Voll der Inbrunst: Der Identitäre Philip Huemer

Max Erdinger

https://www.youtube.com/watch?v=bG3e95fZBjE
Philip Huemer, IBÖ Wien - Foto: Screenshot Youtube

Bei Sezession.de hat Martin Lichtmesz eine kluge Analyse zum Fall Strache verfaßt. In Teilen liest sie sich so, als habe er sich zur Inspiration das Martin Sellner-Video zum Thema angesehen. Weiß der Geier, wie Lichtmesz am Schluß auf das schmale Brett kommt, das abschließende Wort Philip Huemer von der IBÖ Wien zu überlassen. Der Einspruch.

Legt Einspruch ein: Max Erdinger – Foto: Autor

Huemer schreibt: „Rechtspopulisten, die mit knapp 50 Jahren auf spanischen Partyinseln Urlaub machen, Wodka-Bull trinken und in Großraumdiscos feiern, werden unser Land nicht retten und haben zur notwendigen Beantwortung und Weiterentwicklung der identitären Frage nichts beizutragen.

Klar. Huemer und die Seinen werden Österreich retten, wer sonst? Das werden sie ganz sicher schaffen, wenn sie sich weiter damit beschäftigen, wo knapp 50-Jährige Urlaub machen, wo sie dort verkehren und was sie trinken. Deswegen war auch die FPÖ mit Strache als Vizekanzler ein Schlag ins Wasser. Mit der IBÖ hätte er koalieren sollen, der Kurzglobalist, und Huemer hätte Vizekanzler sein sollen. Alles wäre in Butter. Weil der Huemer einen Strache locker in den Schatten stellt. Vermutlich macht der Huemer woanders Urlaub und konsumiert andere Getränke in kleineren Tanzsälen. Was ein unbedingter Beweis seiner intellektuellen Überlegenheit wäre. Die „identitäre Frage“ ist übrigens längst geklärt. Es soll keine nationale Identität mehr geben – zurückgewinnen werden sie trotzdem „die Huemers“, indem sie sich herablassend über 50-Jährige äußern, die das falsche Getränk am falschen Ort konsumieren.

Mit ihrer Himmlerfrisur und dem richtigen Getränk in der Hand ist ihnen der Sieg sowieso sicher. Jeder, der eine nationale Identität braucht, pisst sich vor Begeisterung in die Hosen, wenn er diese Huemer- und Sellner-Frisuren sieht, die ihn rein überhaupt nicht an die Zeiten erinnern, mit denen die Identitären recht kontraproduktiv und absolut fälschlicherweise laufend in Verbindung gebracht werden. Wie blöd wird´s denn noch? Oder ist es vielleicht nicht blöd, einerseits die „Jugendsünden“ zu bedauern, die darin bestanden haben, dem rotlinken Mainstream recht renitent ein „Hakenkreuzerl“ irgendwo hingepicht zu haben, damit er mords schockiert ist – und bei der Beteuerung, daß es sich um eine dumme Jugendsünde gehandelt habe, immer noch unter dem Haarschopf hervorzuschauen wie Adolfs Enkel? Aber hallo ist das blöd. Saublöd ist das.

Huemer: „Das ist nicht abwertend, sondern als trockene Analyse gemeint.

Geschenkt. Meinereiner kann erkennen, wenn etwas abwertend gemeint war. Und er kann außerdem erkennen, wenn jemand so von sich besoffen ist, daß er glaubt, er könne einem Anderen weismachen, das, was der als Abwertung identifiziert hat, sei gar keine. Weil er glaubt, daß er ein eminent kluger Kopf ist, so ein überlegener. Entschuldigung: Wäre. Huemer ist einfach ein junger, eitler Besserwisser. „Rechtspopulisten, die mit knapp 50 Jahren auf spanischen Partyinseln Urlaub machen, Wodka-Bull trinken und in Großraumdiscos feiern, werden unser Land nicht retten …“ – eine saumäßig trockene Analyse, Donnerwetter. Direkt brillant.

Der Identitäre: „Ich zolle Strache für seine Aufopferung seit 2005 (!) Respekt …

Do werd er etz a Freid hom, da Strache …

Huemer weiter: “ …aber er ist eben auch ein Kind seiner Zeit und stark vom oberflächlichen Rechtspopulismus à la Haider geprägt.

Wunderbar, daß wir jetzt mit einem solchen Tiefengründler gesegnet sind, der kein Kind seiner Zeit ist und von einem oberflächlichen Rechtspopulismus etwas versteht wie kein Zweiter.

Huemer fürchtet das Mißverständnis: „Ich will mich damit keineswegs als Moralapostel gerieren.

Der Identitäre war abwertend und hat sich geriert wie ein selbstgefälliger Moralapostel. Aus.  –  „Rüberkommen“ will er halt nicht als ein solcher. Gemma Hoarschneiden, Huemer.

Der Huemermoralist: „Aber man sollte gerade als Rechter die Worte Van der Bellens („verstörendes Sittenbild“) ernst nehmen. Denn das Video entlarvt das schamlose Innere eines „rabaukenhaften“, aber letztlich substanzlosen Populismus. Was braucht es also?

Eine Ächtung solcher Undercover-Methoden braucht es. Eine Presse und einen Kanzler braucht es, die sagen, daß sie einen solchen Scheißdreck noch nicht einmal anschauen wollen. Das braucht es. Was es nicht braucht, sind die substanzlosen Selbstüberhöhungen eines Identitären, der sich für Jesus hält.

Großmeister Huemer als Erziehungsberechtigter: „Es braucht kurz- bis mittelfristig eine umfassende Erziehung einer neuen Generation junger Rechter, die langfristig neue Antworten auf drängende Fragen geben kann.

Jo eh. Wenn´s drängende Fragen hat, braucht man was Langfristiges. Logo. Und Erzieher braucht man. Am besten solche wie den Tiefengründler Huemer, die nach jedem Satz sagen, sie hätten sich nicht wie ein Erzieher gerieren wollen. Weil: Tiefengründler statt Oberflächler muß man schon sein, wenn man begreifen will, worum´s geht. Damit man Andere dann erziehen kann. Und damit die sich nicht selber einen Kopf machen.

„In welchem Rahmen diese Erziehung stattfinden und woraus sie bestehen soll? Diese Frage harrt einer Beantwortung.“

Jede Wette, daß sie der Huemer langfristig liefern wird, die Antwort, welcher wir alle so sehnsüchtig harren. Weil´s kurz- bis mittelfristig dringend ist.

So, und nachdem wir das jetzt haben, hier die Schlußbemerkung von einem bier- und weintrinkenden, knapp Sechzigjährigen: Das Letzte, was wir brauchen, sind junge Klugscheißer, die sich mit ihrer Himmlerfrisur dazu versteigen, herablassend über einen übel aufs Kreuz gelegten Vizekanzler der FPÖ zu räsonieren, und nur, um Eigenprofilierung zu betreiben, ohne daß es so aussieht, als hätten sie sich geriert. Nichts läge meinemeinen ferner, als so etwas zu goutieren.

Und zu guter Letzt das noch: Richtige Gedanken lassen sich auch äußern, ohne daß man per Haarschnitt und Mode optisch signalisiert, mit wem man ganz unbedingt verwechselt werden will. Das hatte Strache begriffen. Aber gut, der war ja auch schon knapp 50. Weisheit kommt mit dem Alter. Langfristig.

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13 Kommentare

  1. Danke, Max Erdinger. Explizit danke. Auch danke für Ihren Hinweis auf diese P…pott-Frisuren. Endlich sagt’s mal einer ;-))

  2. Danke, Max Erdinger. Explizit danke. Auch danke für Ihren Hinweis auf diese P…pott-Frisuren. Endlich sagt’s mal einer ;-))

  3. Interessanter Artikel. Da steigen Dinge in mir hoch, die ich bisher nicht recht wahrnehmen wollte. Lässt mich nachdenklich zurück.

  4. Na sei nicht so streng. Die Jungs machen wenigstens was und sie bemühen sich. Älter werden sie auch, jeden Tag.

    • Ja, freilich machen sie etwas, Ruth. Mir ist bloß völlig schleierhaft, wie man auf das schmale Brett kommen kann, man dürfe sich auf Kosten eines 50-jährigen Realpolitikers der FPÖ, der übelst GELINKT worden ist, mit seiner Besserwisserei zum elitären Überflieger stilisieren. Soviel steht fest: Realpolitisch hatte Österreich von der FPÖ mehr als von einer extrem theorielastigen IBÖ. Die jungen Herren gefallen sich ein bißchen sehr in ihrer Schlauheit. Ganz „Kinder ihrer Zeit“. Mit der Attitüde wird man bei den Grünen auch was.

    • „Die jungen Herren gefallen sich ein bißchen sehr in ihrer Schlauheit.“
      Genau das ist der Punkt, der mich nachdenklich macht.

    • Die sind auch faktisch schlauer. Mag ja sein, dass Ihre Sympathien einem 50-jährigen gelten, der nie über die Disco-Phase hinausgekommen ist. Sein Parteikollege ist nicht minder dumm, zur „Verteidigung“ erwähnt. Zusammen hat es sicher die Dümmsten an der FPÖ-Spitze erwischt. Wie man diese Dummheit auch nur eine Minute verteidigen kann und dann gleich einen Raunzartikel verfassen muss, weil intelligente junge Patrioten sich mit dem Intelligenz- und Charakter-Niveau nicht zufrieden geben wollen, ist mir schleierhaft. Offenbar haben wir uns in Österreich daran gewöhnt, dass Patrioten Underdogs sind. Daher vielleicht auch Ihre Sympathien?

    • Nein, die IB ist klasse. Huemers arrogante, unsubstantiierte Eigenstilisierung zum Überblicker war trotzdem das, was sie ist: Eine Blase. Wer mir Langfristigkeit als Rezept für die Beantwortung DRÄNGENDER Fragen andrehen will, der ist wohl ein bißchen abgehoben, oder? Und natürlich kann der Huemer auch durch die Gegend rennen wie er will. Nur: Wenn man partout die Ressentiments bedienen will, die einem entgegengebracht werden, dann muß man´s auch genau so machen. Besonders clever ist das aber nicht – und das macht Huemers Bemerkungen doppelt ärgerlich. Patriot bin ich übrigens selbst, aber ich bin nicht so verstiegen, zu unterstellen, die Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg habe keinen Einfluß auf die Identität der Deutschen gehabt. Das wäre übrigens einmal ein interessantes Thema. Bis zu welchem Datum gilt eigentlich das, was Identitäre als deutsche Identität bezeichnen?

    • Hast schon recht, aber die jungen Leute wurden vor Gericht gezerrt, diffamiert, vom Mainstream ganz übel dargestellt. Sie wurden mit dem Terroristen T. in Verbindung gebracht. Wieder gab es eine Hausdurchsuchung. Ist ja alles bekannt. Haben sie wirklich etwas schlimmes angestellt? Natürlich nicht. Da kann man so oder so reagieren, auch mit Arroganz. Sind sie insgesamt auf einem Irrweg? Ich denke nicht.

    • Nein, sind sie nicht. Die IB ist klasse, keine Frage, Sellner ist ein Kopf. Aber das kurzfristig, mittelfristig-Gelaber von Huemer, der langfristig Antworten auf DRÄNGENDE Fragen gegeben wissen will, geht mir trotzdem gegen den Strich in seiner Aufgeblasenheit.

    • Ich finde die IB auch sehr sympathisch, die machen viele gute Sachen. Aber die Frage ist doch, was können die uns wirklich bieten, an Perspektive, an Aufklärung, an berechtigter Hoffnung, die nur gedeihen kann auf der Basis wirklichen und vollständigen Verstehens dieser Welt. Und da denke ich, sieht es ziemlich mau aus beim IB. Die Pisspott-Frisuren kommen noch dazu.
      Daher: Wieder mal ein Strike für Max!

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