Kaserne während der AGA Disziplin oder Respekt lernen würde, ist doch ein Eigentor. Was muss man für eine schlechte Erziehung genossen haben, wenn man erst mit 18 Jahren die oben genannten Punkte lernt?

Eine Reaktivierung der Wehrpflicht würde auch wieder ein grundlegendes Problem offenlegen: Wie hält man es mit den Frauen? Sollten diese aus Gerechtigkeitspunkten auch eingezogen werden? Das würde aber wohl einigen Konservativen/Rechten wohl auch nicht gefallen – Stichwort: Verweiblichung des Militärs.

Gegen eine allgemeine Dienstpflicht spricht zudem das Gesetz. Laut vielen Konventionen und Richtlinien ist eine Dienstpflicht nicht erlaubt. Die Wehrpflicht ist die einzige Ausnahme und der Zivildienst war eine ERSATZleistung für ebenjene Wehrpflicht. Hier hätte man also schon ein großes Konfliktpotential. Eine Dienstpflicht würde womöglich darin enden, dass man junge Menschen als billige Arbeitskräfte missbraucht (zum Beispiel im Pflegebereich). Man darf ja nicht vergessen, dass wir in Deutschland leben – hier werden gute Ideen manchmal übertrieben. Man kann schon erahnen, dass die Grünen die Idee äußern werden, die allgemeine Dienstpflicht in ein “humanitäres Jahr” abzuändern – ein Jahr Arbeitsdienst im Flüchtlingsheim oder auf der Sea Watch wären vielleicht das Ergebnis.

Das pure Schreien nach der Wehrpflicht oder einer Dienstpflicht sind also nicht unbedingt das Wahre. Eine offene Diskussion innerhalb konservativer und rechter Kreise wäre vielleicht hilfreich. Zwar sind Wehrpflicht und Bundeswehr noch zwei der letzten Bastionen ebenjener Gruppen – trotzdem sollte man auch von etwas ablassen, wenn es einfach nicht mehr zielführend und überholt ist. Sogar Bismarck wusste das.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf younggerman.com

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10 Kommentare

  1. Wir hatten in der DDR 18 Monate Wehrpflicht. wir haben auch gemeckert, aber wir haben sehr viel gelernt. Heute bereue ich keine Stunde dieser 18 Monate. Nur wer das mitgemacht hat kann mitreden.
    Mein Neffe war später in der Bundeswehr, damals noch 15 Monate. Er wurde immer fetter.

    Für mich war das damals schon eine Schande.
    Ich sage Wehrpflicht ist PFLICHT, und möglichst nach DDR-Standard.

    Dann hat Deutschland noch eine Chance sich wieder auf den rechten Weg führen zu lassen.
    Solch ein Dreck was jetzt mit AKK passiert ist ist eine Schande.
    Deutschland hat sich auf der Welt wieder einmal richtig lächerlich gemacht.
    An die Spitze der Bundeswehr gehört ein General, und auf jeden Fall männlich: da hat keine Frau was zu suchen.
    Aber das ist ja nur meine Meinung.
    Ich bin schon etwas älter, aber meine Kinder und Enkel tun mir jetzt schon sehr leid.
    Deutschland ist ein DRECKSLAND geworden.

  2. Wir hatten in der DDR 18 Monate Wehrpflicht. wir haben auch gemeckert, aber wir haben sehr viel gelernt. Heute bereue ich keine Stunde dieser 18 Monate. Nur wer das mitgemacht hat kann mitreden.
    Mein Neffe war später in der Bundeswehr, damals noch 15 Monate. Er wurde immer fetter.

    Für mich war das damals schon eine Schande.
    Ich sage Wehrpflicht ist PFLICHT, und möglichst nach DDR-Standard.

    Dann hat Deutschland noch eine Chance sich wieder auf den rechten Weg führen zu lassen.
    Solch ein Dreck was jetzt mit AKK passiert ist ist eine Schande.
    Deutschland hat sich auf der Welt wieder einmal richtig lächerlich gemacht.
    An die Spitze der Bundeswehr gehört ein General, und auf jeden Fall männlich: da hat keine Frau was zu suchen.
    Aber das ist ja nur meine Meinung.
    Ich bin schon etwas älter, aber meine Kinder und Enkel tun mir jetzt schon sehr leid.
    Deutschland ist ein DRECKSLAND geworden.

  3. Zitat: „Was bringt der Bundeswehr eine Truppe voll Wehrpflichtiger, wenn ein potentieller Feind mit Flugkörpern, Drohnen, Hackern und Spezialeinheiten kommt?
    Nein, der Feind nutzt Übermacht, rohe Gewalt und Messer.

  4. Ich hatte schon 1990 vorgeschlagen, zwar die Bundeswehr und die NVA zusammenzulegen, aber dann, was die Uniform betrifft, nach der Nationalen Volksarmee der DDR auszurichten.
    Damit hätte man allen Linken den Wind aus den Segeln genommen und ganz Deutschland hätte hinter dieser Armee gestanden.

  5. was meinen die eigentlich mit „parlamentarische Armee“? Ist die nur zum Schutz der Parlamentarier, oder des Landes?

  6. Wenn Deutschland noch Deutschland wäre, würde ich auch eine Wehrpflicht befürworten, aber für diesen momentanen Staat? Nein danke.
    Hätte keine Lust mich für unsere Sicherheit im Hindukusch, in Mali oder irgendwelchen Soros-Interessen abschlachten zu lassen. Habe auch keinen Bock dazu, illegal Einreisende zu eskortieren oder Schlepperschiffe zu eskortieren, geschweige denn, mich in den blutrünstigen Nato-(Ami)-Kriegen verheizen zu lassen.
    Sollen doch die Feministen sich einschreiben lassen. Hosen haben sie ja schon an.
    Oder stellt euch vor Grüne und Linke werden eingezogen. Die schießen noch auf ihre eigene Bevölkerung.

  7. Also ich fände eine Wehrpflicht gut. Im Übrigen auch für Frauen. Diese nasebohrenden Besserwisser, die zu faul sind, morgens aufzustehen, sich dann hüpfend für was-auch- immer zu bewegen, müssen irgendwie mal in der Realität ankommen. Dazu eignet sich hervorragend ein straff organisierter Tagesablauf, der auch noch überwacht wird. wer soll sonst die Chill OUT Generation erziehen?

  8. Ich bin ein Befürworter der Berufsarmee. Das ist dann aber etwas ganz anderes als ein bezahltes Söldnerheer mit Kämpfern aus allen Teilen der Welt.

    Eine deutsche Berufsarmee darf nur aus Männern und Frauen bestehen die von Geburt an Deutsche sind, wenn so will – Bio Deutsche durch und durch. Sie müssen sich den den Idealen und dem Brauchtum der Deutschen verpflichtet fühlen und nichts anderem. Dann wird es auch niemals dazu kommen das ein Bruder auf seinen Bruder, seine Schwester, seine Eltern oder sonstwen schiesst. Der einzige Auftrag muss darin bestehen Deutschland nach aussen und nach innen zu verteidigen und der Nato im Bündnisfall zur Seite zu stehen. .

  9. Eine Berufsarmee ist überall einsetzbar, im Gegensatz zu den Wehrpflichtigen die nur geloben die Bundesrepublick zu verteidigen und z.B. den Einsatz in Kriesengebieten wie Afghanistan schlicht verweigern dürfen. Er enstehen auch keine Vorteile wenn man unwillige Wehrpflichtige mit Gewalt in die Kasernen zwingt, Was würden die denn im Ernstfall verteidigen ?
    Wir brauchen eine Berufsarmee – offen für Männer und Frauen die als Spezialisten ausgebildet werden und komplizierte Computersysteme oder Drohnen mit verbundenen Augen bedienen können. Jeder 17 jährige Nerd der ganzes Leben am PC verbracht und weiß wie man fremde Systeme infiltriert also Hacked wäre in der heutigen Kriegsführung viel wertvoller als eine Kompanie Wehrpflichtiger. Genauso verhält es sich mit den Gamern, denn wer wäre besser geeignet ein Drohne in einer virtuellen Landschaft zu steuern ?
    Natürlich brauchen wir auch eine schlagkräftige Truppe die Bodeneinsätze ausführen kann, aber diese Männer und Frauen sind bestens auf diesen Fall vorbereitet und haben die beste Ausrüstung die man für Geld kaufen kann. Die USA machen es mit den Elite Soldaten wie den Rangers, den Seals usw vor wie man so etwas Sinnvoll auf die Beine stellt.
    Mit einer allgemeinen Wehrpflicht wäre niemand geholfen, das ist ein Relikt des frühen 20. Jahrhunderts.

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