Wer verlädt uns in Zukunft und wenn ja, mit was?

Schlaglicht

Foto: Durch Sopotnick/Shutterstock
Verbraucher- und umweltschädlich: Das E-Auto (Foto: Durch Sopotnick/Shutterstock)

100.000 Ladestationen bis 2020, ein ambitionierter Regierungsplan. Was dann drei Jahre später kommt, heißt Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, egal um welchen Preis. Wie viele der Ladetanken sind derzeit eigentlich in Betrieb? Etwa 1033! Genauer kann das keiner sagen. Die werden zwar fast alle mit Steuergeld gebaut, aber erstens gibt es davon eh zuviel und zweitens mehr dazu etwas später.

Im Flächenland Brandenburg sind es gerade mal 41, obwohl bei der Bundesnetzagentur derzeit insgesamt 117 öffentlich zugängliche Ladesäulen gelistet sind. Es herrscht Verwirrung. Da wird es schon schwierig, mit einer Ladung das Land zu durchqueren, wenn man nicht weiß, wo man tanken könnte. Zuvor muss klar sein, dass auch nur maximal 40 andere unterwegs sind. Sonst wird das nix mit der Laderei. Oder man braucht ein verdammt langes Kabel.

Hat die Regierung neben Pumuckl also einen teuflischen Plan in der Schublade, um das Verkehrsproblem und die Elektromobilität mit einem Schlag zu lösen? Sollen nur wenige tausende Erwählte in ihren dreimal so teuren, mit französischem Atomstrom surrenden Boliden, über unsere kaputten Straßen und Brücken rollen? Keine Staus, nur saubere Autos der weniger Reichen fahren, alles gut?

Brauchen wir uns auch keine Sorgen mehr zu machen über die Lithium-Akkus, die unter extremem Wasserverbrauch aus wasserärmsten Gegenden zusammengeklebt werden, oder die lästigen Windstromtrassen von Nord nach Süd, die niemand vor seiner Haustür haben will, auch wenn sie metertief im Boden vergraben sind?

Das ist alles akademisch. Dennoch drängt sich der Verdacht auf, dass das E-Mobil kein Massenverkehrsmittel werden wird. Zurück zu den Zahlen: Die mit Abstand meisten Anträge für 3.841 Ladestationen gingen in Arim Laschets NRW ein. Hier feiert der Aktionismus in Sachen Elektromobilität fröhliche Urstände. Doch bei näherer Betrachtung folgt die Ernüchterung: Erst 171 davon gibt es wirklich. Das rot-rot-grüne Berlin hält trotz dauerhafter Autobahnbaustellen, Megastaus und Straßenrückbau mit  460 Tanken einen mittleren Platz. Bayern liegt mit 1689 ganz vorne. Vorwärts in die elektrische Zukunft der selbstfahrenden BMWs, die dann endlich, weil alleine unterwegs, von München nach Nürnberg ohne Stau flitzen könnten.

Ein weiterer, wesentlicher Fehler hat sich bei der Übersichtlichkeit der neuen Stromtanken im Land eingeschlichen: Das, was in jeder Aral-Karte in den 70ern verzeichnet war, die Tanke, hat im digitalen Zeitalter und Scheuers Brave New Elektric World keinen verpflichtenden Eintrag. Eine Meldepflicht für Stromtankstellen gibt es nämlich nicht.

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26 Kommentare

  1. Wie Paradox doch alles klingt in unserer Bananenrepublik. Da werden AtomReaktoren abgeschaltet, Kohleausstieg und Öl und Gas sollen auch verschwinden wenn die Grünen könnten. Jetzt sollen mit aller Macht EAutos auf den Markt kommen mit einer geringen Reichweite welche ich mit meinem Diesel auf Reserve fahre. Ist das unser Fortschritt in Jahr 2020? Ganz zu schweigen die Umweltbelastungen zur Herstellung der Lytsium Batts.
    Zudem ist es nicht getan nur Ladesäulen aufzustellen sondern dies benötigt auch eine Menge an Trafostationen. Wird ein Kostenaufwand ihresgleichen. Ich jedenfalls fahre meinen Euro 6 SCR Diesel noch einige Jahre denn ich gebe der EMobilität keine große Zukunft. Die Rohstoffe geben es nicht her.

  2. Ich stelle mir das gerade bildlich vor. Das Gedränge von zig Millionen Pendlern an einem Freitag gegen 16 Uhr vor nur Hunderttausend öffentlichen Ladestationen. Herrlich !
    Nicht mal hundert AKW`s könnten spontan die benötigte Leistung erbringen.
    Und da du die Elektrokarre alle zwei tage stundenlang aufladen musst, …..

  3. Bei uns in der Straße steht so eine Ladestation (mit eigenem exklusiven Parkplatz für E-Autos) schon seit ein paar Jahren und ich habe noch NIE gesehen, dass dort ein Auto aufgeladen wird. Und ich wohne mit Sicherheit nicht auf dem Land.

  4. Die Elektroauto-Party bestimmt nicht der Wunsch der Deutschen oder die Aktivität der Pippi Langstrumpf, sondern der Hauptexportmarkt der Autoindustrie.

    Die Chinesen wollen damit
    1. die westlichen Patente in der Motorentechnologie canceln,
    2. Ihre eigenen Stärken in Sachen Akkutechnlogie (Catl) ausspielen
    3. Ihre Photovoltaik Industrie als Importsubstitution für Öl nutzen
    4. Die Luftqualität in den Städten verbessern.

    Alles in dieser Reihenfolge. Ob dabei in Schland irgendwelche Dieselfahrer Trauerarbeit leisten oder Schulschwänzer herumsülzen ist völlig irrelevant.

  5. Ich las einmal von einem Ingenieur, der sich mit sowas auskennt, was die E-Ladestationen in der Praxis bedeuten. Kleines Wohngebiet mit EFH 100 Familien, jede Familie hat ein E-Auto die Hälfte hat zwei wie es normal ist. Jetzt kommen die Besitzer nach der Arbeit nach hause und stöpseln ihre Autos an. Fast alle Gleichzeitig im Zeitraum von 2-3 Stunden. Für diese Last ist das Stromnetz und Stromanbindung des Wohngebietes gar nicht ausgelegt. Es müßten also neue Leitungen verlegt und neue Umspannwerke gebaut werden. Da der Weg zum nächsten großen Umspannwerk meißt mehrere Kilometer beträgt müssen kleinere in der Nähe der Verbraucher(E-Autos) gebaut werden was wieder die Elektrosmogjünger auf den Plan rufen wird. Viel Spaß mit dem Kram, das wird richtig teuer!

    • Ihr Beispiel war jetzt eine Einfamilienhaussiedlung, jeder eine Ladestation auf dem Grundstück oder in der Garage. Und nun mal in die Sozialbauten der 70ger Jahre, Neuperlach, Marzahn Gropiusstadt, Chorweiler, Ratingen-West, hängt da jetzt jeder sein Verlängerungskabel abends aus dem Schlafzimmerfenster?

    • Es geht nicht nur um die Stromanbindung des Wohngebietes. Selbst die Stromtrassen in der Straße und die Hausanschlüsse sind für diese Leistungen in der Regel zu schwach ausgelegt. Es kommt darauf an, wann die Elektro-Infrastruktur gebaut wurde. Desweiteren sind nicht nur die großen Umspannanlagen fällig für Erweiterungen, sondern auch die weit verteilten „Trafohäuschen“ und der Hausanschluß.
      Bei der ganzen Geschichte kommt es vor Allem darauf an, mit welcher Leistung die Ladestation arbeitet. Viel Leistung = kurze Ladezeiten.

      Hier ist was interessantes zu lesen:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ladestation_(Elektrofahrzeug)#Technik
      Auszug:

      Haupteinflussfaktor fahrzeugseitig für eine Schnellladung ist neben dem
      Typ und der Kapazität des aufzuladenden Akkus bei Wechselstromladung vor
      allem die Leistungsfähigkeit des verbauten Bordladers. Bei heute
      genutzten Kapazitäten von 10 bis 90 kWh sind für Ladezeiten unter 30
      Minuten Ladeleistungen von 20–180 kW notwendig, ohne dabei zusätzliche
      Hemmnisse wie Strombegrenzungen im oberen Ladebereich des Akkus
      überhaupt zu berücksichtigen. Eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose
      liefert 2,5 bis 3,6 kW; ein 400-V-/16-A-Anschluss 11 kW; ein
      32-A-Anschluss 22 kW; ein 63-A-Anschluss 43 kW.

      Was das für den eigenen Hausanschluß bzw. in einer Wohnanlage bei einer Tiefgarage für z.B. 100 Autos bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen.
      Den kompletten Aufwand für die notwendige Installation muss der Hauseigentümer selber bezahlen !!! Vielleicht braucht die Tiefgarage einen eigenen Trafo (dann kommen wieder die Bauverschriften).
      Darüber, daß die Stromanbieter noch gar keine entsprechenden Tarife anbieten, spricht überhaupt niemand.

    • Ich komme nach Hause, stecke das Ladekabel an das Auto, drücke während der Heizperiode einen Knopf, im Keller springt der gasbetriebene Senertec Dachs an, lädt mit 5 kw/el das Auto, heizt mit 12 kw thermisch das Haus und lädt einen Pufferspeicher.
      Kosten des Dachs gebraucht: 4000Euro mit MSR 1
      Alles kein Problem. Ich frag mich ernsthaft, warum so verbissen Ölimporte aus muslimischen Ländern verteidigt werden.
      Bloss weil Gutmenschen das Thema mit Weltverbesserung garniert haben?

    • Das Gas kommt aus Russland, genau wie vorher für die alte Gas-Niedertemperaturheizung.
      Kein Mehrverbrauch wg Brennwertnutzung.
      Das Problem bei der Debatte sind immer Leute, die sich für klüger halten, als sie sind.

      Btw, die PV Module (50Euro pro 250 Watt Modul gebraucht), mit denen ich im Sommer Strom für das Auto produziere kommen aus China und sind bei knapp 30ct/kwh Netzstrompreis allemal wirtschaftlich.

      Was nun? Oma Krause, die in ihrer Mietwohnung nicht laden kann interessiert mich nicht. Bin kein Sozialamt.

  6. Zum Schluss stehen auf jedem Stellplatz Ladestationen und der Platz für die Autos reicht nicht mehr aus.hahaha

  7. Zudem wird tatsächlich jede einzelne Ladesäule aufgeführt, also alle fünf einzeln z.B. an einer Autobahnraststätte…

  8. Ich hätte da eine Idee:
    Wenn demnächst die Innenstädte nur noch für Elektrokarren zugänglich sind,dann fahren wir eben mit einem E-Auto….aber….mit Anhänger.Auf diesem zuckelt dann,vor allem bei Überlandfahrten,ein Generator vor sich hin.

  9. Dazu kommt wahrscheinlich,das jeder Hersteller ein anderes Lade-und Steckersystem in ,,seine“Karren einbauen wird.Dann darf der Elektromobilist noch 20 verschiedene Adapter mit sich herumschleppen.

  10. Wenn etwa 40 % der derzeit verfügbaren Stromleistung durch die Stilllegung von Kernenergie und Kohlekraftwerke abgebaut werden, wo kommt dann die erforderliche gewaltige Mehrleistung für die E-Mobilität her? Aus Polen und Tschechien?

    • Der im Netz gespeicherte Strom kommt aus der Steckdose, so einfach geht das. Die Grünen erklären es auf Nachfrage gern.

    • Jetzt wo sie es so schreiben, leuchtet es auch mir ein. Was für ein Glück für uns das die Grünen physikalische Gesetze biegen, oder sogar ganz aufheben können.

    • Da bin ich jetzt froh, dass wir die Grünen haben. Ich hatte mir als Ingenieur schon Gedanken gemacht, wie das gehen soll.
      Da sieht man auch wieder, dass es gar nicht nötig ist, 8 Semester Elektrotechnik und Maschinenbau zu büffeln. Ein paar Jahre „Diplomtanzlehrer“, ein paar Semester „irgend was mit Medien“ – reicht, um die Welt vollständig zu erklären und alle Probleme zu lösen.

  11. Und wenn Benziner und Diesel verschwunden sind werden die Batterien für E Autos verboten da giftig.

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