Dem Heinerhofbauern sein Knecht über die Umweltfreundlichkeit

Max Erdinger

Dem Heinerhofbauern sein Knecht (Foto: Pixabay)

Neulich habe ich nach langer Zeit wieder einmal den Heinerhofbauern seinen Knecht besucht. Wir saßen nach Feierabend auf dem Bänkchen vor dem alten Bauernhaus schräg gegenüber vom Misthaufen und genossen die milden Temperaturen in der frühsommerlichen Abendsonne. Vom diesem Bänkchen vor dem Haus hat man einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Talseite und auf den Weg, der etwas weiter unten am Heinerhof vorbeiführt. Viel reden muß man mit dem Knecht nicht. Wenn ihm etwas einfällt, dann fängt er von selbst an, vernehmlich vor sich bin zu sinnieren.

Wie wir also auf dem Bänkchen saßen und schweigend in die Natur schauten, hin und wieder einen Schluck aus unseren Steinkrügen nahmen, näherte sich auf dem Weg unten, vom Waldesrand her kommend, eine Gruppe von Wandersleuten. Je näher sie kamen, desto eindeutiger war zu erkennen, daß es sich keinesfalls um Einheimische handelte. Dem Heinerhofbauern sein Knecht konnte sie dann auch genauer identifizieren. „Die sind aus dem Dorf unten“, sagte er emotionslos. „So pechschwarz, wie die sind, sind das ehemalige Umweltfreunde aus der Asylantenunterkunft.“ Zweifellos handelte es sich bei den Wandersleuten um Menschen mit einem afrikanischen Hintergrund. Das konnte ich jetzt auch sehen. „Warum ehemalige Umweltfreunde?“, fragte ich den Knecht. „Weil es da, wo die eigentlich herkommen, in Afrika, Kongo, Nigeria oder so wo, keine Elektroautos gibt.“, war die Antwort.

Es passiert nicht oft, daß ich den Knecht nicht sofort verstehe. Deshalb hakte ich nach: „Was hat jetzt die Frage, ob es im Kongo oder in Nigeria Elektroautos gibt, mit der Umweltfreundlichkeit dieser armen Menschen zu tun?“ – „Na ja“, erwiderte der Knecht, „wer diese elektrischen Dreckschleudern nicht hat, der verschmutzt auch die Natur nicht. Weil er kein Kobalt und kein Lithium und die ganzen Transportwege für das Zeug nicht braucht“. Sogar, wenn sie Elektroautos hätten im Kongo oder in Nigeria, fuhr er fort, dann hätten sie den Strom nicht, den sie zum Batterieaufladen brauchen. Zivilisatorische Unterentwicklung ist umweltfreundlich. Solange die Nigerianer in Nigeria sind, bleiben sie garantiert Umweltfreunde. Erst, wenn sie hierher kommen, dann könnten sie überhaupt ein Elektroauto haben wollen. Und ein potentieller Umweltfeind ist etwas anderes als ein Umweltfreund. Deswegen seien die Asylanten ehemalige Umweltfreunde. Migration sei so etwas wie vorsätzliche Umweltschädlichkeit. Unter Umweltgesichtspunkten kein Unterschied zu Kreuzfahrten und Flugreisen, diese ganze Migration, meinte er.

Die Logik vom Heinerhofbauern seinem Knecht hat mich schon immer fasziniert. Ich wußte, daß er Natur meint, wenn er Umwelt sagt. Wir hatten uns früher schon einmal darüber unterhalten und festgestellt, daß „Umwelt“ ein saublödes Wort ist. Aber man gebraucht es halt, weil es sowieso in aller Munde ist. Kein Blatt Papier paßt zwischen den Heinerhofbauern seinen Knecht und mich, wenn es darum geht, daß wir den Menschen mit seinen ganzen Möglichkeiten als einen ganz normalen Bestandteil der Natur betrachten. Schon deswegen, weil die künstliche Intelligenz nicht von der Bäuerin zur Welt gebracht worden ist, sondern aus dem Labor kommt. Während die Blöden auf natürlichem Weg das Licht der Welt erblicken und von Bäuerinnen oder von Mägden geboren werden. Manchmal auch unehelich. Es ist eine Schande mit der Triebhaftigkeit und der moralischen Verwahrlosung heutzutage.

„Ein Rassist darf man deswegen auch nicht sein“, fuhr der Knecht fort, „weil wenn wir alle Menschen mit afrikanischem Hintergrund wären und im Vordergrund in Afrika wohnen würden, hätten wir kein Umweltproblem, vor allem kein theoretisches. Weil ein praktisches haben wir sowieso nicht. Der Mensch mit dem entsprechenden Hintergrund ist ein Vorbild.“ Jedenfalls, so weit es die Natur betrifft. Theoretisch. Und nicht nur in Afrika.

Bis vor wenigen Jahren, fuhr der Knecht fort, hat es in Papua-Neuguinea Menschenfresser gegeben. Das waren die Umweltfreundlichsten überhaupt, sagt er, weil die sich gegenseitig aufgefressen haben, anstatt mit dicken Pick-Ups auf den Weideflächen herumzufahren, auf denen sie Pupskühe für alle züchten, die wiederum mit ihren Fürzen bloß das Klima schädigen. Nicht nur, daß mit Menschenfressern die gottverdammte Viehzucht überflüssig wird, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Wenn er bloß daran denkt, was allein schon die Kühe auf dem Heinerhof für eine Arbeit machen.

Wenn  man das zu Ende sinniert, meint er, dann müsste man die Menschenfresserei von den Vereinten Nationen propagieren lassen, weil es gut fürs Klima ist, wenn am Schluß bloß noch ein Vollgefressener übrig bleibt. Einen vollgefressenen Menschenfresser könnte die Umwelt sicherlich vertragen, ohne daß sie bedrohlichen Schaden nimmt. Irgendwann stirbt auch der, vollgefressen und einsam, vielleicht, weil ihn ein Tiger frißt – und alles ist in bester Ordnung. Jedenfalls so lange, bis es einen riesigen Vulkanausbruch gibt oder ein mordsriesiger Meteorit auf der Naturoberfläche einschlägt. Oder ein Tsunami den ganzen Plastikdreck vom Meer zurück aufs Land spült, wo vorher alles so schön sauber gewesen ist. Da kann aber dann keiner mehr darüber meckern, wenn es keinen mehr gibt, der darüber meckern kann. Der Tiger meckert nicht. Das wäre dann völlig in Ordnung so. Theoretisch, sagt der Knecht.

Unter Vorbehalt

Das alles gelte natürlich so lange, wie wir uns selber nicht als Natur begreifen. Wenn wir selber Natur sind, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, dann können wir die Wanderfreunde auf dem Weg dort unten  nicht gutheißen. Weil dann die ganze Natur gesund bleiben muß, nicht nur die Natur minus den Menschen. Da können wir nicht einfach gewissenlos unelektrische Hintergrundsmenschen aus Afrika hier herholen, wo sie sich womöglich elektrifizieren. Das ist mindestens eine Fahrlässigkeit. Schließlich reicht es schon, daß die Gewissenlosen im Tal unten, die Einheimischen, sagt er, Elektroautos haben wollen, weil es modern ist, ohne daß sie wüssten, was so gut an „modern“ sein soll. Was allein schon die Herstellung eines solchen Elektroautos umweltschädliche Energie verbraucht, geht auf keine Kuhhaut. Daß trotzdem alle ein Elektroauto haben wollen, sagt der Knecht, liegt daran, daß sie auf natürlichem Wege, also bar jeglicher künstlichen Intelligenz, zur Welt gebracht worden sind. Die meisten von einer Bäuerin oder einer Magd.

Da brauchen wir also nicht auch noch eine umweltschädliche Migration, bei der ein Haufen Kerosin, Schiffsdiesel und Schweröl verbrannt wird, und die dann aus eindeutig unelektrischen Hintergrundsmenschen zu allem umweltschädlichem Überfluß auch noch elektrische macht. Theoretisch. Und weil die elektrischen Hintergründler aus dem Tal dann diejenigen Hintergründler schädigen, die im Weltklima von Afrika daheim geblieben sind. Migration, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, ist praktisch so etwas wie theoretischer Völkermord per praktischer Luftverpestung mit Elektroautos. Die Menschen mit einem Hintergrund und Afrika im Vordergrund sind absolut umweltfreundlich, wenn sie da bleiben, wo sie sind. Und die auf dem Weg da unterhalb des Heinerhofs seien ganz offensichtlich nicht dort geblieben.  „Deswegen handelt es sich bei den Wanderfreunden da unten um ehemalige Umweltfreunde“, schloß er seine Betrachtungen vorläufig ab.

Die Luftwaffe und der Migrationsgeier

Über den Gipfeln auf der anderen Talseite kreiste majestätisch ein afrikanischer Migrationsgeier. Weiß der Kuckuck, wie der hier hergekommen ist. Grenzen offen, Luftverteidigung im Eimer, wahrscheinlich. Wir stießen an, prosteten uns zu und nahmen einen Schluck. Dann genehmigten wir uns jeder ein Stamperl, der Knecht zündete sich einen Stumpen an und blies den Rauch bedächtig in den blauen Abendhimmel.

Der Knecht – ein umweltfreundlicher Antirassist

„Überhaupt“, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, „wenn man sich überlegt, daß es die ganze theoretische Klima- und Umweltsauerei bloß deswegen gibt, weil die Afrikahintergründler in ihrer ganzen Unschuld überhaupt nichts erfunden haben, unsere Leute aber praktisch alles, dann wäre es für die Umwelt das Beste, wir würden nach Afrika umziehen und die Hintergründigen alle in den hiesigen Vordergrund“. Weil, sagt der Knecht, an der Rasse liegt es ja nicht, vielmehr, eine Rasse gibt es gar nicht, weil man sonst ein Rassist wäre, was man aber natürlich niemals nicht ist. Also muß der Kontinent Afrika die Ursache für eine fehlende Umweltschädlichkeit sein.

Würden wir nach Afrika umziehen und die Afrikaner im Gegenzug hierher,  dann würden wir in Afrika alle immer dunkler werden, größere Nasenlöcher und größere Fortpflanzungsorgane bekommen, – was auch nicht zu verachten ist, sagt er, – und die Hintergrundsmenschen hierzulande würden immer hellere Fortpflänzchenorgane bekommen. Dann wären wir die Menschen mit deutschem Hintergrund in Afrika und könnten allen Anderen Vorwürfe wegen der Umwelt machen. Und Vorwürfe zu machen, anstatt ständig welche einstecken zu müssen, erhöht die Lebensfreude, wie man bei afrikanischen Tänzen einwandfrei beobachten kann. Ein Schuhplattler ist ein gekünstelter Scheißdreck dagegen. So könnten wir die mit dem Afrikahintergrund austricksen, meint dem Heinerhofbauern sein Knecht. Theoretisch. Daß wir sie über den Tisch gezogen hätten mit dem Ländertausch, würde ihnen erst auffallen, wenn sie zum ersten Mal Schuhplatteln, und merken, wie vergleichsweise öde das Leben geworden ist. Dann wären sie diejenigen, die versuchen müssten, die fehlende Lebensfreude mit einer Fahrt in einem Elektroauto kompensatorisch wieder hereinzuholen.

Am besten wäre es aber wahrscheinlich, man läßt alles so, wie es ist, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Weil die Menschen eh alle gleich sind. Da ist er kompromißloser Antirassist. Und wenn schon alle gleich sind und es immer irgendwo Ängstliche, Unzufriedene, Unfähige, Verfolgte, Kinderreiche, Kinderarme, Arme und Kriminelle gibt, dann ist eh schon wurscht, um wen es sich handelt. Wenn von zwei gleichen Menschen einer Migrant werden will, dann ist auch egal, welcher es ist. Die Idee vom Weltfrieden im allgemeinen Wohlstand ist eine Schnapsidee, sagt er.

Sofort genehmigten wir uns noch ein Stamperl und nahmen einen Schluck aus unseren Krügen. Und die Vorstellung, daß alle auf der Welt nur glücklich sein können, wenn sie so leben wie wir und ein umweltschädliches Elektroauto haben, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, während er sich den Schaum aus dem Bart wischte, sei eine Schnapsideee von den Einheimischen aus dem Tal. In Afrika ist zwar die Mordrate höher als bei uns, sagt er, dafür ist die Selbstmordrate niedriger, die Überlebenden also glücklicher. Mord ist als kollektiver Spaßfaktor krass unterbewertet. Unter Umweltgesichtspunkten ist die zivilisierte Welt das Problem. Theoretisch, sagt er. Deswegen muß man die Unzivilisierten da lassen wo sie sind und wie sie sind. Wer will schon andere Menschen ins mordfreie Unglück stürzen?

Ich leerte meinen Krug gar, rief den Wandersleuten auf dem Weg unten zu, ob sie mir wohl ein Taxi rufen könnten – und alle zückten bereitwillig ihre Smartphones. Wenn man sein eigenes Smartphone zuhause vergessen hat, dann ist die Migration schon ein Vorteil, dachte ich mir, während ich unten an der Weggabelung bei der Kapelle auf mein Taxi wartete. Es kam dann auch. Der Fahrer hieß Ndugu und entpuppte sich als freundlicher Mensch. Er ließ das Taxameter ausgeschaltet und fuhr für die Hälfte des regulären Fahrpreises. Die Firma Taxi-Hinterwaldler wird vermutlich bald pleite gehen und geschlossen nach Afrika auswandern, um dort umweltfreundlich und glücklich zu werden. Kommt Zeit, kommt Rat.

 

 

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2 Kommentare

  1. Ich habe Neulich gelesen
    das einige Kannibalen Stämme in Papua Neuguinea
    Flüchtlinge aus Deutschland aufnehmen wollen.
    Damit wäre die Angelegenheit dann gegessen.

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