Neu-Feudalzeitalter: Hohe Beamte kassieren zweimal und der Steuerzahler blecht

Ein Politiker bei der Arbeit (Symbolfoto: Von pathdoc/Shutterstock)

Berlin – Hunderte Beamte mit Spitzengehältern verdienen ihr Geld buchstäblich im Schlaf und haben nebenher noch so viel Zeit, um gleichfalls gut dotierte Jobs in der Wirtschaft zu erledigen. Erstaunt fragt die Bildzeitung: „Nicht ausgelastet – Hat unsere Regierung etwa nicht genügend mit der Arbeit für Deutschland zu tun?“

Nach einer Umfrage der Zeitung haben mindestens 648 Beamte und Angestellte aller Bundesministerien neben der GroKo-Arbeit noch Zeit für mindestens einen Nebenjob. Sie arbeiten als Berater in der Wissenschaft oder als gut bezahlte Vortrags-Redner. Unter den „Nebenjobbern“ sollen auch mehr als hundert Beamte sein, die ein vom Steuerzahler finanziertes Spitzengehalt einsacken. Gemeint sind Abteilungsleiter und Referatsleiter mit monatlichen Bezügen von fast 12.000 Euro und 8.400 Euro, die nochmals durch Zulagen aufgestockt werden. Dies entspricht laut Stern ungefähr dem Gehalt eines Oberbürgermeisters einer Stadt von 100.000 Einwohnern, der aber immerhin, wie in Gießen, Chef von fast 1.000 Mitarbeitern ist.

Als krasses Beispiel einer Abkassiererin nennt BILD die Abteilungsleiterin für „Digitales und Arbeitswelt“ im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Dr. Julia Borggräfe. Monatslohn brutto: 11.500 Euro.

Zu ihrer Nebentätigkeit schreibt die Zeitung: „Nebenbei“ ist Borggräfe Partnerin – also Chefin – der Beratungs-Firma „Autenticon“. Das Unternehmen hilft anderen Firmen u.a. bei der Personalentwicklung. Borggräfes „Einsatzbereiche“ laut Firmen-Internetseite: „Beratung, Coaching und Moderation“.

Mit diesem Zusatzbrot kann nicht nur die Abteilungsleiterin, sondern auch das Ministerium gut leben. Es gäbe keinen „Interessenkonflikt“. Zu Borggräfes Nebenverdienst gibt das Ministerium keine Auskunft. Sie habe für ihre Firma „in 2018 insgesamt drei Tage“ gearbeitet, behauptet ihr Arbeitgeber. Durch diese Tätigkeit könnten „keine dienstlichen Interessen beeinträchtigt werden“, grundsätzlich gilt: Wer in einem Ministerium beschäftigt ist, darf einer Nebentätigkeit nachgehen. Beamte müssen sich eine Genehmigung einholen.

Beim Nebenverdienst zeigt sich der Staat großzügig. Bis zu 40 Prozent des Grundgehaltes können eingestrichen werden. Das wären beim Spitzengehalt von 11.500 Euro satte 4.000 Euro Zuverdienst. Eine weitere Regel: Für Nebenjobs darf der Beamte höchstens ein Fünftel seiner Wochenarbeitszeit aufwenden. Das Merkwürdige ist, dass -bei gleichzeitiger Nebentätigkeit von Mitarbeitern- sich die GroKo erst vor wenigen Monaten fast 1.000 neue Ministeriumsmitarbeiter gegönnt hat, weil die ganze Arbeit sonst angeblich nicht mehr zu schaffen sei.

Nach BILD-Informationen gehen allein im Auswärtigen Amt rund 230 Beschäftigte einem Nebenjob nach, im Verteidigungsministerium sind es aktuell 92. Im Bundeswirtschaftsministerium sind es 15, darunter zwei politische Beamte. Weitere Nebenjobber gibt es im Justizministerium (92), im Familienministerium (38), im Entwicklungsministerium (58) und Gesundheitsministerium (33). (Verdienst: 4.500 Euro/Jahr). Auch im Finanzministerium wird fleißig nebenher gearbeitet.

Wer einmal im öffentlichen Dienst gearbeitet hat, weiß, warum viele Referenten und Abteilungsleiter viel Zeit für Nebentätigkeit haben. Das Geheimnis ist die Kunst des Wegdelegierens. So gibt beispielsweise ein Behördensprecher den Auftrag einer Presserklärung oder Rede an einen Pressereferenten, der wiederum leitet den Auftrag an seinen Sachgebietsleiter weiter, der zu 90 Prozent alle anfallenden Texte schreibt usw. Auf diese Weise werden Verwaltungen immer weiter aufgebläht. Die Arbeit bleibt an unteren Chargen hängen, und die Chefs haben Zeit für Nebentätigkeiten. Außerdem werden für viele Milliarden (Steuergelder) Berater engagiert, die die überlasteten Beamten und Politiker unterstützen sollen. Was für eine Schande. (KL)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Das ist schon lange bekannt. Besonders viel kann mit Gutachten gemacht werden. Und irgend ein Gutachten wird immer gebraucht. So unnütz dieses auch ist.

  2. Ja aber dafür hat man doch externe Berater eingestellt, dass die den Job der Politiker machen. War das nicht richtig?

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