Wie deutsche Politiker und Medien China unterschätzen

Foto: Durch Zhao jian kang/Shutterstock
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Deutsche mögen Harmonie und Konsens – dabei vergessen sie leider, dass außerhalb ihres Landes die Uhren anders ticken. Ein Kommentar.

Dorothee Bär (CSU) glaubt nicht an Spionage durch Huawai.  “China? Ja, Bitte!”, titelt das Magazin “Finanz und Wirtschaft“, und die ZEIT schreibt über Misstrauen gegenüber China folgendes: “Die Skepsis lässt sich auf einen Satz verdichten: Wir trauen euch nicht, weil ihr Chinesen seid.” Die Richtung ist klar: Die VR China sei vertrauenswürdig und somit ein Partner, mit dem man zusammenarbeiten sollte. Zumindest denken viele deutsche Politiker und Journalisten so – eine absolut gefährliche Einstellung. Es gibt mehrere Gründe, wieso eine gesunde China-Skepsis absolut richtig ist und warum keine Entwarnung gegeben werden sollte.

Ein bisschen Hegel, ein bisschen Marx

Das chinesische Selbstverständnis steht im Gegensatz zum westlichen Denken. Die Lehren von Laotse oder Konfuzius, die kaiserliche Geschichte, die Stellung Chinas im asiatischen Raum – sie alle haben ideengeschichtlich für eine besondere Einstellung gesorgt. China kennt kein universalistisches und individualistisches Denken. Wer in Peking oder Shanghai von Menschenrechten spricht, wird höchstwahrscheinlich belächelt. Die Chinesen interessieren sich nicht für die westliche Moral, vor allem nicht nach der demütigenden Zeit der Kolonialisierung. Peking will seinen eigenen Weg gehen – und der verläuft anders als der Weg des Westens, auch wenn deutsche Denker wie Hegel und Marx einen Einfluss auf China ausgeübt haben. Frieden und Wohlstand für alle Menschen? Ja, aber nur wenn China davon profitiert.

Reich der Mitte 2.0

In China hat die KPCh den absoluten Herrschaftsanspruch. Ihre Interessen sind die Interessen des Staates und des Volkes. Oberste Maxime ist die Festigung des Machtanspruches. Natürlich können diese den Interessen Deutschlands entgegenkommen – aber das kann sich schnell ändern. Chinesische Firmen arbeiten grundsätzlich zu ihren eigenen Bedingungen – und diese werden in den Parteizentralen formuliert. Wenn innenpolitische Überlegungen also eine Änderung des eingeschlagenen Weges erfordern, dann kann schnell die erfolgreiche Zusammenarbeit abgebrochen werden. Der Bau der neuen Seidenstraße durch Zentralasien ist ein gutes Beispiel. Die dortigen strukturschwachen Regierungen sind auf Auslandskredite angewiesen. Vor allem Peking pumpte Geld nach Zentralasien – bis innenpolitische Überlegungen die chinesische Außenpolitik änderten. Seitdem die Chinesen am Projekt der Neuen Seidenstraße arbeiten, gibt es die Kredite an zentralasiatische Staaten nur noch zu einseitigen Bedingungen. Verweigern die Regierungen ihre Zustimmung zum Bau neuer chinesischer Bahnstrecken und Pipelines, dreht China den Geldhahn zu. Da aber die meisten Staaten in Zentralasien auf Kredite angewiesen sind, ist das ein empfindlicher Hebel. Letztendlich leihen sich Länder wie Usbekistan aktuell Geld von den Chinesen, um damit chinesische Baufirmen zu beauftragen, eine Pipeline durch ihr eigenes Staatsgebiet zu bauen. Trump würde sagen: “bad deal!“. Freundliche Zusammenarbeit kann also schnell in Zwangslagen enden. Für Deutschland ist so ein Szenario zwar noch unwahrscheinlich, aber eine feindliche Übernahme ist zu erkennen. So kaufen sich chinesische Investoren in wichtige Großkonzerne ein. Zwar sind nur 10% der Daimler-Aktien in chinesischer Hand und Daimler somit noch außer Gefahr – aber wer sagt, dass es so bleibt? Man könnte sich überlegen, was passieren würde, wenn die Chinesen mehr Aktien erwerben und es dann zu einer Krise zwischen Berlin und Peking kommt. China hätte dann einen großen Hebel in der Hand, wenn es große Teile der Aktien deutscher Firmen hält. Deutschland könnte schnell unter die Räder geraten, wenn eine neue Globalmacht China ihre Muskeln spielen lässt.

Sollte man also auf China verzichten? – Nein. Aber man sollte chinesische Aktivitäten genauestens beobachten und Angriffe auf neuralgische Positionen abwehren. Huawei ist nicht der einzige 5G-Ausrüster der Welt, genausowenig müssen chinesische Investoren Mehrheitseigner deutscher Konzerne werden. Deutschland muss endlich wieder eine eigene Industriepolitik führen, und aufhören, die Chinesen zu romantisieren. Großmächte haben kein Interesse an Moral. Die USA und China zeigen uns das seit Jahrzehnten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf younggerman.com

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2 Kommentare

  1. Lustig.

    Ich habe das Gefühl, dass man China schon immer hier überschätzt, nicht unterschätzt.

    Wenn man nämlich bestimmte Zahlen in China anschaut wird einem schnell klar, dass das Land nur aufgeblasene Masse ist!

  2. Was unterschätzen deutsche Politiker und linken Medien, denn ihnen fehlt Wissen und einen entsprechenden IQ. Mein Großvater sprach schon vor vielen Jahr von der drohenden gelben Gefahr. Die unter Mao noch schlief. Er pflegte zu sagen: Wenn sie erwachen, dann hat der Westen nichts mehr zu lachen. Das ist der Pamper – Generation im Reichstag nicht mehr zu vermitteln. Die Paar, die es noch wissen könnten, werden immer weniger. Grün ist die Hoffnung, auf was, wissen ihre Wähler genau. Klimaschutz an erster Stelle. Wirtschaft ist nicht so wichtig, wie ein Milchgesicht vor Tagen in eine Kamera piepte. In ihren Augen spielende Wölfe mit Schafen, die sie bei Bedarf reißen. Rehe in den Vorgärten. Alle sind fröhlich lieben sich und niemand wird mehr gequält. Jetzt gerate ich gerade bei den Gebrüdern Grimm. .

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