Dänemark: Sozialdemokraten rücken siegreich nach rechts – Süddeutsche Zeitung kotzt

Max Erdinger

Foto:Von Bruce Stanfield/shutterstock
Sozialdemokratische Politik in Dänemark - Foto:Von Bruce Stanfield/shutterstock

In Dänemark hatten die Sozialdemokraten Erfolg damit, in weiten Teilen das Programm der dänischen Volkspartei zu übernehmen. Bei den Parlamentswahlen schnitten sie hervorragend ab, die Rechtspopulisten mussten herbe Verluste hinnehmen. In Kopenhagen wurde aber einem Deutschen ganz schlecht vor Entsetzen. Kai Strittmatter ist dort Korrespondent für die „Süddeutsche Zeitung“. Er kann es gar nicht fassen, daß die linken Dänen jetzt rechte Dänen sind. Die Medienkritik.

Den Absturz der deutschen Sozialdemokraten vor Augen, taten die dänischen Genossen unter dem Vorsitz von Mette Frederiksen das, was niemand für möglich gehalten hatte: Sie rückten in Immigrationsfragen nach rechts und blieben in der Sozialpolitik links. Das zahlte sich aus. Die „Rechtspopulisten“ von der dänischen Volkspartei verloren erheblich. Profitiert haben die Sozialdemokraten, die von dort in erheblichem Umfang Wählerstimmen abziehen konnten. Kai Strittmater kommt jedoch in seinem ganzen Jammer über diese Kursänderung der dänischen Sozialdemokraten nicht auf die Idee, nunmehr von „linken Halbrechtspopulisten“ zu reden. Sein Kommentar erscheint schließlich in der „Süddeutschen Zeitung“. Dort sitzen die Prantl-Moralisten. Deswegen muß Strittmatter von Werten und von der Menschlichkeit schreiben, und daß die dänischen Sozialdemokraten einen sehr gefährlichen Weg eingeschlagen hätten. Dabei hat er ein paar rhetorische Schmankerl abgeliefert. Die schönsten Schenkelklopfer präsentiert jouwatch.

Die Niederlage der Rechtspopulisten am heutigen Mittwoch ist also eigentlich die Folge eines großen Triumphes: Mit ihrer immer engstirnigen, manchmal absurden und bisweilen unmenschlichen Agenda haben sie alle anderen angesteckt und Dänemark ein Stück weit nach ihrem Bilde geformt.

So, damit hat der süddeutsche Strittmatter schon mal abgesteckt, wo die Grenzen verlaufen zwischen einem gesunden Menschen wie ihm selbst und den Dänen mit ihrer politischen Immunschwäche. Immer engstirnig, manchmal absurd und unmenschlich zu sein, ist im Grunde eine infektiöse Krankheit, mit der die dänische Volkspartei dumme Dänen anstecken konnte, den immunstarken Strittmatter in Kopenhagen aber nicht. Dafür ist Strittmatter aber „ein Stück weit“ das, als was auch Süddeutsche im Ausland schon immer „ein Stück weit“ gegolten haben: Ein sich selbst überhöhender Gratismoralist.

Strittmatter barmt zum Herzerweichen: „Frederiksen argumentiert rational mit der Sorge um den Wohlfahrtsstaat, ihre Partei hat jedoch auf dem Weg nach rechts nicht nur einiges an Werten und Menschlichkeit aufgegeben – sie ist dabei auch mit beiden Füßen in die Falle der Rechtspopulisten getappt. Ihre neue Politik nämlich gibt letztlich der schlichten Propaganda von Rechtsaußen recht, die die Schuld an den sich verschlechternden Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterschicht nicht bei den entfesselten Kräften des global operierenden Kapitals und der ihm zuarbeitenden Politik sucht, sondern stattdessen einen einfachen Sündenbock präsentiert: den Immigranten. Das ist so billig wie effektiv – eine Sozialdemokratie aber, die diesen Weg einschlägt, die gibt ihre Kernkompetenz auf, und damit letztlich sich selbst.

Rational zu argumentieren, ist tatsächlich eine grobe Ungeheuerlichkeit in der Politik. Wie kann jemand auf die Idee kommen, in der Politik Vernunft walten lassen zu wollen? Kann er denn nicht am deutschen Beispiel erkennen, daß es auch unvernünftig geht? Und was da alles unter die Räder kommt, wenn die Vernunft die Oberhand gewinnt: „Einiges an Werten und die Menschlichkeit“. Sollten die verpeilten Dänen etwa keine Ahnung davon gehabt haben, wie wertvoll die Plünderung der Sozialkassen bei einem gleichzeitigen Anstieg der Gewaltkriminalität in ihrer ganzen Menschlichkeit ist? Wie Strittmatter wohl darauf kommt, die Kernkompetenz dänischer Sozialdemokraten läge nicht darin, die Sorgen und Nöte der dänischen Arbeiterschicht zu berücksichtigen? Kann es wirklich sein, daß die Kernkompetenz der dänischen Sozialdemokraten darin gelegen hätte, „ein Stück weit“ globalmenschlich daherzuschwätzen und voller „Kernkompetenz“ das Feld der dänischen Volkspartei zu überlassen?

Strittmatter will partout nicht wahrhaben, was für die deutsche Sozialdemokratie gilt. Sie gibt sich selbst auf, wenn sie nicht den gleichen Weg einschlägt wie die dänischen Sozialdemokraten. Bizarr genug sind dieser Tage Überlegungen gewesen, die Thilo Sarrazin als neuen Parteichef der SPD ins Gespräch brachten, den Mann also, der schon zwei Mal hätte aus der Partei ausgeschlossen werden sollen.  Genau das aber könnte die SPD eventuell noch vor dem Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit bewahren.

Ein Kevin Kühnert als Gegenentwurf wäre nur ein weiterer Untergangsbeschleuniger. Das Problem mit dem Erfolg der dänischen Sozialdemokraten liegt für die deutsche Linkspresse darin, daß dieser Erfolg rechtspopulistische Positionen in der Migrationsthematik nachträglich adelt. Die AfD wird nicht länger mehr als „Quasi-Nazi-Partei“ zu diffamieren sein, wenn ausgerechnet ihre erbittersten Gegner rechtspopulistische Positionen übernehmen. Und damit wäre dann auch die Parteilichkeit einer Presse offenbar, die sich vorher am allgemeinen AfD-Bashing beteiligt hat. Das ist der tiefere Grund hinter Kai Strittmatters Korrespondentenreport aus Kopenhagen für die „Süddeutsche Zeitung“.

Er bestätigt das, was bei jouwatch schon länger zu lesen gewesen ist: Die deutschen Mainstream-Medien, die voller Parteilichkeit den bisherigen Regierungskurs überwiegend unkritisch begleitet und verteidigt haben – und zwar auf vielen Feldern – , haben dann ein Riesenproblem, wenn die Fata Morgana, die sie mitetabliert haben, auch als solche identifiziert werden sollte. Sie sitzen in der Zwickmühle. Was sie auch machen, entweder weiter so oder zurückrudern, – sie wären in jedem Fall klar als Lügenpresse auszumachen, womit dann ein weiterer Punkt an diejenigen ginge, die genau das seit Jahren behaupten. Und das wären erneut die „Rechtspopulisten“.

 

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10 Kommentare

  1. Solche Schilder muessten von Sizilien bis zum Nordkapp millionenfach aufgestellt werden. Wer sie nicht sehen will kann getrost nach irgendwohin auswandern. Dort wird er/sie schnell erkennen welche Rechte ein Auslaender hat welcher nicht fuer sich selbst sorgen kann. Medizinische Versorung ? Ja . . aber zuerst mal zahlen . . . . alles und ich meine alles aus der eigenen Tasche. In viele Laender ist nicht mal die Einreise ohne Visum moeglich und bei Ablauf des Visum . . . zurueck wo du hergekommen bist. Notfalls mit Gewalt Fuer die letzteren gibts dann kein Visum mehr.

  2. Ja – so sind die Dänen – ich habe sie immer als ruhig, pragmatisch, freundlich empfunden und Sie lieben Gemütlichkeit – es gibt viele Kerzen, schöne Accessoires Familie und Freunde und Kollegen sind wichtig…
    Da passen schnell beleidigte, testosterongesteuerte, gewaltbereite Männer (und Frauen) mit religionstypischer Ansicht des überlegen seins/auserwählt seins, die glauben, daß sie alles dürfen – alle Launen ausleben, Stress machen, gewalttätiges Verhalten an den Tag legen, Sexualstrafen begehen nicht hin… Sie passen nicht – und zwar zu niemandem von den Dänen – auch nicht zu den Sozis! Die haben nämlich erkannt, daß dieses Verhalten alle trifft – und vor allem Frauen!

  3. Zitat JOUWATCH :
    „Sie rückten in Immigrationsfragen nach rechts und blieben in der Sozialpolitik links. Das zahlte sich aus. Die „Rechtspopulisten“ von der dänischen Volkspartei verloren erheblich. “

    Nur so funktioniert ein Sozialstaat. Das wir momentan das Weltsozialamt sind, wird uns noch schwer auf die Füße fallen.
    Rentenkürzungen werden verschleiert mit höheren Gesundheitszuzahlungen. Rehabilitation und sonstige Maßnahmen werden nur der privilegierten „Schweinekaste“ ( George Orwell lässt grüßen ), zur Verfügung stehen. Ich behaupte, etwas besseres als die bevorstehende Implosion des Euro , ist das Beste , um von der eigenen Schuld abzulenken .

    Deutschland wird ja gerade und seit Jahren als Buhmann in Europa und der Welt aufgebaut. Von daher ist die Zukunft und der Bestand Deutschlands in seiner jetzigen Form sehr fraglich.
    Da wir zur Kriegsführung momentan nicht fähig sind , wird es zu einem Zerfall Deutschlands kommen. Wir werden hierbei nicht die Einzigen sein, Belgien, die Lombardei in Norditalien sind weitere Kandidaten.

  4. Ist ja irre:
    Die dänischen Sozis haben pragmatisch reagiert…?
    Unglaublich. – Ein Ausrutscher? Und dann so erfolgreich?
    Etwa „zum Volkswohl“ tendierend?
    Also für die deutschen Sozen kein Vorbild.
    Basta.

  5. Ja, das tut weh, wenn man bei einer Erkenntnis erwischt wird. die der eingenen Ideologie schadet.

    Würde die SPD sich ein beispiel daran nehmen (schafft sie nicht), sie würde die stärkste Partei in DE!
    Aber da würde der Kühnert ja einen Herzinfarkt bekommen.

    • Ginge doch ganz einfach! Die SPD übernimmt 1:1 das Programm der AfD und ruck-zuck befände sie sich bei 40% oder mehr. Haben doch sowieso nur Wendehälse bei den Sozen, Linken, Grünen etc, sogar Union. Also, die Gewissensbisse (falls vorhanden) würden sich in Grenzen halten.
      Die pöse, pöse AfD verschwände wieder in der politischen Bedeutungslosigkeit und das Land wäre gerettet. Halleluja!
      Nein, Spässchen beiseite, ich glaub da noch eher na den Wahlspruch der alten Marxisten: Rot bis in den Tod!

  6. …Migranten haben keine Arbeitsbedingungen verändert und niemand hat Angst um seinen Arbeitsplatz…bei so viel Analphabeten besteht da keine Gefahr…die SPD gewinnt auch nicht mehr, wenn sie sich jetzt komplett nach rechts drehen würde, den Versprechen glaubt keiner mehr…

    • Hallo Carla,
      da wäre ich vorsichtig. Jouwatch thematisierte hier schon des öfteren die Medienmacht der SPD.

      Solche Kehrtwenden hat man bei Kommunisten und Sozialisten immer wieder gesehen. Besonders als Genosse Stalin die Direktiven vorgab.
      Da war abends falsch, was morgens noch richtig war.

  7. Billig, effektiv und erfolgreich!!!
    Na da sind unsere Sozen doch aus einem anderen Holz geschnitzt.Warum sollte sich deutsche Sozialdemokratie mit den Belangen von deutschen Arbeitnehmern
    abgeben.Das könnte man dort nur wenn Arbeiter im Vorstand der SPD sitzen würden, aber Politologen Soziologen usw.
    wissen darüber wenig.In Deutschland gilt
    Teuer ; Unnütz und Erfolglos dann ist es Gut.

  8. Nichts und niemand „driftet nach Rechts“. Das nennt man einfach Rückkehr zur Normalität, lieber Kai von der Süd“deutschen“. Ja, ich weiß, dass geht nur schwer in ein linkes Köpfchen.

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