Vor den EU-Wahlergebnissen: Briten im Brexit-Fieber

The Brit

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Well, die Europawahlen haben bereits ihren erste Skalp gefordert und es handelt sich bei ihm um keinen anderen als den von Theresa May. Nachdem ihre katastrophale Amtszeit, die weder eine funktionierende Mehrheit im Unterhaus noch den Brexit zustande gebracht und auch das Vereinigte Königreich nicht erfolgreich aus der EU geführt hat, musste Theresa May sich dem Unvermeidlichen beugen und den Zeitplan für das Ende ihrer Regierungszeit bekannt geben. Sie wird offiziell am 7. Juni zurücktreten, aber solange bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Foto:Von John Gomez/shutterstock
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Der Rücktritt kommt zwar nicht ganz unerwartet, aber der Zeitpunkt hat viel mit den EU-Wahlen zu tun, bei denen die Konservativen voraussichtlich scheitern werden. Nigel Farages Brexit Party wird möglicherweise sogar mehr als 40% der Stimmen holen, die Konservativen auf Platz fünf noch hinter den Grünen landen. Dies scheint der letzte Nagel in Theresa Mays Sarg zu sein. Obwohl der Rücktritt Mays nicht auf das Konto von Farage geht, kann er sich zugute halten, dass seine Partei jede Chance auf ein gutes Abschneiden der Konservativen ruiniert hat.

Großbritannien hat bereits gewählt. Am Donnerstag war ich in der verschlafenen Kleinstadt Kent dabei. Sie ist eine von vielen und eine typische Bastion dessen, was viele als „Mittelengland“ bezeichnen. Viele der Wähler waren zurückhaltend doch einige von ihnen bereit, mit jouwatch zu sprechen.

Iain Browning, 37, ein treuer Anhänger der Brexit-Partei erklärte:“Ich habe die Nase voll von den regierenden Parteien und ihren Lügen … Die einzige Partei, die das tut, was sie sagt, ist die Brexit-Partei. Ich habe lange für die Tories gestimmt, aber jetzt nicht mehr. “

„Der einzige Politiker, dem ich jetzt noch vertraue, ist Farage, da alles, was er gesagt hat, geschehen ist, und er ist der einzige, der seine Haltung nicht geändert hat“, so auch die 71-jährige Ex-Tory Wählerin Ruth Jones.

Auch eine Ausstiegsgegnerin und Anhängerin der Liberal Democrats ist angesichts der augenblicklichen Situation verzweifelt: „Die EU ist alles andere als perfekt, aber sie ist von wesentlicher Bedeutung. Ich möchte nur, dass all dies ein Ende hat und hoffe, dass es keinen Brexit geben wird“, wünscht sich Rebecca Crowley (54).

Dass ihr Wunsch am Sonntag in Erfüllung geht, scheint mehr als unwahrscheinlich.

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Farages Wahlkampf war kurz und „sehr süß“ für die Brexit-Partei, die bei der EU-Abstimmung 2019 zur führenden britischen Partei aufsteigen wird.  Um einen Blick auf den angekündigten „neuen Messias“ zu werfen, standen Tausende von Brexit-Anhängern stundenlang an, um Nigel Farage am Dienstagabend im Londoner Kensington Olympia zu sehen, als dort die letzte Wahlveranstaltung der Brexit-Partei vor den EU-Wahlen stattfand.

Die Halle war voll, und es musste ein extra Bereich eingerichtet werden, um mit den vielen verspäteten Ankömmlingen fertig zu werden. Sie alle lauschten Rednern wie Ann Widdecombe, ehemalige konservative Abgeordnete und Regierungsministerin, sowie dem ehemaligen tschechischen Premierministerin Vaclav Klaus und warteten geduldig auf  das Hauptereignis… ihren Visionär, Retter und Messias… ..Nigel Farage. Er stolzierte zu lauter Musik, Feuerwerk und  „NIGEL, NIGEL !!“-Rufen auf die Bühne, als wäre er Jesus Christus persönlich. Obwohl der Stil und das Flair der Veranstaltung eindeutig „populistisch“ waren, schien die Botschaft weit über die Mauern von Kensington Olympia hinaus zu schwingen.

Unter dem Motto „Politik zum Guten verändern“ lobte Farage seine Partei wie folgt:

„Es sind erst 5 ½ Wochen vergangen, seit wir im Wahlkampf sind und wir sind bereits in den Meinungsumfragen vorne dabei. Das Establishment hat keine Angst, es ist in Panik !!“

Farage kritisierte wenig überraschend die EU-Elite. Jedesmal wenn die Namen ihrer Vertreter wie Barnier, Tusk und Juncker fielen, erschallten laute Buh-Rufe der Menge. Auch der ehemalige Schatzkanzler der Cameron-Regierung, George Osborne, musste für sein „Project Fear“ (Projekt Angst) heftige Kritik einstecken:

„Er hat uns erzählt, dass eine halbe Million Arbeitsplätze wegfallen würden … ein Notfallbudget würde benötigt … die Steuern würden steigen … die Immobilienpreise würden abstürzen … ausländische Direktinvestitionen würden aufhören … der Handel würde aufhören … und eine Heuschrecken-Plage würde aus dem Himmel stürzen und alles vertilgen!“

Diese Worte von Nigel Farage wurde mit frenetischem Applaus begrüßt – im Nachhinein haben sich schließlich all diese Horror-Szenarien als „Müll“ erwiesen.

Für Farage steht fest:

„Das Zwei-Parteien-System funktioniert nicht mehr, es ist zerbrochen. Jemand … wir … die Brexit-Partei…muss dieses 2-Parteien-System herausfordern. Wir werden uns mit Theresa May noch auseinandersetzen müssen. Sie ist nicht nur eine schlechte Premierministerin, sondern die schlechteste Premierministerin in der Geschichte dieser Nation gewesen.

Wir müssen die Europäische Union am 31. Oktober verlassen – ohne ein Abkommen“, so die unmissverständliche Botschaft des 55-jährigen Politikers, die er seinen Zuhörern am Dienstag mit auf den Weg gab.

Nigel Farage, der am Anfang mit seiner Brexit-Vision Hohn und Spott des EU-Parlaments erntete, biegt jetzt Jahre später auf die Zielgeraden ein. Es wäre durchaus denkbar, dass ihm auch noch der Ausstieg ohne jeden Deal gelingt.

Euer

The Brit

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8 Kommentare

  1. Ja – das wissen die und hoffen vielleicht dabei sein zu können… dort hin aufzusteigen.
    Weil die EU-Typen sie sich bisher alles erlauben konnten (Junker: „… wir beschließen etwas, dann warten wir eine Weile und wenn nichts passiert, dann machen wir weiter!“) und es keinerlei Konsequenzen für sie hatte (Massenproteste u.ä.) und sie dafür auch noch unvorstellbar viel Geld und sonstige Annehmlichkeiten haben, deshalb kleben die wie Teer an allem… deshalb sind sie arrogant, selbstgefällig UND SEHR GEFÄHRLICH! Sie haben beste Kontakte, sehen sich und ihre Speichellecker als Mittelpunkt des Universums….

  2. Angesichts der neuen Fraktion in der EU, ist es fast ein bisschen schade, dass die Engländer da in Zukunft nicht mit am Tisch sitzen.

  3. Die Umfragewerte zeigen, dass die Briten aufgewachter sind als die
    „Orwellschafe“ in der bunten „Klimareligionrepulik Germanistan“.
    Nigel Farage hat die Gunst der Stunde genutzt und die Briten hatten die
    Nase voll, dass ihr Votum beim Referendum nicht ernst genommen wurde.
    Für die Allianz der europäischen Vaterländer und Nationen eine gute
    Nachricht.

  4. Habe ein paar britische Arbeitskollegen, die haben von den ewigen Verzögerungen und dem ganzen Hin und Her von wegen Brexit schon lange die Nase voll. Jahrelang wurde das Votum, gerade unter May, mit allen Mitteln immer wieder verzögert. Nun passiert dort genau das, was nicht sein darf. „Schon“claude Juncker wird am Sonntag wohl sehr der Ischias plagen.

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