Linke traurig: Haus von Karl-Marx-Buchhandlung kommt unter den Hammer

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Urvater aller Faschisten - Karl Marx - Foto: Collage (Foto: Collage)

Frankfurt – Hammer und Sichel sind die Symbole des real existierenden Sozialismus. Wenn im real existierenden Kapitalismus der Bankenmetropole Frankfurt ausgerechnet das Haus unter den Hammer kommt, in dem Frankfurts linke Vorzeigebuchhandlung untergebracht ist, so ist das ebenfalls ein symbolischer Akt. Die Linke Community ist beunruhigt. „Hier gibt es Wissenschaft und kritische Gegenöffentlichkeit: das Schaufenster der Karl-Marx-Buchhandlung in der Jordanstraße“, betitelt die FR das Foto von Linksszenefotograf Peter Juelich. Und dazu die Headline: „Das Haus, in dem die legendäre Karl-Marx-Buchhandlung ihren Sitz hat, wird zwangsversteigert“

Welch geistige Ergüsse sich hinter der Fensterscheibe des 1971 gegründeten Ladens verbergen, erfährt man beim Weiterlesen des Artikels:  In den Regalen stapelt sich das gesamte Sammelsurium des linken Spektrums. Neben den Klassikern aus der 68-Zeit-Philosophie, Soziologie, den Wälzern zur Kritik der politischen Ökonomie, nach Angaben der FR auch „viele neuere Titel zum Feminismus und zu Gender-Themen, zum Antirassismus, postkolonialer Kritik oder zur Theorie des Antisemitismus.“ Apo-Opas und -Omas gegen rechts können für ihre Enkel Kinderbücher kaufen. Weiterhin im Angebot: Belletristik und Zeitschriften.

Grund für die Gefährdung des linken Biotops, in dem schon 68er-Größen wie Adorno einkauften und Joschka Fischer, Daniel Cohen Bendit und Tom Königs als Kollektiv ein und aus gingen und der linke Verlag „Neue Kritik“ seine Verkaufsstelle hatte, ist ein erzwungener Besitzerwechsel. Was der neue Hausbesitzer vorhat, steht buchstäblich in den roten Sternen. Die bisherige Miete ist für Frankfurter Verhältnisse noch einigermaßen stemmbar. Die größte Angst der Inhaberin Verena Schaedel besteht jedoch darin, „dass der neue Eigentümer auf die Idee kommen könnte, das Ladengeschäft im Erdgeschoss zu renovieren – und neu zu vermieten“.

Damit wäre zumindest räumlich das Ende für eine „Linke Frankfurter Institution“ eingeläutet, die wie die FR prahlt, „nicht nur in Bockenheim, sondern auch in Basel und Berlin für Aufsehen“ sorgt. Ein Mitarbeiter vergleicht die Karl-Marx-Buchhandlung mit der „schwarzen Risse“ in Berlin und der „Schanzenbuchhandlung in Hamburgs Schanzenviertel“. Damit befindet sich die Bockenheimer Buchhandlung in der Jordanstraße buchstäblich in bester Gesellschaft. (KL)

 

 

 

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5 Kommentare

  1. Linke Literatur empfand ich schon immer allein wegen des Sprachgebrauchs als sehr abstoßend. Einfach widerlich….

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