Auf Kosten der Kunden: Post will mit Portoerhöhung Milliardengewinne einstreichen – und Altmeier weiß von nichts?

Wirtschaftsminister und Post-Kontrolleur Peter Altmeier (Foto: Collage)

Bonn – Die Deutsche Post AG, Gewährsträger der postalischen Grundversorgung in Deutschland, wird zum 1. Juli 2019 massiv die Preise erhöhen: Auf 80 Cent steigt das Porto für einen Standardbriefe, bei Postkarten erhöht es sich sogar um satte 15 Cent – auf dann 60 Cent. Sinn der Aktion: Reine Profitmaximierung des einstigen Staatskonzerns. Im Wirtschaftsministerium wusste man wohl von nichts.

Es handelt sich dabei um die stärkste Portoerhöhung der bundesdeutschen Geschichte, wie der „Tagesspiegel“ schreibt. Bislang erfolgten die vom Bundeswirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde zu genehmigenden Preisanpassungen vor allem, um Investitionen in Infrastruktur, Arbeitsbedingungen der Belegschaft oder gestiegene Betriebskosten auszugleichen. Die Gewinnerwartung des Unternehmens zu maximieren, war bisher kein vertretbarer Grund für „Änderungen der Post-Entgeltregulierungsverordnung“, in denen die Erhöhungen festgelegt werden. Genau dies scheint diesmal aber der Fall gewesen zu sein. Einen satten Anstieg des Unternehmensgewinns um über weit über 20 Prozent erwartet die Deutsche Post, von 3,2 Milliarden Euro auf über 4 Milliarden Euro in diesem Jahr. Der Bund ist zu einem Fünftel als Aktionär am Konzern beteiligt.

Post-Chef Frank Appel gelang das Kunststück, dem aufsichtsführenden Wirtschaftsministerium von Peter Altmeier eine Änderung der bisherigen Prüfkriterien unterzujubeln: Um das angebliche Ziel eines „level playing fields“ zu gewährleisten, also im innereuropäischen Vergleich etwa gleiche Wettbewerbsbedingungen anzustreben, wurde diesmal nur eine Auswahl von Mitbewerbern untersucht. Im Vergleich zu deren Performance und Kostenrahmen schnitt die Post „zu billig“ ab, deshalb wurde die geforderte Portoerhöhung ministeriell durchgewunken.  Zuvor waren auch kostengünstigere und flexiblere Mitbewerber – neben Staatsbetrieben auch private Postdienstleister – in die Vergleichbetrachtung einbezogen worden. Wäre das diesmal geschehen, hätte die Erhöhung nie so hoch ausfallen dürfen.

Kleinlaut reagierte das Wirtschaftsministerium daher auf eine entsprechende Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag, aus welcher der „Tagesspiegel“ zitiert: Angeblich sei der sich aus der Portoerhöhung ergebende Gewinnsatz dem Ministerium „nicht bekannt“ gewesen; zudem sei „eine Prognose des zu erwartenden Gewinnsatzes… im Vorfeld der Verordnungsänderung nicht möglich“ gewesen. Im Klartext: In Altmeiers Laden hat man anscheinend gepennt. Die Deutschen dürfen also beim Basisporto und den Zustelltarifen vor allem dafür tiefer in die Tasche greifen, dass die Post noch höhere Gewinne einfährt. (DM)

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37 Kommentare

  1. geschickt das Ganze: ich brauche Briefe nur noch für öffentliche Stellen. Ansonsten läuft meine Korrespondenz ausschließlich per e-mail.

  2. Bei diesem Fettklops muss man nur auf eines achten, sich nicht in seiner Nähe aufhalten wenn er platzt.

  3. Dank Internet (EMails) und FAX-Geräten (via Flatrate über ISP/Telefongesellschaft) geht mir diese Erhöhung ziemlich weit an meinem verlängerten Kreuz vorbei……….

  4. Wie sollte Altmeier das auch wissen? Als die Erhöhung des Portos beschlossen wurde, saß er noch beim Nachtisch.🤣

  5. Diese Regierung gehört in das Guiness Buch der Rekorde als unfähigste Regierung aller Zeiten.

  6. Doppelt so teuer wie vor noch nicht allzulanger Zeit, aber die Angestellten verdienen nich doppelt so viel sondern so viel wie vor einiger Zeit ? Wer krallt sich das viele Geld ?

  7. Naja, dazu paßt es dann ja, daß sämtliche Kosten, im Zusammenhang mit dem Postbank Girokosten nun auch deutlich angehoben werden.
    Das Standard-Konto kostet dann nicht mehr 3,90€ im Monat sondern gleich 4,90€ und so weiter.
    Überweisungskosten steigen, regelmäßige Auskünfte zu anderen Investionen bei der Postbank werden nun kostenpflichtig, etc.
    Die machen nun den Rundumschlag.
    Ich nutze Briefe nur noch, wenn unbdingt nötig. Ansonsten werden die von mir, seit der Preissteigerung nach Teuroeinführung, konsequent gemieden.
    Ich bestelle auch nur im absoluten Ausnahmefall mit Zustellung.

    • War viele Jahre bei der POSTBANK.

      Als ich mich wunderte, wo regelmäßig mein Geld abgeblieben war (das Geld sollte immer am letzten Banktag des Monats für den Folgemonat ausgezahlt / „gutgeschrieben“ sein), ich aber selbst am FÜNFTEN des neuen Monats noch immer kein Geld auf dem Giro hatte, bin ich der Angelegenheit nachgegangen.

      Da mein Arbeitgeber so freundlich war, mir mitzuteilen, wann er das Geld anwies, habe ich eine Kopie davon an die POSTBANK übersendet und denen mitgeteilt, daß ich das GIRO aufgrund nachweislichen „Wertstellungsbetrug“ FRISTLOS kündige.

      Die haben zwar ein bischen gemeckert und wollten auch noch Gebühren für die Auflösung des Giros haben, was ich unter Hinweis auf den Sachverhalt aber kategorisch verneinte.

      Letztlich haben die mich dann doch „ziehen lassen“, ohne Gebühren, weil ich denen über Monate durchgehend Wertstellungsverzögerungen nachweisen konnte mit der Gegenrechnung, was ich dadurch an Unannehmlichkeiten (verzögerte Mietzahlungen etc.) erfahren mußte.

      Schließlich bestünde – so mein damaliger Vortrag – außerdem noch die Möglichkeit der Mitteilung an die „BaFin“ in Frankfurt. Das war dann wohl das ausschlaggebende Moment, die POSTBANK schnell losgeworden zu sein.

      Ich kann nur sagen : Nie wieder POSTBANK !

  8. Die Preise werden ja nicht so oft angepasst. Für mich noch in Ordnung. Nur die Leerung der Briefkästen ist mangelhaft.

    • Die letzte Gebührenerhöhung für Bücher- und Warensendungen war gerade am 1. Juli 2018 !

    • Dann schauen sie sich die Preisentwicklungen der Post mal seit 1960 an, das sehen sie das schon.

  9. Auszug aus dem Börsenblatt (29. April 2019):

    „“Für Kunden, die Büchersendungen nutzen, wird der Versand künftig teurer“, heißt es selbst bei der Post. Mit ein paar Cent mehr − wie im vergangenen Jahr − ist es diesmal nicht getan:
    Die Büchersendung Groß (bis max. 500 Gramm) kostet bis 30. Juni je 1,20 Euro, danach – nach dem neuen Tarifschema – werden für Bücher in dieser Gewichtslage pro Versand 1,90 Euro fällig. Das entspricht einem Anstieg von knapp 60 Prozent (58,3 Prozent).
    Für den Versand von Büchern, die mehr Gewicht auf die Waage bringen (bis 1.000 Gramm; bisher: Büchersendung Maxi), sind künftig 2,20 Euro zu zahlen – statt 1,70 Euro. Der prozentuale Anstieg hier: fast 30 Prozent (29,4 Prozent).
    Die Post erklärt ihre neue Preismaßnahme mit den ähnlichen Argumenten, die schon beim letzten Mal zum Einsatz kamen, dafür genügt ihr diesmal ein Satz: „Preissteigerungen sind für die Deutsche Post unumgänglich, da sie mit höheren Transport- und Lohnkosten konfrontiert ist.““

    Mit Sicherheit kann man sagen, daß die Lohnkosten der Briefträger und Auslieferungsfahrer nicht um 60 Prozent gestiegen sind. Die allgemeinen Preise von Konsumgütern und Dienstleistungen steigen, Löhne und Sozialtransfers steigen nicht. So kann die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme munter weitergehen.

  10. Die Post ist eine Mafia. Päckchen werden teilweise gar nicht mehr zugestellt,stattdessen
    liegt dann eine karte im Kasten, wo man sich die Sendung abholen darf, oft weit entfernt
    in einem Postshop. ich bin stark gehbehindert, also, wenn ich niemanden bitten kann, ist
    das Päckchen verloren ! Früher einmal, hatte die Post die Ehre, unbedingt alles zuzustellen.
    Auch hier wieder :Gewinnmaximierung über alles !

    • Es ist etwas anders: Die Zustellung ist aus Kostengründen an Minifirmen outgesourct.

      Gibt es in Ihrer Nähe eine Pachstation? Odrr könnten Sie sich das an eine andere Adresse in Ihrer Nähe liefern lassen, z. B. einen Kiosk?

    • Mir platzt die Galle ! Haben sie nicht richtig gelesen,oder sind sie ein
      DHL Bot ? Ich bin immer im Hause ! Ich bin gehbehindert ! Ich lebe nicht
      auf einer einsamen Insel, sondern mitten in einem modernen , innovativen
      Innenhof in der City, wo neben mir viele junge Firmen arbeiten ! Icke bin
      mitten drin ! Obwohl ich ein alter Sack bin ,kennt mich hier jeder Schwanz !
      Ich hab hier schon 1988 Flugis gegen die SED verteilt ! Mann ey !
      Komm mir jetzt nicht mit so was !

    • Ich hab’s nur gut gemeint.

      Konstruktiven Vorschlägen sind Sie nicht offen?
      Sie jammern lieber?

      Auch wenn mir das mit Ihrer Gehbehinderung leid tut!

    • Aus „Kostengründen“ ist so manches soziales Netzwerk “ autgesourct“
      worden ! Warum nennt ihr Lumpen das nicht in Deutsch ? Abgeschafft !!
      Zu deutlich ? Zu wenig „Innovationstauglich “ ,zu wenig „kostenoptional“
      zu wenig „zielfördend“ zu wenig “ Profitoptionierend.“ ?

    • Ich würde outsourcing mit Auslagerung, Ausgliederung übersetzen.
      Es geht um Selbsterstellung vs. Laufens von (dann fremderstellten) Leistungen.

      Zufrieden?

    • NEIN ! Es bleibt ein Kundenfeindliches Instrument zur Profit-
      maximierung ! Sie können das mit noch so unverständlichen
      Verschwu/belungen tarnen ! Es ist Kundenfeindlich ! Und es dient
      ausschliesslich Ihren Geldgebern ! Mein Herr !Und ich werde NICHT
      „Zuzfrieden „sein,so lange diese Sauerei anhällt !

      Genug empöööört ?

    • Zugegeben! Natürlich gibt es Gründe für Outsourcing!
      Das ist i.d.R. Kosten zu sparen.

      Wenn aber der/die Mitbewerber(in) anfängt, hat man einen Kostennachteil.

      Das ist Marktwirtschaft!

      Euer Fleisch und Eure Milch im Supermarkt soll doch bloß nicht viel kosten.

      Solange die Nachfrager(innen) nur günstige Preise haben wollen: Was sollen Unternehmen machen???

      Oder setzen Sie sich für (sozialistische) Monopole ein?

  11. Widerspruch . . der Wirtschaftsmister Altmeier hat schon eine Ahnung . . aber von was denn nur ? ? . . Pst, pst, pst . . . halt bloss Dein Maul . . . scheint mir das Bild der beiden zu sagen. Merkel . . .was ich weiss das sage ich nicht und was ich sage das weiss ich nicht . . . basta . . . und du da droben sagst besser auch nichts. Vielleicht denkt sie dabei an den gruenen Ersatz-Isa Habecmus.

  12. Wirtschaftsminister Altmeier? Wenn das oben auf dem Bild der Herr ist dann kenne ich ihn aus dem Fernsehen. Im Bundestag habe ich ihn zwar auch schon ein/zweimal gesehen aber ich dachte, er wäre der Generalsekretär des Bundeswirtschaftsministers. Denn auf dem Platz des Wirtschaftsministers sitzt doch immer ein anderer Herr.

    • Kleb jedem Refugee eine Briefmarke auf den Hintern und ab mit denen. Von mir aus als Luftpostwurfsendung. Da würde ich einen 10er Block kaufen und frei machen

  13. Ist denn die reine Gewinnmaximierung auf Kosten der Steuerzahler eines staatlichen Unternehmens noch mit dem Grundgesetz und der sozialen Marktwirtschaft vereinbar ?
    Das das Porto wegen Lohn und Sachkostensteigerungen moderat höher ansteigt, wäre noch vermittelbar, aber das ? Als reine Gewinn Maximierungsmaßnahme ?

  14. Es handelt sich um typische Quersubvention. D.h. ganz einfach, dass die Oma um die Ecke, der Urlauber mit seiner Postkarte und der kleine Selbständige für seine Geschäftsbriefe die Transporte von Amazon und Konsorten finanziert, damit die Post hier weiter sehr günstig (viel zu günstig) transportieren kann.

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