Unfreie Medien: Privatsender ProSiebenSat.1 will Staatsknete

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Conrad Albert , ProSioeben Sat.1 - Foto: Imago

Unterföhring – Steuergeld ist es nicht, was der Medienkonzern ProSiebenSat.1 zur Europawahl für seine in den kommenden Tagen umfangreich über den Bildschirm flimmernden Berichte erhalten will. Dort nennt man die Staatsknete vornehm einen „Staatlichen Anreiz“. ProSiebenSat.1-Vorstandsmitglied Conrad Albert kündigte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine nie dagewesene Berichterstattung an. „Wir machen das aus unserem Selbstverständnis heraus. Als Medienunternehmen tragen wir eine besondere Verantwortung, erst recht in Zeiten, in denen der Populismus die Demokratie vor sich her treibt„, meinte er. Das scheint ihm aber nicht „Anreiz“ genug zu sein. Er will Staatsknete in irgendeiner Form sehen dafür.

Ganz egal, ob es um die Sendeformate „Galileo“ oder „taff“ geht, der Privatsender ProSiebenSat.1 ziele vor allem auf junge Zuschauer, um sie mit Fakten über die europäische Idee zu informieren. Außerdem sei beabsichtigt, dem jungen Publikum die große gesellschaftspolitische Bedeutung der Wahl zu verdeutlichen – und dafür Geld vom Steuerzahler zu erhalten. Für „Experten“ klingt das so, als habe Conrad Albert durch die Blume angedroht, ProSieben Sat.1 werde für den Fall, daß die Staatsknete ausbleibt, die Berichterstattung eher so ausrichten, daß klar wird, wie der Populismus die Antidemokraten vor sich hertreibt. Nur gesagt hätte er es eben nicht. Alberts Begründung für sein Begehr klingt anders: „Für mehr Programme mit gesellschaftlich-relevanten Inhalten sollte es staatliche Anreize geben, am besten über einen Fonds„, so der ProSiebenSat.1-Vorstand. Dabei denkt er an eine Summe in der Größenordnung 50 bis 100 Millionen Euro im Jahr. „Experten“ munkeln von einem zwar eleganten, aber unverschämten Erpressungsversuch.

Bereits vor zwei Jahren hatte der Privatmedienlenker eine neue Rundfunkordnung ins Gespräch gebracht und mußte viel Schelte dafür einstecken. Damals argumentierte er, der Rundfunkbeitrag dürfe nicht allein mehr den öffentlich-rechtlichen Sendern vorbehalten bleiben, weil diese unzweifelhaft ihren Auftrag für das junge Publikum vernachlässigten. Conrad Albert fand nun in der FAZ eine elegantere Formulierung als vor zwei Jahren: „Um es klar zu sagen: Es geht mir nicht um neue Gebühren oder Steuern. Wir als Privatunternehmen wollen auch nichts von den 8 Milliarden Euro Gebührengeldern, die ARD und ZDF erhalten. Private Content-Anbieter wie Fernsehunternehmen oder Hörfunksender sollten sich mit ihren Public-Value-Formaten bewerben können, so wie bei der deutschen Filmförderung oder der Journalismus-Stiftung in Nordrhein-Westfalen„.

„Experten“ kritisieren, Albert habe damit unfreiwillig eingeräumt, daß nicht alle Sendungen von ProSiebenSat.1 über „public value“ (öffentlichen Wert) verfügten. Vielmehr habe er erneut den Eindruck erweckt, ProSieben Sat.1 wolle Geld für eine regierungsfreundliche Berichterstattung abgreifen, die andernfalls weniger regierungsfreundlich ausfallen könnte. Die „Experten unter den Experten“ sprechen sogar von einer „Unverschämtheit“ seitens des Privatmedien-Chefs und fürchten, die freien Medien könnten nun ebenfalls Steuergeld für eine oppositionsdemokratisch einwandfreie Berichterstattung zur Europawahl haben wollen. (ME)

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14 Kommentare

  1. Absolut nachvollziehbare Forderung, dass die Hartz 4 Sender als essentieller Schlaftablette der Staatlichen Propaganda endlich dieselben Vorzüge haben wollen, wie diejenigen, die mit vermeintlicher „Kunst“ im ÖR die Elitäre Schicht bespaßen.
    Sollen sie danach auch noch Zeitungen mit in die GEZ aufnehmen. Das dürfte bei sinkenden und letzlich wohl gegen 0 tendierenden Absatzzahlen lustig werden, wie die Grünen erklären wollen, dass man Wälder für den Zeitungsmüll rodet.:D

  2. Die Öffis bekommen 8 Milliarden Euro jährlich für unabhängige Berichterstattung und Information. Aber nur, wenn sie regierungsfreundlich berichten und informieren.

    Vor ein paar Wochen habe ich einen Bericht in focusonline über das den neuen EQ von Mercedes gelesen. (Das ist ein Auto mit Brennstoffzelle) Über den Klee wurde das Auto gelobt, weil das Elektroauto über 800 km weit kommt. Besser als der Diesel. CO2 Bilanz, allerbestens. Der Komfort des Wagens allerbestens. Verarbeitung allerbestens. Kurz: Ein Auto, zwar teuer aber auch eins das alle bekannten Mängel der Batterieautos auf einen Schlag lösen könnte.

    Und dann kam die Ankündigung von Mercedes, dass sie keine Spenden mehr an Parteien bezahlen möchten. Ein kurzer Aufschrei aller Parteien ging durch Deutschland. Kurz vermutlich deshalb, dass der Bürger nicht denken könnte, Konzerne würden Einfluss auf die Politiker nehmen wollen. Neeeiiin niiieeemals natüürlich!

    Gestern konnte man wieder einen neuen Bericht in focusonline über das gleiche Fahrzeug lesen.
    Na ja das Platzangebot ist schon ein wenig eingeschränkt und viele Dinge haben Tesla und andere, viiiel besser in den Griff bekommen. Na und die Technologie ist auch erst am Anfang usw. blablabla.
    Sollte da etwa gezeigt werden, wie schnell ein Motor ins stottern kommen kann, wenn er nicht geschmiert wird?

    Das nur zum Thema „unabhängige Medien“. „Unabhängig“ sind die meisten Masssenmedien doch nur, weil Politiker in den Aufsichtsräten dieser Systemmedien sitzen und darüber wachen, dass das Volk „richtig“ also „unabhängig“ informiert wird. Und so ganz nebenbei kassieren die offensichtlich von der Politik unterforderten Politiker noch „schöne Nebeneinkünfte, weil die läppischen über 10.000 Euro nicht gerade üppig sind, für deren politische Arbeit. So etwas nennen die dann Winwin-Situation. Die einen passen auf, dass das Volk die richtigen und einzig wahren Informationen erhalten und die anderen können damit rechnen, dass ihre Konkurrenz durch die Politik kleingehalten und in die Schmuddelecke gehetzt wird.
    Ich nenne soetwas Korruption im höchsten Maße. Aber wen interessiert schon was ich denke. Vermutlich bin ich sogar ein verwirrter Rechter, weil ich mich wage, auch mal Medien zu lesen, die nicht von „Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt kontrolliert“ wurden.

  3. Der örR will das der Zwangsrundfunkbeitrag erhöht wird. Jetzt wollen die Privaten halt vom großen Kuchen etwas haben.

  4. Also ich finde das ganz phantastisch. So wird doch am schnellsten klar, wer da zueinander gehört: Medien-Prostituierte unter sich!
    Nur die freien Medien, die am Wochenende in Berlin waren, sind einigermaßen frei.
    Der Rest macht, für das jeweilige Publikum mundgerecht,
    REGIERUNGS-PROPAGANDA.

  5. Aber nicht doch, es geht doch einfach nur um die gelungene Austauschung des Volkes…. Nicht um Geld, oder doch ?!

  6. Die sollen einfach ohne weiteres Geld schön die Wahrheit berichten. Dafür nehme ich dann auch die Werbung in Kauf!

  7. Ich bin mir sicher, um sicherzustellen, daß weiterhin unkritisch berichtet wird, wird man gerne bereit sein, Gelder fließen zu lassen. Dann wird mal halt feststellen, daß die CO2-Steuer erhöht werden muß.

    Unter dem Deckmäntelchen „Kampf gegen Rechts“ geht da doch sicher noch was.

    Eine Hand wäscht die andere und Steuergelder haben wir doch genug, notfalls erfinden wir wieder einen Grund für eine neue Steuer…

  8. War ja klar, das jahrelange Lügen muss sich irgendwann bezahlt machen. Spätestens nach der EU Wahl würde es dann Knete geben für die „Privaten“.. falls nicht ein Wunder geschieht und die Etablierten bei der Wahl abgestraft werden.

    • Ich glaube nicht, die Wähler sind so dämlich: jammern, meckern, finden diese Politik besch…ssen und gleichzeigit wundern sie sich, wenn ihnen Jemand sagt, dann sollten sie doch AfD wählen. Das geht gar nicht. Ok, aber dann frage ich mich ob die ernsthaft glauben, es würde was bringen, wenn sie die, über die sie ständig meckern, immer wieder wählen? Glauben die das wirklich? Allen Ernstes? So doooooof kann man doch eigentlich gar nicht sein, nicht wenigstens einmal Protest zu wählen, oder doch?

    • Leider doch..
      Ich führe Diskussionen mit Leuten, die ich bis vor kurzem für intelligent gehalten hatte, über die AFD – da fällt man wirklich vom Glauben an die Menschheit ab. Da wird von Haken kreuz, natsie fabuliert – unglaublich – die Saat der Lügen Presse geht auf und die Leute sind tatsächlich strohdumm.

  9. Ja, unsere Medien sind zur Zeit in Hochform. Selbst focus.de sperrt zur Zeit ALLE Kommentare, die halbwegs der Wahrheit entsprechen. Nur linksgrüne Hetzer sind genehm.

  10. „Vielmehr habe er erneut den Eindruck erweckt, ProSieben Sat.1 wolle Geld für eine regierungsfreundliche Berichterstattung abgreifen, die andernfalls weniger regierungsfreundlich ausfallen könnte.“
    Na dann hoffen wir mal, dass es keine Knete gibt!

  11. Das Anliegen ist sicher berechtigt, denn SAT 1 etc. berichten auf dem
    gleichen Propagandaniveau wie ARD/ZDF und die Dritten.
    Ich fordere freie soziale Marktwirtschaft für Medien.
    Bezahlung bei Konsum. Dann bleibt mehr Geld für freie Medien auch bei
    kleinem Budget.

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