Merkel-Kritiker nicht mehr FAZ-Herausgeber: Holger Steltzner geht im Streit mit Zeitungsspitze

Wolfgang Hübner

Foto: Imago

Die kurze Meldung auf der Titelseite der FAZ-Ausgabe vom 19. März 2019 enthält Brisanz für das Zentralorgan des deutschen Machtkomplexes, aber auch die meinungsbestimmenden Medien im ganzen Land: Holger Steltzner, einer der bislang vier Herausgeber, scheidet aus diesem Kreis offenbar mit sofortiger Wirkung aus. Denn in der Ausgabe des Vortages wurde Steltzner noch als einer der Herausgeber genannt. Die Formulierung in der Meldung lässt auf ein schweres Zerwürfnis schließen: „Die Grundlage für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen Herausgebern war nicht mehr gegeben.“

Mit dem 56-jährigen Steltzner verlässt einer der profiliertesten, offensten und allerdings auch letzten Kritiker des Merkel- und EU-Systems die Redaktionsspitze. Der langjährige Herausgeber (seit 2002) war für den Wirtschafts- und Sportteil zuständig. Unter seiner Verantwortung ist der Wirtschaftsteil sehr oft zum politischen Gegengift der nach links abgerutschten merkeltreuen und zudem von Russland- und Populismusphobie gekennzeichneten Politikredaktion geworden. Für viele Leser der Zeitung gehörten politische und wirtschaftspolitische Stellungnahmen von Steltzner zu den ganz wenigen Gründen, die FAZ noch zu beziehen. Einer der letzten wichtigen Beiträge Steltzners hatte die Überschrift „Klimareligion als Ablasshandel“. Das war wohl eine Wahrheit zuviel!

Die nun übrig geblieben Herausgeber Werner D’Inka, Jürgen Kaube und Berthold Kohler sind Garanten der weiteren Anpassung der FAZ an den linksliberal-grünen Zeitgeist. Kohler spielt zwar manchmal in seinen Texten den Konservativen, doch ernsthaft ist bei ihm nur ein schon manisch zu bezeichnender Hass auf Putin und die „russische Gefahr“. Kaube leitet das Feuilleton ohne erkennbare geistige Linie, in jedem Fall aber weit offen nach links samt einem sich gerne als kommunistischen Leninisten bekennenden Redakteur. D’Inka hingegen ist nur für den Regionalteil Frankfurt-Rhein-Main zuständig. Er verkörpert stets leutselig repräsentationssüchtiges Mittelmaß.

Der Konflikt im Herausgebergremium mit dem Resultat des Ausscheidens von Holger Steltzner signalisiert eine weitere dramatische Reduzierung des ohnehin schon sehr verengten Meinungsspektrums in den Medien in Deutschland. Gerade die FAZ und speziell ihr Wirtschaftsteil ist unter Mitgliedern der politischen und wirtschaftlichen deutschen „Elite“ die tägliche Hauptinformationsquelle und trägt mehr als jedes andere Medium zur Meinungsbildung in diesen Kreise bei. Der Paukenschlag in Frankfurt könnte noch folgenreich werden. Er steht jedenfalls an Bedeutung der Absetzung von Verfassungsschutzpräsident Maaßen kaum nach.

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29 Kommentare

  1. Die FAZ ist zum Hofberichterstatter verkommen. Über alles, was die GroKo an Mist verbockt, wird „mit Milde“ berichtet. Man könnte es auch manipulativ und einseitig nennen. Wir haben nach über 40 (!) Jahren noch im Sept.2015 unser Abo gekündigt. Wenn Holger Steltzner nun gegangen wurde, befindet er sich in guter Gesellschaft. Hugo Müller-Vogg musste auch weg. Joachim Fest wird sich im Grab umdrehen, was aus seiner Zeitung geworden ist. Sein Sohn Nikolas Fest, schreibt seit einiger Zeit die besten Texte für die AfD.

  2. Die Reihen der aufrechten Medienschaffenden werden zunehmend gelichtet von jenen konterrevolutionären Elementen, die von Merkelkritik bis AfD-Sympathiesanz die komplette Klaviatur des ultrarechtsextremen Dunkeldeutschlands bespielen. Die Große Vorsitzende, sie lebe hoch! hoch! hoch!
    P.S. Das hat nichts damit zu tun, dass Merkel in der DDR Fachfrau für Agitation und Propaganda war. Was sie damals gelernt hat, hat nichts mit nichts zu tun.

  3. Auch dieser Artikel zeigt mir: die Gleichschaltung der Medien findet statt. Wie findet sie statt? Indem die jeweiligen Trägerfamilien „eingenordet“ werden, indem die Spitzen zu Geheimverhandlungen nach Berlin eingeladen werden.

  4. Ein Blick in die Onlineausgabe der FAZ vom heutigen 20.03. zeigt, dass es um dieses Käseblatt nicht schade ist. Früher mögen die mal gut gewesen sein, das spielt heute keine Rolle mehr! Es kauft ja schließlich auch keiner ein mieses Auto von heute, weil die Firma vor 30 Jahren mal richtig gut war.

    Allein schon der abartige Kommentar zu den Kritikern der Klimablödelblagen reicht mir, um dort wochenlang nicht reinzuschauen.

  5. Ich habe seit den frühen 60er Jahren die FAZ, die mein Vater lange abonniert hatte, immer gerne mitgelesen. Das waren die Zeiten, als diese Zeitung noch konservativ war. Was ist bloß aus der FAZ geworden? Spätestens seit dem Abgang von Udo Ulfkotte verkommt dieses Blatt immer mehr zu einer „Frankfurter Rundschau 2.0“. Einfach nur traurig.

    • Damals waren die Zeiten auch konservativ, FAZ ein ein Medium der Mitläufer.
      Wenn Konservativ wieder in Mode kommt, dann ändert sich auch die FAZ

  6. Holger Steltzner ein Merkelkritischer Geist?????? Wie Bitte?????

    Mitnichten. Keinerlei ernst zu nehmende Kritik. Das Internet vergisst nicht. Ein typischer Systemling der nicht auch nur im geringsten eine Karriere in der Nach-Merkel-Zeit verdient. Leute wie Steltzner sind das Problem und nicht auch nur ansatzweise eine Lösung desselben. Lüge, Opportunismus, Duckmäusertum und einen Schuß linke Ideologie.

    Der kann weg!

    • Richtig. Aber was er verdeutlicht ist, dass (ebenso wie Maaßen) selbst ansonsten kuschelweich dem Merkelkurs Folgende in genau jenem Moment, wo sie nur einmal der Meinung ihrer Hosenanzüglichkeit zart zu widersprechen wagen (Steltzner in Punkto Klimareligion und Gretismus), sofort gekeult werden. Wenn es um Merkels Macht und Deutungshoheit geht, ist das von ihr etablierte DDR-ähnliche Denunzianten- und Ausputzersystem inzwischen autark handlungsfähig und radiert jede Karriere weg, die sich in Widerworten ergeht.
      Ebenso bezeichnend, dass in der FAZ z.B. ein bekennender radikaler Kommunist und damit offensichtlich verfassungsfeindlicher Gegner der freiheitlichen demokratischen Grundordnung seine menschenverachtende Ideologie verharmlosen und verbreiten darf, ein Kritiker der Schuldenpolitik der EU und der Klimahysterie aber nicht. Das hat nichts mit der im Artikel unterstellten Wandlung in Richtung „linksliberal“ sondern mit einem Wandel in Richtung „linksextremistisch“ zu tun. Bereits „liberal“ zu sein wird unter Merkel inzwischen gefährlich…

    • Allzu keck liegt bald im Dreck!
      Heike Schmoll, die mit treffenden Feststellungen das immer mehr verhunzte gelbschwarzrotrotgrüne Bilidungssystem aufs Korn nimmt, dürfte dann wohl auch bald abgesägt werden.
      In der aktuellen FAZ hat sie sich getraut , die von Merkel als Bildungsministerin ausgesuchte Dame als Fehlbesetzung zu entlarven.

    • Die haben noch den, sorry, Muschibonus. Frauen werden erst abgesägt, wenn man in den Reihen der Männer ausgeputzt hat. Aber dieser Bonus dürfte bald erledigt sein, der hält nicht ewig, vor Allem nicht wenn man Merkel zu widersprechen wagt.

  7. Wer liest überhaupt noch die FAZ oder ähnliche Zeitungen? Da reicht auch ein Blick auf Bundeskanzleramt. De – gleicher „Wahrheits“ gehalt….

  8. Das Narrenschiff „FAZ“ wird wie der Rest des politisch-medialen Komplexes
    bald auf Grund laufen und das ist gut so.
    Die Opportunisten sind diejenigen die jetzt von Bord gehen.

    • Er war nicht nur ein Merkel-Kritiker, sondern auch ein EU-Kritiker, beides Positionen, die man sich in diesem Land nicht leisten darf.
      Schade, daß er gegangen ist, aber irgendwann läßt sich auch der freieste Geist nicht mehr knechten.

    • Naja, Merkel hat er nicht allzu hart rangenommen. An der EU störte ihn nur die Schuldenpolitik. Aber der Kardinalfehler war das Bloßstellen der Klimahysterie als sektenähnliches Abzocker-Modell. Das mag Mutti gar nicht, dass da jemand ihr Lieblingshobby madig macht und ihren Freunden das Geschäft verhageln will.

  9. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß die „FAZ“ mit zur bundesdeutschen GLEICHSCHALTUNGS-Presse gehört, dann ist er nunmehr erbracht !

  10. Als ich die FAZ noch gelesen habe, war nichts zu spüren von einem Merkel-kritischen
    Steltzner. Der einzige kritische Geist war Don Alphonso, und der durfte auch nur rote C-Kader angehen. Die FAZ wurde von Feministen übernommen und hat im Rahmen von MeToo regelmäßig ganze Artikelserien produziert, um in übelster Weise über Männer herzuziehen … ein ekelhaftes, feministisches Drecksblatt.

    • Da müssen Sie aber mindestens schon vor einem Jahrzehnt und früher aufgehört haben die FAZ zu lesen. ich las sie nur noch WEGEN Steltzner.

    • Stimmt wahrscheinlich. FAZ-Print ist mehr als 10 Jahre her. FAZ-Net etwas mehr als ein Jahr, und zwar als Don Alphonso aufhören musste. Er ging zur WELT. Ich folgte ihm nicht und bin zufrieden. Den MSM-Konsum habe ich seitdem komplett gestrichen. Die kriegen von mir keinen einzigen Klick mehr. Ich sage voraus, dass die anderen FAZ-Herausgeber auch noch gehen müssen. Es gab mal einen Artikel in FAZ-Net, da fabulierte eine Feministin, wie herrlich das wäre, die FAZ komplett zu feminisieren und zu übernehmen, praktisch ein Emanzenblatt daraus zu machen. Ob das wirtschaftlich wäre, daran hat sie natürlich keinen Gedanken verschwendet … viel Erfolg; ist mir egal.

  11. So sieht sie aus, die hochgelobte Meinungsfreiheit in den Medien.
    Engels hat einmal den Satz geprägt: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit. Hier besteht die Notwendigkeit wohl darin alles systemgetreu unter die Menschen zu bringen.

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