Widerworte von Alice Weidel – eine Besprechung

Foto: Facebook, Alice Weidel

Nachdem Persönlichkeiten wie Alexander Gauland und Björn Höcke bereits ihre Bücher veröffentlicht haben, ist die Fraktionsvorsitzende, Alice Weidel, nun nachgezogen und legt ihr Weltbild dar.

Gedanken über Deutschland, so der Untertitel, umspannt ein gewaltiges Themenfeld. Nichts Geringeres versucht Weidel in diesem Werk abzudecken. Während sich am Anfang des Buches erste Schritte in Richtung Politik vorfinden, gehen die weiteren Kapitel auf die derzeitige Situation in Deutschland ein. Political Correctness, der Aufstieg der 68er und ihrem Marsch durch die Institutionen, der Höhenflug grüner Ideen und vieles mehr erwartet den geneigten Leser. Die Europäische Union und der Euro werden in ihrer jetzigen Situation kritisiert und ein Ausweg angeraten. Weidel diskutiert allerdings auch theoretische Themen wie die Staatslehre, den Sozialstaat und das Recht an sich. Das Niveau ist hoch und kann sich sehen lassen. Trotzdem wird auch der „einfache“ Sympathisant hier alles verstehen können. Wo bleibt aber die Überraschung? Alice Weidel präsentiert sich als Nationalliberale, die in erster Linie staatserhaltend und kostensenkend agieren will. Dieses Bild passt so gar nicht zu dem, was die Presse regelmäßig vermitteln möchte. Der kritische Leser wird allerdings die Frage aufwerfen, welche positiven Visionen gegeben werden können, wenn man sich dezidiert gegen die aktuelle Politik ausspricht. Hier sind nicht Forderungen wie die nach der direkten Demokratie gemeint, sondern ein „was passiert nach der EU, nach einem Euro?“

Im Ganzen gesehen finden sich daher für ein typisches AfD-Mitglied keine neuen Aspekte, dafür ein Sammelsurium an wichtigen Argumentationshilfen und ein gelungener Einstieg für alle Personen, die bisher noch keine abgeschlossene Meinung zur AfD hatten (auch wenn man das Gefühl hat, dass sich sowieso schon zwei Lager in Deutschland gebildet haben; das Pro und das Kontra Lager in Fragen der Migration).

Der Abschluss des Buches ist ein wahrliches Kurzprogramm der AfD. Neben der Schließung der Grenzen, dem Ändern des Asylrechtes und der Begrenzung der Migration, wartet das Abwenden der Islamisierung und der Schutz des Eigentums sowie die Senkung von Steuern auf. Diese Positionierung spiegelt genau das wider, was die AfD primär auf ihre Fahnen geschrieben hat. Es wäre schön gewesen, wenn in Sachen Umweltschutz und Digitalisierung mehr von Weidel gekommen wäre. In den Debatten dominiert derzeit der Klimaschutz, der auch ein konservatives Thema darstellen kann. Die AfD sollte hier ein klares, wissenschaftliches und modernes Profil anbieten, welches sich an Machbarkeit und Sachverstand orientiert. Gerade die Niederlande und die Umfragen in Großbritannien haben gezeigt, dass ein abgespecktes Profil gerade in gebildeten Schichten Erfolg haben kann.

Dieser Beitrag erschien zuerst beim Arcadi Magazin.

 

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8 Kommentare

  1. Ich erwarte von Politikern nicht, dass sie Bücher schreiben. Ich erwarte von ihnen, dass sie zum Wähler und zum Volk sprechen, egal wie. Natürlich muss man im Fall der AfD berücksichtigen, dass sie von der linksgrünen Antifameute bekämpft werden, wo es nur geht. Daher gebührt jedem Politiker der AfD mein vollster Respekt für sein Engagement für unser Land. Dennoch würde ich mir eine aggressivere Öffentlichkeitsarbeit wünschen, obwohl sie meine Stimme längst haben.

  2. Oooooch neee, nicht schon wieder ein Buch.Ist ja ganz nett aber wir brauchen wichtigeres.Wie kommt man hier heil raus? Na eine Lösung parat? So viele Leben haben wir nicht mehr. Und ganz bestimmt kann jeder von uns ein Buch schreiben über unsere Erlebnisse.

  3. Ach ja, schön, Gratulation!
    Nun, da es geschrieben ist, würde ich mir etwas mehr Engagement in Form öffentlicher politischer Statements wünschen. Ich schätze Frau Weidel und ihre Qualifikation sehr. Das hat in der Politik inzwischen Seltenheitswert. Sie muss ihr Potential jetzt aber auch mal raus lassen, damit der Wähler es wahr nimmt. Viel Zeit ist nicht.

  4. Es sind schlechte Zeiten, gute Bücher zu schreiben. Die „Dinge“ sind alle im Fluß oder stagnieren in einem Chaos. Keine geeignete Zeit ein Resumé zu ziehen oder Ratschläge geben zu können.

    Archimedes sagte: „Gebt mir einen festen Punkt…, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“

    Es gibt keinen festen Punkt mehr in dieser Gesellschaft. Allen und Allem wurde der Boden entzogen. Da kann man sich nur aus einem Puzzle Deutschland jeweils ein Teilchen herausziehen und einen Rat geben und ein Rezept vorschlagen unter der Bedingung daß es wirken könnte, wenn hundert andere Bedingungen erfüllt WÄREN.

    Man kann das auch so sehen: Das Land liegt in Trümmern so ähnlich wie 45′. Damals konnten die Trümmerfrauen noch zupacken und helfen, etwas Neues, Haltbares zu schaffen. Jetzt geht das nicht mehr, weil die Trümmer imaginär sind und doch ihre furchtbare gesamtgesellschaftliche Wirkung auf unabsehbare Zeit bleibend sich weiter entfalten werden.

    Wanderer, kommst du nach D, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie die leibhaftige Erinnye es befahl.

  5. >>Gerade die Niederlande und die Umfragen in Großbritannien haben gezeigt,
    dass ein abgespecktes Profil gerade in gebildeten Schichten Erfolg
    haben kann.<<

    Davon scheint es in D mittlerweile allerdings nur noch sehr wenig zu geben, wenn man sich die Zahl der AfD-Wähler ansieht. 🙁

    • …jaja, 7 Mio. Dumme und seit 2017 werden es immer mehr :)…mal sehen, wer am Ende der Dumme ist …

    • hehe! Wir brauchen noch mehr Dumme damit sich was ändert. Ich fürchte nur, der Blödmichel ist zu Intelligent um dumm zu werden.

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