Doris von Sayn-Wittgenstein: Die Politik hat den Verstand verloren

Christian Schwochert

Doris von Sayn-Wittgenstein (Bild: Doris von Sayn-Wittgenstein)

Schon seit vielen Jahren engagiert sich die AfD-Politikerin Doris von Sayn-Wittgenstein für unser Heimatland. Durch einen gemeinsamen Bekannten kam der Autor dieser Zeilen auf die Idee, einmal ein Interview mit ihr zu führen, welches Sie nun hier lesen können:

Wie beurteilen Sie das Abschneiden der AfD bei der letzten EU-Wahl?

Die Spendenangelegenheit und interne Grabenkämpfe, die zu Parteiausschlußverfahren führen, haben zu einer schlechten Außendarstellung geführt. Es fehlte in meinen Augen an einer Offensivstrategie der Parteiführung. Impulse wurden zudem nicht aufgegriffen, so etwa die Rede von Marc Jongen am 5.4.2019 im Bundestag, in der er den Fortbestand des deutschen Volkes und seine Identität thematisierte. Die Wähler in den neuen Bundesländern haben im Gegensatz zu vielen im Westen ein gutes Gespür für Ungerechtigkeit und Unehrlichkeit. Sie haben deswegen der AfD ihr Vertrauen geschenkt. Ich hoffe, daß sich dieser Trend bei den anstehenden Landtagswahlen verstärkt.

Was denken Sie über den Erfolg der Grünen? Wie konnte diese deutschenfeindliche Partei so stark werden?

Die bundesdeutsche Politik wird zunehmend von Gefühligkeit und nicht von Verstand gelenkt. Die Schuldgefühle der Deutschen werden zur Beförderung von Entwicklungen benutzt, die uns auf Dauer schaden werden.  Die Grünen haben es verstanden, Themen aufzugreifen und mit Gefühlen aufzuladen. Es deutet sich ein Generationenkonflikt, wie es bei den 68ern der Fall war, an. Innergesellschaftliche Konflikte eignen sich vorzüglich, um Entwicklungen voranzutreiben. Ich denke hier konkret an die Klimadebatte, die mit Hilfe eines Greta-Hypes befeuert wurde. Dabei ist es fraglich, ob der Mensch überhaupt nachhaltig Einfluß auf das Klima nehmen kann.

Alters- und Kinderarmut, bezahlbarer Wohnraum, gute Bildung, soziale Gerechtigkeit, Familienförderung, gute Arbeitsbedingungen und eine funktionierende Infrastruktur z.B. sind meines Erachtens viel wichtiger, um den Industriestandort Deutschland und unseren Lebensstandard dauerhaft zu erhalten.

Wie hat Ihnen die COMPACT-Geschichtskonferenz gefallen? Was haben Sie dort alles Schönes erlebt?

Die Geschichtskonferenz hat mir gut gefallen. Sie hat gezeigt, daß man sich unseres Vaterlandes nicht schämen muß: Unsere Geschichte umfaßt mehr als 12 Jahre Diktatur. Das gilt es in der Politik und insbesondere bei politischen Entscheidungen herauszukehren. Ich habe dort viele Menschen kennengelernt, die sich ebenfalls Sorgen um unser schönes Land machen.

Was hat es mit Ihrem meines Erachtens sehr schönen Namen auf sich? In den Mainstreammedien gab es ja einigen Aufruhr deswegen.

Vielen Dank, daß ich das hier einmal richtig stellen darf! Meinen Namen habe ich nicht gekauft, um dieser dummen Behauptung, die von interessierter Seite immer wieder verbreitet wird, eine Absage zu erteilen. Die Frage zu meinem Namen zeigt aber, daß hier noch falsche Vorstellungen lebendig sind. Man würde ja auch nicht bei einem Herrn Müller oder Schulze nach der Herkunft des Namens fragen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft; deshalb möchte ich nicht über meinen Namen, sondern über meine Leistung definiert werden.

Anders als die Mainstreammedien, die sich nur auf Namen stürzen, möchte ich auch nach Inhalten fragen: Welche Themen sind Ihnen in der AfD und für Deutschland besonders wichtig?

Für mich stehen Volk und Vaterland im Mittelpunkt meines Engagements. Wir erleben derzeit eine weiche Form von „Volkstod“. Ich habe oben die drängenden Punkte bereits angesprochen und möchte hier noch einmal auf die treffende Rede von Marc Jongen zurückkommen. Er beschreibt, wie der Selbstbehauptungswille unseres Volkes durch gezielte Propaganda ausgehöhlt wird. Dafür ist er auf übelste Weise von Volksvertretern anderer Parteien während seiner Rede angegangen worden. Selbstverständlich gehört auch die kulturelle Identität, die uns die Linke gern abspricht, dazu: Deutsch ist aber mehr als nur eine Sprache. Die Tatsache, dass der Mainstream diese Rede von Herrn Jongen völlig verschweigt, hat natürlich ihren Grund. Man kann sich aber nicht einerseits für den Schutz von Tibets Identität im Bundestag starkmachen (13/4445 vom 23.04.1996) und gleichzeitig deutsche Identität in Frage stellen.

Die Grünen verdanken ihren Erfolg ja auch ein Stück weit den „Fridays for Future“-Protesten, bei denen eine Politikerin der Grünen Jugend in Deutschland das Wort führt. Wer oder was steckt Ihres Erachtens tatsächlich hinter diesen Protesten?

Ich denke, daß es sich hierbei um eine gelenkte Aktion handelt. Die Nominierung für den Friedensnobelpreis läßt einen schon den Kopf schütteln. Ist es so leicht, eine solche Ehrung zu erhalten? Wir haben in Deutschland junge, engagierte Menschen in Vereinen wie Feuerwehr, DLRG, aber z.B. auch junge Erfinder. Sollten wir eine solche Jugend nicht mehr in den Mittelpunkt stellen?

Mich bewegt z.B. das Problem der Überbevölkerung, der immense Plastikmüll, den wir verursachen, und auch die Förderung von E-Autos sehr: Es tut mir weh, wie in der Dritten Welt Kinder unter schlimmsten Bedingungen dafür schuften, damit wir mit vermeintlich guter Elektroenergie hausieren gehen können.

Trotz der sehr ideologisch aufgeladenen Proteste ist Umweltschutz ja ein wichtiges Thema und die heimische Natur zu schützen sollte das Anliegen eines jeden Patrioten sein. Wie steht die AfD zum Thema Umweltschutz? Viele Leute glauben leider auch, die AfD hätte kein eigenes Umweltschutzprogramm. Müsste die Partei das vorhandene Programm besser kommunizieren?

Umweltschutz ist ein ganz konservatives Thema, denn es geht ja um die Erhaltung der Schöpfung – auch für kommende Generationen. Die Partei hat hierzu natürlich Vorstellungen, aber auch ein Kommunikationsproblem. Sie wird von den Medien blockiert und kann nur die sozialen Medien nutzen, die ja zunehmend auch Orte von Zensur sind.

Ich hoffe, daß die AfD-Fraktion im Bundestag den ursprünglich geplanten Newsroom mit etwa 20 Mann rund um die Uhr, der noch vor der Bundestagswahl geplant war wie NTV schrieb, realisiert. Man sollte nicht zu stark auf den Mainstream setzen, sondern mehr auf alternative Medien, wie etwa Sie. Hinzukommt, daß Impulse nicht aufgegriffen werden; dies betrifft insbesondere den Kampf um die Deutungshoheit über die Begriffe, die aber Teile der Fraktion bravourös führen.

Wie sehen Ihre zukünftigen Pläne in der AfD aus?

Im Augenblick ist ja noch mein Parteiausschlußverfahren rechtshängig. Hier ist der Bundesvorstand gegen das Urteil des Landesschiedsgerichtes, das meinen Ausschluß nicht bestätigt hat, in die Berufung gegangen. Ich bin jetzt Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtages. Ich hatte letzte Woche Verhandlung vor dem Landesverfassungsgericht: Es ging hier um meinen Ausschluß aus der Fraktion. Hier warte ich erst einmal die Entscheidung des Gerichtes ab.

Wie schätzen Sie die politischen Chancen der AfD ein, unser Land noch zu retten?

Große Teile der Bundestagsfraktion sind auf dem Weg, sich ihr Land, wie es Alexander Gauland so treffend formulierte, zurückzuholen. Das Hauptproblem der Partei besteht im Unvermögen der Parteiführung, die Arbeit der Bundestagsfraktion tatsächlich in die Massen zu tragen; der Bundesvorstand möchte nicht anecken, er erfüllt vermeintliche Vorgaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Wenn hier nicht eine grundsätzliche Wende mit dem Mut zur Wahrheit und dem Kampf um die Bürgerrechte erfolgt, sieht es m.E. nach nicht gut aus. Ich glaube, daß unsere Wähler etwas Neues, Frisches für Deutschland möchten. Die AfD hat das Potential dazu.

Über den Gastautor: Christian Schwochert wurde 1991 in Berlin geboren. Er arbeitet als Journalist und Schriftsteller. Von ihm stammen mehrere Bücher der patriotischen „Kaiserfront-Extra“-Romanreihe. Außerdem schreibt er für den „Preußischen Anzeiger“ und das „Corona-Nachrichten für Monarchisten“-Magazin. Zur Zeit arbeitet er in Bremen an seinem nächsten Roman.

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8 Kommentare

  1. Verstand verlieren? Man kann nur das verlieren, was man vorher besaß und da war nichts – vielleicht hochgestapelt, böser Vakuumvirus?!

  2. Um ein Haar wäre sie unsere Vorsitzende geworden. Ich denke, sie hätte die deutsche Salvini werden können.
    Ohne die Karrieristen- und Opportunisten-Seilschaften.

  3. Das sieht sie genau richtig. Es fehlt an Männern und Frauen mit breiter brust die angstfrei vor dem Verfassungsschutz kommunizieren. Diese hasenhaken werden nicht akzeptiert. Nehmt euch ein Beispiel an salvini, Orban

  4. Diese Frau und andere bei der AfD, werden von Leuten gekonnt, die nur die Karriereleiter hinauf wollen und sogenannte U-Boote und diese sollte man überprüfen und rausschmeißen. Beste Beispiel ist Höcke ohne ihn wäre die AfD in Thüringen ein lahmer Haufen.

  5. Grundsätzlich möchte ich an dieser Stelle mit Nachdruck bemerken, daß nicht nur die Politik den Verstand verloren hat, sondern zuvorderst die Mainstreammedien. Ich Verstehe nicht, was die machen wollen, wenn sich der ganze Hype wieder beruhigt oder normalisiert hat, (und das wird es mit Sicherheit). Wollen die dann wieder zur Tagesordnung zurückkehren ? Oder meinen die wirklich, das blöde Volk würde sich jedesmal wieder aufs NEUE mit den Medien arrangieren ? Hoffentlich geht alles ohne BLUTVERGIEßEN vonstatten. Die Chance als vierte Macht im Staate haben sich unsere MSM auf jeden Fall verbaut. Frage mich wirklich, was erwarten „DIE“

    • Was Die erwarten?Gute Frage.
      Ich denke Die hoffen das dieses System noch lange hält.Und dann ist es wie so oft im System der Abhängigkeiten.Ein paar kleine Steuerschmankerl.Die Konkurrenz des Internets, der Kostendruck usw.
      sind beliebte Spiele um an Staatskohle zu kommen.
      Ein Beispiel: Deutschland hatte jahrelang die weltgrößte Containerflotte.Deutschen Seeleuten unter dt. Flagge wurde die Lohnsteuer von Ihrem Bruttoverdienst abgezogen aber der Reeder brauchte sie nicht ans Finanzamt abführen.Da war es auch vorher ein Wehklagen, die hohen Lohnkosten, die Konkurrenz und die Investitionen in die schönen neuen Schiffe.Da Seeleute unter Heuertarifvertrag relativ gut verdienen (gönne ich Ihnen neidlos) kamen da hübsche Summen zusammen.Das nennt man gelebter Lobbyismus.So funktioniert dieser Staat.

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