Die Verachtung der Eigenen als „Staatsraison“

Wolfgang Hübner

Foto: Imago

Mit vollem Recht feiern die Staaten, die mit ihren Soldaten an der erfolgreichen Invasion in der Normandie beteiligt waren, den 75. Jahrestag dieser opferreichen militärischen Aktion. Wer dieses Recht als Deutscher in Frage stellt, ist unbelehrbar und tatsächlich ein trostloser Revanchist. Doch wer außer einigen Sonderlingen tut das schon im heutigen Deutschland?

Gleichwohl ist es absurd und eine plumpe Geschichtsfälschung, wenn es ausgerechnet in dem Land, dessen damalige Wehrmacht im Juni 1944 die alliierte Invasion unter hohen Opfern abzuwehren versuchten, nun als Staatsräson gelten soll, den alliierten Sieg  mitzufeiern. Schon die Achtung vor den vielen deutschen toten und verwundeten Soldaten in den Kämpfen an der französischen Kanalküste sollte das verbieten.

Doch Norbert Röttgen, CDU-Politiker und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, erklärt am Mittwoch gegenüber t-online.de: „Für Europa und Deutschland ist der D-Day ein Wendepunkt in der Geschichte, der uns für immer dankbar auf den mutigen und selbstlosen Einsatz von amerikanischen, britischen und vielen weiteren Soldaten unterschiedlicher Nationalitäten blicken lässt.“  Das ist die Sprache eines Politikers, der sein eigenes Volk und dessen millionenfache Opfer nicht nur ignoriert, sondern geradezu verachtet.

Es sollte für aufgeklärte Patrioten klar sein, dass die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg für die Welt, aber auch für Deutschland selbst besser war als ein Sieg von Nazi-Deutschland. Darin unterscheidet sich die Betrachtung des Kriegsergebnisses vollständig von der des Ersten Weltkriegs, bei dem ein deutscher Erfolg oder zumindest ein erträglicher Friedensschluss unsägliches künftiges Unheil verhindert hätte.

Aber aufgeklärte Patrioten feiern deshalb noch lange keinen Sieg der ehemaligen Kriegsgegner mit. Sie gedenken gerade an diesem 75. Jahrestag der Väter, Großväter und Urgroßväter, die damals Leben und Gesundheit in der Normandie verloren.  Sie sind auch nicht bereit, sich von einem CDU-Außenpolitiker weismachen zu lassen, dass die alliierten Soldaten mit „mutigem und selbstlosem Einsatz“ in die Schlacht gingen. Wer damals in den Landungsbooten saß, hatte ebenso verständliche Todesangst wie diejenigen, die an der Küste die Invasion verhindern sollten.

Es ist geradezu widerwärtig, was ein t-online-Schreiberling im Zusammenhang mit den Röttgen-Äußerungen von sich gibt:

„Umso mehr müssen wir denen Respekt zollen, die vor 75 Jahren sehenden Auges in das Gemetzel an den Stränden der Normandie marschiert sind. Die den Horror ertrugen, um dem Naziterror in Europa ein Ende zu bereiten. Es ist paradox, dass unsere eigenen Vorfahren, unsere Groß- und Urgroßväter, auf der anderen Seite standen – auf der falschen. Aber auch das zeichnet uns aus: Wir sind keine Herde. Wir gehören nicht zu einem Rudel, wo nur die Blutsbande zählen. Deshalb ehren wir diejenigen, die der Gerechtigkeit gedient und für sie ihr Leben riskiert haben. Für die auf der anderen Seite, unsere Verwandten, darf Trauer genügen. Diese Haltung ist in Deutschland längst Teil der Staatsraison geworden. Sie hat den primitiveren Impulsen des Patriotismus abgeschworen und schätzt die Werte unserer Nation, nicht bloß die Gene.“

Es würde jeden Rahmen sprengen, all die Dummheiten und Verfälschungen zu analysieren, die in diesem Text reichlich enthalten sind. Der Schreiberling ist ein Nachgeborener, der als erfolgreich Gehirngewaschener betrachtet werden muss. Das mag zu seiner Entschuldigung gelten. Aber für diesen einen arroganten, vor eisiger Verachtung des Eigenen und der Eigenen strotzenden Satzes gibt es keine Entschuldigung: „Für die auf der anderen Seite, unsere Verwandten, darf Trauer genügen.“  

Wer so formuliert, hat Deutschland in sich bereits abgeschafft und arbeitet jeden Tag daran, dieses Werk auch zu vollenden. Selbstverständlich gehört neben natürlicher Trauer ebenso Ehre und Erinnerung auch denjenigen Deutschen, die in Erfüllung ihrer Soldatenpflicht das größte Opfer, nämlich den Verlust ihres jungen Lebens, erleiden mussten. Die allerwenigsten davon waren 1944 überzeugte Nazis, das ist längst bekannt.

Gerade an diesem 75. Jahrestag sei an ein Wort des französischen Generals und Präsidenten Charles de Gaulle erinnert: „Der Charakter eines Volkes zeigt sich daran, wie es mit den Gefallenen eines verlorenen Krieges umgeht“.  Röttgen und der Schreiberling  sind demnach erbärmlich charakterlos. Und leider gibt es hierzulande nicht wenige, die so etwas lesen oder hören, ohne Brechreiz zu bekommen.

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22 Kommentare

  1. Im folgenden die Meinung eines Generalmajor Fuller aus dem ersten WK über die Ursache des zweiten WK.

    Fuller war nicht irgendein englischer Offizier. Er war auch in der Focus Group, eine Gruppe die es zum Ziele gesetzt hatte Winston Churchill zum englischen Premier zu machen. Neville Chamberlain war anscheinend nicht so folgsam gegenüber der englischen Kriegspartei.

    „…………………..Während nun die Rationalisierung der Industrie immer weniger menschliche Arbeitskraft braucht und es dadurch immer mehr ermöglicht, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, das System der Verteilung jedoch nicht rationalisiert worden ist, werden Millionen von Männern und Frauen aus dem Arbeitsprozess ausgestoßen und auf diese Weise die Verkaufskraft weiterhin herabgesetzt.

    Welches ist die Ursache dieser selbstmörderischen Mißstände?

    Sie ist darin zu suchen, daß das gegenwärtige Finanzsystem sich nicht auf die
    Produktionskraft (Produktion von Reichtum) gründet, sondern, daß das Mittel der
    Verteilung (Geld) in eine Ware verwandelt wurde, die man kaufen und verkaufen kann. Mit einem Wort: die Krankheit, an der die Welt leidet, heißt „Wucher“.

    Frankreich ist ein Reich, das auf Geldmacht aufgebaut ist und England ist das Hauptquartier des internationalen Anleihekapitals; daher auch die Entente zwischen ihnen. Beide sind von internationaler Gesinnung, weil beide unter der Herrschaft zentraler Banken
    stehen, die internationale Geldorgane sind. Das gleiche ist mit der UdSSR der Fall, obwohl hier die Zentralbank der Staat ist. Daher ist in den westlichen Demokratien wie auch in den östlichen Autokratie die Macht im Gelde verankert. Infolge dessen ist das Geld das Bindeglied zwischen Demokratie und Bolschewismus- zwischen den oligarchischen und den despotischen Nationen.
    Da Deutschland außerhalb des goldenen Ringes steht, ist es verdächtig. Deutschland
    beginnt bereits mehr mit den Begriffen der Arbeit zu operieren , als mit den Begriffen des Geldes. Angenommen, Deutschland führt ein vernünftiges Finanzsystem ein, in welchem kein Geld aufgekauft werden kann, dann wird die Goldblase platzen und die Grundlagen des Staatskapitalismus brechen zusammen. Daher muss es um jeden Preis daran gehindert werden. Daher auch die fieberhaften Vorbereitungen zu seiner Vernichtung.“

    Aus dem Buch „DER ERSTE DER VÖLKERBUNDSKRIEGE“ S. 299- 300, von Generalmajor J.F.C.Fuller , 1938, Rowohlt-Verlag

    Noch einer der nicht alles glaubt.

    https://www.paulcraigroberts.org/2019/05/13/the-lies-about-world-war-ii/

    Ich bin mir sicher, daß Norbert Röttgen durchaus über die tasächlichen Ursachen des WKII. Bescheid weiß. Doch er dient anderen Herren.

    Wie heißt es so schön:“ Wessen Brot ich eß, dessen Lied sing ich“.

  2. Was wahre Anstand ist, weiß man erst, wenn er ganz offensichtlich fehlt. Wahrer Anstand ist nicht nur eine Frage der Form, sondern eine Voraussetzung für ein redliches Leben. Und damit haben viele politische Aspiranten in diesem Lande erhebliche Probleme.

  3. „Obwohl eindeutig auf dokumentarischer Grundlage
    bewiesen worden ist, daß Hitler nicht verantwortlicher – wenn überhaupt
    verantwortlich – für den Krieg von 1939 gewesen ist als der Kaiser es
    1914 war, stützte man sich nach 1945 in Deutschland auf das Verdikt der
    Deutschen Alleinschuld, das von der Wahrheit genauso weit entfernt
    liegt wie die Kriegsschuldklausel des Versailler Vertrages. – Das
    Kriegsschuldbewußtsein (nach 1945) stellt einen Fall von geradezu
    unbegreiflicher Selbstbezichtigungssucht ohnegleichen in der Geschichte
    der Menschheit dar. Ich jedenfalls kenne kein anderes Beispiel in der
    Geschichte dafür, daß ein Volk diese nahezu wahnwitzige Sucht zeigt, die
    dunklen Schatten der Schuld auf sich zu nehmen an einem politischen
    Verbrechen, das es nicht beging – es sei denn jenes Verbrechen, sich
    selbst die Schuld am Zweiten Weltkrieg aufzubürden“

    Prof. Dr. Harry Elmer Barnes (Columbia University New York)

  4. Danke👍 Mein Vater war 6 Jahre an der Front zuerst in Polen- Italien,dann in der Hölle Rußland. Überlebte nach 8 Jahre russischer Gefangenschaft und kam krank und mit seelischem Trauma zurück in sein zerbomtes Deutschland. Er war kein Na.i aber ein Mensch der ums Überleben gekämpft hat.

  5. Ja, unsere Volksverdreher feiern den Untergang des Deutschen Reiches – so weit unten sind wir angekommen. Kommentar überflüssig!

  6. Sie sprechen mir aus der Seele. Es gibt aber noch viele die den Deutschen Soldaten ehren und Ihm gedenken. Mein Grossvater war bei einer 8,8cm Flakeinheit bei der Ardennenoffensive. Er erzählte :Wir haben Sie gejagt,die Gis. Wir waren keine Deppen wie wir immer in den Spielfilmen dargestellt werden.

  7. Nun ja, seht es mir nach aber es gibt nur ein Volk auf der Welt das sich sogar noch nach über 70 Jahren nach dem Krieg in zweiter, dritter und teilweise bereits vierter Generation (alles Menschen die dafür nix aber gar nix können!!) derart abartig und befremdlich selbst bestraft und Politiker in Machtpositionen bringt die den Siegern weiterhin Milliardenzahlungen in den Hintern schieben -> ja leider richtig, es sind die Deutschen !!! Warum macht ihr (und wir – bin ja auch dabei!!!) das ??? Sind wir alle komplett bescheuert ??? (ist eine rethorische Frage!!)

    • man sollte diese Politiker mal fragen, was mit den Männern, die in den Krieg zogen, gemacht wordxen wäre, wenn sie sich geweigert hätten. Das Ganze war ja kein Playstation-Spiel, sondern knallharte Befehlsgewalt, die von Politikern ausging, und nichtg vom Volk, das für deren Interessen mißbraucht wurde

  8. Deutschland hat noch NIE einen Weltkrieg begonnen!

    Es waren Intrigen dee Engländer (genauer: der selbsternannten „Auserwählten“ dort), die Deutschland in Kriege zu verwickeln um es als Konkurrent auszuschalten!

    Eigentlich sollte man am D-Day Entschuldigungen der Alliierten für die Greueltaten gegen Deutschland erwarrten!

  9. Genau genommen feiern die den Erfolg der Hollywood-Versionen der Invasion in der Normandie. Aber die verwechseln das halt gern, ist schmeichelhafter.

  10. Gerade die Engländer und Franzosen haben keinen Grund zum feiern, da sie mit dem 2. Weltkrieg, die Ausrottung der Weißen eingeleitet hatten. Siehe Europa heute…

    Zitat des UN-Sonderbotschafters im Kosovo Sergio Vieira de Mello von 1999:

    „Ich wiederhole: Unvermischte Völker sind eigentlich ein Nazi-Konzept. Genau das haben die alliierten Mächte im 2. Weltkrieg bekämpft. Die Vereinten Nationen wurden gegründet, um diese Konzeption zu bekämpfen, was seit Dekaden auch geschieht. Genau das war der Grund, warum die NATO im Kosovo kämpfte. Und das war der Grund, warum der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine solch starke Militärpräsenz im Kosovo verlangte – nämlich um ein System ethnischer Reinheit zu verhindern.”

  11. den Schuh zieh ich mir nicht an. Es waren politische Parteien (u.a. NSDAP, SED), die Unrecht, Indoktrination, Faschismus betrieben und Menschen anderer Meinung diskreditierten, schi-kanierten und mit Repressalien überzogen. Die Menschen waren wehrlos, und was jetzt ge-schieht, ist nichts anderes. Die Abhängigkeit der Staatsanwaltschaften, die auch noch das Anklagemonopol inne haben, von den Justizministerien, ergo Parteienpolitik und -ideologien, ist Unrecht, völkerrechtswidrig, wie auch das Urteil des EUGH vom 27.5.2019 erklärt. Diese Abhängigkeit hat fanatische Eingriffsintensität und wird politisch fundamental mißbraucht. Meine Eltern waren Kinder im 2. WK. Sie sind nicht für perverse, machtmißbrauchende Politiker und deren Politiken verantwortlich. Weshalb sollte ich mich ergo in Oikophobie suhlen? Waren nicht G. Schröder und zahlreiche andere Politiker der etablierten Parteien vormals Mitglieder der SS und NSDAP? Und auf DDR bezogen, in der SED und FDJ?

  12. Was ist nur aus den deutschen Volk der Denker ,Dichter und Erfinder geworden–man kann sich nur noch schämen für solche Flachpfeifen und Volksverräter–Keine Ehre mehr im Leib ,nur noch saudummes Zeug nach babbeln–

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