Dem Heinerhofbauern sein Knecht über Deutschland anno 2019

Max Erdinger

Dem Heinerhofbauern sein Knecht (Foto: Pixabay)

Dem Heinerhofbauern sein Knecht ist zwar politsch informiert seit es auf dem Heinerhof Internet gibt, aber er hat sich in der Einsamkeit des Hofes hoch über dem Tal eine innere Distanz zu dem Trubel bewahrt. Wenn die Sonne scheint, dann nimmt er Bello den Hofhund mit und begibt sich hinaus auf die Wiesen und in die Wälder, um nach dem Rechten zu sehen. Dann lauscht er dem Windesrauschen in den Baumwipfeln, hört dem Specht zu, der an den Eichen klopft und kommt in der Stille seiner Umgebung wieder zur Ruhe.  Noch ist Winter, es gibt nicht viel zu tun – und so traf ich ihn auf der Sitzbank vor der Haustür sitzend an, wo er versonnen in die bereits kräftige Februarsonne blinzelte. Eine Flasche Rotwein stand im Schatten auf dem Boden neben ihm.

„Servus, Knecht!“, grüßte ich ihn und nahm neben ihm Platz. „Servus, alter Schreibgriffel“, erwiderte er, „hast du wieder einmal zu mir heraufgefunden? Magst du einen Schluck?“ Er reichte mir die Flasche.

Den Heinerhofbauern braucht man nichts zu fragen. Wenn man lange genug schweigend neben ihm sitzt, fängt er von selbst an, zu erzählen, was er sich so denkt. Ob ich heute schon meine E-Mails „gecheckt“ hätte, wollte er wissen. Das bestätigte ich und er fragte: „Glaubst du das, daß die SPD nach ihrem Linksruck wieder auf den zweiten Platz vorgerückt ist?“ Das hatte ich gelesen. Bei web.de und bei gmx.net stand es auf der Hauptseite. „Nein, im Leben nicht“, antwortete ich. Er glaubt es auch nicht, sagt er, weil: Die SPD kann jede Nachricht über sich selber erfinden und verbreiten. Und daß er es lange nicht gewußt hat, daß  beim Kreisboten die Sozen im Hintergrund das Sagen haben. Umfragen, sagt er, sind auch schon lange keine Begründung mehr für den Wahrheitsgehalt von irgendwas. Weil die, die gefragt werden, eh von nichts eine Ahnung haben. Wenn die SPD Umfragen als Begründung angibt, sagt er, dann haben sie wahrscheinlich repräsentativ einen ihrer Ortsverbände befragt, vielleicht auch zwei. AfD-Wähler haben sie bestimmt nicht gefragt. Nichtwähler auch nicht. Die Sozen bleiben immer dieselben verlogenen Maulaffen, sagt er. Auf das, was die behaupten, braucht man nichts zu geben. Bloß vor ihren Unverschämtheiten muß man sich schützen, sagt er. Mit den Grünen ist es nicht anders.

Der Habeck von den Grünen, sagt dem Heinerhofbauern sein Kecht, dem haben sie komplett gar ins Hirn geschissen. Der will jetzt in erneuerbare Energien, Netze, Batteriesysteme, in Speicher, neue Industriezweige und die Digitalisierung investieren. Also nicht von seinem eigenen Geld, fügt er an, um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen. Der Habeck, erzählt der Knecht, will jetzt gute Ideen von Existengründern fördern – und zwar von „meinem und von deinem Geld“. Satte 25.000 Euro will er auszahlen lassen an jeden, der eine gute Idee hat für eine Firmengründung in einem erneuerbaren Industriezweig, der den nachhaltigen Wandel recht geschlechterdemokratisch voranbringt. Er hat sich schon überlegt, ob er ins Tal hinunter fahren soll mit seinem Moped, um sich in der Kreisgeschäftsstelle der Grünen 100.000 Euro für vier gute Ideen abzuholen. Er hätte jeden Tag vier gute Ideen, sagt der Knecht. Wenn er nur einmal die Woche hinunterfährt, könnte er in einem Monat Millionär sein. Geld ist ihm aber ziemlich wurscht. Deswegen fährt er auch nicht und sitzt stattdessen lieber in der Sonne auf der Bank vor der Heinerhof-Haustür.

Was soll er auch mit dem ganzen Geld für seine guten Ideen? Sich die Landschaft kaufen? Die hat er auch so schon, sagt er. Und sonst braucht er nicht viel. Mit den Weibern ist er auch durch, seit sie mordsmäßig schlau geworden sind. So blöd müsste er sein, daß er Geld für Weiber ausgibt, die ihm den letzten Nerv rauben. Unterm Strich ist er ohne Weib besser dran, glaubt der Knecht. Jedenfalls in Deutschland, wo die Merkel ein abschreckendes Beispiel für Weib ist. Und die ganzen anderen Politweibsen genauso. Die würden ihn ja schon für umsonst nerven. Blöd müsste er sein, ihnen auch noch sein Ideen-Geld hinterherzuwerfen. Wenn der Bauer und die Bäuerin vor ihm sterben, erbt er den Hof, sagt er. Das wird aber wahrscheinlich nicht passieren. Und deswegen ist eh schon wurscht, wer den Hof erbt. Kinder haben der Bauer und die Bäuerin keine. Er und ich, sagt er, wir seien sowieso die letzten, die den Heimatblick haben. Die anderen Schlaumeier schauen bloß noch auf die ganze Welt und beschäftigen sich mit Negerzählerei.

Ob ich gewußt hätte, warum der Habeck immer als Buchautor geführt wird, will er wissen. Na ja, sage ich, weil er halt Bücher geschrieben hat. Ja, das stimmt, erwidert der Knecht, aber was für Bücher das seien, ob ich das auch wisse? Kinderbücher seien es meistens gewesen, klärt er mich auf. Zu den Grünen hat dem Heinerhofbauern sein Knecht keine Fragen mehr. Die seien zwar mordsmäßig öko, sagt er, aber wahrscheinlich sind sie zu blöd, einen Stall auszumisten. Von denen hat noch keiner eine Mistgabel in der Hand gehabt. Eine Sense auch nicht. Dann ist er kurz ruhig und richtet seinen Blick in den blauen Februarhimmel. Er zeigt auf einen Flieger, der weit oben ganz klein im Sonnenlicht glitzert und zwei weiße Streifen durch das endlose Blau zieht. „Da fliegen sie wieder umeinander, die Ökos“, sagt er, „nach Hindervordistan oder sonstwo hin, um den armen Leuten dort zu erzählen, was die Fliegerei für eine Umweltsauerei ist. Oder einfach so zum Spaß.“

Sozen und Ökos sind die letzten Heuler. Da sind sich der Knecht und ich einig. Die braucht kein Mensch. Ärgerlich ist halt, daß sie von unserem Geld leben. Da sind sich der Knecht und ich ebenfalls einig. 100.000 Euro für vier gute Ideen. Der Habeck spinnt. Wenn der sich einfach dafür stark machen würde, daß die Leute gründen und machen können, was und wie sie wollen, anstatt sich von einem Paragraphendschungel und dem Finanzamt jede gute Idee aus dem Leib prügeln zu lassen, dann kämen die guten Ideen auch von selber durch, ohne daß man sie prämieren muß. Der Habeck ist ein Depp, sagt der Knecht, weil: Der glaubt an keinen Gott mehr, sondern an den Staat. Das ist ungefähr das Dümmste, was man glauben kann, fügt er an. Im Grunde glaubt der Habeck, sagt er, daß mein Geld gar nicht mir, sondern ihm gehört. Und daß man ihn für sein saudummes Geschwätz bezahlen muß. Wenn der einfach das Maul halten würde, sagt der Knecht, dann wäre es billiger für alle.

Über die Demokratie habe er in der letzten Zeit auch viel nachgedacht, fährt der Knecht fort. Er ist froh, daß ihn das nicht sonderlich betrifft, weil der Heinerhof seit jeher undemokratisch funktioniert hat, ohne daß jemand unzufrieden geworden wäre dadurch. Aber was man im Internet über die Demokratie erfährt, auf die sie im Tal unten so große Stücke halten, – also da fragt er sich schon, ob sie im Tal alle gegen den Mähdrescher gelaufen sind.

Letzte Woche sei dem Moosleitner sein Bub abends zu ihm auf den Hof heraufgekommen. Der junge Moosleitner arbeitet beim Landratsamt, weil er für die Landwirtschaft zwei linke Hände hat. Aber sonst sei der junge Mossleitner ein Pfundskerl. „Knecht, paß´auf!“, hätte ihm dem Moosleitner sein Bub erzählt, „morgen kommt der grüne Migrations-Meyer von der Abteilung Flucht & Unterkunft zu dir herauf, um nachzuschauen, ob ihr da heroben genug Platz habt, Islamisten unterzubringen. Am gescheitesten wäre, wenn von euch keiner daheim wäre und alles verschlossen und verriegelt ist. Sonst hocken sie euch da heroben recht demokratisch fünf junge Bombenbastler ins Austragshäusel.“ Nur ein Geschiß hat man mit diesen Demokraten, sagt der Knecht.

Jedenfalls: Der Migrations-Meyer im Landratsamt sei ein fanatischer Gründemokrat, in seinem Fanatismus kaum vom ehemaligen Gauleiter zu unterscheiden. Und ein Fitness-Typ ist er auch, der mit dem Elektro-Radl jeden Berg hinauffährt, anstatt daß er ein Moped nimmt. Dem hat er dann einen Strich durch die grüne Demokratenrechnung gemacht. Am nächsten Tag, erzählt der Knecht, habe er sich an der Wegbiegung unten mit einer Brotzeit hinter der Kapelle versteckt und auf den Migrations-Meyer gewartet. Angezogen habe er sich das schwarze Kostüm vom Tod mit der großen Kapuze, das er beim Bauerntheater früher für seine Rolle als Sensenmann gebraucht hat. Vorne ist ein Skelett draufgedruckt. Wie der Migrations-Meyer auf Höhe der Kapelle gewesen ist, sei er dann aus seinem Versteck hervorgesprungen wie der leibhaftige Gevatter Tod, und habe dem Migrations-Meyer einen Ast in die Speichen von seinem E-Bike gesteckt, daß er kopfüber abgestiegen ist. Dann hat er gebieterisch ins Tal hinuntergezeigt, der Migrations-Meyer hat sich käsebleich aufgerappelt und jammernd die Flucht angetreten. Von wegen demokratisch Bombenbastler unterbringen, bei ihm auf dem Heinerhof heroben. Nix als Flausen im Kopf, die Demokraten, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht.

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Dem Heinerhofbauern sein Versteck – Foto: Imago

Die Gendarmen seien dann auf dem Heinerhof aufgekreuzt und wollten wissen, ob er im Zusammenhang mit dem Migrations-Meyer etwas beobachtet hat. Der Gründemokrat vom Landratsamt hätte sich einen Arm gebrochen. Aber er hat nichts gesehen, hat der Knecht den beiden Spezln von der Polizei gesagt und ihnen ein Schnapserl angeboten. Er kennt sie schon ewig. Dann hätten sie sich alle drei angegrinst und die Gendarmen seien wieder ins Tal zurückgefahren.

Das ist Heimat, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, wenn man seine Leute kennt und keine Demokratie braucht, um zu wissen, was man will und was nicht. Einigkeit und Recht und Freiheit, sagt er, kannst du nur mit deinen „Buddies“ haben. Ob ich gewußt hätte, daß man die Leute aus der Heimat „Buddies“ oder „Homies“ nennt? Im Internet heißen die so, sagt er. Eine Demokratie braucht man nicht, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, wenn man Einigkeit und Recht und Freiheit sowieso schon hat. Eine grüne Sozendemokratie, sagt er, ist außerdem auch nichts anderes als ein Mähdrescher, mit dem man Schafe verprügeln kann. Braucht kein Mensch, sagt der Knecht.

In München hätten sie dieser Tage eine Sicherheitskonferenz gehabt, fuhr er fort. Er wüsste aber nicht, wieso die Konferenz so geheißen hat, weil die Merkel völlig frei dort herumgelaufen ist und auch noch ihr fades Pappdeckelgeschwätz hat verbreiten dürfen. Mit Sicherheit hat das nichts zu tun, meint der Knecht. Wenn das Demokraten sind, die dieser Heimsuchung applaudiert haben, dann braucht man erstrecht keine Demokratie, sagt er. Der ehemalige Chef vom Verfassungsschutz, der Maaßen Hans-Georg, hätte derweilen in Köln ganz was anderes erzählt – und dort seien es ebenfalls Demokraten gewesen, die ihm applaudiert haben. Von wegen Einigkeit. Auf diese Migrationsdieselflucht- & Feinstaubdemokratie kann er verzichten. Und dann gäbe es ja noch diesen absoluten Spitzendemokraten, den eh keine Sau zu verhindern können scheint, den Soros Georg, den schwerreichen Gottseibeiuns, den heimatlosen. Der macht sowieso, was er will mit seinem ganzen Schmiergeld. Und wenn es schon Demokratie sein muß, unbedingt, dann höchstens so eine wie in der Schweiz. Suppsidität … Supidenti … Subsidiarität sei das, was eine Demokratie ausmacht, nicht dieses zentralistische Diktatorengetue aus dem globalen Landratsamt. Subsidiarität in Vollendung ist, sagt der Knecht, wenn jeder sein eigener Demokrat sein darf und alles das selber regelt, was er selber regeln kann. Das mit dem Migrations-Meyer habe er zum Beispiel eigendemokratisch regeln können. Also braucht er die geschissene grüne Zentralsozendemokratie nicht. Davon ist der Knecht überzeugt. Die Zentralglobalsozen sollen sich nach Norddeutschland verbrunzen, wo die Landschaft so flach ist wie ihr feinstaubiger Verstand. Grüne Zentralsozendemokraten haben auf dem Heinerhof heroben nichts verloren, sagt er.

Dem Heinerhofbauern sein Knecht reichte mir die Rotweinflasche noch einmal und während ich den Kopf in den Nacken legte, konnte ich schon wieder Grüne am Himmel fliegen sehen. „Was für Arschlöcher“, sagte ich und wischte mir den Rotwein aus dem Mundwinkel. „Genau“, antwortete der Knecht, „solche Buddies braucht kein Homie“. Dann machte ich mich auf den Heimweg. Allerweil ist der Februar richtig schön. So ein richtiger Vormärz, wie er einem vorkommt mit dem ganzen Sonnenschein und dem blauen Himmel vor dem März.

 

 

 

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12 Kommentare

  1. Ein Refugium der Stille mit der Wahrheit des einfachen Volkes 🙂
    Hoffen wir, das der Vormärz wirklich einen schönen heißen Sommer 1848 ähh 2019 entfesselt

  2. ,,Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.“

    -Jiddu Krishnamurti, indischer Philosoph

  3. Gesunde Gedanken zu einer kranken (Um)Welt. Ich hatte schon gedacht es gäbe ihn nicht mehr aber er scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen.

  4. Gott sei Dank, ich hatte schon befürchtet, dem Knecht ginge es schlecht, er sei krank oder gar dahin geschieden!
    Aber er lebt noch und hat immer noch ein gutes Verständnis der Welt.
    Heute Nacht kann ich gut schlafen! Dir wünsche ich das auch, Knecht!

  5. Sehr luzide und amüsant!
    Halt das Gegenteil der Sozen und Krünen. (Also ich meine alle jenen Merkelschen, die bei der Anmerkung „Großes und Kleines Blutbild“ gleich mit wichtigem Ausdruck am Himmel suchen gehen (Chebli Merkel halt).

  6. Vom Heinerhofbauern seinem Knecht lange nichts gehört.
    Was ist eigentlich aus der Sache mit der grünen Antonia geworden, der der Heinerhofbauern sein Knecht damals so aus der Haut fahren liess?

    Tja, auch heute fing der Tag hier sonnig an und er wäre es geblieben, wenn nicht minütliche Flieger den Himmel so langsam mit Schleier überzogen hätten.
    Also, ich rede hier nicht von Chemtrails oder sowas, sondern einfach nur davon, das der Flugverkehr behaupte ich einfach noch wesentlich mehr zugenommen hat als der PKW-Verkehr.
    Aber gut, die fliegen ja auch nicht mit Diesel, muss also überhaupt nicht thematisiert werden.

    Ansonsten volle Punktzahl für den Heinerhofbauern sein Knecht!

  7. Ja, sehr schön was der Heinhofer Knecht so von sich gibt. Ich kann ihm nur von ganzem Geist und Gemüt zustimmen.
    Ja, weit ab vom Dorf und der Stadt muß man leben und einen Hund streicheln, dann weiß man, dass man schon ganz ok ist und unten, draussen, die Wahnsinnigen, die Gierigen, die Dauerpuertierden toben , dieses unproduktive, unfruchtbare, schräge, öde Pack.

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