Humorvolle Politiker? – Warum nicht?

Max Erdinger

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Wolodimir Selenski, Humorist und neuer ukrainischer Präsident

In der Ukraine gewann der Komödiant Wolodimir Selenski bei der Stichwahl gegen den alten Amtsinhaber Petro Poroschenko das Präsidentenamt. Und zwar haushoch mit 75 zu 25 Prozent. Der 41-Jährige war zuvor bekannt worden als Schauspieler, der u.a. den Präsidenten mimte. Im EU-Wahlkampf geht es ebenfalls lustig aufwärts. „Die Partei“ des ehemaligen Titanic-Chefredakteurs Martin Sonneborn, die mit 0,6 Prozent der Stimmen bei der letzten EU-Wahl einen Sitz im EU-Parlament holte, liegt neuesten Umfragen zufolge derzeit bei satten 2 Prozent. Warum ist das gut? – Weil der Trend gut ist. Wenn das so weitergeht, bin ich bald ohne jede Partei König von Europa. Spaß beiseite: Eine interessante Entwicklung ist das allemal.

Der einzige Grund, warum man die Funktionäre der Altparteien nicht „Komiker“ nennt, ist, daß man sich laufend über sie ärgert – und zwar wegen allem möglichen. Daß deutsche Politiker oder EU-Politiker „geerdete Typen“ wären, behauptet niemand. Sie fallen auf durch unsinnige Regeln wie der zum Krümmungsgrad von Gurken, sie vergessen, daß Betende, die in Kirchen abgeschlachtet werden, Christen heißen, sie wollen ständig ihre „Untertanen“ bevormunden, obwohl sie gar keine Untertanen haben dürften, und außer Verboten, Massenimmigration und Steuererhöhungen fällt ihnen nichts ein. Außerdem rutschen sie vor einer 16-jährigen Autistin aus Schweden auf Knien herum. Das sind also mehr tragische Figuren. Der kulturelle Niedergang der Länder, in denen sie regieren, ist eine Tragödie und der Geisteszustand ihrer Völker ist tendenziell in Richtung einer kollektiven Schwachsinnigkeit unterwegs. Depressionen und Suizide nehmen zu unter der Intelligenzija, die Millionäre verlassen fluchtartig die von humorlosen Despoten regierte EU – und das ist ein sicheres Indiz dafür, daß es jetzt reicht mit Drama, Altpartei und Tragödie.

Wenn schon Kompetenz nicht das ist, was man von seinen „Vertretern“ erwarten darf, dann kann man auch Komiker nehmen, weil deren Dilettantismus wenigstens lustig wäre. Man braucht sich nur mal eingehend Physiognomie, Mimik und Gestik von Manfred Weber, dem designierten EU-Kommissionspräsidenten von der CSU, eingehender zu Gemüte führen, um zu wissen, was einem da wieder für ein humorloser und grundverlogener Ideologen-Apparatschik ins Europäische Haus steht. Herkömmliche Parteipolitiker sind ein Auslaufmodell, auch wenn der derzeitige Kommissionspräsident Juncker noch nie mit einer nassen Hose abgelichtet worden ist, was vermutlich nur beweist, wie gut er notfalls vor Fotografen abgeschirmt werden kann.

Die Partei

Da Sonneborns Nicht-Partei „Die Partei“ eine vergleichsweise steile Karriere hinlegt mit Zugewinnen von über 200 Prozent, etwas, von dem bspw. CDU und SPD nur träumen können, lohnt es sich auch, sich die Erfolgsschiene näher anzuschauen, auf der „Die Partei“ von Erfolg zu Erfolg fährt. Auch die Zahl ihrer möglichen EU-Abgeordneten hat sich nämlich um sagenhafte 100 Prozent erhöht. Mit Nico Semsrott (33) könnte ein zweiter Deutscher für „Die Partei“ im EU-Parlament sitzen. Woher kommt also dieser sensationelle Erfolg? – Ganz klar: „Die Partei“ verzichtet auf ein Wahlprogramm, was in seinem schonungslosen Realismus überaus sympathisch ist. Die Wahlprogramme von vor der Wahl interessieren nach der Wahl eh keine Sau mehr, sagt Sonneborn. Folgerichtig lautet der Text auf einem der Wahlplakate der Partei: „Für Europa reicht´s“. Würde ich auch so sehen.

Dumm ist aber, daß sich „Die Partei“ dann doch noch zu ihren politischen Vorstellungen geäußert hat – und das wiederum beweist, daß auch „Die Partei“ humorloser ist, als man ursprünglich angenommen hätte. Die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ will erstens der AfD Stimmen abjagen, worüber man sich auch als humorvoller Mensch nicht freuen kann, weil selbst humorlose AfD-Politiker noch immer die bessere Alternative zum lustigen Dilettanten darstellen. So viel Aufrichtigkeit muß sein bei aller Sympathie für den Humor. Zweitens will „Die Partei“  mehr Demokratie für die EU, weniger Korruption, weniger Steuerwettbewerb und einen Stopp der zunehmenden Militarisierung. Damit ist sie draußen.

Wer die wählt, kann so viel Humor haben wie er will – er wäre trotzdem ein Depp. Man kann keine Partei wählen, die statt Demokratie „mehr Demokratie“-  und statt keiner Korruption „weniger Korruption“ anstrebt. Eine solche Partei hätte nämlich etwas ganz Wesentliches nicht begriffen: Grundsätzlich befinden sich die europäischen „Rechtspopulisten“ im Aufwind, weil es der Relativismus ist, der immer mehr EU-Bürgern solche Kopfschmerzen bereitet, daß sie rechtspopulistisch wählen. Auch, wenn ihnen nicht klar ist, daß man den Auslöser ihrer diffusen Kopfschmerzen „Relativismus“ nennt.

Gut an Sonneborns Nicht-Partei „Die Partei“ ist, daß sie den Altparteien den (Eulen)spiegel vorhält. Politik ist damit aber noch keine gemacht – und wenn man sich anschaut, welche politischen Ideale vage in den Gehirnwindungen von Sonneborn und Semsrott wabern, muß man feststellen, daß der Titanic-Chefredakteur genauso auf den Eisberg zusteuert wie die Chefs der Altparteien. Sonneborn erkennt genauso wenig wie eine Andrea Nahles, worum es im Kern geht. Nur, wie er es nicht erkennt, ist eindeutig lustiger. Damit ist aber politisch niemandem geholfen. Es bleibt also noch der Humorist als Politiker einer ernsthaften politischen Partei. Das ist eine sehr gute Idee.

Ernsthaft humorvoll

Wolodomir Selenski, der neue ukrainische Präsident, hat keinerlei politische Erfahrung, aber jede Menge Humor – und das bewerte ich als großes Plus. Weil öffentlich geteilter Humor, andere Menschen zum Lachen zu bringen also, etwas Liebevolles hat, zumindest etwas wahrhaft Philanthropisches. Um andere Menschen zum Lachen bringen zu wollen, müssen sie einem am Herzen liegen. Und das ist eine hervorragende Voraussetzung, um Politik zu machen. Wer nicht ideologisch verbohrt ist, sondern nur will, daß seine Wähler zufrieden und bisweilen auch glücklich leben, lieben und lachen können, der bringt das Wichtigste schon mit. Deswegen ist Selenski auch nicht mit Sonneborn zu verwechseln. „Die Partei“ wird nichts verändern. Sie ist skurril, das wird bemerkt – und damit hat sie ihren Zweck auch schon erfüllt. Der Zweck: Sie dient Sonneborn und Semsroll zur Pflege des eigenen Eulenspiegel-Images. Sonst dient sie niemandem, denn sie wird mit ihren Eulenspiegeleien nichts ändern.

EU-Wahlen im Mai

Linke sind aus sich heraus niemals liebevolle Menschen. Sie sind gezwungen, sich ihre Menschenliebe erst einzureden, dadurch, daß sie sich mit im weitesten Sinne „unglücklichen Menschen“ solidarisieren. Deshalb haben sie das Unglück auch kategorisiert. Minderheiten, Minderbemittelte, Minderkultivierte usw. sind für den Linken die eigentlichen „die Menschen“. Und wen sie für das Unglück ihrer „Schützlinge“ ideologisch verantwortlich machen, ist per definitionem kein Mensch mehr, sondern ein Feind. Der „unglückliche Mensch“ ist quasi elementare Voraussetzung für den Linken, sich selbst als „menschlich“ zu erleben. Seine eingebildete  Menschlichkeit lebt er dann aus „im Kampf“. Grüne und Linke befinden sich ihren eigenen Verlautbarungen zufolge die ganze Zeit „im Kampf“. Nie reden sie nur, nie befürworten sie etwas, sondern immer „kämpfen“ sie für oder gegen etwas, und wenn es der Veggie-Day in der Kantine ist, für den sie „kämpfen“.

Ohne die ungerecht Benachteiligten dieser schönen Welt sind die „menschlichen Linken“ nicht vorstellbar, weswegen sie aus Gründen ihrer Eigenlegitimation ständig bemüht sind, neue Benachteiligte zu finden oder gar zu erfinden: Westliche Frauen sind als Benachteiligte eine glasklare Erfindung der Linken, ihr Ersatzproletariat in der klassenlosen Gesellschaft, sozusagen. Wer bei der EU-Wahl die altbekannten Pappnasen wählt, der wählt zugleich die Fortsetzung einer völlig unrealistischen Politik, die keinen anderen Zweck mehr erfüllt, als die Linken von der Union bis hin zur Partei „Die Linke“ weiter in Lohn und Brot zu halten – und zwar zum völlig humorlosen Schaden des Ganzen.

Folglich bleibt nur eine einzige Partei übrig, die man bei dieser historisch wichtigen EU-Wahl wählen kann – und daher muß: Die AfD. Dort ist das Personal mit der besten Bildung und der besten Ausbildung versammelt – und das wiederum ist eine gute Voraussetzung für Herzensbildung, für den Humor, der über den Dingen steht, anstatt sich in sie zu verbeißen. Das gilt zwar nicht für jeden AfD-Funktionär, aber tendenziell für die Gesamtpartei. Mit der AfD und der neuen europäischen Allianz der sog. Rechtspopulisten ist am ehesten das zu erwarten, was am dringendsten nötig ist: Die europäischen Völker aus den Klauen verbissener Ideologen zu befreien und ihnen mit dem zu begegnen, was sie verdient haben: Mit einer Politik der Zuneigung, nicht einer von Gängelung und supranationaler Bevormundung durch kalte, sozialistisch-theoretisierende und völlig humorlose Betonköpfe a la Frans Timmermans und Manfred Weber.

 

 

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21 Kommentare

  1. Die Pressemeute ist jetzt natürlich wieder ganz aus dem Häuschen, und Szelenskyi wird auf das Niveau eines Vollidioten heruntergeschrieben. Wohlwissend, dass Merkel und die EU faustdick ihre Finger mit drin hatten, als Janukowytsch 2014 abgesägt und EU-Marionette Poroschenko ins Amt geputscht wurde.

    Gute Komiker sind indessen selten geworden, denn zum Blödsein braucht man Hirn, was z.B. Charley Chaplin, Laurel & Hardy, Louis de Funes, Hallervorden, Krebs und viele andere eindringlich beweisen haben. Und man braucht Herz, Humor und muss sein Publikum lieben, was heutige Politclowns schmerzlich vermissen lassen.

    • Das ist richtig! Bei Selenski bin ich aber sehr vorsichtig in meiner Bewertung. Er ist zu stark westorientiert und das schafft wahrlich keinen Frieden mit Russland.

    • Einpruch – wurde ganz unten bereits angemerkt, dass Herr Szelenskij über ein abgeschlossenes Jura-Studium verfügt und als Anwalt tätig werden könnte. Natürlich wird dieses abgeschlossene Studium unterschlagen, wo doch so viele in der Politik tätig sind, die Vergleichbares eben nicht vorweisen können. Der hohe Akademikeranteil der AfD, viele mit exzellentem Sachverstand, wird gefl. übersehen, auch, weil sie den kritischen Stimmen diesem Sachverstand=Fakten nichts entgegensetzen können.

  2. Eigentlich kein schlechter Artikel. Er hat nur einen Haken. Es ist wie bei einem Experiment bei dem man sich staendig die Haende verbrennt. Dieses Experiment „Wahlen“ wird staendig wiederholt, ohne das sich was aendert.
    Man weiss doch, wenn Wahlen etwas aendern wuerden, waeren sie verboten.
    Jede Teilnahme an einer Wahl ist nichts weiter als eine Legitimation von Verbrechermarionetten. (Im Kommerz geht es nur um Haftung und Versicherung. Die Teilnahme an einer Wahl ist die Haftungsuebernahme von den Verbrechern, die sind dann „Immun“ gegen Haftungsansprueche, weil ihr die uebernommen habt) Die Schau geht weiter und da ist es egal ob nun „Die Partei“, AfD oder sonstwas gewaehlt wird und ausserdem ist nur der Auszaehlende entscheidend, der so auszaehlt wie das gewuenschte Ergebnis sein soll.

    • Das ist leider auch das Dilemma der AFD-Wähler. Da wird geglaubt, das die Alternative zum bestehenden Parteiensystem eine neue Partei ist?! Da gehen Menschen zu einer Wahl, bei der sie immer nur die Möglichkeit bekommen zu wählen, wer ihnen das Geld aus der Tasche und die Zeit ihres Lebens stehlen darf. Und hinterher wird sich wie ein kleines Kind darüber gefreut, das man es geschafft hat die eigene Verantwortung an jemand anderen übertragen zu haben um sich dann aufzuregen, das derjenige nur die eigenen Interessen vertritt und nicht die derer die ihn gewählt haben!

      „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Albert Einstein

    • Im Grunde hat man bei der CDU/CSU und der AfD nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: An der Pest stirbt man garantiert, bei der Cholera gibt es noch geringe Überlebenschancen.

  3. Vermutlich haben sich die Ukrainer gedacht, vielleicht wird’s nicht besser, aber wenigstens lustig nach dem Motto:
    „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!“

  4. Wehret den Anfängen , kommt zu spät, weil das Drama schon mittendrin ist in dem Moloch E-U. Jeder der zur E-Uwahl geht sollte „die zehn Gebote“ von andreas Unterberger , 24.04.19 hier auf Youwatch pflichtgemäß lesen und einen Tag dadrüber meditieren.

  5. Die berufliche Herkunft von Herrn Sonneborn ließ nichts anderes zu erwarten.
    Die Zeitschrift „Titanic“ ist nie durch konservative Artikel auffällig geworden.
    Nachdem das EU-Wahlrecht keine Möglichkeiten bietet in DE beispielsweise
    Salvini zu wählen sollte es Patriotenpflicht sein die Allianz der europäischen
    Völker und Nationen zu stärken und das geht im Merkelland nur mit der
    Stimme für die AfD, in der Hoffnung dass es Herrn Meuthen Ernst ist mit
    der Zusammenarbeit mit Steve Bannon und der Allianz.

    • Ich wollte erst meinen Stimmzettel entwerten, aber die Chance dass
      die Allianz der Konservativen den EU-Laden aufmischen könnte
      um Weber oder Timmermans zu verhindern hat mich umgestimmt.
      Auch wenn ich von Wahlen sonst nicht viel halte.:-)

    • Vielleicht weniger Meuthen, als eher Gauland, der in seiner Abschiedsrede diesbezüglich schon sehr deutlich geworden ist.

    • Dieses Risiko ist mir natürlich klar, aber die Allianz der Konservativen
      macht es schwer auszubrechen, auch für Meuthen der ja auch
      am Tropf des Systemes hängt.:-)

  6. Ja sicher doch, er ist ein Komiker und Schauspieler, und jetzt sogar Präsident. Was soll aber dieses Geläster in den deutschen Medien. In den USA war vor Jahren auch ein drittklassiger Schauspieler zum Präsidenten gewählt und dann 8 Jahre im Amt. Damals hat keine S** gelästert.

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