Wissenschaft: Warum der vermaledeite Rassismus in den Fußnägeln anfängt

Eine Satire von Max Erdinger

Schwarz oder weiß? (Foto: Von frankie's/Shutterstock)

Wissenschaftler haben herausgefunden, warum Hellweiße die Gesichter von Dunkelweißen mit einem Hintergrund aus Afrika nicht so gut auseinanderhalten können. Das ist wissenswert, weil es nämlich inzwischen deutlich mehr als zwei Dunkelweiße gibt in Deutschland, die man auseinanderhalten können soll. Oder muß. Müssen soll, vielleicht. Oder können muß? Na ja, jedenfalls …

Wenn du in Deutschland aufstehst in der Früh, dann kannst du dir als erstes aussuchen, was für ein Böser du heute wieder sein willst, während der Kaffee durchläuft. Die Auswahl ist riesig. Du kannst Chauvinist sein, Sexist, Nationalist und Frauenfeind. Oder du entscheidest dich für eine Krankheit. Homophobie, Islamophobie und Xenophobie sind immer drin. Oder du nimmst die Kombi „böser Kranker“. Das geht auch. Was bietet die Pressekarte heute an? Ah, hier: n-tv – fängt Rassismus im Gehirn an? Gut, dann nehme ich doch gleich mal „afrophober Rassistenchauvi“ …

n-tv weiß Folgendes über den vermaledeiten Rassismus zu berichten: „Es fällt uns schwer, Gesichter anderer Ethnien voneinander zu unterscheiden. Dieses Phänomen haben nun US-Wissenschaftler untersucht. Dafür fertigten sie Hirn-Scans von weißen Probanden an und machten eine überraschende Entdeckung.

Als alter Spaßverderber gebe ich schon mal einen Tip ab, warum die Hirn-Scans bei hellweißen Probanden gemacht wurden. Weil die Wissenschaft voraussetzt, daß es bei denen ein Hirn … einen Rassismus im Hirn gibt. Mal schauen, ob ich recht habe.

Für hellhäutige Menschen sehen Schwarze oft relativ gleich aus. Und auch das umgekehrte Phänomen gibt es.“ – Jessers. Die haben jetzt nicht wirklich „Schwarze“ geschrieben, obwohl sie Dunkelweiße meinen, oder? Wo kommen wir hin? Wenn es aber das umgekehrte Phänomen ebenfalls gibt, – warum haben die neugierigen Wissenschaftler dann keine Hirnscans bei Dunkelweißen gemacht? Und warum haben die n-tv-Redakteure die Ungescannten als „Schwarze“ bezeichnet? n-tv wird doch wohl keine Rassisten beschäftigen? Was ist denn los hier?

Die Experten fanden heraus: Dass Menschen Individuen anderer Ethnien schlechter voneinander unterscheiden können, liegt unter anderem an der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn.

Was täten wir ohne die Experten allüberall? Hätten Sie gedacht, daß diese schlechte Unterscheidungsfähigkeit mit den Augen und dem Gehirn zusammenhängt? Also ich hätte Stein und Bein geschworen, die Ursache dafür ist, daß man mit dem Blinddarm schlecht verarbeitet, was man mit den Fußnägeln nicht sehen kann. Gut, daß es Experten gibt, Hellweiße. Und Dunkelweiße, auch. Schwarzweiße, vielleicht.

Die MRT-Bilder zeigten dabei, dass die Regionen im Gehirn, die für die Gesichtserkennung zuständig sind, bei Fotos von Menschen anderer Hautfarbe langsamer und insgesamt weniger aktiv wurden. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Hirnneuronen schon bei der ersten Wahrnehmung von Gesichtern der eigenen ethnischen Gruppe empfindlicher auf Unterschiede reagieren. Bei Menschen aus anderen Gruppen würden die Gesichter hingegen in einer breiteren, weniger differenzierten Kategorie eingeordnet.

Das hängt wahrscheinlich mit einer zerebralen Prioritätensetzung zusammen, die noch aus der Zeit der Rassentrenn … Rasenpflege durch Dunkelweiße stammt. Kennt man ja. Aus Rhodesien zum Beispiel. Oder aus Deutsch-Südwest. Und ich meine nicht das Markgräfler Land. Damals bewegte sich der Hellweiße sozusagen wie der Fisch im Wasser unter anderen Hellweißen und war darauf angewiesen, sie alle voneinander unterscheiden zu können, damit er den Fritz nicht etwa mit Paul ansprach – und den Paul mit Bernwart Fürchtegott. Mit Dunkelweißen hatte er damals sehr wenig zu tun, weswegen es ausreichte, daß er sich die Farbe merkte, um den Dunkelweißen als Bekannten wiederzuerkennen. Zum Beispiel, wenn es wieder Zeit für die Rasenpflege geworden war. Damals hieß es eben noch: „Laß´mal den Dunkelweißen antanzen, der Rasen muß schon wieder gepflegt werden.“ Das hilft einem natürlich heute nicht mehr weiter, weil man nicht mehr „den“, sondern „einen der“ antanzen lassen müsste. Und wenn man sagen muß, welchen genau, dann sollte man die verschiedenen Namen der Rasenpfleger schon im Kopf haben. Und weil man in Rhodesien und Deutsch-Südwest niemanden mehr antanzen lassen kann, als Hellweißer so.

„Für die Forscher bestand der nächste Schritt darin, herauszufinden, warum unsere Wahrnehmung so funktioniert. Eine mögliche Erklärung kann demnach sein, dass wir mit Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe schlicht mehr Kontakt und damit auch mehr visuelle Erfahrung haben – eine These, die bereits in anderen Studien untermauert wurde.

Oh, das tut mir jetzt leid. Das ist ungefähr das, was ich gerade ausgeführt habe. Ich schwöre, daß ich vorher nicht gelesen hatte, was die Forscher als nächsten Schritt unternommen haben. Ich habe es mir einfach selbst ausgedacht – und wie so oft: Bingo! Hellweiße in Rhodesien hatten früher mit anderen Hellweißen „mehr visuelle Erfahrung„. Beim Cricket oder beim Golfspielen auf dem von Dunkelweißen gepflegten Rasen zum Beispiel. Das Wort „Rasentrennung“ kommt auch daher. Wenn sich auf einem großen, zusammenhängenden, und von einem Dunkelweißen gepflegten Stück Rasen in Rhodesien zwei voneinander unabhängige Tennisplätze befanden, sprach man damals von der Rasentrennung, weil man das für ein apartes Wort hielt. Nein, ich erzähl´ keinen Scheiß. Eeehrlich!

Es ist daher möglich, dass ein gruppenübergreifender Kontakt im Laufe der Entwicklung zu einer erhöhten neuronalen Empfindlichkeit gegenüber Mitgliedern außerhalb der Gruppe führen kann“, schreiben die Autoren.

Jaja, dazu müßte man aber den gruppenübergreifenden Kontakt erst einmal für eine Entwicklung halten, anstatt für eine Fehlentwicklung. Man ist ja schließlich kein Rassist, der den Leuten ihren speziellen Weisheits … Weißheitsgrad als bedeutungslos hinstellen will. Man muß die „die Menschen“ schon so nehmen, wie sie sind. Aber denkbar ist das, daß man als Hellweißer eines Tages Roberto Blanco von Morgan Freeman – und den wiederum von Barack Obama unterscheiden können wird. Vorausgesetzt, man hätte Barack Obama nicht sowieso schon mit Serena Williams oder Stevie Wonder verwechselt. Welchenfalls natürlich große Konfusion einsetzen würde. Wenn es nicht klappt, kann man ja immer noch zur Rass … Rasenpflege zurückkehren. Außer natürlich, das wäre illusorisch. Auf alle Fälle muß es einen Grund gehabt haben, daß die Wissenschaftler hellweiße Probanden für die Hirnscans genommen haben. Wegen nichts werden sie dunkelweiße Probanden wohl nicht diskriminiert haben.

Auch bestehende rassistische Vorurteile könnten die visuelle Wahrnehmung beeinflussen. Die Psychologen betonen, dass die Unfähigkeit zur Unterscheidung von Gesichtern negative Folgen haben kann. Diese reichten von Verwechslungen im Klassenzimmer bis hin zu falschen Zeugenaussagen.

Da haben die Wissenschaftler aber endlich mal einen Punkt gemacht. Die Massenimmigration macht es tatsächlich erforderlich, sich trotz seiner Vorurteile mehr auf die Gesichter zu konzentrieren. Seit gestern gibt es z.B. ein Video im Netz, das einen „Asylsuchenden“ („Goldstück“ darf man nicht mehr sagen) dabei zeigt, wie er die Scheiben von geparkten Autos in der Nähe eines Auffanglagers bei Augsburg zertrümmert. Der Sachschaden liegt angeblich bei 50.000 Euro insgesamt. Das Dumme daran ist, daß es sich offensichtlich nicht um seine eigenen Autos handelte. Folglich werden Zeugenaussagen notwendig – und mit: „Der sah fast so aus, als hätte er einen afrikanischen Hintergrund gehabt, so dunkelweiß, wie der gewesen ist.“, kommt man heute nicht mehr weit. Wenn man hingegen sagen kann, daß er vom Gesicht her fast so aussieht, wie der Typ, der im Görlitzer Park auf dem dritten ihm amtlich zugewiesenen Verkaufsplatz nach dem Eingang auf der linken Seite das Gras verkauft, dann dient man den ermittelnden Polizeibeamten natürlich wesentlich besser.

Mit „Zeugenaussagen“ haben die Wissenschaftler tatsächlich recht. Deswegen sollte man sich „What a wonderful world“ von Louis Armstrong anhören und währenddessen versuchen, die Unterschiede in den Gesichtern von Michelle Obama und Robert Mugabe herauszufinden, um sich dann an einer polizeilich verwertbaren Beschreibung der beiden Gesichter zu versuchen. Die liest man sich dann noch einmal durch und fragt sich, ob man selbst etwas damit anfangen könnte, wenn man Polizist wäre, der eine Zeugenaussage braucht. Lernen wir also, Gesichter voneinander zu unterscheiden anstatt sämtliche Farbtöne von Weiß.

Bereits 2007 hatte eine US-amerikanische Studie eine solche Veränderlichkeit aufgezeigt. Ihr zufolge reichte es, Menschen zu unterstellen, dass sie Vorurteile haben könnten, um sie zu sensibilisieren. In entsprechenden Versuchen erinnerten sich die Teilnehmer nach einer solchen Warnung besser an die Gesichter von Menschen anderer ethnischer Gruppen als vorher.

Mir zu unterstellen, daß ich Vorurteile hätte, ist völlig wirkungslos, weil ich selbst weiß, daß ich welche habe und daß das besser auch so bleiben sollte, weil Vorurteile nützlich sind. Das Vorurteil ist das Urteil vor dem eigentlichen Urteil und kann deswegen von demjenigen, dem es gilt, auch jederzeit entkräftet werden. Keine Vorurteile zu haben, ist Ausweis einer naiven Realitätsferne. „Naiver Realitätsferner“ wiederum ist ein treffendes Synonym für „Linker“, „Kulturbanause“ oder „Internationalsozialist“, wenn nicht pauschaler eines für „Idiot“. Deswegen kann ich da auch nicht mitmachen. Ich bin nämlich eitel. Lieber werde ich von Idioten für einen vorurteilsbeladenen, krankhaft bösen Rassisten gehalten, als daß ich mich mit einem der Ihren verwechseln lassen würde. Fast glaube ich, daß die Idiotie in Deutschland ein größeres Problem darstellt, als alle Vorurteile und der ganze Rassismus zusammengenommen. Anders sind solche n-tv-Artikel kaum zu erklären.

 

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3 Kommentare

  1. Da könnte dieser Forscher aber durchaus recht haben.
    Wenn man , jetzt nur mal als Beispiel, eine Ratte sieht, sieht doch auch eine aus wie die andere. Eben weil man die vergleichsweise selten sieht. Man kann zwar Bisamratten anhand der Größe relativ leicht zuordnen, Wander oder Hausratten aber kaum voneinander unterscheiden.

  2. „Für die Forscher bestand der nächste Schritt darin, herauszufinden,
    warum unsere Wahrnehmung so funktioniert. Eine mögliche Erklärung kann
    demnach sein, dass wir mit Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe
    schlicht mehr Kontakt und damit auch mehr visuelle Erfahrung haben –
    eine These, die bereits in anderen Studien untermauert wurde.“

    Welch Schwachsinn. Natürlich hat man eine wesentlich andere Bindung an Menschen gleicher Sozialisation, Ethnogenese. Aber es ist auch gefährlich, länger als 1 Sekunde in das Gesicht mancher Ethnie zu schauen, ohne als Rassist diffamiert zu werden oder „was guggst Du“, „ich weiß wo Dein Haus wohnt“ oder so an den Kopf geworfen zu kriegen!

  3. Nach 10 Jahren Aufenthalt in Westafrika kann ich nur sagen, dass es völlig normal ist, dass wir Schwierigkeiten haben Schwarze voneinander unterscheiden. Es gibt nur braune Augen und braune Haare, allein daher ist es schon sehr schwierig. Lebt man nun längere Zeit dort, lernt man auf andere Merkmale zu achten wie Feinheiten im Gesicht. Das machen wir unter uns Weissen seltener, weil wir eben noch eine Vielzahl anderer Unterscheidungsmerkmale haben. Dafür benötigt man kein Kein Hirn Scan, um das herauszufinden.

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