Griechenland – Unser Geld ist verloren!

Mauschelei: Angela Merkel mit Griechenlands Premier Alexis Tsipras. Foto: Shutterstock

In Griechenland kam es am Sonntag zu einem Regierungswechsel. Der „konservative“ Kyriakos Mitsotakis löst den linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ab. Mitsotakis hat den Griechen vollmundige Versprechungen gemacht – Privatisierungen sollen gefördert und mittels Steuererleichterungen die Wirtschaft angekurbelt werden, um die grassierende Arbeitslosigkeit von 18 Prozent zu senken. Wachstum heißt das Zauberwort –  von aktuell rund 2 Prozent will es Mitsotakis auf 4 Prozent steigern. Die Hellenen haben es ihm mit ihren Wählerstimmen gedankt.

Doch es ist mehr als fraglich, dass die neue Hoffnung am griechischen Politikhimmel eine grundlegende Trendwende auslösen kann. Zu schwer lastet das primäre Überschussziel (die staatlichen Einnahmen vor Zinszahlungen) von 3,5 Prozentpunkten auf den griechischen Schultern– dadurch ist im Grunde kein steuerlicher Spielraum für Steuersenkungen vorhanden. Mitsotakis braucht also andere Konditionen, die er mit den bisherigen Kreditgebern allen voran Deutschland neu aushandeln muss. Diese haben derartige Vorstöße bisher jedoch vehement abgewiesen. Das wird auch Mitsotakis kaum ändern können. Doch was ist eigentlich mit den deutschen Geldern, die in Griechenland gepumpt wurden, passiert? In letzter Zeit ist es um den Mittelmeerstaat so ruhig geworden, man könnte meinen, die finanzielle Schieflage hätte sich wieder ins Waagerechte bewegt.

Das Gegenteil ist der Fall. Ein Rückblick:

Drei Hilfspakete und ein Rettungsschirm

Das Elend nimmt mit einem Betrug seinen Lauf – Griechenland erschleicht sich mit Hilfe manipulierter Daten den Zugang zur Eurozone. Das Land hätte sie nie betreten dürfen. Als die Täuschung aufflog war es dann längst zu spät. Griechenland war finanziell komplett kollabiert – Herzinfarkt, Schlaganfall, Exitus. Seit 2010 musste es mehrfach durch die Euro-Partner und den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit horrenden Milliardensummen vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Drei Hilfspakete hat man geschnürt – das erste umfasste 110 Milliarden (IWF und Euro-Staaten), von welchem 73 Milliarden wirklich nach Athen flossen. Die noch ausstehnde Differenz wurde auf das zweite Hilfspaket übertragen.

Jetzt kommt ein entscheidender Faktor ins Spiel: Logischerweise muss Griechenland für die bilateralen Kredite den Euro-Staaten bereits kontinuierlich Zinsen bezahlen. 2014 waren das etwa 400 Millionen Euro, mittlerweile sind wir im Milliardenbereich. Die eigentliche Tilgung der Kredite, also die Rückzahlung unseres transferierten Geldes, beginnt voraussichtlich erst 2020. Wenn sie denn je erfolgen wird.

Auf das erste folgte 2012 das zweite Rettungspaket, das Hilfen des EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität bzw. Teil des Euro-Rettungsschirms) und des IWF in Höhe von insgesamt 163,7 Milliarden Euro umfasste – einschließlich der 24,4 Milliarden Euro noch nicht ausgezahlter Kreditzusagen aus dem ersten Paket.

Das letzte der Rettungspakete bekam Griechenland nach wochenlangen Verhandlungen mit den Euro-Staaten  im August 2015 bewilligt. Es war auf drei Jahre befristet und endete im August 2018. Die Stabilitätshilfen wurden über den dauerhaften Rettungsschirm ESM abgewickelt und umfassten ein Gesamtvolumen von 86 Milliarden Euro.

Unter diesem dritten Kreditprogramm, das der nun scheidende Ministerpräsident Tsipras im Juli 2015 unterzeichnete, muss Griechenland sich eine in der Geschichte bislang einmalige Tat abringen: Bis 2022 soll der Primärüberschuss (siehe Eingang des Artikels) bei 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Danach soll Griechenland auf Jahrzehnte neue Schulden vermeiden. In diesem Kontext von „Optimismus“ zu sprechen, ist noch untertrieben.

Insgesamt bekam Athen bis Mitte 2018 rund 275 Milliarden Euro aus den Paketen ausgezahlt und musste im Gegenzug die Bevölkerung mit tiefgreifende Reformen konfrontieren. Das Land wurde ausgeblutet, kaputt gespart. 2012 tönte Schäuble noch, damals Finanzminister: „Es wird kein zweites Rettungspaket für Griechenland geben.“ Bekommen hat es drei. Hinterlassen hat die EU eine Finanzwüste.

Wie steht es nun derzeit um die griechische (Finanz)Wirtschaft?

Trotz drastischer Sparmaßnahmen, ist die Staatsverschuldung Griechenlands mit über 170 Prozent der Wirtschaftsleistung mit Abstand die höchste in der Euro-Zone. Der Schuldenschnitt im Jahr 2012 und die zahlreichen Privatisierungen konnten es nicht aufhalten, dass die Verschuldung wieder fast so hoch ist wie vor dem Schnitt. Die hellenischen Banken sind weit von einem stabilen Status entfernt: Anfang 2019 waren 43,4 Prozent ihrer Kredite sogenannte „non-performing loans“ (Kredite, welche seit mehr als 90 Tagen nicht mehr bedient werden). Zum Vergleich: In Deutschland sind es lediglich um die 2 Prozent.

Damit nicht genug sieht es bei der Industrieproduktion ähnlich düster aus: Zuletzt lag sie auf dem Niveau von 1994. Wie unter solchen Voraussetzungen hunderte Milliarden an Krediten zurückgezahlt werden sollen, bleibt ein Rätsel.

Derweil ist der Preis, den das Land für marginale „Erfolge“ zahlen musste, exorbitant:

Essentielle Teile der griechischen Infrastruktur wurden privatisiert (Fraport hat mehrere Flüghäfen geschluckt – 2022 erwartet man die erste Dividende) und sind für den griechischen Staat bzw. das griechische Volk ein für alle Mal verloren. Dass für den ottonormal Griechen so das Gefühl einer „feindlichen“ Übernahme aufkommt, ist unter diesen Gesichtspunkten völlig nachvollziehbar. Dazu kommt, dass der griechische Durchschnittslohn 2018 auf das Niveau von 2003 zurückgefallen war. Die Peleponnes pfeift auf dem letzten Loch.

Zusätzlich zu der finanziellen Belastung, steht Griechenland vor der unlösbaren Herausforderung, seinen „Brain Drain“ zu kompensieren: Seit 2010 haben 500 000 Menschen das Land verlassen. Mehr als 90 % der Auswanderer waren Hochschulabsolventen, 64 % hatten einen Postgraduiertenabschluss. Die Jugend flüchtet. Das Mittelmeerland ist in einem Teufelskreis gefangen – im Würgegriff der Eurozone, den es sich selbst eingebrockt hat. Ohne Leistungsträger kein Aufschwung, ohne Aufschwung keine Aussicht auf Tilgung der Schulden.

Zeit, ein Fazit zu ziehen:

Geld verbrannt – Zeit gekauft

Griechenland ist immer noch bankrott. „Falschmeldungen“, dass das Zuschütten mit Geld für Deutschland ein gutes Geschäft gewesen sei oder in Zukunft sein wird, weil Athen mit Biegen und Brechen Zinsen zurückzahlt, sind reinster Selbstbetrug.

Es ist pure Illusion zu glauben, dass Deutschland die an Griechenland geflossenen Milliarden (nicht die Zinsen!) jemals zurückerhält. Es wurde für ein paar aufgeschobene Krisenjahre sprichwörtlich verbrannt. Die EU-Granden haben sich Zeit gekauft – die grundlegenden Probleme (eines davon ist die Eurozonenzugehörigkeit Griechenlands) wurden nicht gelöst. Die Leidtragenden sind indessen die Völker, hüben wie drüben – während die Deutschen Geld in Löcher ohne Boden kippen, darbt die griechische Bevölkerung ohne Aussicht auf ein Licht am Ende des Tunnels. Mitsotakis wird am Status quo nichts ändern können.

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31 Kommentare

  1. Das an Griechenland gegebene Geld war schon verloren als man den Gedanken gefasst hat Ihnen Geld zu geben. Es stand von vornherein fest das wir davon nie was wieder sehen werden, jeder der was anderes gesagt hat, hat die Menschen getäuscht um nicht belogen zu sagen.

  2. 275.000.000.000€ bekam die sozialistische Regierung in Griechenland von der EU.
    Man nannte das „Kredite“ unter dem „Euro-Rettungsschirm“! Alles gutmenschliche Worthülsen für die wir europäischen Steuerzahler, vor allen Dingen Deutschland,
    viele Jahre kräftig Steuern bezahlt und blutet.
    Dass wir bewusst getäuscht und betrogen wurden, wird niemand eingestehen.

    Noch Schlimmeres blüht uns, wie „das Amen in der Kirche“ bei den gutmenschlichen Worthülsen: Energiewende, Rettung und Asyl von „Geflüchteten“ & Bekämpfung des „Klimawandels“.
    Uns wird das „Eurofell“ über die Ohren gezogen das uns hören und sehen vergeht.

    Wohl dem Kind deutscher Eltern, das nicht mehr geboren wird!

  3. Ich weiss bei den emoticons gar nicht , ob ich auf zynisch überrascht, bigott traurig oder spätpubertierend wütend tippen soll…
    Die AfD wurde u.a. wegen der Fehlkonstrukte des euro gegründet, aber die Leute wollten sie ja 2013 nur knapp im EU“PARLAMENT.
    Jetzt ist der Schinken gegessen und man hat nicht nur Läuse im Fell, sondern Ebola ,TBC und AIDS pp. an der Backe.au verdammt, das war jetzt aber nazi

  4. ZITAT: „Mitsotakis wird am Status quo nichts ändern können.“

    Wieso? Hat der keine Finger, mit denen er die EXIT-Taste drücken kann? Wo ein Wille ist, da ist auch ein Grexit.

  5. Griechenland ist mit manipulierten Zahlen in die EU eingetreten und…………..alle haben das gewusst und dennoch zugestimmt!
    Das ist der eigentliche Skandal! Draghi ist einer der Strippenzieher gewesen und hat aus der EZB das gemacht was nie gemacht werden sollte, eine Bank die Staaten finanziert! Also der Bock zum Gärtner…………..
    Deutschlands Finanzhilfen wird es nie wieder sehen, denken doch viele Griechen das ihnen noch viel mehr zustehen würde! Das war von Anfang an klar…..und zwar für jeden der es wissen wollte!

  6. Es war nie etwas anders geplant. Dazu brauch man auch kein Spezialist zu sein. Man kann eine Union zu viellen Zwecken bilden. Aber egal worum es geht, die Beteilgten werden immer darauf bestehen, dass jedes Mitglied seinen Beitrag leistet. Aber wer bildet schon eine Wirtschaftsgemeinschaft mit armen Schluckern? Macht irgendwie keinen Sinn und kann nur in der finanziellen Katastrophe enden.Wer heute noch behauptet, wir brauchen dringend die EU, der ist ein Betrüger!

    • Die meisten EU-Mitglieder sind eigentlich Drittweltlaender!
      Und Italien ist am Rand der Pleite!
      Der Euro und die EU brechen bald zusammen!
      Danach kommt der Zorn des Volkes, der sich auf die Globalisten entladen wird.

  7. Beruhigt euch. Das Geld ist nicht verschwendet.
    Mit diesem Geld wurde ein guter Platz für Frau Merkel in der Geschichte erkauft.

  8. Die Auslöser der Krise also die Verantwortlichen haben die Hilfspackete bekommen. Die Deutschen und die Griechen sind die Verlierer dieser Geschichte.
    EU = Paradies für die Finanzwelt.
    Zocken ohne Risiko.
    Der deutsche Steuerzahler zahlt immer.

  9. „Insgesamt bekam Athen bis Mitte 2018 rund 275 Milliarden Euro“

    Einfacher Trick: Reparationen!

    „Griechenland hatte Deutschland Anfang Juni offiziell mit einer
    diplomatischen Note zu Verhandlungen über Reparationen aufgefordert. Die
    Regierung in Athen – damals noch unter dem linken Regierungschef Alexis
    Tsipras – war dazu vom Parlament aufgefordert worden. Eine griechische
    Expertenkommission hat die Summe für die von Deutschland verursachten
    Kriegsschäden auf 290 Milliarden Euro geschätzt.“

    Alles klar?

    PS: „Die Linke fordert die Bundesregierung auf, auf die griechischen Reparationsforderungen einzugehen.“

    • Dann soll die Linke doch mal mit den versteckten Milliarden aus der DDR-Zeit anfangen! Oder haben sie die schon verfrühstückt?

    • Reparationen von Deutschland?
      Italien ist in Grichenland einmarschiert.als die am Ende waren ist Deutschland nur seiner Bündnispflicht nach gekommen.

  10. Das Geld ist weg! So war der Plan!

    Für Reparationszahlungen wenden sie sich vertrauensvoll an Goldman Sachs!

    Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche.
    Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden:
    Die Deutschen glauben sie.

    Einen Ouzo bitte, für meine Freunde!
    Für meine guten Freunde!

  11. Nichts neues – seit Jahren bekannt. Die einzig sinnvolle Möglichkeit für Griechenland – raus aus dem Euro, wieder rein in die Drachme, Anpassung an die reale Wirtschaftsleistung durch Abwertung – wurde ja vom Rest des Euro-Europas mit allen Mitteln verhindert, um den „Euro zu retten“.
    Griechenland ist nur ein kleines Land. Wenn der nächste, dann aber auch größere Kandidat (Italien, Spanien, Frankreich, …) bankrott ist, geht der Spaß erst richtig los.
    Und wer aus berechtigten wirtschaftlichen Begründungen den Euro das nennt, was er ist – eine Fehlgeburt – der steht schon mit einem Fuß im antieuropäischen (rechten ) Lager. Ein Hoch auf die Demokratie!

    • wieso hätten?Die bekommen doch auch alle reichlich. Meine Frage ist ja nur: wieviel Geld hatten/haben wir eigentlich noch?!! Wohl nix mehr, deshalb der Ruf nach Enteignung….

    • „Wieviel Geld haben wir noch?“
      Wenn Deutschland in etwa das Bruttoinlandsprodukt vom Irak erreicht, dann gibt es einen Crash oder eine Umkehr.

  12. Warum wohl werden immer wieder Reparationsforderungen ausgerechnet an Deutschland erhoben? Den Krieg gegen Griechenland hat Italien begonnen, nur ist da eben nichts zu holen, also soll die Melkkuh mal wieder dran glauben. Unsere Volkszertreter haben gutes Geld dem schlechten hinterhergeworfen und anfangs noch betont, wie wir doch daran noch verdienen. Eine Lüge mehr oder weniger, darauf kommts nun auch nicht mehr drauf an. Die Kohle ist futsch, was anderes hat kein klar denkender Mensch erwartet.

  13. Wie geht der alte Spruch? „Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.“ In dem Fall die internationalen Bankster. Das konnte man auf den alternativen Medien doch schon von Anfang an lesen. Kein Geheimnis! Glaubt Ihr, dass das einer kapiert hier, und diesem Treiben bei entsprechenden Wahlen zumindest mal im Ansatz endlich einen Riegel vorschiebt? Vielleicht wenn jetzt die Arbeitslosigkeit im Land, wo wir „gut und gerne leben“, exponentiell in die Höhe geht.

    • Super. Sie haben natürlich recht. Von den ganzen Geldern ist nur ein winziger Teil den Griechen zugeflossen.
      Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt was es bedeutet, Geld vom IWF anzunehmen. Nix anderes als Schuldenversklavung.

  14. Dies wahr doch von Anfang an klar wie Kloßbrühe oder hat jemand was anderes erwartet. Nun haben Merkel, Schäuble und all die anderen Schuldigen, jemand gefunden auf dem man alles schieben kann und da der da rennt mit unserem Geld, werden sie rufen. Doch wo ist all das Geld geblieben, neben den Linken Politikern die sich mit Sicherheit die Taschen füllten, wird das meisten bei den Gläubigern an der Waal Street gelandet sein.

  15. Die Auslöser der Krise also die Verantwortlichen haben die Hilfspackete bekommen. Die Deutschen und die Griechen sind die Verlierer dieser Geschichte.
    EU = Paradies für die Finanzwelt.
    Zocken ohne Risiko.
    Der deutsche Steuerzahler zahlt immer.

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