Die heuchlerische Empörung der Linken beim Spendenaufruf für die Wiederherstellung von Notre Dame

Brandschaden an der Kathedrale - Foto: Imago

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Ich kann nur noch den Kopf schütteln über die Vielzahl der Zeitgenossen, darunter auch etliche meiner Facebook-Kontakte, die sich an den Spendenzusagen für den Wiederaufbau von Notre-Dame de Paris stören. Eine Milliarde Euro und mehr zur Rettung eines der bedeutendsten Bauwerke der Christenheit erscheint ihnen unanständig hoch, während „überall auf der Welt Kinder verhungern, weil kein Geld da ist“, wie sich – stellvertretend für wie viele Deutsche der Luxusfraktion „Empörio Armani & Co.“ – beispielsweise Natascha Ochsenknecht gestern aufregte.

Wieso fällt den nur scheinbar sozial motivierten Schlaumeiern das Missverhältnis des lockeren Groschens stets nur ein, wenn es um Investitionen in unsere eigene Kultur geht – also bei jedem neuen Prestige-Bauvorhaben, Wolkenkratzer-Neubauten, Konzepten für Planstädte, ehrgeizige Verkehrsprojekten, und jetzt also auch schon beim Erhalt grandioser Baudenkmäler, die unsere geschichtliche Identität verkörpern? Wieso empfinden sie es nicht als ebenso unmoralisch, dass sie selbst das Fünfhundertfache oder mehr eines Durchschnittslohns der Dritten Welt verdienen, und erkennen ihren eigenen materiellen Standard nicht ebenso als glatte Perversion, verglichen mit der Situation von Milliarden Elenden dieser Erde? Warum rechnen sie beim Shopping, beim Durchblättern von Neuwagenkatalogen oder Reiseprospekten nicht aus, wie vielen Waisenkindern sie für dasselbe Geld aus der Patsche helfen könnten, das sie im Begriff sind auf den Kopf zu hauen?

Das Totschlagargument verhungernder Kinder rangiert ganz vorne neben anderen platten Narrativen eines Schuldkults, die wohlstandsfeiste Vertreter unserer Wohlstandsgesellschaft gerne als kritische Denkanstöße in die Debatte einstreuen, wenn sie eine Chance wittern, ihr moralisch erhabenes Gewissen hervorzuheben. Es steht in einer Reihe mit anderen Relativismen, etwa den Memes der im Sekundentakt durch Brandrodung verschwindenden fußballfeldgrossen Regenwaldparzellen, der abschmelzenden Gletscher mit notleidenden Pinguinen bzw. Eisbären, dem unaufhaltsamen Artensterben oder natürlich der Schuld der westlichen Welt an allen Konflikten des Erdballs durch Erdölgier und Waffenhandel. Solche meist auf plakativem Illustriertenniveau verbreiteten, phrasenhaft verkürzten Halbwahrheiten sind immer gut, um Likes, Clap-hands und fliegende Herzchen in den sozialen Netzwerken einzusammeln; mit todernster Miene in unterkomplexe Unterhaltungen eingestreut, eignen sie sich hervorragend für „fishing for accolades“ in der eigenen Peer-Group oder Clique, denn niemand würde hier ernsthaft widersprechen. Es ist in etwa so, wie wenn sich Miss-World-Kandidatinnen für den Weltfrieden aussprechen: Billiger Applaus ist garantiert

Tatsächlich jedoch, wenn auch gutgemeint, stellt das Inrechnungstellen der humanitären Abgründe dieser Welt gegen den Kostenaufwand für die Wiederherstellung einer Kathedrale, die als „Seele Frankreichs“, kollektives europäisches Erbe und bedeutendes gotisches Kulturzeugnis gelten darf, eine besonders dreiste, naive Form der Heuchelei dar. Es ist dummes, effektheischendes Geplapper ohne jeden Tiefgang. Psychologen nennen so etwas einen unzulässigen Ebenenwechsel: Man setzt Dinge in Relation, die kausal und auch quantitativ in überhaupt keinem Verhältnis stehen.

Die reichlich präpotente Annäherung an derart veroberflächlichte Themen lässt nämlich außer Acht, dass die globalen Zusammenhänge bei weitem komplexer sind, als sie die Betroffenheits-Arithmetiker in ihren grotesken Gegenüberstellungen beschreiben. So sind Hungersnöte, speziell in den von Flucht, Bürgerkriegen oder ökologischen Katastrophen betroffenen afrikanischen Staaten der Sahel- und Saharazone, keine Frage zu geringer Finanzhilfen. Man könnte die heutigen Geldspritzen und auch die Zahl direkter Hilfsgüter verdrei- oder verfünffachen – und es käme bei den Betroffenen trotzdem nie genug an, weil korrupte politische Verhältnisse der Empfängerstaaten, mafiöse Kanäle und teilweise bis zu den UN hinaufreichende bürokratische Hindernisse alles abschöpfen, was irgendwie zu eigenem Profit zu machen ist.

Das „afrikanische Dilemma“, es wurzelt zwar in durch Europäer erlittenem vergangenem Unrecht, das ist wahr; doch die unverändert desolaten Verhältnisse dieses Kontinents sind längst hausgemacht. Überbevölkerung, Diktaturen, Clanstrukturen, ethnische und religiöse Verfolgung haben Afrika zur Hölle auf Erden werden lassen, daran konnten 1,2 Billionen Euro Entwicklungshilfe in 50 Jahren nichts verändern. Alle medizinischen, humanitären und infrastrukturellen Hilfen sind versackt und versandet. HIV ist weiter auf dem Vormarsch, eine vernünftige Bildungs- und Bevölkerungspolitik existiert nicht. Doch auch die übrigen Konfliktherde dieses Planeten – ob ethnische Spannungen in Indonesien, krasseste soziale Gegensätze in südamerikanischen Megacities oder Bürgerkrieg im Jemen – ließen sich selbst durch hypothetische Umleitung allen Geldes, das wir für unsere eigene kulturelle Maintenance aufbringen, nicht annähernd stoppen. Selbst wenn wir alle Mittel für unsere Kulturgüter morgen der Welthungerhilfe überließen – vom Wiederaufbau geschichtsträchtiger Bauten bis zur fünften Sanierung des Berliner Flughafens – würde sich an den Zuständen in den Armenhäuser und Krisengebiete nichts ändern. Und niemandem geht es auf dieser Welt besser, wenn die französischen Milliardärsfamilien Pinault oder Bettencourt keine hunderte Millionen für Notre-Dame spenden; die Menschheit hätte womöglich nur eine unersetzliche Kathedrale weniger.

Es ist derselbe Unfug wie bei der Aufnahme von Flüchtlingen „ohne Obergrenze“: Indem wir solidarische Symbolpolitik betreiben, schaffen wir uns letztlich nur selbst ab. Geholfen ist damit keinem, die Übel werden nicht weniger – aber wir fahren wenigstens mit einem guten Gefühl in die Grube.

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20 Kommentare

  1. Wenn überall auf der Welt Kinder verhungern, dann doch zuallererst, weil deren Erzeuger in unverantwortlicher Weise Kinder produzieren, ohne diese unterhalten, geschweige denn ihnen eine gute Zukunft bieten können noch wollen. Da sollte man anfangen und einfach mal das Kinder-Machen in den Mittelpunkt der Verantwortlichkeitsdebatte stellen!!!

  2. Schon sehr bemerkenswert auch die schnelle Schadensermittlung: Dieser Großbrand sei durch ein Kurzschluss entstanden. Dieses ließ der Merkel-Katastrophensender ARD am heutigen Abend in dem Schlagabtausch, um 20.00 Uhr verlauten.

  3. „….desolaten Verhältnisse dieses Kontinents sind längst hausgemacht.“

    Da hat der Autor völlig recht. Es spielt keine Rolle wie viel Geld noch nach Afrika transferiert wird. Es versickert. Die einzige Möglichkeit Afrika wirklich zu helfen ist ein komplettes Einstellen jeglicher Entwicklungshilfe. Afrika muß sich gesundschrumpfen. Die Afrikaner müssen endlich Verantwortung für sich selbst übernehmen. Es gibt kleine andere Möglichkeit. Wenn wir weiterhin den Bevölkerungsüberschuß abnehmen werden wir selbst zu Afrika, mit allem was sich auch dort abspielt. Aber das ist genau das, was die Politik will.

    • Du hast zu 1000% Recht, ich habe 10 jahre in Westafrika verbracht. Das einzige was wirklich hilft ist Abnabelung, keine finanziellen Hilfen mehr. Dafür Importe aus Afrika korrekt bezahlen. Man kann auch seine Kinder ein Leben lang ernähren, die werden aber niemals erwachsen und selbständig.

    • Mit jedem Medikament, mit jeder Impfung vergrößern wir das Elend nur.
      Die, die dadurch gerettet werden, tun das was sie als einziges besonders gut können: Sie vermehren sich.

    • Apropos Linke. Auf Pi-News gibt es einen prima Artikel.

      „WELT“: Adolf Hitler begann seine politische Karriere als Linksextremist

      Zum Beispiel: Adolf Hitler bekannte in seiner Rede zum 1. Mai 1927:

      „Wir sind Sozialisten, wir sind Feinde der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung für die Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen, mit ihren unlauteren Gehältern, mit ihrer Auswertung eines Menschen nach Reichtum und Besitz, anstatt Verantwortung und Leistung, und wir alle sind entschlossen, dieses System unter allen Bedingungen zu zerstören.”

      Das nenne ich mal Linkes Gedankengut.

  4. Ich finde es gut, dass die Reichen ihren Teil zum Wiederaufbau beitragen. Es ist zwar so, dass 100 Euro eines „Normalos“ für ihn mehr sind, als 100 Mio für Manchen Reichen, aber mit 100 Mio kann in diesem Fall mehr erreicht werden. Und die ersten 100 Mio haben für andere ein Zeichen gesetzt.

  5. Heute schon mal gedacht ? Offensichtlich nicht. Notre Dame gehört dem französischen Staat. Und ist ein Weltkulturerbe.

  6. Entweder sind diese Leute ungebildet oder Heuchler. Jeder weiss warum es Hunger in der Welt gibt und wer dies zu verantworten hat. Mit Sicherheit sind das nicht Herr Meier und Frau Otto. Die wahren Gründe zu benennen , könnte aber der Karriere schaden. Ist es nicht so, ihr selbstgefälligen Feiglinge?

  7. In diesem Fall können die Grünen und Linken sich nicht bereichern, ihre Kontonummer wird nicht beachtet. Darum sind die sauer. Spendengelder für Afrika, da kommt man viel leichter ran.

  8. Natascha Ochsenknecht:Alles klar,dann spende mal für Afrika.Und im übrigen:Wo ist eigentlich die Jahrzehnte gezahlte Entwicklungshilfe hin verpufft?

  9. Wer hungert eigentlich in Afrika? Meines Wissens haben die ein riesiges Bevölkerungswachstum. Natürlich kann unter Umständen irgendwo das 20. Kind einer Familie schon etwas Hunger leiden, das liegt aber daran, daß in Afrika solange Kinder gezeugt werden, bis das erste hungert. Dort orientiert man sich strikt an diesen Schwellenwert.

  10. Also ich bin total gegen eine Spendenaktion für Notre .-Dame: der Vatikan hat sich seit Jahrhunderten an seine Gläubiger bereichert und ist immens Reich.Er steht in der Pflicht und niemand anders. für ihn ist es das Symbol der Christenheit wenn er sich jetzt gegen Zahlungen zum zum Wiederaufbau weigert ist er endgültig als Kapitalmafia Entlarvt .Die Gläubigen werden als Zahlschwein ausgenutzt und die Pfaffen Schwelgen im Prunk für ihre Bedürfnisse. __Siehe Limburg!!!!! Ich bin aus der Kirche vor 50 Jahren ausgetreten aber ich habe die größte Achtung vor den Handwerkern und Künstler solcher Monumente.Notre_=Dame muss erhalten bleiben als Zeuge der Geschichte aber auf Kosten der Kirche und nicht der Gläubigen,

    • In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer, man zahlt wie man mag, oder nicht. Insofern ist das in diesem Fall in Ordnung.

    • Immer noch nicht mit dem Verlust ihres Glaubens fertig geworden?
      Kennen Sie einen Produzenten von 15000-€-Badewannen?

  11. Die meisten Kinder verhungern, weil ihre Eltern nicht arbeiten wollen oder nicht arbeiten können, weil sie zu dumm dafür sind. Ich habe 15 Jahre in Afrika und arabischen Ländern gelebt und denke, das wird man ja wohl nach schreiben dürfen.

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