Politikbetrieb: Jeder mit jedem und alle gegen die AfD

Nils Kröger

Foto: Collage
Foto: Collage

Nachdem die SPD die Ideen von Lafontaine (SPD) und Cohn-Bendit (Grüne) für einen schlechten Aprilscherz hält und der Vereinigung mit der LINKEN eine Absage erteilt hat, schickt sich wohl nun die CDU an, ihren Platz einzunehmen. Dieser Verdacht drängt sich nämlich auf, sollte sich jemand das Interview mit Daniel Günther (CDU) und Bodo Ramelow (LINKE) im Relotius-Magazin SPIEGEL angetan haben. Diese beiden Herren trafen sich nämlich in der Landesvertretung Thüringen in Berlin. Das Interview beginnt wie eine Geschichte bei der „Regenbogenpresse“.

 (…) Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, und Bodo Ramelow, Regierungschef in Thüringen, sitzen an diesem Junitag an einem Tisch und lachen. Sie fassen sich gegenseitig auf die Arme, wenn sie sich unterbrechen. Die beiden Politiker verstehen sich prächtig, daraus machen sie keinen Hehl. (…)

 Ist das nicht schön? Zeigt es doch deutlich, wie es im heutigen Politikbetrieb zugeht. Echte konservative Politiker wie Konrad Adenauer oder Franz-Josef Strauß würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, mit wem heutige CDU-Mandatsträger sich einlassen. Anschließend konfrontiert der Reporter Ministerpräsident Günther damit, dass Alexander Dobrindt ihn als „Genossen Günther“ tituliert. Diese Bezeichnung finde Günther (…) nicht gerade schmeichelhaft (…). Denn er sei (…) kein politischer Linksausleger der Union (…). Solch ein Fehlurteil entstehe nur, weil er einen Rechtsschwenk der CDU klar ablehne. Aha!

Danach schmieren sich beide Politiker gegenseitig Honig ums Maul. Dass die sechzehn Ministerpräsidenten ein (…) ausgesprochen entspanntes Verhältnis (…) pflegen, dass (…) kein Parteienstreit stattfindet (…) und das Günther froh ist, (…) einen so netten Nachbarn zu haben (Ramelow sitzt im Bundesrat neben Günther, Anm. Autor) (…). Der Reporter hakt nun nach, weil die CDU die LINKEN über Jahrzehnte mit Attributen wie Rote Socken, SED-Nachfolger oder Extremisten belegte. Günther meint dazu, dass (…) die Zeit der Ausgrenzung vorbei ist (…). Bodo Ramelow fügt hinzu, dass (…) der Bundesrat in seiner Zusammensetzung so bunt wie nie ist, trotzdem komme (man zu) gemeinsamen Ergebnissen. Für (Ramelow) ist das ein positives politisches Zeichen. (…)

Auch Günther bestätigt, dass es kompromissfähige Politiker brauche und fügt hinzu, dass (…) wenn es Mehrheiten künftig vornehmlich über Dreierbündnisse gibt, (…) Jamaika bei uns, Rot-Rot-Grün in Thüringen – oder über andere, immer neue Konstellationen, dann kann die Erwartungshaltung doch nicht mehr sein, dass Wahlprogramme einer Partei eins zu eins umgesetzt werden. (…)

Eine sehr interessante Sichtweise. Auf Nachfrage des Reporters ob es bald eine Koalition aus CDU und LINKEN auf Landesebene gibt, winken beide mit den üblichen Textbausteinen ab („keine politischen Schnittmengen“ oder „strebe keine Koalition an“). Die Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen oder Sachsen werden zeigen, wie belastbar diese Aussagen sind.

Günther betont des Weiteren, dass es auch außerhalb von Koalitionen um vernünftige Lösungen gehe. (…) Im Osten kommen AfD und Linkspartei mitunter gemeinsam auf 40 bis 45 Prozent. In so einer Situation kann sich die CDU doch nicht hinstellen und sagen: Mit denen reden wir nicht. Die CDU muss immer gesprächsfähig sein. (…) Diese Aussage bitte gut merken. Danach schwadronieren die Beteiligten über Minderheitsregierungen und Stabilität. Wie immer bei solchen Gesprächsrunden sitzt auch unweigerlich die AfD am Tisch obwohl sie gar nicht anwesend ist. Der SPIEGEL kommt nun auf die Gesprächsbereitschaft der CDU mit Blick auf die AfD zurück und da zeigt Günther sein wahres Gesicht.

(…) Die AfD ist für uns nirgendwo der Ansprechpartner für irgendwas. Das ist vollkommen klar. Das gilt in allen Ländern… SPIEGEL: … auch in Sachsen? Selbstverständlich gilt das auch in Sachsen. Die AfD ist eine Bedrohung für Deutschland. Und wir müssen dafür kämpfen, dass diese Partei so schnell wie möglich wieder aus den Parlamenten fliegt. Es gibt ja durchaus Chancen, Rechtspopulisten kleinzukriegen. (…)

Das ist das Schöne an solchen Politikern. Einfach nur reden lassen und sie entlarven sich selbst. Nun möchte der Reporter natürlich wissen wie diese ominösen Chancen aussehen sollen und Günther macht das, was er von Angela Merkel gelernt hat. Phrasenbausteine aneinander reihen und hoffen, dass das Gegenüber bereits eingeschlafen ist.

(…) Wir setzen der AfD eine verantwortungsbewusste (!!!), respektvolle (!!!), unaufgeregte Politik (!!!) entgegen, die den Menschen Lösungen (!!!) aufzeigt. Wir sollten nicht versuchen, auf deren Spielfeld mit besonders markigen Sprüchen zu punkten. Da sind die immer stärker. (…)

 Die Ergebnisse dieser verantwortungsbewussten und unaufgeregten Politik können spätestens seit 2015 jeden Tag in Deutschland bestaunt werden. Auch Ramelow sieht die AfD als „kreuzgefährlich“ an, besonders den Flügel um Björn Höcke. (…) Das sind keine verirrten Rechtspopulisten, es handelt sich vielmehr um eine Gruppe, deren Programmatik durchaus neofaschistische Tendenzen aufweist. (…) Ausgerechnet Ramelow wünscht sich deshalb Franz-Josef Strauß zurück, (…) der rechts von der Union keine Partei geduldet hat. (…) Darauf entfährt Günther der Witz des Tages: (…) Den Strauß zitiere ich auch immer gern! (…)

Gegen Ende fabuliert Günther darüber, dass es die Rechtspopulisten stärke, (…) wenn Probleme „dramatisiert“ werden, statt über Lösungen zu sprechen. (…) Ein Blick auf ein gewisses Video-Portal zu den Bundestagsdebatten reicht, um zu erkennen, wer tatsächlich Lösungen anbietet. Der Rest des Gespräches förderte keine neuen Erkenntnisse zu Tage. Mal schauen, wer sich demnächst so alles trifft.

Loading...

14 Kommentare

  1. Es geht denen nur um die Macht und eine Platz am bundesdeuschen Selbstversorger-Futtertrog. Sicher ist aber, dass der naechste Bundeskanzler ein Gruener ist. Dann geht es nur noch schlimmer weiter als bisher. Amen.

  2. Die Botschaft von Herrn Rezo, insbesondere bei Böhmermann, ist eindeutig und zutreffend: Hey, Ihr-Altparteitypen, Ihr seid out!
    Um das zu verstehen muß man weder die Position von Herrn Böhmermann, noch die von Herrn Rezo teilen.

  3. Läuft doch alles bestens für die beiden. Ich verstehe nicht, daß niemand darauf hinweist, daß Merkel eine von den Linken ist, sie schafft es schon noch Honeckers Vermächtnis zu erfüllen und es kommt zu einem Vereinigungsparteitag der CDU/Grünen/Linken zur neuen SED. Heil Angela !

  4. Es ist schon fast buergerpflicht die AFD zu waehlen damit diese arroganten Politikversager nie mehr ihr Unwesen treiben können

  5. (!!!) Hört, hört: „Die AfD ist eine Bedrohung für — uns DE-Altparteien.“
    Aber nicht doch! Hat die Chefin nicht gesagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber?
    Saukomisch sind die, ich hab echt gelacht.
    Richtige Comedys der TV-Zukunft oder doch besser als zukünftige Schreiberlinge im Relotius-Satire-SPIEGEL-Käseblättchen aufgehoben. Wer nimmt die allesamt denn noch ernst.

  6. Anfang 1945 – bevor die Amerikaner Oerlinghausen am Teutoburger Wald besetzten – trafen sich ein desertierter deutscher Soldat und ein versprengter farbiger US-Soldat eines Spähtrupps. Der Dritte im Bunde war ich, ein evakuierter Ruhrgebietler und gerade mal erst 10 Jahre alt geworden.
    Meine Absicht war:
    Den deutschen Soldaten zwischen den Fronten zu einem Ziel zu schmuggeln, das ihm jemand auf einen Zettel geschrieben hatte.

    Der Amit hatte sofort seine Waffe im Anschlag und rief leise etwas, das ich nicht verstand. Der deutsche Soldat antwortete in der Sprache des Amis. Beide sprachen eine ziemliche Weile miteinander. Ich selbst guckte nur doof. Da zeigte der deutsche Soldat auf mich und sagte zu dem Ami: „Wenn wir jetzt auf Deutsch reden, kriegt der Kleine auch was mit.“ Und der Ami sagte auf Deutsch: „Okay, Bruder, kein Problem.“

    Mit fielen die Augen aus dem Kopf. Wir waren in einem unbewirtschafteten Waldstück, in dem auch viele Büsche standen. Der Ami zeigte auf eine Gebüschgruppe, hinter der wir drei uns nun hinhockten und besser versteckten. Dann reichte der Ami Zigaretten herum, aber ich rauchte damals noch nicht. Die beiden Soldaten hatte ihre Waffen vor sich hingelegt. Nazi-Waffe und Ami-Waffe lagen friedlich nebeneinander.

    Was bri dem leisen Gespräch herauskam: Beide Soldaten waren Lehrer. Und es schien so, dass sie sich im doppelten Sinne als „Kollegen“ respektierten. Kollege Akademiker und Kollege Soldat.

    Es wurde allmählich dunkel. – Was tun? – Der Ami hatte ein Karte, auf welcher der Deutsche sein Ziel ausmachen konnte. Er überließ diese Karte sogar seinem deutschen „Kollegen“. Dann entschied er, dass er sich nach Westen zu seiner Einheit durchzuschlagen versuchen wollte. Der Deutsche solle sehen, wie er nach Norden zu seinem Ziel gelangen konnte. Mich schickte er nach Hause, „sonst kriegt deine Mom noch eine Herzattacke“.

    So ist das mit Feinden, die nolens-volens ihren gleichen Berufen nachgehen.
    Dieses Erlebnis hat sich für immer tief in mein Gedächtnis eingegraben… – so wie ein Sonnenuntergang, den ich vom Kliff auf Sylt erlebte, oder die dröhnende Stille einer Nacht in einem mallorquinischen Gebirge oder im Schwarzwald den in einer langgestreckten Kurve auf mich zu schleudernden Porsche, dem ich nur entging, indem ich mit meinen Auto zwischen zwei dicken Bäumen hindurch über einen Graben sprang und unbeschadet durch einen Acker bis zu einem Wirtschaftsweg fuhr. Das letzte Erlebnis vergesse ich deshalb nicht, weil der Porsche an einem Baum landete und der Fahrer verstarb.

    Apropos Ramelow und Günther: Die beiden sind „Kollegen“ darin, dass sie nur an ihrer Macht und an ihren Privilegien interessiert sind und daran, bei ihrer Klientel nicht unnötig anzuecken. Sie wollen sich wappnen für Zeiten, in denen der Wind vielleicht nicht von Achern kommt, sondern sehr bockig von Luv oder Lee und ihre Boote zudem auch noch quer zum Wellengang treiben könnten.

    Wäre bei Oerlinghausen plötzlich in erkennbar tödlicher Absicht ein Russe aufgetaucht, hätten wohl beide „Feinde“ in „kollegialer“ Eintracht den Russen umgenietet.
    So ist das Leben.
    – mlskbh –

  7. Wen interessiert es, wenn 2 Volksvertreter heiße Luft produzieren? Deppertes Geschwafel kann ich selber…

  8. Ha,ha….
    „…..Ausgerechnet Ramelow wünscht sich deshalb Franz-Josef Strauß zurück, (…) der rechts von der Union keine Partei geduldet hat. (…) Darauf entfährt Günther der Witz des Tages: (…) Den Strauß zitiere ich auch immer gern! (…)

    Aktueller den je – leider haben wir keinen F.J.Strauß mehr, denn der würde seine Partei und diesen linksgrünen Sauhaufen richtig aufmischen.

    Franz Josef Strauß Zitate – über Gefahren durch Sozialisten, Grüne, Kommunisten, Extremisten und Vereinheitlichung:

    „Es wird Zeit, dass der rote Terror gebrochen wird.“

    „In unserer Position ist Faschismus und Nationalsozialismus, Marxismus und Kommunismus nichts anderes als eine verfeindete Verwandtschaft derselben Familie.“

    „Wer bestimmt denn heute das Gesicht der Jungsozialisten? Spinnende Studenten, aus dem Leim geratene Akademiker und wild gewordene Pädagogen.“

    „Man ist noch lange kein Intellektueller, nur weil man links steht.“

    „Ich weiß, dass Ihr von Euren Auftraggebern zusammengefahren worden seid aus der gesamten Bundesrepublik. Glaubt aber ja nicht, dass wir auch nur einen Zoll breit zurückweichen werden. Ihr könnt einem ja fast schon leid tun mit eurer erbärmlichen Dummheit. Ihr wärt die besten Schüler von Dr. Joseph Goebbels gewesen. Ihr wärt die besten Anhänger Heinrich Himmlers gewesen. Ihr seid die besten Nazis, die es je gegeben hat.“ (Franz Josef Strauß an die Adresse pöbelnder linker Demonstranten)

    „Ich hoffe, dass manchen von Euch, wenn sie denn einmal älter werden, einmal die Augen aufgehen werden, dass ihr eure Dummheit begreift und dass ihr merket, dass wir heute mit derselben Sorge um die Freiheit kämpfen, wie es unsere Väter vor 1933 getan haben.“ (Franz Josef Strauß an die Adresse pöbelnder linker Demonstranten)

    „Als Karl Marx das sogenannte gesellschaftliche Sein des Menschen […] zum Prägestempel seines Bewusstseins machen wollte, bedeutete dies einen Abfall von Geschichte und Zielsetzung des europäischen Geistes. Denn nur der kann den Menschen als Reflex der Gesellschaft begreifen, wer ihn seiner Individualität beraubt sieht oder berauben möchte. […] In dieser geistigen Verwirrung wurzeln alle Ideologien und totalitären Machtsysteme. Der ein- und ersetzbare Mensch, der nur so viel wert ist wie er eine Lücke in der Marschkolonne der Gleichgeschalteten ausfüllt, erlaubt es Despoten, unbegrenzt Macht auszuüben. Durch Terror verwandelt der ideologische Gewaltherrscher den Staat in ein Zuchthaus, durch Propaganda die Insassen zu ergebenen Fanatikern. Hinter der Freiheit riegeln die Machthaber Eisentüren zu, die nur von außen zu öffnen sind, wie wir es im freien Teil unseres Vaterlandes 1945 erlebt haben.“

    „Der Kollektivismus, den wir in der rechtsradikalen Ausstattung im Jahr 1945 losgeworden sind, [darf] nunmehr [nicht] in linksradikaler Verbrämung und intellektueller Einrahmung […] von der anderen Seite der politischen Landschaft her wiederum als die angeblich allein mögliche zukunftsträchtige Lebensform beschert werden […].“

  9. Süss, die beiden….. wahrscheinlich spielen sie danach noch „Räuber und Gendarm“ und geben sich das „Pionierehrenwort“ niemandem von ihrem geheimen Bund etwas zu erzählen… -Ironie aus-

  10. So, so wir (Politiker der Altparteien) dürfen nichts ausschließen, was uns hilft – so das Credo dieser Aussagen – nur eines, die AfD darf niemals auch nur irgendwo an die Macht kommen. Lieber verkaufen wir unsere Seele an den Teufel – ja diesen Artikel muss man sich speichern, denn wir werden ihn zu 100% noch als Beweis brauchen. Wundern, ärgern, aufregen? Nein, warum – es hat bis jetzt nichts gebracht und wird es weiter tun, aber es kommt der ZP, da wird alles bisherige gegen die Akteure laufen und dann sind die heutigen Feinde da

    • Das hoffe ich auch inständig das der Zeitpunkt kommt.
      Im Moment werden diese Typen die AFD niemals mitregieren lassen.Und bei absoluter Mehrheit
      wird tief in die Trickkiste gegriffen um AFD mit allen Mitteln zu verhindern.Aber kommt Zeit kommt Rat.Die DDR war auch ganz schnell
      am Ende.Gegärt hat es allerdings schon deutlich länger unter der Oberfläche.Auch da wollten Verantwortlichen es nicht wahrhaben und dann war schon Torschluß oder besser Toröffnung.

Kommentare sind deaktiviert.