Tampon-Steuer: Wann schaffen es Rasierklingen und Gebissreiniger in den Bundestag?

Klaus Lelek

Foto: Von Brazhyk / Shutterstock

Berlin – Spätestens seit Feuchtgebiet-Schreiberin Charlotte Roche und Merkels Hofnarr Böhmermann sich des Themas angenommen haben, ist es in aller Munde. Die „Menstruation“, pardon die „Menstruation Steuer“, oder einfacher ausgedrückt „Tampon-Steuer“. Unter dem Motto „Periode ist kein Luxus“ haben nun Aktivistinnen laut FAZ 170.000 Unterschriften gesammelt und eine entsprechende Petition in den Bundestag eingebracht, die das Besteuern der Hygieneprodukte drastisch reduzieren soll.

Wer schon mal als Mann für seine Frau Binden oder Tampons gekauft hat weiß: dass ist eine Wissenschaft für sich. Schon bei den Varianten mit zwei, drei oder gar vier Tröpfchen ist man im wahrsten Sinne überfordert, und dann gibt es auch noch Nachtbinden und solche mit Flügel und ohne Flügel. Und alles nochmal von mindestens vier Firmen, inklusive Supermarkt-Eigenmarken. Peinlich, wenn man dann auch noch eine Verkäuferin um Hilfe fragen muss. Noch peinlicher ist, wenn man als reifer Mann Binden kauft und sich vorstellt, was die Frauen an der Kasse jetzt denken: Kauft der jetzt die Binden für seine Enkelin, oder hat der sich noch mal eine jüngere angelacht? Dass manche Frauen noch bis weit über Mitte 50 ihre Periode haben, kommt sicher den wenigstes in den Sinn. In diesem Sinne hat die FAZ ganz recht. Die Periode ist auch heute noch ein Tabuthema. Ein Thema das „negativ besetzt ist“ und „verunsichert“ und sogar „verängstigt“. Selbst Männer. Die besonders. Tampon-Kauf ist fast so peinlich wie der Kauf von Gebissreinigern. Mit hochrotem Kopf steht man an der Kasse. Auch da muss man irgendwie durch.

Und für dieses peinliche Perioden-Produkt sollen Frauen 19 Prozent Steuern bezahlen. „Zum Vergleich: Trüffel, Champagner oder Kaviar fallen unter den ermäßigten Steuersatz.“ Darüber kann man diskutieren. Zumal in Ländern wie Australien, Kanada, Kenia und im erzkatholischen Irland überhaupt keine Steuer anfallen. Was der Sache eher einen seltsamen Beigeschmack gibt, ist die feministische Begleitmusik, die von den Studentinnen Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kotra aus Hamburg angestimmt wird. Das liest sich laut FAZ so: „Roloff und Kotra sehen in der hohen Besteuerung „eine fiskalische Diskriminierung“ von Frauen aufgrund ihres Geschlechts.“

Das Finanzministerium sieht die Sache nüchterner und meint „der ermäßigte Steuersatz sei ohnehin „kein geeignetes Mittel, eine dauerhafte Entlastung der Betroffenen zu erreichen. Es könne nicht sichergestellt werden, dass Unternehmen den geringeren Steuersatz auch wirklich weitergäben.“

Unabhängig davon bleibt die Tatsache bestehen, dass auch Männer von der Natur ein kostspieliges Päckchen mit auf den Weg bekommen haben. Nicht nur, dass Männer haufenweise die Shopping-Touren ihrer Frauen finanzieren müssen, sie selbst haben buchstäblich auch schon genug an der Backe, nämlich „Bartwuchs“, und der muss nicht alle vier Wochen entfernt werden, sondern mindestens alle zwei Tage. Auch dafür gibt es kostspielige Hygieneprodukte. Rasierklingen, Rasierschaum, Rasierwasser. Wer nicht grade wie ein billiger Zuhälter duften will, muss dafür ganz schön fiel berappen.

Wieso schaffen es diese Produkte nicht in den Bundestag? Das ist echt diskriminierend. Und was sagen eigentlich die Käufer von Gebissreinigern? Ist man nicht schon genug damit gestraft, wenn man keine eigenen Zähne mehr hat? Wann flattern die nächsten Petitionen in den Bundestag. Kostenlose Kukis für alle! Bartwuchs und Zahnersatz sind kein Luxus!

 

 

Loading...

4 Kommentare

  1. Es ist schon einige Jahre her, da wurde ich von einen Frau an der Kasse Dumm angemacht, als ich die Kassiererin etwas fragen wollte. Was ich da mit will und weiss wofür die sind usw. Als sie fertig mit ihrer Tirade wahr, sagte ich ihr, daß ich von ihrem Gelaber jetzt gewaltig Durchfall bekomme und dafür die Tampons brauche. Sie ist erstmal weiter einkaufen gegangen obwohl sie es vorher so eilig hatte.

  2. Ich weiß schon was als nächstes kommt.
    „Kanabis ist kein Luxus!“
    Sondern Grundnahrungsmittel im Bundestag.

Kommentare sind deaktiviert.