Neo Rauch und der „Anbräuner“ von der ZEIT

Neo Rauch und der "Anbräuner" (Bild: Ullrich (li): Justus Nussbaum; CC BY-SA 3.0; siehe Link/Neo Rauch: Hans Peter Schaefer, http://www.reserv-a-rt.de; CC BY-SA 3.0)

Neo Rauch, bedeutendster Repräsentanten der „Neuen Leipziger Schule“, gilt weltweit als einer der gefragtesten zeitgenössischen Maler und – als einer der teuersten der Republik. In einem Zeit-Artikel rückte der Kunstkritiker Wolfgang Ullrich Rauch in die Nähe „rechts gerichteter Künstler“- was immer das auch bedeuten soll – und in den Dunstkreis von „Reichsbürgern“. Rauch wehrt sich gegen die Denunzianten mit den Mitteln der Kunst und malt den „Anbräuner“.

Es begann mit einem „Zeit“-Artikel , erschienen Ende Mai. Im Qualitätsmedium rückte der ebenso unbekannte wie unbedeutende Kunstkritiker Wolfgang Ullrich den weltberühmten Leipziger Maler Neo Rauch  – bar jeglicher begreifbaren Definition  – in die Nähe „rechts gerichteter Künstler“. Ullrich, der Rauch früher bereits als „Salonmaler“ titulierte, entblödete sich aktuell tatsächlich nicht, eine Verbindung herzustellen zwischen traditioneller bohemienhafter Distanz des Künstlers zur Mehrheitsgesellschaft auf der einen und der sich aktuell auf ihre Weise aus dem Sozialgefüge entkoppelnden Reichsbürger-Klientel andererseits. Abgehoben schreibt Ullrich:

„Die Distanz zur Gesellschaft lebt man nicht mehr als Bohemien aus, sondern begibt sich in eine Wahlverwandtschaft zu Reichsbürgern und Preppern, die sich in ihrem Bunker auf die finale Katastrophe vorbereiten.“

Noch nicht genug des Irrsinns verspritzt, will der Zeit-Schreiberling bei Rauch “Motive rechten Denkens” in seinen Bildern entdeckt haben. Deshalb verortet er diesen auch sogleich auf die Seite „aktivistisch hervorgetretener rechter Künstler. Zudem nutze Rauch seine Prominenz ganz bewusst, um “das politische Klima in Deutschland zu verschieben“, so der Vorwurf Ullrichs.

„Der Anbräuner“

Als Reaktion auf Ullrichs zusammengeschusterten publizistischen Erguss antwortete der Maler nun mit einem Gemälde namens „Der Anbräuner“. Darauf ist ein Maler zu sehen, der auf einem Nachttopf hockend mit seinen Exkrementen eine Figur auf die Leinwand bringt. Diese gezeichnete Figur wiederum zeigt den „Hitlergruß“. Gut lesbar darauf das Namenskürzel W.U.

Der so bloßgestellte Kunstkritiker Ullrich fühle sich persönlich sich nicht getroffen:„Ich finde mich selbst so wenig in der Rolle eines Anbräuners. Ich habe Rauch rechte Motive unterstellt, aber ihn keineswegs zum Nazi gemacht – das macht er schon selber“, so Ullrich, der – nachdem sich die Wellen um seinen unappetitlichen Anwurf demnächst gelegt haben – wieder in seiner bisherigen Bedeutungslosigkeit verschwinden wird. Seine Ergüsse können für eingefleischte Ullrich-Fans auf seiner Internetseite, die er wahnwitziger Weise  „ideenfreiheit“ nennt, nachgelesen werden.

Rauch – kein Parteigänger

„Rauch selbst äußert sich zwar zuweilen kritisch zum Zeitgeschehen, moniert etwa ein Zuviel an „Political Correctness“ in der Gesellschaft – die „Bagage der Blockwarte, der Gesinnungsschnüffler und Politkommissare“ sei ihm zuwider“, stellt das Magazin anbruch fest . In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ hatte Rauch sich  ausdrücklich hinter den Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp gestellt, nachdem Tellkamp nach seiner Kritik an Merkels „Flüchtlingspolitik“ massivsten Anfeindungen ausgesetzt war. Die darin geäußerte Formulierung, Tellkamp sei ein Wiedergänger des Widerstandskämpfers Stauffenberg, hat Neo Rauch inzwischen präzisiert. Er habe damit nicht den Eindruck erwecken wollen, das heutige Deutschland sei eine Diktatur. Gegen die Dominanz einer linken Moral, die obsessiv auf ihren Vorstellungen einer politischen Korrektheit beharre, hat sich Rauch jedoch wiederholt in Stellung gebracht.

Parteigänger allerdings sei Rauch nicht und habe sich auch nicht durch  öffentliche Äußerungen auf eine politische Seiten geschlagen, so wie es sein langjährigen Weggefährten Axel Krause tat und tut. Dieser wurde für den Mut, seine Meinung zu äußern, jüngst auf dem Neuen Hambacher Fest mit einem eigens gestifteten Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. (SB)

 

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1 Kommentar

  1. Warum ist Deutschland noch keine Diktatur? Etwa, weil wir auf dem Papier eine Gewaltenteilung haben? Das hatte die DDR auch.

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