Frankreich im Ausnahmezustand

Eine Reportage von Vera Lengsfeld

Foto: Screenshot/Youtube

Toulouse am Sonnabendmorgen: Das Thermometer zeigt 8 Grad Celsius. Es regnet. Wir sehen auf unseren Handys mit Neid, dass in Berlin die Sonne scheint und sommerliche Temperaturen herrschen, wie sie für den Süden Frankreichs zu erwarten gewesen wären.

Als wir auf den Platz vor unserem Hotel treten, haben wir das Gefühl, als hielte die Stadt den Atem an. Wo gestern Abend, als wir von unserem Abschiedsessen kamen, die Gegend förmlich vor Leben vibrierte, ist es seltsam ruhig. Auf der breiten Straße in der Nähe, wo man gestern von einer Ampel zur nächsten 20 Minuten brauchte, fährt kaum ein Auto. Am Place de Capitol, den wir auf unserem Weg zum Museum passieren, stehen Soldaten mit vorgehaltenen Gewehren.

Das Capitol ist verriegelt. Von den Hochzeitspaaren, die hier an Sonnabenden die Szene beherrschen, ist nichts zu sehen. Auf dem Markt wird noch verkauft, es sind aber nur vereinzelte Käufer da.

Ladenbesitzer verrammeln ihre Geschäfte, Kellner stapeln Stühle und Tische auf Haufen.

Durch die Stadt schwirren Gerüchte. Die Gelbwesten haben für heute zwei Demonstrationen angesagt. Keiner scheint etwas Genaues zu wissen. Aber eins haben die Toulouser in den letzten Wochen erfahren: Die Gelbwestendemos hier sind härter, als man sie von Paris kennt, man sieht im Straßenbild etliche Fensterscheiben, die in der vergangenen Woche gesplittert sind.

Im Museum vergessen wir über dem Anblick gotischer Kunst, was draußen vor sich geht. Dann erreicht uns mitten im Rundgang ein Anruf. Die Stadt würde ab 14 Uhr abgesperrt. Wir müssten, um zum Flugplatz zu gelangen, schon um 13.00 abfahren.

Auf dem Weg zum Hotel sehen wir, dass Soldaten, Polizisten, Spezialeinheiten inzwischen das Straßenbild beherrschen. Vor einer Boulangerie hat sich eine Lange Schlange von Einsatzkräften gebildet, die sich vor dem Kampf noch etwas Süßes gönnen wollen. Wenige Meter weiter werden die Gendarmen in ihren Einsatzwagen mit Pizza versorgt.

Im Hotel flimmern die neuesten Nachrichten über den Bildschirm. In Paris hat die Demo bereits begonnen. Ein Demonstrant hält ein Schild in die Kamera: Les temps sont dure, les tensions durant – Die Zeiten sind hart, die Spannungen dauern an.

Die Wut der Franzosen scheint unerschöpflich zu sein. Besonders die Generation der über Fünfzigjährigen sieht sich betrogen. Sie hat ein Leben lang gearbeitet, um jetzt festzustellen, dass ein gesichertes Alter so unerreichbar ist, wie der Mond. Eine Frage wird immer wieder gestellt: Was haben die Politiker mit dem Geld gemacht, das wir erarbeitet haben? In den nationalen Nachrichten wird über die Demonstrationen außerhalb von Paris kaum berichtet, obwohl diese mächtiger sind als in der Hauptstadt. Die Verachtung für die Politiker hat einen historischen Hochpunkt erreicht. Von Vertrauen kann keine Rede mehr sein, im Gegenteil. Man glaubt ihnen kein Wort mehr. Der Aufmarsch von Uniformierten zeigt, dass sich die Politik bedroht fühlt.

Wer sind diejenigen, die während der Demonstrationen gewalttätig werden? Alle Argent Provocateurs, ist sich Jean-Claude sicher und der Wachmann vor dem Kapitol ist seiner Meinung. Die Gelbwesten sollen diskreditiert werden, damit man sich nicht um ihre Forderungen kümmern muss. Für die kommenden Europawahlen wird eine gigantische Wahlenthaltung erwartet. Nicht, dass das die „glühenden Europäer“ stören dürfte, die haben nur Angst, dass die Leute falsch wählen und den etablierten Parteien Sitze verloren gehen.

Um 13.00 Uhr stellt sich heraus, dass unser Bus nicht kommt. Der Shuttle zum Flughafen ist bereits eingestellt. Nur die U-Bahn fährt noch. Von der Station Arrés soll es noch eine Tram zum Flugplatz geben. Zum Glück haben wir einen französischen Schweizer in der Gruppe, der die Führung übernehmen kann. In Frankreich findet man immer noch kaum Leute, die des Englischen mächtig sind. Englische Hinweise, wie sie bei uns mittlerweile Standard sind, sucht man hier vergeblich. Am Flugplatz angekommen, sehen wir in der Abflughalle als Erstes eine Formation bewaffneter Soldaten mit vorgehaltenen Gewehren, die Patrouille laufen.

Erst nach den Sicherheitskontrollen, die viel stärker sind als üblich, sieht alles wieder normal aus.

Wie die Demonstrationen in Toulouse verlaufen sind, werden wir erst zu Hause in den Medien erfahren – oder auch nicht.

Klar ist, Frankreich befindet sich im permanenten Ausnahmezustand – ein Ende ist nicht anzusehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst hier

 

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36 Kommentare

  1. die meisten bauern haben verträge mit agrar Konzernen – die Methode ist schon lange vorbei 😉

  2. „A massive fire, followed by an explosion, has erupted at a residential building in central Paris. Casualties unknown.“https://twitter.com/BreakingNLive/status/1114622523113639936
    Wenn solche Explosionen irgendwo im hinteren Asien passieren, berichtet die Lügenpresse ausführlich darüber. Wenn es im Nachbarland war, so ist es nicht erwähnenswert.

  3. …mir drängt sich immer eine Hydra auf!
    Re Trockenlegen – seit Jahren fahre ich meinen Konsum auf ein Minimum herunter. So lange die meisten Michels noch schlafen, ist es lediglich die Vorbereitung auf die kommenden unschönen Ereignisse!

    • Mit wenig auszukommen ist in der Not Gold wert. Das werden die wenigsten können und daran zugrunde gehen, siehe Bankster USA. Auf hohem Fuß gelebt und nach Job Verlust zahlreich von hohen Brücken gesprungen…

  4. Ist die Wut erst angekommen im Volke der Franzosen, dann gibt es kein „Halt“ mehr……denn er kämpft für sich, seine Familie, sein Land.
    (So ist auch der Wunsch der Briten mit dem Brexit zu verstehen).

    Irgendwann kommt das auch hier an!

    • ABER WANN kommt das hier? Wenn es zu spät ist? Oder wenn im gewollten Bürgerkrieg die Straßen voller Leichen sind?

    • Ach wo, die Franzosen sind genauso feige und tranig wie die Deutschen und die, die da randalieren sind genau dieselben wie in Deutschland, nämlich die vom Regime hingeschickten Antifanten. Die machen das schon.
      Und die Gendarmen in Frankreich sehen nur so martialisch aus. Mir hat neulich einer von denen gesagt, daß sie sich jetzt aus allem raushalten. Wenn es Ärger gibt, soll man sich selber kümmern. Das nennt sich »Deeskalation«.
      Frankreich versinkt im Chaos, aber nicht weil die »ordentlichen« Franzosen (sofern es die überhaupt gibt) randalieren, sondern die Moros. Man muß sich doch nur die Bilder ansehen — überall dunkelbraune bis schwarzgebrannte dazwischen. Und die Forderungen der heutigen Gelbwesten erinnern mehr an die KPD und die Grünen als an ein Bürgertum, das es in Frankreich ohnehin nicht wirklich gibt.
      Nehmen, Deckel drauf und wegschmeißen. Mehr ist das alles nicht wert.

  5. Diktator Macron sagte kürzlich (sinngemäß): „Die Herausforderungen sind so groß, dass sie ein einziger Staat nicht mehr erfüllen kann“. Für den Krieg, den der Diktator gegen sein eigenes Volk führt, reichen eben seine eigenen Polizisten nicht mehr. Er braucht von anderen EU-Staaten weitere Polizisten, Scharfschützen, Panzer und Granaten.

    • Das Flinten Uschi hat noch ein paar schwangere Soldatinen in Umstandskampfanzug aber die müsste der Makrone abholen da hier ja nix mehr fährt, taucht, fliegt und schwimmt.

    • Das Flinten Uschi hat noch ein paar schwangere Soldatinen in Umstandskampfanzug aber die müsste der Makrone abholen da hier ja nix mehr fährt, taucht, fliegt und schwimmt.

  6. Was muss bei uns noch passieren damit es endlich losgeht? Bargeld abschaffen? Tempolimit? Bundesliga nur noch im PayTV? Reinheitsgebot abschaffen? Rente ab 75? Ich glaube mittlerweile es hilft gar nix….

  7. Ich kann den Namen dieses kranken Hirns icht mehr lesen. Kommt bei mir sonst nur sehr selten vor.

  8. Der schwulen Rothschildmarionette geht der Arsch auf Grundeis. Sollte er die Eurogendfors einsetzen und noch mehr Gewalt gegen seine Bürger anwenden, wird es auch auf andere Länder abfärben.Wie in der BRD werden Linksfaschos verkleidet in die Demos eingeschmuggelt um die echten Demonstranten zu diskreditieren. Aber irgendwie lassen sich die Frenchies nicht abhalten, weiterzumachen. Gut so!

    • der lebensstandart muss sinken und die häuser für die besseren neudeutschen enteignet werden zudem lieferengpässe der nahrung und großflächige stromausfällevorher geht hier gar nichts

  9. Frankreich befindet sich seit über 3, fast 4 Jahren im offiziell ausgerufenen Ausnahmezustand, dieser wird alle 3 Monate verlängert. Anfangs musst darüber noch abgestimmt werden, mittlerweile wird er automatisch verlängert bis auf Wiederruf.

    Ausnahmezustand ist eine Stufe vor Kriegsrecht und das wird vermutlich auch bald ausgerufen werden, dann braucht die Macrone nicht mehr um ihren Posten zu fürchten und die unliebsame FN kann endlich verboten und eingeknastet werden, darauf läuft alles hinaus.

    • Ich habe das Gefühl, dass sich die Lage in einigen Ländern zuspitzt! Irlmaier hat ja gesagt, dass es in Frankreich anfängt. Wir werden wohl ungewollt Zeitzeugen von großem Chaos in Europa.

  10. In Frankreich stehen die Leute auf und protestieren. So gehört es sich. Wenn es so weiter geht, kann man bald von einer französischen Revolution sprechen.

    Und was ist in Deutschland? Schauen wir uns einmal die Sonntagsfrage vom 06.04.2019 von Forsa an: CDU/CSU: 29 %, SPD: 16 %, GRÜNE: 20 %, FDP: 10 %, DIE LINKE: 8 %, AfD: 12 %, Sonstige: 5 % Die Mehrheit sagt: weiter so! Und wenn es so weiter geht, dann wird die Pädo-Partei bald einen Kanzler stellen. Deutschland hat fertig. Der letzte macht das Licht aus!

    • War heute einkaufen. Auf 7 von 10 Frauenzeitschriften ist die Merkel auf dem Titelblatt abgebildet. Mit irgendwelchen erlogenen Mitleidsgeschichten. Die Leute werden schon auf die Europawahl eingestimmt. Leider werden wieder zu viele den Scheixx glauben.

    • Kauft noch jemand die Blätter? Naja, beim Friseur, Pardon, den Friseurinnen, haben die, glaube ich , immer noch Hochkonjuktur.

    • Genau zum kotzen wenn ich das Politbarometer sehe. Wenn Grün mal regiert braucht keiner mehr das Licht ausmachen denn es brennt schon gar nicht.

  11. Das muss so weitergehen bis Macron endlich den Hut nimmt….. und unsere Volkszertreterin hoffentlich kurz danach auch !!!

    • Wenn Macron den Hut nimmt, bleibt im Hintergrund der Rothschild Clan immer noch bestehen. Und die besitzen das Geld.
      Man muss das System austrocknen. Macron ist nur ein kleiner Wicht.

    • Ich wüsste gern, wie man den Sumpf austrocknen kann. Da das EU-Parlament faktisch nichts zu sagen hat, wird auch eine neue Sitz- und Fraktionsverteilung nichts nützen.

    • … und was kommt dann nach? Immer daran denken: Die Franzosen hatten die Nase voll und wählten den Schwätzer Sarkozy (der mit dem Kärcher!). Dann stellten sie fest, daß der nur ein Windbeutel ist und wählten stattdessen die Flasche Holland, der auch nichts zuwege brachte. Dann kam der Macron. Wenn der dann weg sein wird, wird alles getan, damit die Le Pen nicht an die Regierung kommt, also: es wird die nächste Pfeife hochgehievt. Aber eines konnte man feststellen: Jede der drei oben aufgeführten Flachschippen hat mehrere Steuern und natürlich die Sozialabgaben deutlich erhöht. Dafür können es sich in Frankreich die Asozialen und Faulenzer so richtig gutgehen lassen. Unser arbeitsloser Pleitenachbar hat 3(!) Autos im Hof seines (eigenen) Hauses stehen. Seine Schuldner gehen leer aus und gearbeitet wird auch, aber natürlich schwarz. Weiß jeder, keinen stört’s. Das ist Frankreich.

    • Hmmm…So ähnlich wie bei meinen Nachbarn…. 6 Parteien-Haus (Eigentum). Türke mit Frau (Polin), die geht arbeiten er nicht…..Sohn und Frau des Türken wohnen drunter. …beide gehen nicht arbeiten. WiE gesagt 6 Parteien Haus. Abartig hier….

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