In Berlin unterrichtet jetzt die Reisekauffrau Geografie

Symbolfoto:Von sebra/shutterstock

Berlin – In der Hauptstadt herrscht bekanntermaßen Lehrermangel. Mindestens 600 Vollzeitlehrer fehlen zu Beginn des kommenden Schuljahrs. Deshalb setzt man dort auf Quereinsteiger. Abitur ist in der verzweifelten Situation keine Voraussetzung mehr und so macht man kurzerhand die Reisekauffrau zur Geografie-Lehrerin.

Lehrern ohne volle Lehrbefähigung, auch Lovls genannt, und  Quereinsteigern sollen es richten. Die Zahl der Lehrkräfte ohne klassische Ausbildung nehme stetig zu, berichtet der Tagesspiegel. Rund 1000 von ihnen sind bereits im Einsatz. Allein im vergangenen Jahr kamen so rund 900 Männer und Frauen zu einem Lehrerjob, ohne vorher erfolgreich das Lehramtstudium absolviert zu haben. Unter ihnen – angehende Lehrer, die am Referendariats-Abschluss gescheitert waren oder Studienabbrecher. Einige wenige der Hauptstadt-Lehrer hätten nicht einmal das Abitur, berichtet der Tagesspiegel. So kann heute ein ehemaliger Realschüler Gymnastik unterrichten und eine Reisekauffrau Karriere als Geografie-Lehrerin machen – Berlin, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Bei den Schulen sind die Lovls beliebt – sie gelten oftmals als hochmotiviert und könnten mehr Stunden arbeiten als Quereinsteiger, die nebenher noch Zeit für das berufsbegleitende Referendariat und Begleitstudien bräuchten.

„Die gute Nachricht ist, dass es der Senatsbildungsverwaltung wahrscheinlich wieder gelingen wird, bis zum Schuljahresbeginn noch genügend Personen an Bord zu bekommen“, erklärt Dieter Haase, der Vizevorsitzende des Gesamtpersonalrats gegenüber dem Tagesspiegel. Im Senat gilt das Unterrichten ohne Ausbildung scheinbar als Erfolgsmodell. So plane die Bildungsbehörde laut Haase die derzeit befristeten Verträge der Lovls zu unbefristeten zu machen. Das könne ab 2023 zum Problem werden, wenn wieder genügend ausgebildete Lehrer zur Verfügung stehen, die dann keine Anstellung finden, weil die Arbeitsplätze mit Lovls besetzt sind, fürchtet er. (MS)

 

 

 

 

 

 

Loading...

12 Kommentare

  1. Das hat uns nach dem Krieg gerettet! Uraltlehrer (die schon über 65 jahre alt waren), überlebende mit guter Bildung, wurden in den Grundschulen (damals: Volksculen) eingesetzt um den Lehrermangel zu beseitigen. Waren nicht die schlechtesten!
    Mein Lehrer in der ca. 4. Klasse war weit über 70 Jahre alt.

  2. Dann bitte auch Gärtner für den Biologieunterricht, – es geht ja doch nur noch um Grünzeug.

  3. Ich finde das gar nicht schlecht. Die Lehrer, die nach dem Krieg als Neulehrer arbeiteten, habe ich noch in sehr guter positive Erinnerung. Alles Menschen die viel erlebt und überlebt haben. Mir persönlich hat es nicht geschadet einen Kriegsversehrten als Astronomielehrer zu haben. Unser Turnlehrer war Quereinsteiger war vorher Bühnenbauer. Für Grundschüler halte ich das für wenig problematisch beim Gymnasium wohl eher nicht.

  4. Und die Damen aus dem lokalen Bordell geben dann tagsüber, wenn‘s Geschäft ohnehin nicht so läuft, Sexualkundeunterricht. Passend zu den grünlinken Bildungsplänen, oder?

  5. Bald haben wir bestimmt auch radikale Imame (die unter Verfassungsschutzbeobachtung stehen), die Ethik unterrichten.

  6. Nun ja, wäre Unterrichtsausfall denn besser? Überall fehlen Leute. Nicht nur bei den Lehrern. Und auch nicht nur in Berlin.

    Und es ist doch wohl für unsere Gesellschaft deutlich risikoloser, allein Aushilfslehrer zu beschäftigen, anstatt beispielsweise Aushilfskrankenschwestern, Aushilfspolizisten, Aushilfstrucker oder Aushilfselektriker.

    Denn auch in diesen Bereichen fehlt´s massiv an ausgebildeten Leuten. Aber da kann es dann schnell zum tödlichen Risiko werden.

    Schauen Sie sich unsere denkbefreite Hüpfjugend doch an – die wurde ausnahmslos durch studiertes Lehrpersonal beschult …

    • Siehe meine untenstehenden Kommentar:
      „Warum nicht?
      Ein mit mir befreundeter Schulleiter ………“

      Ich verrate es mal:
      Später hatte ich doch noch zweimal ausgeholfen (einmal Unterprima, einmal Oberprima). Die Schüler waren begeistert, obgleich ich mich nun prinzipiell an das Curriculum hielt.
      Mir half etwas, dass ich mich beim Studium nicht nur nebensächlich auch mit Didaktik beschäftigt hatte. Das war aber nicht entscheidend.

      Entscheidend war in meinem Fall, dass ich die Klassen voll in einen Dialog verwickelte und die Schüler das Gefühl hatten, produktiv eingebunden zu sein und sehr persönlich sowie respektvoll ernstgenommen zu werden.

      Die sich negativ äußerten, waren – Schulleitung und zwei Lehrer ausgenommen – die voll und speziell ausgebildeten Lehrer: „Wo kämen wir denn da hin, wenn…“
      Ja, wohin…?

  7. Nichts ist unmöglich. Berlin.
    Lang ist’s her, muss so ab 1945 gewesen sein. In der Ostbesatzungszone wurden Neulehrer gesucht und eingestellt. Die waren auch ohne Ausbildung. Etliche der alten Lehrer waren nicht mehr tragbar für die neue Ausrichtung. Und nach sechs Jahren Krieg… Berlin muss es wirklich sehr schlechtgehen.

  8. Und wenn sie nicht genügend unqualifizierte Behelfslehrer finden, ahne ich schon was als nächstes kommt. Als kleines Bonbon wird man möglichen Bewerbern einfach anbieten, in den Schulen kostenlose Wohnungen und kostenlose Kost zu bekommen. Schließlich habe das mit den „Flüchtlingen“ ja auch wunderbar geklappt, als die in Grundschulen bis Gymnasien untergebracht waren (oder immer noch sind?).

    Das kriegen die auch noch fertig… Lehrpersonal das Morgens in Boxershorts und mit Zahnbürste im Mund über den Korridor läuft und fragt, wie spät es eigentlich ist.

  9. Warum nicht?
    Ein mit mir befreundeter Schulleiter fragte mich beim abendlichen Bier, ob ich mal ein Experiment wagen und für eine Stunde ein Klasse (Unterprima) „beaufsichtigen” würde, weil er mehrere „Totalausfälle“ bei Lehrern hätte. – Wohlgemerkt: Ein Experiment, das sich rechtlich vertreten ließ.

    Ich rauschte also an.
    Zunächst fragte ich die Klasse, ob sie jemals so einen so alten Sack (damals 81) hätte vor sich stehen gehabt. – Gelächter. – Dann fragte ich nach Themenvorschlägen zum „Totschlagen“ oder echten „Nutzen“ der Stunde. – Es kamen einige Vorschläge. – Nun ließ ich über den Sinn der einzelnen Vorschläge (Vorteile, Nachteile, Nutzen) diskutieren. – Es stellte sich eines der Themen als Favorit heraus. – Dann fragte ich, ob jemand eine besseren Vorschlag habe. – Hm, Geraune unter den Schülern. Dann machte jemand einen weiteren Vorschlag. – Jetzt ließ ich darüber abstimmen, ob dieser neue Vorschlag behandelt werden solle. – Mehrheit dafür.

    Ich fragte den Jungen, der den Vorschlag eingebracht hatte, ob er zu dem von ihm vorgeschlagenen Thema ein kleines Referat halten wolle. – Ja. – Dann bat ich ihn an den Lehrer-Schreibtisch, ließ ihn starten und begab mich auf seinen Platz in der Sitzreihe.

    Der Junge war richtig gut. Mal gab es Unruhe in der Klasse, gegen die ich von meinem „Schülerplatz“ aus protestierte; man solle doch fair sein.

    Die Stunde ging rum. Als der Summer ertönte, wurde ich von einem Schüler laut gefragt, ob ich wiederkommen würde, um zu „unterrichten“. – Eher wohl nicht… – Das sei nur ein einmaliges Experiment gewesen. – Allgemeines Bedauern.

    Später erfuhr ich, dass dieses Experiment bei einem Elternsprechtag Thema war. Einige Eltern hatten berichtet, dass ihr Sprössling begeistert war und die Klasse es bedaure, dass „so etwas“ nicht öfter passiere, wenn Lehrer ausfallen.

    Es hätte weitere Aushilfen geben können, wenn nicht das Schulamt energisch protestiert und solche „Experimente“ untersagt hätte.
    Aber auf dem Wochenmalrt wurde ich bekannt wie ein bunter Hund: „Sie sind doch der…“
    Ja, der war ich.
    – mlskbh –

    • Den heutigen Lehren fehlt meist die Lebenserfahrung und der Kontakt zu echten auch andersdenkenden Menschen.
      Mit 81 Jahren ist das anders. Je nach Schulklasse kann es ein, dass einem da auch mehr Respekt entgegengebracht wird, als einem Grün / Links orientierten jungen Lehrer.
      So könnte das mit den Quereinsteigern auch für etwas anderen Wind sorgen – je nach Auswahlverfahren, über das leider nichts berichtet wurde.

  10. Auch wenn es thematisch nur bedingt passt. Ein Bericht aus dem völlig verblödeten und kriminalisierten Berlin.
    Nicht nur die Politiker werden zum Problem, sondern infolge der menschenverachtenden Politik werden die Bürger zunehmend selbst zum Problem. Was ist passiert.
    Ein Fahrgast schob mit voller Kraft seinen Kinderwagen über meinen Fuß, obwohl er den Widerstand spürte. Ich erlitt eine Fußverletzung und bat um die Personalien des Verursachers. Eine Frau die daneben stand, stellte sich spontan auf die Seite des Verursacher (um das Wort Täter zu vermeiden) und beleidigte mich wiederholt. Die Beleidigungen schloss sie mit der Aussage ab „Der ist sicher AfD-Wähler“. Also, ein Opfer, das seine Rechte wahrnehmen will, wird heute als AfD-Wähler tituliert, weil diese Aussage wohl für das niedrigste steht, was ein Mensch sein kann.
    Die Folge von Spaltung, Verrohung, Verdummung durch Indoktrination und Propaganda könnte größer nicht sein. Das hier beschriebene ist der Alltag, nicht etwa ein Einzelfall. Täter solidarisieren sich spontan, Anständige finden keine Unterstützung.
    Ich habe dafür nur noch Verachtung übrig, liebe mitlesenden Dienste, „Faktenchecker“ und politisch Verantwortliche. Ich bin im Übrigen Alt68er, nur einer von denen, die heute wie seinerzeit Andersdenkende toleriert und geschätzt haben. Im Gegensatz zu Neo- und Pseudolinken, als die sich die biodeutsche Blondine geoutet hat.

Kommentare sind deaktiviert.