Shitstorm nach „Spiegel“-Hetze: „Eindeutig antisemitisch“

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Wer liest denn sowas? - Foto: Imago

Hamburg – Die Entrüstung von Medien und Politikern gegen einen angeblich nur „israel-kritischen“ Artikel im aktuellen „Spiegel“, der üble Vorurteile bedient, reißt nicht ab: Der Antisemitismus hat wieder seine Lobby im deutschen Presseparcours. Vor allem das einstige „Sturmgeschütz der Demokratie“ pfeift auf die Werteaxiome der deutschen Nachkriegspolitik, zu denen einst die unverbrüchliche Solidarität mit dem Staat Israel gehörte.

Inzwischen bemüht man sich beim „Spiegel“ wohl nicht einmal mehr kosmetisch-oberflächlich, die Parteinahme für antizionistische und propalästinensische Kräfte zu verbergen. Die Berichterstattung könnte nicht einseitiger sein. In seiner am Wochenende erschienenen Druckausgabe hatte das Hamburger Blatt unter der Überschrift „Gezielte Kampagne“ wilde Verschwörungstheorien verbreitet und von einer Hörigkeit der deutschen Außenpolitik gegenüber einer angeblichen „Nahost-Lobby“ gesprochen. In Stil und Inhalt erinnert der angebliche Hintergrundbericht stellenweise an ein Dossier, das übelste Klischees von zionistischer Strippenzieherei und jüdischer Weltverschwörung bedient.

Laut Spiegel übten die beiden Berliner Vereine „Naffo – Nahost Friedensforum e.V.“ sowie „WerteInitiative e.V.“ einen „überproportionalen Einfluss“ auf die deutsche Regierungspolitik gegenüber Israel aus. Nicht nur würden sie auf „fragwürdige“ Weise dazu beitragen, einseitige Positionen Israels im Berliner Politikbetrieb zu promoten, sondern – für den „Spiegel“ und seine Feindbild-Ikonographie natürlich völlig unverzeihlich – auch noch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu (für deutsche Linke quasi der Trump des Nahes Ostens) in ein positives Licht zu rücken. Und weil es bei beiden Vereinen um jüdische Organisationen handelt, müssen – das weiß man in Mitteleuropa schließlich seit tausend Jahren – höhere, finstere Mächte dahinterstecken: „Der Verdacht liegt nahe“, spekuliert der „Spiegel“, „dass ‚WerteInitiative‘ oder Naffo zu „Frontorganisationen“ der israelischen Regierung gehören“. Angeblich soll bei bestimmten Operationen „selbst der Geheimdienst Mossad“ mit von der Partie sein. Beweise für diese wirren Mutmaßungen? Keine. Weil aber der Bundestag eine Resolution gegen den klar antisemitische Boykott-Aufruf BDS („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ verabschiedet und die Werteinitiative diese begrüsst hatte, muss natürlich eine Abhängigkeit bestehen. Es ist dieselbe Logik, nach der jemand Walter Lübcke miterschossen hat, der dessen Aussagen zur Flüchtlingspolitik auf Twitter geteilt hat.

Wie üblich mit zweierlei Maß

Auch dass das Bundesgesundheitsministerium – erstaunlich genug – gegen und nicht für eine WHO-Resolution zur medizinischen Versorgungslage in den Palästinensergebieten stimmte, schmeckte dem „Spiegel“ nicht: Er wittert auch hier den proisraelischen Lobbyeinfluss. Und dass „Naffo“ einzelne deutsche Politiker mit „vierstelligen Spenden gekauft“ habe, ist für den“Spiegel“ erwiesen. Wenn von den Hamburger Pamphletisten notorisch angeschleimte Sympathieträger von Joschka Fischer bis Barrack Obama Redehonorare oder Spenden erhalten, werden sie dadurch natürlich nicht zu Marionetten, sondern nur angemessen entlohnt. Sind die Zahler israelfreundlich, sind sie natürlich sogleich Puppenspieler.

Die angegriffenen Vereine verwahrten sich vehement gegen den Artikel. Mirjam Rosenstein von der „WerteInitiative“ moniert „extreme Doppelmaßstäbe“, wie man sie sonst bei keiner anderen religiösen oder staatlichen Interessenvertretung anlege – zumal es hier nur um Aufklärungsarbeit und gesellschaftliches Engagement gehe. Und ihr Kollege Elio Adler, vom Bundestag zum „Botschafter der Toleranz“ ernannt, merkt an:  „Ohne die Mär vom Einfluss und Kauf von Gefälligkeiten durch jüdisches Geld, ohne dieses widerliche Bild würde dieser ‚Spiegel‘-Artikel kaum funktionieren“.

Bei Juden – und wenn man noch so vermeintlich trennscharf differenziert zwischen dem Glauben und dem Staat Israel – hatte die Zentralsteuerungshypothese schon immer Hochkonjunktur; Ziel muss hier immer gleich die Subversion, der grosse Umsturzplan sein. Längst hat sich gerade die deutsche Linke mit ihrer völlig unreflektierten Übernahme der „Kritik am Zionismus“, die sich an den zentralen Narrativen „Siedlungspolitik“, „KZ Gaza“ und „faschistische Unterdrückung der Palästinenser“ abarbeitet, früheren antisemitischen Denkmustern problemlos angepasst.

Erstaunlich einhellige Ablehnung der Kollegen

Inzwischen zieht der Artikel weitere Kreise. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nennt ihn „hoch problematisch“, denn „die Autoren bedienen, gewollt oder ungewollt, antisemitische Klischees.“ Dieselbe Kritik äußerte der Präsident des Jüdischen Zentralrats, Josef Schuster. Auch zahlreiche deutsche Politiker konnten sich in ihrer Verachtung für den „Spiegel“-Text kaum zurückhalten. Der CDU-Bürgermeister von Frankfurt am Main, eine der Hochburgen jüdischen Lebens in Deutschland, schrieb auf Twitter: „Der Artikel enthält alle Stereotype, die Judenfeindlichkeit ausmachen, und ist das Beispiel dafür, wie tief diese Gedankenmuster in der Mitte der Gesellschaft vorhanden sind“

Und  sogar im deutschen Medienbetrieb – erstaunlich genug angesichts der dort vorherrschenden, quasi als Grundkonsens verbreiteten „Israel-Kritik“ – stellt man sich erstaunlich einhellig gegen den „Spiegel“; ein weiterer denkwürdiger Hinweis für den unaufhaltsamen Niedergang des einstigen gefeierten Nachrichtenmagazins, das früher einmal journalistischen Gold-Standard verkörperte und inzwischen, spätestens seit Claas Relotius, zusehends zur Negativreferenz verkommt. Der aus Leningrad stammende, jüdische „Bild„-Nachwuchsreporter Filipp Piatov nahm den Spiegel-Text ausführlich auseinander und entlarvte seine brandgefährliche Grundtendenz. Die bekannte Journalistin Gilda Sahebi schreibt: „Ein Artikel, der vor Behauptungen, Spekulationen und Verzerrungen strotzt – und das antisemitische Bild der ‚einflussreichen‘ Juden malt“. Und in einem heutigen „Welt„-Debattenbeitrag befasst sich der renommierte Historiker Michael Wolffsohn mit der antisemitischen Tradition des „Spiegel“-Journalismus. Auch rückt er die Verhältnisse des „Nahost-Lobby“-Vorwurfs richtig und verweist darauf, dass tatsächlich die proisraelische und projüdische Lobby in Deutschland winzig ist, etwa verglichen mit muslimischen Interessenverbänden. Gerade der „Spiegel“, der keine Gelegenheit auslässt, um die AfD oder rechtsextreme Kreise des Antisemitismus zu zeihen, gebe diesen Denkmustern neue Nahrung.

Rückendeckung dagegen erhielt der „Spiegel“, natürlich, von Jakob Augstein, Deutschlands linksbourgeoisem Luxus-Verleger Nr.1 und Gründererben des „Spiegel“, der aus seiner relativierenden und israelfeindlichen Haltung früher schon kaum einen Hehl gemacht hatte. Das Netz ist voll von Fundstellen unter dem Suchbegriff „#Augstein #Antisemismus“; müßig daher, all die Ungeheuerlichkeiten hier nochmals aufzuzählen. Auf Twitter schrieb Augstein gestern an die Adresse des erwähnten Filipp Piatov: „Was der Spiegel da macht, ist Journalismus. Sie unterstellen dem Blatt Antisemitismus, nur weil Ihnen offenbar die Ergebnisse der Recherchen nicht gefallen“. Dumm nur: Es gibt gar keine „Ergebnisse der Recherchen“, die die „Spiegel“-Vorwürfe belegen. Sondern es handelt sich durchweg um blühende Spekulationen – und wes Geistes Kind die Autoren des Artikels sind, darüber kann es keine zwei Meinungen geben. (DM)

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16 Kommentare

  1. „…, wie tief diese Gedankenmuster in der Mitte der Gesellschaft vorhanden sind“ Dieser Beitrag eines CDU Politikers sagt viel über die Positionierung der heutigen CDU im Parteienspektrum aus. Wenn jemand dieses linke Propaganda-Schmierenblatt in der „Mitte der Gesellschaft“ verortet muss er wohl selbst in der Linksextremen Ecke stehen.
    Sozialisten waren schon immer Antisemiten, dies ist keine neue Entwicklung. Das war sogar so extrem, dass selbst sozialistische/kommunistische Juden Antisemiten waren.

  2. Wenn man Israels Politik kritisiert, dann soll man auch sagen was einem stört. Sollte den Politiker und das Problem beim Namen nennen und nicht pauschal über den Staat Israel und dessen Bewohner urteilen. Denn für mich ist der jehnige auch ein Antisemit. Die größte Gruppe stellt eindeutig die Linke dar. Für sie gibt es nur den Israeli als Schuldigen z.B bei den Konflikten mit den Palästinensern. Doch wenn man genau hinsieht geht die Gewalt überwiegend von denen aus und jedes Land hat das Recht sich zu verteidigen. Andererseits finde ich von Israels Regierung und deren Handlungen gegenüber Syrien ungerechtfertigt, doch daß wird von keinem der Parteien kritisiert. Misst man bei den Altparteien mit zweierlei Maß. Hier schiebt man die iranischen Kämpfer als Begründung vor, doch in Wahrheit geht’s um das Land Syrien und das man dies gerne unter Kontrolle des Westens sehen würde. Doch das wird ausgeblendet und gerade da wäre Kritik angebracht. Doch das alles juckt die Schmierfinken vom Spiegel nicht und auch die Frage, was sie eigentlich von Israel wollen und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Steht’s ist vor allem die deutsche Presse die sich in alles und jehnes einmischen, anderen Ländern vorschreiben was sie Zutun und zulassen haben sowie Politiker in übelster Weise beschimpfen und beleidigen. Dies alles mit Rückendeckung der linken Parteien von C bis S.

  3. „Qualitätsjournalisten“ wie Hasnain Kazim und
    Ferda Ataman schreiben inzwischen für den
    SPIEGEL, „goldene Federn“ wie Matthias Matussek
    oder Erich Böhme sucht man dort inzwischen vergebens,
    der dumpfe Geist der Ideologen mit Haltung hat nun das Sagen.

  4. Rudolfs Sturmgeschütz der Demokratie wurde und wird
    zum billigen „Jakobsblatt“ das nur noch vom „Freitag“
    getoppt werden kann.:-)

  5. Zitat: Auf Twitter schrieb Augstein gestern an die Adresse des erwähnten Filipp Piatov: „Was der Spiegel da macht, ist Journalismus. Sie unterstellen dem Blatt Antisemitismus, nur weil Ihnen offenbar die Ergebnisse der Recherchen nicht gefallen“.
    Zitat Ende.
    Wenn A. meint/denkt, dass in den Toilettenzellen und dem Pissoir des Spiegels zusammengeschusterte Artikel, journalistische Recherchen darstellen, ist er nicht einmal als Herausgeber einer Schülerzeitung tragbar. Hätte einen neuen Namen für das Blättchen:
    BLÖD-SPIEGEL

    • Die vielen Relotiuse beim Spiegel sind natürlich alles echte Journalisten und die betreiben ergebnisoffene Recherche. Selten so gelacht.
      Wer heute noch den Spiegel zitiert macht sich lächerlich.

  6. Wieder mal ein Artikel, der absolut keine Kritik an Israel zulässt. Bei „unverbrüchliche Solidarität“ bin ich ausgestiegen (diese „unverbrüchliche Solidarität“ hatten wir in der DDR mit den Russen, dem kubanischen Regime, den Kommunisten in Vietnam) und hab den Rest überflogen. Und die Kommentatoren hauen in die selbe Kerbe. Kritik muß aber sein, ist sogar bitter notwendig. Nur ein Beispiel. Unter dem Namen „Israaid“ ist eine israelische NGO kräftig dabei, die Flüchtilanten aus dem Mittelmeer zu bergen und für ihre Weiterreise Richtung Germoney auszustatten. Unterstützt werden sie dabei von der israelischen Regierung und vielen anderen jüdischen Organisationen, nachzulesen auf deren Webseite. Ausgerechnet die, die ihr Land gegen jedwede illegale Einwanderung abschotten, helfen bei der Invasion Europas durch Illegale. Hauptsache nicht Richtung gelobtes Land, oder was? Solche Kritik, oder Kritik an Figuren wie Soros ist absolut berechtigt und hat mit Antisemitismus nichts zu tun, oder was meint ihr? Ich werde nie wieder jemandem blind und kritiklos hinterherhecheln

    • Sie haben recht. Ihre Kritikpunkte waren aber nicht der Inhalt des Spiegelartikels. Natürlich sollte man auch Israel kritisieren dürfen, nur sollte diese Kritik, wie im übrigen jede Kritik, objektiv und differenziert bleiben. Dies vermisst man beim Spiegel.

  7. Israel ist eine grossartige Nation mit
    einem grossartigem Premierminister Herrn Netaniahu!
    Afrikanische Migranten werden abgeschoben und palaestinensische Terroristen bekaempft, und nur Juden duerfen nach Israel einwandern!
    So sollte Deutschland sein!

  8. Wenn man Verkaufszahlen generieren will, dann braucht man solche Artikel als Klatschblatt der Nation. In der nächsten Ausgabe kann man sich ausgiebig entschuldigen und alles richtig stellen, die Kasse stimmt also sogar für 2 Ausgaben.

    Christen waren uninteressant, da fast jeder über Christen herzieht.
    Und über Moslems haben sie sich nicht getraut.

  9. Dazu passt ein Artikel von Chaim Noll auf Achgut, der zeigt wie Palästinenserfunktionäre sich mit Hilfsgeldern Paläste bauen und wir von den „Qualitätsmedien“ über die wahren Zustände in den von Abbas „verwalteten“ Gebieten getäuscht werden.

    • Richtig. Und wenn man dann weiß, dass die Palis von den Hilfgeldern Renten für die Hinterlassenen von Terroristen gezahlt haben, oder sogar Terroristen finanziell unterstützen (einschließlich Raketen- und Tunnelbauten) dann ist das Fass ja schon längst übergelaufen. Eine Änderung ist aber kaum möglich, solange die Altparteien, mit Ausnahme der FDP, so entsetzlich herumeiern und immer noch glauben, mit den Palästinensern könne man verhandeln…

    • Kein Geld für die Hamas und keine geschenkten U-Boote für Israel. Raushalten und das Geld lieber für Die die es erwirtschaftet haben ausgeben.

  10. Zitat: Auf Twitter schrieb Augstein gestern an die Adresse des erwähnten Filipp Piatov: „Was der Spiegel da macht, ist Journalismus. Sie unterstellen dem Blatt Antisemitismus, nur weil Ihnen offenbar die Ergebnisse der Recherchen nicht gefallen“.
    Zitat Ende.
    Wenn A. meint/denkt, dass in den Toilettenzellen und dem Pissoir des Spiegels zusammengeschusterte Artikel, journalistische Recherchen darstellen, ist er nicht einmal als Herausgeber einer Schülerzeitung tragbar. Hätte einen neuen Namen für das Blättchen:
    BLÖD-SPIEGEL

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