Wir waren arm, aber doch deutsch

ADN-ZB-Hochneder-Berlin: Sicherung der Staatsgrenze am 13.8.1961. Herbert Warnke, Mitglied des Politbüros des ZK der SED und Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstandes, besuchte am 21.8.1961 eine Panzereinheit der NVA, die zur Zeit im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain stationiert ist. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-85650-0001 / Hochneder, Christa / CC-BY-SA 3.0

Ich bin ich ein Jahrgang 1965 und habe Zeit meines Lebens im Osten des geteilten Deutschlands verbracht. Nach der Wende fuhren wir mit unserem kleinen Trabant erst nach Köln und dann nach Frankreich und Italien. Fast ein halbes Jahr lang feierten wir die Freiheit und sonnten uns im Glück eines wiedervereinigten Deutschlands. Ja, was waren wir alle glücklich!

Nur ein Ewiggestriger würde sich die Mauer und die Teilung unseres wunderbaren Vaterlandes zurückwünschen. Aber es ist mir nicht entgangen, wie sehr sich die Menschen im westlichen Teil der Republik von ihrer Heimat mental entfernt haben. Hier bei uns an der Grenze zu Bayern, im südlichsten Punkt von Sachsen, ist «Heimat» kein schmutziges Wort und die Farben «schwarz-rot-gold» die Farben von Freiheit, Volk und Vaterland. Das sind so unglaublich wichtige und positive Werte, die bei meinem Jahrgang und auch denen, die noch in den 90er Jahren aufgewachsen sind, hochgehalten werden. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mit der DDR zu tun haben muss. Man mag über sie sagen was man will! Aber Begriffe wie «Volk» oder «Vaterland» waren nicht verpönt und obwohl man sie immer sozialistisch eingefärbt hat, hat man sie doch benutzt. Volkssolidarität gab es noch, obwohl wir wenig zum Teilen hatten. Keiner mit klarem Geist will den KONSUM-Markt mit den eintönigen Regalen und spartanischem Angebot zurück.

Den Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland will ich nicht um alles in der Welt tauschen. Doch ich will kritisieren, dass sich die Westdeutschen nach der Wende trotz dem nationalen Hochgefühl der Wiedervereinigung von Deutschland schneller entfernt haben, als wir hier im Osten der Republik.
Mann, was waren wir arm hier in Südsachsen auf dem Dorf. Milchkanne, Eier und Mehl als Hochgefühle am Sonntag. Butterbrot und ein langer Fußweg zur Schule waren meine Kindheit. Mitte der 80er Jahre sah ich die deutsche Ostseeküste als NVA-Marinesoldat das erstmals und durfte durch das Land fahren. Und obwohl die Fahne unserer DDR mit Symbolen des Sozialismus verunstaltet war, so war sie doch «schwarz-rot-gold» ! Trotz allem, waren wir Deutschland. Wir waren arm und ideologisch auf dem Holzweg. Aber wir waren wenigstens Deutsche. Das galt für den Deutschen mit rumänischen Eltern genauso wie für den ohne diesen «Migrationshintergrund».

Zum Volke zu gehören, war Pflicht und Privileg zugleich. «Volk» war kein Wort der Nationalsozialisten oder «Pegida-Vokabular». Ich glaube fest daran, dass wir da wieder hinkommen und ein positives Nationalbewusstsein wiederbeleben können, das nicht sinnlos nur ausgrenzt, sondern alle Menschen, die sich unserem Vaterland verbunden fühlen, willkommen heißt. Willkommenskultur für die Nation!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf younggerman.com

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32 Kommentare

  1. In der DDR verlief die Sozialisation anders als in der Bundesrepublik. Aber es gab auch in der DDR die deutsche Arbeitskultur. Welcher Arbeiter will seine Arbeit, auch wenn sie noch so sinnlos ist, und sie war in der DDR oft sinnlos, nicht gut gemacht haben? In der DDR war der Arbeiter ein glücklicher Sisyphos – ein absurder Arbeiter im Sinne von Albert Camus[1], der wohl am besten von Manfred Krug im Film „Spur der Steine“ (Regie: Frank Beyer 1966) dargestellt worden ist. Die im Osten Deutschlands über 45 Jahre entstandene Modifikation der deutschen Arbeitskultur – und sie prägt wohl oder hoffentlich die Ossi-Mentalität bis heute – ist eine andere als die im Westen: Sind nicht auch jene, die in Dresden Montag für Montag seit 2014 gegen die Regierungspolitik demonstrieren, fleißige Sisyphüsse – vielleicht aber keine glücklichen?

    [1] „Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet […, ist er] überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. […] Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen.“ (Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. Reinbek 62004, S. 159f)

  2. Wir im Westen haben uns nicht von Deutschland entfernt. Wir waren so dumm zuzulassen, dass man uns die Heimat wegnahm und auch ausredete.

  3. Ich glaube nicht, dass wir uns völlig entfernt haben hier im Westen von Deutschland aber wir sind oder haben uns der Heimat entfremdet.
    Wir konnten überall hin, England, Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Amerika, Indien…egal, es war alles offen. Am Anfang beäugte man uns noch feindlich in Europa aber unser Geld siegte dann über alle Zweifel hinweg.
    Nach dem Krieg war Italien die erste Urlaubsanlaufstelle, Holland sowieso u.s.w., dann wurden die Innenstädte sich immer ähnlicher, man fand sich so gut zurecht wie in der Heimat und dazu kamen die Sprachen, gelehrt wurde in den Schulen Englisch und Französisch, wollte man nicht gleich Latein wählen für eine akademische Laufbahn. Das Ausland war selbstverständliches Ziel für Freizeit, auch am Wochenende mit Brückentag dazu. Wir sind es gewohnt! Uns kam doch gar nicht jemals in den Sinn, dass es eine Gefährdung unserer Freiheit jemals geben konnte! Uns war auch die Eingeschlossenheit der DDR nicht vorstellbar!
    Aber wehe uns nimmt man die Möglichkeiten der alten Freiheiten, was gerade geschieht, ich erwarte ein Gebrüll der Wut und krasse Gegenwehr gegen alle schuldigen Altparteien!
    Nur, leider schläfert Wohlstand und Freiheit auf Dauer ein und die Sensibilität stumpft ab!

  4. Waren wir arm? Oder doch eher reich im Geiste?
    Bringt wirtschaftliche Eintönigkeit nicht Schöpfertum und die Überlegung, wie man es besser machen könnte? Ist Unzufriedenheit nicht das größte aller Motivationsmittel? Bringt es nicht kritische Geister hervor, die eben nicht einfach mal so glauben, sondern hinterfragen? War es das nicht, was „Deutsch“ ausmachte?

  5. Ich habe mich nicht von Deutschland entfernt, als die sogenannte Wiedervereinigung dem Westen aufgezwungen wurde. Deutschland hat sich von mir entfernt. Entgegen dem Gerede, dass die DDR aufgehört hat zu existieren, wurde nämlich die Bundesrepublik Deutschland zu Grabe getragen. Mir wurde die Souveränität genommen, denn ich durfte, entgegen den Ostdeutschen, nicht einmal darüber abstimmen, ob ich mich wiedervereinenen wollte – und ich wollte nicht. Mir wurde die SED aufgezwungen und anschließend wurde mir meine Hauptstadt genommen.
    Und nur so am Rande. Ich habe lange vor der Wiedervereinigung die Welt gesehen. Und überall bin ich als Deutsche aufgetreten. Ich habe mich so gefühlt und ich habe mich dafür auch nicht versteckt. Aber im Gegensatz zum Osten, der einfach der Welt mitgeteilt hat, dass er mit dem 3.Reich nichts am Hut hatte, durfte ich als fast gleicher Jahrgang wie der Autor damit leben, dass mir Heil Hitler zugerufen oder der Hitlergruß gezeigt wurde. Aber ich habe es ertragen. Ich habe auch den Schuldkult ertragen, der uns im Westen eine Menge an Selbstbewußtsein genommen hat. Ich habe auch die Kosten ertragen, die wir für Israel und auch für die DDR von unseren Regierungen auferlegt bekommen haben.
    Aber was ich kaum erträglich finde, ist die Arroganz, die einem aktuell aus dem Osten entgegenschlägt. Ja, ich glaube, das es hart ist, dass die Ostdeutschen langsam zu spüren bekommen, was es bedeutet für die ganze Welt die Melkkuh zu sein. Aber ihr habt euch 1989 dafür entschieden, jetzt tragt bitte auch die Konsequenzen. Aber stattdessen wird im Osten von einer neuen Teilung geträumt, denn die Verantwortung, auch mal für den Westen was zu tun, der aktuell ausnahmsweise mal Hilfe aus dem Osten brauchen würde, weil bei uns die Umvolkung schon viel weiter fortgeschritten ist, als im Osten und so auch viele Wahlergebnisse zu erklären sind, diese Verantwortung ist zu viel verlangt.

    • Ich lebe als Ostdeutsche seit ca 15 Jahre im Westen. Und ich weis nicht ob Stolz etwas geschafft zu haben,unbedingt Arroganz ist. Und Melkkuh , das sind wohl beide, der Westen und der Osten und das seit Kriegsende. Und das mit der Verantwortung, ist nicht einfach. Mit den Menschen mit denen ich zu tun hatte und habe, ist etwas nicht nachvollziehbar,hier im Westen, ! Unfreiheit !, also z.B nicht sagen zu können was man denkt,ohne schaden zu nehmen.Weil Ihr das nicht erlebt habt. Es ist so schwer zu vermitteln was ein goldener Käfig ist, manchmal bin ich am Verzweifeln. Und ich glaube nicht das man im Osten wieder eine Mauer haben möchte (naja um Berlin bzw.das Kanzleramt schon 😉 ),übrigens ein Arrgument was ich auch zu hören bekomm 🙁 ,wenn nix mehr geht. Ich halte es für immens wichtig,das wir egal aus welcher Richtung,zusammen stehen, eben nicht als Ost und West, genau das ist das gewollt. Ich versuch mein bestes ;-). Und ich finde es gut wenn solche Kommentare wie der Ihre geschrieben wird :-). Wir können nix dafür wo wir geboren wurden, aber wir können, uns stark machen, das Tradition,Dialekte und vieles was uns Deutsche ausmacht erhalten bleibt :-).

  6. Die Westdeutschem haben sich nicht von einem „nationalen Hochgefühl“ entfernt – das hat es nie gegeben! Der Westen wurde nach 1945 brutal amerikanisiert und das war den Menschen in den zerstörten Gebieten ziemlich egal. Es ging ums nackte Überleben in einem Land, das selbst in ländlichen Regionen ein Ausmaß der Zerstörung hatte, wie es sich heute keiner mehr vorstellen kann. Dort, wo die Amerikaner eingefallen sind, herrschte schiere Verwüstung, teilweise ärger als im Osten. Mit dem Aufbau und der Verbesserung der Lebensverhältnisse, die bis in die 1960er Jahre Vorrang vor allem hatte, kam die Übernahme der amerikanischen Rock n´ Roll- und Kaugummi -Kultur. In den Schulen wurde gepredigt, dass alles Deutsche bäh! ist und die Eltern sprachen nicht über das, was sie erlebt hatten. Wie sollte sich da für einen Pseudo-Staat namens Bundesrepublik Deutschland ein nationales Gefühl entwickeln können? Deutschland hat als Nation 1945 aufgehört zu existieren und das war so beabsichtigt!

    • Deutschland wurde meineserachtens erst Bäh als die EU ins Gespräch kam, es wurde regelrecht modern zu sagen: Ich bin Europäer. Der Dunstkreis nur Deutsch zu sein, wurde zu klein und miefig.

    • Deutschland wurde meineserachtens erst Bäh als die EU ins Gespräch kam, es wurde regelrecht modern zu sagen: Ich bin Europäer. Der Dunstkreis nur Deutsch zu sein wurde zu klein und miefig.

    • Ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber das mit dem „bäh“ fing in den 1950er Jahren an. Die EU gibt es erst seit 1993.

    • Ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber das mit dem „bäh“ fing in den 1950er Jahren an. Die EU gibt es erst seit 1993.

    • Ich gehöre zur Generation, die noch die amerikanischen Panzer hat durchfahren sehen Anfang der 50iger Jahre. Ich bekam eine Micky Maus und Kaugummi-Päckchen geschenkt. 🙂 Elvis Presley, alles auf BFBN, klar, das war das amerikanische Vorbild, nach 10 Jahren gab es alle amerikanischen Neuerungen auch bei uns. Ich gehöre der Zeit nach zu den Rolling Stones. Eigene Verachtung habe ich da nicht bemerkt nur die Bewunderung für alles Amerikanische. Ich war nie zugehörig zu den 68igern, es gab andere und wichtigere Lebensprobleme für mich. Aber die Weltoffenheit der Reisen ist mir gut bekannt, trotz gut geschlossener Grenzen. Heutige 50jährige können das nicht nachvollziehen, denen muß ich erklären, dass wir reisen konnten wohin wir wollten, trotz bewachter Grenzen durch Grenzbeamte.

    • Ich bin in der Nachbarschaft der Kaserne der Britischen Rheinarmee aufgewachsen und auf meinem Schulweg einige Jahre später musste ich an einem belgischen Militärhospital vorbei. Als Besatzer haben wir die nicht empfunden. Nationalstolz gab es nur beim Fußball und den Olympischen Spielen, ansonsten erinnerte nur der Personalausweis, bzw. der Reisepass einen daran, woher man kam. Es gab Grenzen, aber die nach Westen waren alle durchlässig, nur nach Osten war sie dicht. Ich bin viel gereist, nicht nur in Europa. Ressentiments gegen Deutsche habe ich kaum erlebt, eigentlich nur während eines Besuchs in New York. Dort wurde ich von einem älteren Mann wüst beschimpft. Als ich in fragte, ob er sich in meinem Alter wohl ein wenig verschätzt hätte, ging kopfschüttelnd davon.

      Als Bundesdeutscher habe ich mich allerdings nie empfunden. meine Familie stammt aus Ostpreußen und Schlesien, doch die lagen unerreichbar für mich fast hinterm Mond. Als Europäer allerdings auch nicht – das waren alles Dinge, die nicht wichtig waren.

    • NEIN!! Zufall sowas! Ich bin väterlicherseits voll Schlesien, Nähe Breslau, und großmütterlicherseits voll Ostpreußen, Nähe Königsberg, dazu kommt noch Niederrheinisches, Krefeld, Kleve vom Opa und seiner Verwandtschaft.

      Und da quatscht der Schäuble von Inzucht 😀 Ich empfinde mich als Rheinländerin, ohne Rhein kein Sein 😉 Hach, watt völkisch…… 😀
      Die Engländer waren hier unter sich, hatten aber ein prima Kino, da gings oft hin……

    • Das Familiengut väterlicherseits war in Jebrammen/Krs. Johannesburg in Ostpreußen. Mütterlicherseits ist der Ursprung der Famile in Breslau, meine alte Dame stammt aus Penzig/Neiße. Meine Frau ist einerseits Ruhrgebietspflanze, andererseits Westpreußin mit Mainzer Einschlag.

      Mit dem Verlust von Ostpreußen und Schlesien hat Deutschland sein Herz und seine Seele verloren.

    • Das Familiengut väterlicherseits war in Jebrammen/Krs. Johannesburg in Ostpreußen. Mütterlicherseits ist der Ursprung der Famile in Breslau, meine alte Dame stammt aus Penzig/Neiße. Meine Frau ist einerseits Ruhrgebietspflanze, andererseits Westpreußin mit Mainzer Einschlag.

      Mit dem Verlust von Ostpreußen und Schlesien hat Deutschland sein Herz und seine Seele verloren.

    • Ja! Und Putin wollte uns Ostpreußen zurück geben. Die steinernen Mienen der Politiker kann man sich ja bei YouTube ansehen, tja, mit den Amis im Genick……
      Trebnitz bei Breslau, alter Hofbesitz – Rosengarten bei Königsberg, als meine Urgroßmutter zurück in die Heimat zum Sterben wollte, war das Schloß von den Russen schon abgebrannt gewesen…..
      Ihrem letzten Satz ist voll zuzustimmen, Herz und Seele und Kornkammern Deutschlands!

    • Denken Sie bitte an unseren Nationalstolz bei den internationalen Wettbewerben im Sport, der soll uns erst jetzt richtig ausgetrieben werden.

      Mein älterer Beitrag an Sie ist noch in der Prüfung von Jouwatch.

  7. Dieser Vaterlandsgdanke, die Heimatliebe, das Pflichtbewusstsein, die Ehrung der Eltern, die…. sind deutsche eigenheiten, die nach ´45 vehement bekämpft wurden. Nach dem Krieg wollte ein gewisser Morgentau mit dem „Brecheisen“ DE vernichten. Er wollte DE zu einem reinen Agrarstaat umwandeln. Doch die Siegermächte wussten, das funktioniert nur einige jahre und ruft genau das Gegenteil hervor. Sie entwickelten eine wesentlich besser funtionierendere Methode: die Vernichtung der Eigenart und der Jugend. Es hat hervorragend funktionbiert. Und die Grünen haben sich das genau angesehen und verstärken diese Methode.
    Nur…. die Nachbarstaaten wurden in diesen Abwärtssog mit hinein gerissen.

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