Die Gleichgeschalteten empört über „Gleichschaltung“

Wolfgang Hübner

Foto: Von Uncle Leo/Shutterstock

Es gibt Wörter und Begriffe in der deutschen Sprache, deren Gebrauch nur unter bestimmten Voraussetzungen und seitens auserwählter Personen erlaubt sein soll. Denn solche Wörter und Begriffe werden mit der Nazi-Herrschaft in Zusammenhang gebracht. Der Begriff „Gleichschaltung“ gehört dazu. Zwar haben die Nazis fast alle Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens während ihrer Herrschaft unter ihre Kontrolle gebracht, also „gleichgeschaltet“. Doch dass sie das taten, also „gleichgeschaltet“ haben, behaupteten nicht Hitler und seine Kumpanen, sondern das ist eine Wertung ihrer Nachwelt in Deutschland.

Diese Nachwelt hat allerdings so lange überhaupt kein Problem mit dem Begriff „Gleichschaltung“, so lange damit zum Beispiel die Verhältnisse in Putins Russland oder Orbans Ungarn angesprochen werden. Wenn aber ein neuer Vorsitzender der Jungen Union, diesen Begriff benutzt, um das geistige und politische Klima der CDU in der Merkel-Ära zu beschreiben, gibt es einen empörten Aufschrei der Gleichgeschalteten. Mit von der Partie sind natürlich die Drei vom Parteienkartell, also SPD, Grüne und Linke. Aber die wittern bekanntlich noch im Wort „Kartoffel“ eine faschistische Speisekarte. Interessanter ist da schon die Empörung in CDU-Kreisen.

Aber wer will auch schon das hören, was die Wahrheit ist, aber nicht gesagt werden soll? Deshalb reagiert die ehemalige Weinkönigin und stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Glöckner mit folgenden Worten: „Gleichschaltung gibt es in Systemen, in denen wir als Demokraten zum Glück nicht leben“. Daraus ist zu schließen, dass bei Frau Glöckler die Gleichschaltung der Merkel-Ära hundertprozentig erfolgreich funktioniert: Denn Frau Glöckler ist so gleichgeschaltet, dass sie weder ihre eigene Gleichschaltung noch diejenige der Medien, der Kultur und der nur von der AfD unziemlich gestörten politischen Klasse wahrnehmen kann.

Die Aufregung um den Vorsitzenden der Jungen Union, der schon bald mit einem hochdotierten Mandat im Europaparlament ruhiggestellt werden wird, ist nicht nur deshalb so groß, weil der gebrauchte Begriff irgendwie „Nazi“ ist. Vielmehr beschreibt das Wort „Gleichschaltung“ sehr genau die Situation in Merkels „marktgerechter Demokratie“, in der es zu allen Entscheidungen der Kanzlerin und des Machtkartells keine Alternative als „Populismus“, „Pöbel“ und „Dunkeldeutschland“ geben soll. Und was die Situation in Deutschland 2019 noch totalitärer macht, ist die Gleichschaltung des gesamten subventionierten Kulturbetriebs, der steuerhungrigen Amtskirchen und unzähliger Institutionen.

Keine westliche parlamentarische Demokratie hat ein solches Ausmaß der Gleichschaltung erreicht wie Deutschland: Wer hier nicht gegen Trump, gegen den Brexit, gegen Putin, gegen Orban oder gegen die AfD ist, der gilt als Besorgnis erregender Problemfall im Land der Gleichgeschalteten. Und da das Millionen Deutschen, die für sich eigentlich ausgeprägten Individualismus in Anspruch nehmen, zu konflikthaft, unbequem, ja gefährlich erscheint, schalten sie sich lieber selbst gleich, um im Heer der Gleichgeschalteten nicht aufzufallen oder als Nicht-Gleichgeschaltete irgendwelche Nachteile riskieren zu müssen.

So sehr viel anders dürfte das auch in den Jahren der Nazi-Herrschaft nicht gewesen sein. Nur waren der Druck und die Repressionen damals größer, die Folgen dramatischer. Ähnlich war es auch in der DDR. Doch beide deutsche Diktaturen verstanden sich bekanntlich nicht als freiheitliche Demokratien mit grundgesetzlich garantierten Rechten. Die Zustände in dem Staat, in dem wir zumindest zum Glück von Frau Glöckner leben, sind gerade deshalb so erbärmlich, weil es eine massenhafte freiwillige Gleichschaltung gibt. Darauf wollte der junge CDU-Politiker zwar nicht hinweisen mit seiner Kritik an der innerparteilichen Gleichschaltung. Doch er hat damit direkt ins Schwarze der verwahrlosten Republik getroffen.

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27 Kommentare

  1. Nicht die gesamte deutsche Bevölkerung ist „gleichgeschaltet“. Das sind nur fast alle Schrottpolitiker, Mainstreammedienfritzen, andere Beamte und Lehrer und Soziologen.
    Die Bevölkerung wundert sich nur wie langweilig, wie einfältig, wie fantasielos diese Riege ist.
    Die nehmen sich auch viel zu ernst, sie sind nur graue Einfalt an den Futtetrögen.

  2. Huch herrje ! Und ich dachte immer Gleichschaltung ist ein Begriff aus der
    Elektrotechnik .Der Adolf war doch Maler und nicht Elektriker ?
    Na, auch egal,es geht sowieso nur darum ,durchgehend ein Gefühl ständiger
    Hysterie und Aufregung am kochen zu halten,dass der doofe Michel ständig
    was zum Empören hat und nicht über die wirklichen Sauereien unserer
    hochkriminellen „Volksvertreter“ nachdenkt !

  3. Die Deutschen, aber auch andere, passen sich aus Bequemlichkeit an. Keine Gelbwesten, sondern lieber von der TV, aufs Sofa, und ARD schauen.
    Jeden Tag verliert der Mensch hier ein bisschen Freiheit, und merkt es kaum.
    Nur wer eben hier die JW liest, sieht ein bisschen eine andere Welt.

  4. Darum auch sollte keiner der JA sich nicht mal rechtfertigen fuer Aussagen, die in Bereich der Selbstverstaedlichkeit fallen; mindestens bis die Juso moechetgerne Kindermoerder ganz andere Aussagen sich leisten

  5. Der Führer war nachweislich Vegetarier, und wohin uns der Führer brachte und wie es endete wissen wir ja wohl alle.

  6. „Gleichschaltung gibt es in Systemen, in denen wir als Demokraten zum Glück nicht leben“.
    Hatte ich früher auch gedacht. Heute bleibt das nur noch eine Hoffnung auf bessere Zeiten.

  7. Eben voll-SOZIALISTISCH : Völlig egal, ob BRAUN oder ROT übertüncht, das Ergebnis bleibt sich gleich !

    Der Einwurf mit „Gleichschaltung“ ist nicht zu unrecht, aber blutleer. Der JUNGUNIONIST will nämlich Karriere machen und pokert mit Stimmungen.

  8. Es ist zum Kotzen: Hitler war Nichtraucher; ergo: MUSS ich denn jetzt rauchen?!?!? Oder Hitler hat zu Mineralwasser auch nichts anderes gesagt: wie zum Teufel soll ich denn jetzt politkorrekt Mineralwasser nennen?
    Oder heißt Volkswagen auch bald „Wagen derer, die schon länger hier leben“, also statt VW dann WDDSLHL???
    Ich weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll…. Ich fahre jedenfalls meinen VW weiter :-))

  9. Als Ossi durfte ich mir nach der Wende öfter die Frage anhören : “ wie konnte es in der DDR soweit kommen mit dem Bespitzeln
    und der Gleichschaltung des gesamten
    Staates und den Jubelaufmärschen. Und als Krönung des ganzen die arrogante Bemerkung von meinem Gegenüber : Ja,Ja und dann will es keiner gewesen sein.
    Sicherlich konnte man in der DDR leben sogar gut leben ,wenn man nicht allzusehr aus der Reihe tanzte.Aber dieser Staat existiert nicht mehr und das aus gutem Grund.Wenn ich mich heute in dem Land umsehe dann weiß ich das viele Menschen in Ost und West nichts vom Ende der DDR verstanden und schon garnichts gelernt haben und unsere “ wohlgeliebten und trefflich finanzierten Volksvertreter“
    schon lange nichts.
    So schauts aus.Bis zur nächsten Wende ,
    die wird meiner Meinung nach deutlich anders ablaufen.Von wegen keine Gewalt.

    • Die nächste „Wende“ – sofern sie denn je stattfindet und da darf ich mir sicher sein, daß Sie nicht von den Deutschen kommen wird – wird alles andere als „friedlich“ verlaufen.

      Ich glaube auch immer weniger, daß die letzte „Wende“ aus dem Volk heraus kam, sondern von den Strippenziehern so herbeigeführt wurde.

      Stichworte : Paneuropäische Union und das „Paneuropäische Picknick“, daß die eigentliche Grenzöffnung Ungarn/Österreich einleitete (11.09.1989)

      Nein, mit den heutigen Deutschen – das Gros lebt unbewußt, nicht selbstverantwortlich, will „geführt“ werden – ist nichts anzufangen. Nicht alle, aber in ihrer gewaltigen, „schweigenden“ Mehrheit.

      Karl Marx irrte : „Das Bewußtsein bestimmt das Sein“, nicht umgekehrt !

      Und genau deshalb liegt auf diesem Land der MERKEL-Mehltau………..

  10. Auf dem Parteitag 15 Minuten lang hirnlos klatschen und dann die Volksvernichterin mit 99,5% wiederwählen ! Wenn das keine Gleichschaltung ala`SED ist, weiß ich nicht mehr !

    • Man schaue sich Videos an von Parteitagen der SED,von Nordkorea oder der KPdSU in der Ex-Sovjetunion.Es sind die gleichen Fanatiker.Rückratlos und Karriereabhängig. Der Partei verpflichtet bis zum bitteren Ende.

    • Dann bleibt nur zu hoffen, dass das „bittere Ende“ noch rechtzeitig genug kommt und dann in ALLER BITTERKEIT für all die AKTIVEN BEIFALLKLATSCHER und deren „QUALITÄTSMEDIEN“!!!

    • Du weisst doch… Am ende rennt wieder nur das volk lachend in die kreissäge… Der rest nutzt einen seiner 3 jahresflüge um einen abstecher nach südamerika zu machen…

  11. ZITAT: „So sehr viel anders dürfte das auch in den Jahren der Nazi-Herrschaft
    nicht gewesen sein. Nur waren der Druck und die Repressionen damals
    größer, die Folgen dramatischer.“

    Druck und Repression sind dem Gegendruck angepasst. Wenn wir heute so kämpferisch wie damals und nicht so lasch wären, dann wären auch heute der Druck, die Repressalien und die Folgen dramatischer als sie es aktuell sind. Dann wären wir aber auch schon weiter. So werden wir nur weiter abgekocht. Je mehr wir das Merkel-Regime in die Enge treiben desto mehr wird der Druck steigen.

  12. Wer die Sprache bestimmt, beherrscht das Denken.
    Denn dann darf man alles sagen was man denkt, vorausgesetzt man denkt
    was man darf.

  13. Gleichschaltung darf man nicht sagen obwohl es der Wahrheit entspricht…..aber das linke Pack darf alles und jeden als nazi bezeichnen. Gut, dass es mir völlig egal ist was diese schwachmaten von sich geben.

    • Dabei sind die ROTEN und BRAUNEN geistige Blutsbrüder ! Nicht nur die Silbe „sozialistisch“ hat sie – in Wirklichkeit – geeint, sondern sehr viel mehr !

      Auch die DDR war eine Gleichschaltung ! Statt BRAUNHEMDEN liefen die BLAUHEMDEN herum, der „preußische Stechschritt“ wurde von der DDR-NVA hochgehalten, auch der Uniformschnitt und der Stahlhelm war der WEHRMACHT angelehnt……..

  14. Oh Gott, was machen wir jetzt?
    Die Nazis haben sicher auch gegessen und getrunken.
    Und Autobahn sowie 1. Mai.

    • Sagen Sie bloß keinem ROTFAHNEN-Träger, daß „sein“ 1. Mai in Wirklichkeit von den echten / historischen Nazis als Feiertag eingeführt wurde……………dann ist das Donnerwetter aber perfekt !

      Und die berühmten „Adolf-Autobahnen“ ? Ein Mythos !

      Die Pläne lagen schon vor 1933 fix und fertig ausgearbeitet vor. Dank „Versailler Vertrag“ konnten sie aus chronischem Geldmangel bis dahin nie umgesetzt werden.

      Auch ist es ein Mythos, die – 1933 – 6 Mio. Arbeitslosen seien durch den Autobahnbau beseitigt worden.

      Die für den Autobahnbau abgestellten Arbeitskräfte der „Organisation Todt“ zählte lediglich ca. 60’000 Köpfe, also gerade mal 1 Prozent davon !

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